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Nov 02

Interview mit Stilcoach Uwe Fenner (2): “Gutes Benehmen hilfreich für die Karriere”

Stilcoach Uwe Fenner

Stilcoach Uwe Fenner spricht im zweiten Teil des Interviews mit dem Gentleman-Blog über die Bedeutung von Manieren in der Geschäftswelt, das angemesse Business-Outfit und gibt ein Plädoyer pro Benimmregeln.

Herr Fenner, Sie sind nicht nur Stilcoach sondern auch seit vielen Jahren als Personal- und Unternehmensberater tätig. Wie viele Karrieren haben Sie schon wegen mangelhaften Benehmens scheitern sehen?

Eine genaue Zahl kann ich Innen nicht nennen. Aber viele Karrieren scheitern daran, dass der Betroffene mehr versprochen hat, als er zu halten vermochte. Wenn er zusätzlich noch ruppig war und seine Vorgesetzten nicht höflich behandelt hat, dann ist’s schnell zu Ende auf der Karriereleiter.

In Stellenangeboten von Unternehmen wird immer wieder die Relevanz ausgeprägter Soft Skills betont. Inwieweit sind Soft Skills auch gleichzeitig Benimmregeln und Etikette?

Soft Skills bezeichnen die so genannten menschlichen Faktoren, diejenigen Eigenschaften, die ein Mensch im Unternehmen zeigt, die nicht zu den leicht messbaren Erfolgen zählen, also guter Umgang mit Mitarbeitern, Lieferanten und Kunden. Das ist die „Sozialkompetenz“. Hohe Sozialkompetenz besitzt nur ein Mensch mit gutem Benehmen.

Was sind die wichtigsten Soft Skills beziehungsweise Benimm- und Ettiketteregeln für eine erfolgreiche Karriere?

Die wichtigste Regel für eine erfolgreiche Karriere ist hier erneut, wie schon oben gesagt, die Alterozentriertheit. Das „Sich-hinein-denken-Können“ in die Mitmenschen mit ihren Fragen, Problemen, Nöten, Ängsten und Schwächen und Stärken. Und dann die vornehme, freundliche, trotzdem natürlich zielorientierte Behandlung, Führung und Motivation dieser Menschen. Das ist eine hohe Kunst.

Gemeinsam mit dem Institut für Stil und Etikette geben auch Seminare für Benimm- und Business-Kleidungsregeln. Wer sind ihre Besucher?

Ich gebe überwiegend Seminare für Unternehmen und ähnliche Institutionen, zum Beispiel auch an Hochschulen und anderen Weiterbildungsinstituten oder auf Messen. Dann kommen, wie auch bei meinen Publikumsseminaren, zu denen sich jedermann anmelden kann, 60 Prozent Frauen und 90 Prozent Menschen, die sich in „Weiße-Kragen-Berufen“ befinden und die Karriereleiter aufsteigen wollen. Sie sind teils Angestellte, zum Beispiel in Banken oder großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und Anwaltskanzleien oder Selbständige, die sich gesellschaftlich perfektionieren wollen. Die meisten Teilnehmer sind dabei keineswegs völlig ahnungslos in Sachen Stil & Etikette. Aber es gibt niemals einen, der das schon alles weiß und kennt.

Welche dieser Veranstaltungen haben den größten Zulauf?

Bei den Publikumsveranstaltungen, die mein Institut für Stil und Etikette zum Teil selbst produziert und zum Teil aber auch in Kooperationen mit Partnern veranstaltet, dominiert der Klassiker: Das Viereinhalb-Stunden-Seminar „Guter Stil und Etikette“, das auch ein Drei-Gänge-Menü mit einschließt.

Wie erklären Sie sich den hohen Zulauf beziehungsweise den Nachholbedarf?

Menschen, die ein positives Image ausstrahlen wollen, die Karriere machen und in der Gesellschaft respektiert werden möchten, wollen heute nicht mehr so abgerissen rumlaufen, wie ihre Eltern, auch nicht so unappetitlich essen. Sie wollen „alles richtig machen“. Diese meist jüngeren Zeitgenossen gehen mit diesem Thema auch leidenschaftslos um. Während Angehörige meiner Generation sich teilweise zu Unrecht schämen, in eines meiner Seminare zu gehen, sehen die Jüngeren das einfacher: Ihnen ist bewisst, wenn ihnen diese Kenntnisse fehlen. Sie sagen sich, „in Mathematik habe ich eine Zwei gehabt, in Sport eine Eins, aber Stil und Etikette gab’s weder in der Schule noch an der Uni. Also muss ich da hin.“ Meine Seminare sind für den Umgang mit Menschen das, was für den Körper das Sportstudio ist!

Kommen wir zu Mode und dem klassichen Business-Outfitt hochrangiger Personen. Wie sieht das aus?

Es ist nicht vorrangig eine Modefrage. Der Topmanager trägt im internationalen Geschäftsleben einen durchgehenden dunklen Business-Anzug, zwei- oder dreiteilig, dunkelgrau oder dunkelblau, vielfach sogar schwarz, was ein bisschen einfallslos ist. Der sehr offizielle Business-Anzug hat allenfalls das klassische Nadelstreifenmuster, und dieses auch nur, wenn er dunkelblau ist, oder er ist ungemustert. Der Anzug ist ein- oder zweireihig. Das Hemd dazu besitzt Doppelmanschetten, die mit goldenen oder silbernen Manschettenknöpfen, am besten solchen mit kleinen Gapouchons (ovalen Halbedelsteinen), niemals mit Brillianten oder Diamanten besetzt sind, ist weiß oder pastellfarben oder blau-weiß bzw. rot-weiß gestreift, die Strümpfe reichen bis zu den Knien und sind mindestens so dunkel wie der Anzug, besser eine Nuance dunkler, die Schuhe sind oben und unten aus Leder und sind schwarz.

Bei welchen Anlässen sind und bleiben Anzug, Schlips und edle Herrenschuhe für Männer ein ungeschriebenes Gesetz?

Ich denke als Business-Outfit sind Anzüge etc. in Geschäftstätigkeiten im Umfeld von Banken und internationalen Anwaltskanzleien und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften sowie von Unternehmensberatungen sowie auch in den Top-Etagen großer Unternehmen selbst Pflicht. Das gilt insbesondere für den internationalen Geschäftsverkehr. Außerdem nutzen Gastgeber und Teilnehmer von Events, zu denen als Teilnehmer Businesspeople, Politiker und/oder Wissenschaftler erwartet werden, diese offizielle Businesskleidung. Ebenfalls gehört sie zu allen geschäftlichen Dinner- oder Cocktailpartys. Als festliche Kleidung gehören Anzug und Schlips zum korrekten Outfit in der Oper, in Konzerten, zu offiziellen Abendessen, zu welchen keine Abendgarderobe wie Frack oder Smoking vorgeschrieben ist, zu offiziellen Empfängen und zu Hochzeiten in der Kirche.

Und für weniger offizielle Anlässe?

Es gibt natürlich auch weniger offizielle Kleidung im Business, die sehr schön und sehr passend sein kann und die auch in anderen Berufen bzw. Unternehmungen üblich und angebracht ist. Für tagsüber beispielsweise die klassische Kombination aus einer eher braun-gemusterten Tweedjacke und einer mittelgrauen Hose, zu welcher durchaus braune Schuhe getragen werden.

Wie sieht das Business-Outfit für Damen aus?

Die Damen tragen entsprechendes Outfit mit Kostümen und Hosenanzügen. Sie können aber genau so gut auch Kleider tragen. Für Damen gibt es eigentlich keine genauen Muss-Vorschriften, eher Don´ts, wie zum Beispiel im Büro Spagettiträger und Sandalen zu tragen. Sandalen sind für die Herren übrigens genauso ein Tabu.

Gibt es in Sachen legerer Kleidung so etwas wie eine Altersgrenze?

Das kann man so nicht sagen. Für Jeans jedenfalls gibt es eher eine Figur-Grenze. Jeansträger müssen schlank sein, sonst sollten sie es lassen. Das gilt auch besonders für Damen.

Zu guter Letzt: Wie lautet ihr Plädoyer pro Benimmregeln?

Ob gutes Benehmen materielle Vorteile bringt, weiß ich nicht hundertprozentig mit Ja zu beantworten. Zumindest können guter Stil und Etikette nicht schaden. Dass gutes Benehmen aber immaterielle Vorteile, vor allem Imagevorteile bringt, weiß ich sicher. Und da ein gutes Image häufig auch zu persönlichen und beruflichen Erfolgen führt, ist es dann doch häufig mit auch materiellen Erfolgen verbunden. Vor allem aber: Man selber fühlt sich einfach viel wohler, wenn man anderen Menschen den Vortritt lässt, die Tür aufhält, und ihnen einen gesitteten Anblick beim Essen bietet. Das ist allemal ein Grund, Benimmregeln ernst zu nehmen. Nur eines sollte man beachten: Man soll sie mit einer gewissen Mischung aus Lässigkeit und Noblesse anwenden, nicht verkrampft und überkorrekt. Man soll den mittleren Knopf des Jacketts im Stehen und beim Gehen zugeknöpft haben, aber wenn im Eifer des Aufstehens mal die Zeit nicht reicht, sich vor dem Handschlag noch schnell zuzuknöpfen,…was soll’s? Aber danach muss man es dann tun, wenn man stehen bleibt.

Lesen Sie auch den ersten Teil des Interviews mit Uwe Fenner über Benimmregeln un den Manierenverfall der “Achtundsechziger”



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One Response to “Interview mit Stilcoach Uwe Fenner (2): “Gutes Benehmen hilfreich für die Karriere””

  1. Knigge sagt:

    Die letzte Aussage ist wohl die Treffenste. Es lässt sich Materiell nicht einschätzen, schlecht oder gar schaden wird es aber in keinem Fall. Und wenn die passende Etikette nur dazu führt das man(n) nochmals Eingeladen, bzw. nicht gleich ausgeladen wird, ist doch schon viel gewonnen.

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