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Sep 20

Bernhard Roetzel im Interview (1): “Gute Schuhe wichtig für den Gentleman-Look”

Stilpapst Bernhard Roetzel

Bernhard Roetzel ist Autor diverser Bücher über elegante Herrenmode und gibt Seminare über Kleidung und die richtigen Umgangsformen. Im ersten Teil des Interviews mit dem Gentleman-Blog verrät er, wie er zu seinem Beinamen „Stilpapst“ kam, woraus die Grundausstattung eines Gentleman besteht, und was sein modisches Lieblingsaccessoires ist.

Herr Roetzel, Sie gelten und bezeichnen sich selbst als „Stilpapst“. Wer hat Ihnen diesen Beinamen verpasst und wie kam es dazu?

BR: Der Titel kam im Freundeskreis auf, natürlich als Spaß. Ich habe die Bezeichnung dann häufiger selbstironisch verwendet und jetzt ist sie fast offiziell. Wobei ich natürlich nicht die Gefühle von Katholiken verletzten möchte.

Amüsiert sich ein Stilpapst gelegentlich über die Kleidung anderer Männer, oder verdreht es Ihnen vielmehr den Magen, wenn Sie Männer in kurzen Hosen, ausgetretenen Sandalen und weißen Tennis-Socken sehen?

BR: Ich beobachte das alles, es betrifft mich persönlich aber genauso wenig, wie ein Arzt von einer Krankengeschichte betroffen ist, über die er im Fernsehen hört. Ich habe überdies wenig missionarischen Eifer in Modedingen.

Dennoch haben Sie über Mode Ihr weltbekanntes Buch „Gentleman. Handbuch der klassischen Herrenmode“ geschrieben. Es wurde mittlerweile in 18 Sprachen übersetzt. Haben Sie insgeheim mit diesem Erfolg gerechnet, und wie erklären Sie sich den großen Erfolg?

BR: Den Erfolg habe ich beim Erscheinen des Buchs 1999 weder erwartet noch erhofft. Als der Erfolg sich dann abzeichnete, habe ich mich natürlich sehr gefreut. Auch heute noch ist es ein tolles Gefühl, wenn ich E-Mails von Lesern aus allen Weltteilen bekomme. Den Erfolg zu erklären, ist schwer, vor allem für den Autor des Buchs. Vielleicht liegt es an der Mischung aus Detailreichtum, humorvoll-ironischem Schreibstil und spürbarer Begeisterung des Verfassers.

Stand Ihr Buchtitel „Gentleman. Handbuch der klassischen Herrenmode“ von Anfang an fest?

Ganz und gar nicht. Er entstand im Verlag, zunächst mehr ironisch – wie mein Titel „Stilpapst“ -, dann wurde es ernst. Ich war zuerst sehr skeptisch. Aber da lag ich mit meiner Einschätzung daneben.

Sie sind nicht nur Autor, sondern Sie halten auch spezielle Seminare zu Kleidung und Dresscode. Was kann man(n) da lernen?

BR: Es gibt ja das Goethe-Wort „Man sieht nur, was man weiß“. Bei den Seminaren lernt man, was man sehen soll. Und ich erzähle natürlich spontan sehr viele Details und Anekdoten, die das Ganze dann sehr würzen.

Welche Seminare werden am besten besucht?

Das Seminar über die Grundlagen des klassischen Stils ist in verschiedenen Abwandlungen sehr beliebt. Ich habe es schon vor hunderten von Menschen gehalten, in Firmen und bei offenen Seminaren.

Wie setzt sich die modische Grundausstattung eines Gentlemans zusammen?

BR: Das hängt jeweils sehr stark von den Lebensumständen ab. Vielleicht ein dunkelblauer Anzug, ein Sportsakko, ein Smoking, ein paar graue Hosen, zwei bis drei Paar rahmengenähte Schuhe, etwa 10 Hemden, einige Krawatten, Pullover, Bootsschuhe, Chinos sowie Kord- oder Moleskinhosen für die Freizeit, ein Covert-Coat, ein Trenchcoat und vielleicht eine Wachsjacke.

Welche Rolle spielen die Schuhe?

BR: Gute Schuhe sind natürlich sehr wichtig für den Gentleman-Look. Mit den falschen Schuhen gehören Sie nicht zum Club dazu.

Raten Sie zu einem Maßanzug, sofern man über das nötige Kleingeld verfügt?

BR: Ein Maßanzug von einem guten Schneider ist das Optimum. Man muss aber Sinn für Handarbeit und das Ritual haben, sonst ist es Geldverschwendung. Vor allem muss man genau wissen, was man will. Daran hapert es bei vielen Männern.

Ein Gentleman zeichnet sich zu einem nicht unwesentlichen Teil durch seine Kleidung aus. Kann man auch ohne teure Garderobe ein vollwertiger Gentleman sein?

BR: Sicher. Die Garderobe eines Gentlemans muss nicht zwangsläufig teuer sein. Wozu gibt es Ebay und Second-Hand-Läden? Und natürlich nackt im Bett.

Und was ist Ihr persönliches Lieblings-Modeaccessoires?

BR: Ich mag auffällige Farbe an unerwarteter Stelle, zum Beispiel bei Strümpfen, Hosenträgern oder dem Futter von Anzügen. Wobei das natürlich eigentlich auch ein alter Hut ist. Aber es macht Spaß.

Lesen Sie auch den zweiten Teil des Interviews mit Bernhard Roetzel:
Ein Gentleman muss Persönlichkeit haben



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5 Responses to “Bernhard Roetzel im Interview (1): “Gute Schuhe wichtig für den Gentleman-Look””

  1. zeichnet sich der gentleman nicht am ehesten durch sein verhalten aus? man könnt fast meinen dass ein paar rahmengenähte schuhe und ein einstecktuch ausreicht, dem ist leider aber nicht so.

  2. lukas sagt:

    Durchaus. Auf die Persönlichkeit und das Verhalten eines Gentleman kommt Herr Roetzel im zweiten Teil seines Interviews mit dem gentleman-Blog zu sprechen, das in Kürze erscheint.

  3. Isabella sagt:

    Ich sah Herrn Rötzel kürzlich in TV-Berlin bei der Buchvorstellung “Der Gentleman”.
    Er machte einen total ungepflegten Eindruck weil er einen ca. 4 Tage-Bart trug und dieser ungehemmte Wildwuchs in Gesicht und Hals auch noch von ersten grauen Haaren durchsetzt war. Und wer möchte so einem Mann schon mal in die Haare fassen, wenn man den Eindruck hat, an einem halben Pfund Pommade kleben zu bleiben.
    Nein, dieser Mann hat absolut keine Ahnung, was Frauen gefällt. Bezeichnung Gentleman fehl am Platze!

  4. Paul W.P.S. sagt:

    Vielleicht liegt es an meinen verbesserungswürdigen deutsch, aber ich verstehe die Stelle: “Und natürlich nackt im Bett.” nicht. Kann mir jemand helfen?

  5. Herr Bernhard Rötzel ist mein Vorbild in Sachen Herrenmode und hat mir mit seinen Büchern sehr dabei geholfen, den Begriff “Gentleman” zu verstehen und dessen Bedeutung zu leben.

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