Archive for Oktober, 2009

Okt 23

Interview mit Stilcoach Uwe Fenner (1): “Benimmregeln erleichtern das alltägliche Zusammenleben”

Stilcoach Uwe Fenner im Interview mit dem Gentleman-Blog

Stilcoach und Buchautor Uwe Fenner spricht im Interview mit dem Gentleman-Blog über die Manierenverfall der “Achtundsechziger”, den tieferen moralischen Sinn von Benimmregeln und erklärt, wer bei einem Date von Mann und Frau die Rechnung zahlen sollte.

Herr Fenner, die ersten Worte Ihres Buches „Erfolgreich mit Stil“ lauten „Benimm ist in“. Waren Benimmregeln denn jemals „out“?

Oh ja, die Generation der „Achtundsechziger“ hat Benimm nicht nur abgelehnt, sondern geradezu als „spätbürgerlich und spießig“ verdammt. Nur wenige selbstbewusste und kultivierte Familien haben in den Zeiten zwischen 1970 und 1990 ihre Kinder überhaupt erzogen. Heute schlägt das Bewusstsein um – zum Glück: Denn zu einem guten Inhalt gehört immer auch eine gute Form, wie der Bilderrahmen zum Gemälde.

Geschmack und guter Stil war früher eine Art Luxusgut, das nur einer kleinen Gruppe vorbehalten war. Wann kamen Benimmregeln für weite Teile der Gesellschaft in Mode?

Für den guten Geschmack mag das zutreffen. Das ordentliche höfliche Benehmen hingegen wurde auch in einfachsten Verhältnissen hoch gehalten. Schon immer hat die Elite ihre Gepflogenheiten an andere Teile der Gesellschaft weitergegeben. Es sind ja im Grunde nur Regeln. Mit der Weitergabe dieser Regeln haben wirklich erst die Achtundsechziger aufgehört.

Sind die Benimm- und Kniggeregeln zeitlos, oder verändern sich diese im Zeitverlauf zum Teil auch?

Die zeitlose Generalklausel lautet: „Gutes Benehmen ist „alterozentriert“. Das heißt man genießt nicht allein seinen eigenen Vorteil, was einer „egozentriert“ entspricht, sondern sieht zu, dass dem anderen mein Verhalten gefällt. Der Franzose sagt: „Gutes Benehmen, das ist après vous – nach Ihnen“. Das sagt eigentlich alles. Da hat sich im Generellen nichts geändert. Nur ein paar früher artige Gepflogenheiten haben sich durch Veränderung der Lebensumstände geändert. Zum Beispiel macht man, seit sich das Telefon durchgesetzt hat, keinen unangemeldeten Höflichkeitsbesuch mehr, wie er früher üblich war.

Benimmregeln gelten aber nicht nur, um anderen zu Gefallen, oder Stil und Etikette ihrer selbst Willen zu wahren.

Richtig. Der tiefe Sinn von Benimmregeln ist es, das alltägliche Zusammenleben zu erleichtern! Wenn ich den anderen Menschen durch meine Höflichkeit Freude mache, erleichtert das den Umgang miteinander. Wenn ich mich in die Wünsche anderer Menschen hineindenke, kommt es weniger zu Kollisionen und seltener zu Missverständnissen. Wenn ich den anderen durch Höflichkeitsgesten ehre, verbessere ich damit automatisch die Stimmung. Nur wenn derlei Gesten nicht verstanden und nicht erwidert werden, oder diese von meinen Mitmenschen vielleicht sogar zu ihrem eigenen Nutzen ausgenutzt werden, dann kann’s auch schon mal krachen.

Welche grundlegenden Verhaltensregeln sollte sich jedermann für sein Alltagsleben aneignen?

Andere Menschen nicht durch unangenehme Geräusche, üble Gerüche, dumme Redensarten, peinliche Bewegungen oder einen visuell grässlichen Auftritt zu bepeinlichen. Und vor allem ehrlich sein. Das Ehrlichkeitsgebot findet nur da seine Grenzen, wo man den anderen mit Ehrlichkeit beleidigen würde. Man sagt zum Beispiel nicht ‘Sie sehen heute aber wieder fürchterlich aus’. Eine weitere Verhaltensregel lautet, dem anderen zuhören, ihn aussprechen lassen und ihn niemals unterbrechen. Des Weiteren gilt: Sich nicht vordrängeln, nicht mit vollem Mund sprechen und auch nicht beim Essen mit dem Besteck gestikulieren, den anderen Menschen durch freundliches Grüßen ehren, Aufstehen, wenn der andere steht oder sich zum Grüßen nähert. Eine weitere Grundregel lautet, keine Vorteile in Anspruch zu nehmen, die man sich erschlichen hat oder die einem nicht zustehen. Gutes Benehmen hat immer auch eine höchst moralische Dimension.

Viele Knigge-Regeln drehen sich rund um Tischmanieren beim Essen. Nennen Sie uns bitte die wichtigsten Grundregeln.

Neben dem “nicht mit vollen Mund sprechen” und dem mit dem “nicht Besteck gestikulieren” gilt ferner: Mit dem Essensbeginn warten, bis alle anfangen können. Niemals mit dem Ellenbogen den Tisch berühren. Und die gegebenenfalls nicht benutzte Hand liegt genau bis zum Knöchel auf dem Tisch.

In welchen Ausnahmefällen ist es gestattet mit den Händen statt mit Besteck zu essen?

Im Bierzelt oder wenn es Fingerschalen zum Waschen der Finger an jedem Platz gibt.

Woran sollte ein Mann beim Date im Restaurant mit einer Frau seine Entscheidung festmachen, ob er die Rechnung zahlt oder nicht?

Wenn es sich um eine Frau handelt, die wie der Mann im Berufsleben steht und Geld verdient, sollten sich die beiden darum streiten, wer bezahlen darf. Der „Unterlegene“ in diesem Streit verspricht, das nächste Mal zu zahlen, und tut es auch! Nur wenn der Unterschied in puncto Finanzen sehr groß ist, darf sich der Geringerverdiener öfter einladen lassen – egal, ob Mann oder Frau.

mitLesen Sie auch den zweiten Teil des Interviews mit Uwe Fenner über die Bedeutung von Benimm und Soft Skills im Berufsleben und das richtige Business-Outfit.

Okt 19

Mode Zitate: Oscar Wild

zitate

Oscar Wilde (1854-1900):

“Nichts ist so gefährlich wie das Allzumodernsein. Man gerät in Gefahr, plötzlich aus der Mode zu kommen.”

Okt 17

Der Gentleman ist tot. Lang lebe der Gentleman!

Buchrezension: Der Gentleman

Der Gentleman sei ausgestorben, tönt es immer wieder in den heutigen, hektischen Tagen. Das Gegenteil sei der Fall, behauptet jedoch der Journalist Martin Scherer. Denn der Gentleman sei ein zeitloses Ideal, dass weder Stammbaum noch Wohlstand benötige. Es handle sich um eine Haltung gegenüber der persönlichen Umwelt, ja um eine Geisteshaltung zum Leben allgemein: „Hinter dem Gentleman verbirgt sich – ausdrücklich oder nicht – eine bestimmte Lebenskunst, eine Form der Lebensführung, in der sich in besonderer Weise Reflexion und Erfahrung, stolze Einsamkeit und soziale Kultur verdichten.“

Tugend, Pflicht und Lebenskunst

Was im antiken Griechenland der Philosoph war, im Mittelalter der Ritter und später der Edelmann, gilt uns heute eben als Gentleman. Zu deutsch ist es etwas altmodisch der Ehrenmann, während das englische gentle liebenswürdig und gütig bedeutet. Der Gentleman ist kultiviert, höflich, stilvoll, bescheiden, großzügig, ehrlich und hat auch sonst all das verwirklicht, was man einst Tugenden nannte. Gutes Benehmen ist für ihn ebenso zur zweiten Haut geworden, wie gute Kleidung. Er übertreibt und prahlt dabei nicht, Angemessenheit ist seine Devise. Nichts dient der Show, nur was wirklich authentisch ist und nicht nur so scheint, ist wirklich gentlemanlike.

Martin Scherer schreibt dem Gentleman dabei eine stoische Ruhe zu, die mit einer pessimistischen, zumindest nihilistischen Weltsicht einhergeht. Zwar hätte der Gentleman es sich zur Aufgabe gemacht, den Alltag mit all seinen Kleinigkeiten und scheinbaren Belanglosigkeiten als Fest zu zelebrieren. Er ließe sich aber durch eine gewisse Distanziertheit von den Dingen nicht aus der Ruhe bringen, geschweige denn vom Strom der Gefühle übermannen. Hier stößt der Autor an die Gratwanderung des wirklichen Gentlemans, zwischen selbst auferlegter Pflicht und ausgelebtem Ehrgefühl. Gentleman zu sein, sei eine Lebenskunst, stellt Martin Scherer sehr zutreffend fest.

Der Gentleman als Vorbild für alle?

Während die französische Bezeichnung gentilhomme dem Adel vorbehalten bleibt, hat der „englische Gentleman […] als Vorbild den Übergang von einer aristokratischen zu einer demokratischen Gesellschaft mitvollzogen. Er wurde zum kollektiven Diskurs.“ Der Gentleman sei so ein „klassenloses Ideal“ geworden, das auch in einfachen Gesellschaftsschichten vorkomme. „Er ist Spiegel einer Sehnsucht nach Wohlgeratenheit, nach der Humanitas des Menschen.“ So selten der Gentleman in vollkommener Ausprägung also vorkommt, so steht es jedoch heutzutage jedem offen, sich dieses Image zu verdienen.

Der Autor unterschlägt dabei aber, dass der Gentleman wohl nur in der konservativen bis liberalen Gedankenwelt vorkommt. In der linken hingegen dürfte er als überkommenes Modell der Wohlstandsgesellschaft mit überflüssigen Riten gelten. Einen Punk, der einer Dame die Tür aufhält, ohne ihr Kleingeld im Sinne zu haben, kann man sich auch nur schwerlich vorstellen. Geschweige denn einen Globalisierungsgegner im Anzug, der sich vom Tisch erhebt, wenn eine der anwesenden Frauen aufsteht oder der bei gutem Wein und einer gepflegten Zigarre über Proust philosophiert.

Wissen und Bildung scheint für Martin Scherer überhaupt keine Voraussetzung zum Gentleman-Sein zu sein, auch wenn er seine eigene Belesenheit manchmal etwas aufdringlich klarstellt. Es benötigt also nicht den Mann von Welt, wie es z. B. Winston S. Churchill war, den viele als den letzten wirklichen Gentleman bezeichnen. Stattdessen liegt das ehrbare Verhalten schon in der kleinen Handlung, deren ernst gemeinte Motivation den einen oder anderen Fauxpas entschuldigen ließe.

Bewusst kein Ratgeber

Das Buch grenzt sich gezielt von den zahllosen Ratgebern zu Stil und Persönlichkeit ab und dient selbst auch nicht als ein solcher. Die Lektüre des kleinen Essays macht den Leser auch keineswegs mittels des vermittelten Wissens zum Gentleman. Sie kann aber als Inspiration dienen, mit der Arbeit an sich selbst anzufangen bzw. fortzufahren.

Dadurch wird das Buch ebenso zeitlos wie der Gentleman-Begriff selbst. Denn Hemdkragen, Krawatten und Schuh-Moden mögen sich ändern, das Understatement jedoch nicht. Deswegen kann man auch über die etwas profane Taschenbuch-Aufmachung hinwegsehen. Vielleicht wurde aber auch explizit auf edlen Leineneinband und Lesebändchen verzichtet, damit die inneren Werte alleine überzeugen können.

Der Gentleman als Ideal

Der Gentleman bleibt schließlich ein Ideal, dem wir alle nachstreben können. Paradoxerweise können wir selbst nie sagen, es erreicht zu haben, denn das widerspräche der angemessenen Bescheidenheit des Gentleman. Das Urteil, ob jemand ein Gentleman ist oder ob er wie einer handelt, können also nur andere fällen. „Meist markiert das Prädikat Gentleman eine Außenansicht, eine Hülle, in der Konvention, Manieren und guter Geschmack zusammenkommen. Es versorgt eine nach Gediegenem hungrige Ästhetik mit Assoziationen an eine Welt verbindlicher Codices. Im vagen Bild des geschliffenen Edelmannes artikulieren sich Nostalgie, Sehnsucht und Projektion gleichermaßen.“ Als Gentleman bezeichnet zu werden, ist und bleibt also eine Auszeichnung, eine Art Qualitätssiegel. Und daran wird sich wohl auch so schnell nichts ändern.

Martin Scherer: Der Gentleman. Plädoyer für eine Lebenskunst, München 2007, 8,90 Euro

Gastbeitrag BuchtestDiese Rezension wurde von Felix Struening, Chefredakteur von BuchTest, verfasst. Der Buchkritiker stellt uns hier regelmäßig Bücher vor.

Okt 12

Die Wahl der Kleidung ist Kommunikation

Regeln für das Outfit

In zwischenmenschlichen Beziehungen kommt letztendlich auf die inneren Werte an. Doch es ist nicht möglich, in die Köpfe der Menschen hineinzuschauen. Um den Mitmenschen bestimmte Signale zu senden, tragen daher viele Menschen durch die Wahl ihrer Kleidung ihr Inneres nach außen. Zum Beispiel kleidet sich ein Punker nicht zufällig mit gefärbten Haaren und abgenutzten Klamotten. Sein Erscheinungsbild ist ein Statement. Ähnlich verhält es sich bei einem Geschäftsmann, der adrett gescheitelt daher kommt und mit seiner Kleidung auf Kunden und Geschäftspartner kompetent und vertrauenswürdig wirken möchte.

Die richtige Kleidung als Türöffner

Kleidung ist somit ein Kommunikationsmittel, mit der jedermann sich seinen Mitmenschen mitteilt, wie er oder sie in etwa einzuschätzen ist. Dessen sollte man sich bei der Wahl seiner Kleidung bewusst sein. Denn sowohl im privaten als auch im Berufsleben hat die Kleidung unmittelbare Auswirkung auf die Wirkung auf andere. Kleidung kann Türen öffnen und Türen schließen.

Keine zweite Chance für den ersten Eindruck

Der erste Eindruck ist wichtig, und für ihn gibt es keine zweite Chance. Es mag überraschend klingen, doch zahlreichen Untersuchengen zufolge wird der erste Eindruck nur zu ca. 10 Prozent von dem bestimmt, was wir inhaltlich mit unseren Worten von uns geben. Stimme und Sprachstil machen weitere 30 Prozent aus. Der erste Eindruck wird zum Großteil (60 Prozent) von nonverbalen Signalen wie Kleidung, Aussehen und Körpersprache bestimmt. Dementsprechend kommt der Kleidung bei der Beurteilung von Mitmenschen eine Schlüsselrolle zu.

Grundregeln fürs Outfit

In Hinblick für ein gewinnendes und überzeugendes Outfit, speziell im Berufsleben, gelten daher einige grundlegenden Regeln. Für den „Erstkontakt“ mit noch unbekannten Menschen gilt das im Besonderen.

  • Tragen Sie Kleidung, in der Sie sich wohl fühlen.
  • Treten Sie gepflegt auf, vom Scheitel bis zur Schuhsohle. Das Erscheinungsbild sollte zudem der Umgebung angemessen, das heißt weder under- noch overdressed sein.
  • Entwickeln Sie im Berufleben einen zeitgenössischen aber persönlichen Stil, der zu ihrer Branche passt.
  • Achten Sie auch Wertigkeit und Klarheit, selbst wenn ihnen einen begrenztes Budget für Kleidung zur Verfügung steht. Das gelingt schon über eine geschickte Farbwahl und die passende Kombination einzelner Kleidungsstücke.
  • Wer diese Regeln im Hinterkopf hat und sich daran orientiert, erhöht sowohl privat wie beruflich seine Chancen, positiv auf die Mitmenschen zu wirken und „gut rüberzukommen“.

    Im Endeffekt zählen die innere Werte

    Die angemessen Kleidung ist aber nur der erste Schritt für die gewünschte Wirkung. Je besser man seine Mitmenschen kennen lernt und je intensiver die private oder berufliche Beziehung ist, desto eher zählen die inneren Werte, und die Bedeutung der Kleidung tritt in den Hintergrund.

    Okt 02

    Etiketten-Schwindel – oder: Woran erkenne ich einen guten Wein?

    wein

    Jeder kennt die Geschichte vom Kollegen, dem Weinexperten, der ein Weinetikett nur kurz angucken muss, um Geschmack und Güte treffend zu beurteilen. Für viele ist damit der Wunsch verbunden, ebenfalls ein paar Tricks und Kniffe zu beherrschen, die einen ziel- und stilsicher zum „richtigen“ Wein im Regal führen. Doch derlei Tricks gibt es nicht.

    Andere Länder, andere Etiketten

    Wer sich intensiv mit dem Thema beschäftigt, kann aus dem Mix aus Weinregion, Rebsorte, Jahrgang und Preis sicherlich in etwa auf den Geschmack schließen. Aber ein „Trick“ im Wortsinne ist das nicht. Stattdessen ist es das Ergebnis von hartem Probieren und viel Neugier – also nichts, was einem über Nacht zufliegt.

    Zudem enthalten Wein-Etiketten zwar viele festgelegte Informationen. Allerdings sind diese Festlegungen von Land zu Land und von Weinregion zu Weinregion völlig unterschiedlich. Zum Beispiel ist der Begriff „Riserva“ in Italien und Spanien ein gesetzliches Gütesiegel, während die Verwendung in anderen Ländern dem Gutdünken der Winzer obliegt. Hat man mühsam die deutschen Qualitätsstufen ‚Kabinett‘, ‚Spätlese‘ etc. begriffen, muss man feststellen, dass es diese andernorts gar nicht gibt. Und so weiter und so fort. Selbst für Weinkenner bedeutet das ein ziemliches Wirrwarr.

    Drei Strategien für heikle Wein-Terrain

    Wie also kann man sich halbwegs stilsicher auf diesem zwar genussreichen, aber bisweilen auch heiklen Terrain des Weines bewegen? Drei Strategien bieten sich an.

    Dem Weinhändler vertrauen

    Eine bewährte Strategie ist der Gang zu eine seriösen Weinhändler. Dieser berät seine Kunden und bietet bisweilen auch kleine Kostproben an. So ist zumindest sichergestellt, dass der erworbene Wein auch schmeckt. Zudem hat ein Weinhändler oft auch noch eine kleine Geschichte zum Präsentieren parat. Beim Ausschenken sollte man die Anekdote jedoch nicht mit einem „Mein Weinhändler hat gesagt…“ zum Besten geben, sondern eher weltmännischer daherkommen, zum Beispiel in dem man den Weinhändler in seinen Erzählungen weglässt und mit „Über diesen Wein sagt man…“ beginnt.

    Klotzen statt Kleckern

    Mit teurem Bordeaux oder Burgunder aus Frankreich, Brunello oder Barolo aus Italien, bzw. Ribera del Duero aus Spanien kann man in Sachen Image wenig falsch machen. Doch Vorsicht: Schmecken tun diese Weine nur bedingt, da man sie meist einige Jahre lagern muss, bevor sie wirklich Freude bereiten. Zudem ist es kostspielig, denn für weniger als 20 Euro sind diese Weine nicht zu haben.

    Bescheiden beginnen

    Die dritte Strategie lautet: Fangen Sie bescheiden an! Dazu bieten sich beispielsweise Weine aus einer bestimmten Region oder einer bestimmten Rebsorte an. Die Faustregel lautet hierbei: Probieren und daraus lernen, was den persönlichen Geschmack trifft und was nicht. Wer sie sich in einem Bereich auskennen, kann seine Begeisterung dann auch anderen mitteilen.

    Stil ist…zu wissen, was gut ist! Selbst wenn auf dem Etikett nicht Bordeaux Cru Classé sondern Riesling Rheinhessen steht, kann das wider alle Etikette immens viel Stil haben.

    gastbeitrag-meevioDieser Gastbeitrag wurde von den Wein-Experten von meevio verfasst. Die Weinkenner veröffentlichen hier regelmäßig Artikel, die uns die Vielfältigkeit der Weine näher bringen.

    Okt 01

    Stilpapst Bernhard Roetzel im Interview (2): “Ein Gentleman muss Persönlichkeit haben”

    Stilpapst Bernhard Rötzel im Interview mit dem Gentleman-Blog

    Im zweiten Teil des Interviews mit „Stilpapst“ Bernhard Rötzel spricht der Buchautor über die Coolness und die Umgangsformen eines Gentlemans, über seine Vorbilder und gesteht, selbst nicht in allen Lebenslagen ein Gentleman zu sein.

    Die Bezeichnung Gentleman klingt recht elitär. Wie „cool“ darf oder muss ein Gentleman sein?

    BR: Es kommt drauf an, wie man cool definiert. Wenn man Phileas Fogg (Jules Vernes Romanfigur aus „In 80 Tagen um die Welt“, Anm. d. Red.) als „cool“ bezeichnen will, dann ist der Gentleman ganz bestimmt „cool“. Cool im Sinne von blasiert, hat dagegen nichts mit Gentleman zu tun.

    Was unterscheidet einen Gentleman von einem Kavalier?

    BR: Ein Gentleman ist immer auch Kavalier. Wobei Kavalier vom Wortstamm aus lateinischen Sprachraum stammt, insofern schwingt da immer etwas von Schürzenjäger und Schmeichler mit, was der Gentleman nicht ist.

    Mit welchen Mode-Grundregeln für ihr Auftreten können Männer sich die Bezeichnung „gentlemanlike“ verdienen.

    BR: Man muss einfach immer nur passend zur Situation erscheinen und jede Art von Kleidung mit der gleichen Selbstverständlichkeit tragen.

    Wenn es um Mode und Accessoires geht, haben Frauen einen deutlich breiten Spielraum als Männer. Womit können Männer über Schuhe, Anzug und Hemd hinaus Stil und Individualität beweisen?

    BR: Mit Ihrer Persönlichkeit. Man muss überraschen und die Leute zum Lachen bringen können. Und vielleicht mit farbigen Strümpfen.

    Zur Persönlichkeit zählen auch die gelebten Umgangsformen. Welche Umgangsformen zeichnen einen Gentleman aus?

    BR: Ein Gentleman muss sich benehmen können. Darunter verstehe ich, dass er jedem Menschen das Gefühl geben kann, dass er wichtig und wertvoll ist. Jesus Christus war ein Gentleman, ihm sollten wir alle nachstreben.

    Wie lautet die Grundregel in Hinblick auf Anstand und Umgangsformen.

    BR: Ganz einfach: Was Du nicht willst, das man dir tut, das füg´ auch keinem anderen zu. Das gilt immer und überall.

    Wer sind Ihre Vorbilder, wenn es um Mode und Umgangsformen geht?

    BR: Die Figur des Siegried Farnon aus der Serie „All Creatures Great And Small“ beziehungsweise seine Ausstattung hat mich außerordentlich stark beeinflusst. Außerdem ist Prince Charles eine große Inspiration für mich.

    Verraten Sie uns zum Schluss bitte noch, in welchen Situationen Sie selbst alles andere als ein Gentleman sind.

    BR: Ich war natürlich in zahllosen Momenten meines Lebens kein Gentleman, und es wird mir auch in Zukunft immer wieder misslingen. Aber ich versuche jeden Tag, ein besserer Mensch zu werden. Ob es mir gelingt, sei dahingestellt. Allerdings darf ich wohl sagen, dass ich die kleinen Dinge des guten Umgangs mit Menschen stets beachte, also zum Beispiel Tür für andere Leute aufhalten etwas aufheben, wenn jemandem etwas herunterfällt, Hilfsbereitschaft zeigen und Gastfreundschaft.

    Lesen Sie auch Teil 1 des Interviews mit Bernhard Roetzel: “Gute Schuhe sehr wichtig für den Gentleman-Look”