Archive for Januar, 2010

Jan 30

Fundgrube: Gentleman Linktipps (2)

Wir haben uns wieder auf die Suche nach interessanten Links gemacht und sind fündig geworden. In der zweiten Ausgabe der Gentleman-Linktipps stehen Modetipps sowie Knigge für das reale und virtuelle Leben im Vordergrund. Voilá!

Gentleman Linktipps

Der Winter war und ist hart. Ohne Schal kann es in der Kälte schnell ungemütlich werden. Heutzutage ist ein Schal aber längt nicht mehr nur ein praktischer Gegenstand um sich gegen die Kälte zu schützen, sondern hat sich zu einem modisches Assessoire entwickelt. Manrevolution zeigt, auf welche verschiedene Weise sich ein Schal tragen lässt.

Typenberatung für Männer: In ihrem Herrenmoden-Blog gibt Ute Tipps und verrät Tricks, wie man(n) durch die geschickte Wahl der Kleidung und der Farben optisch größer wirken kann.

Zu welchem Anlass die passenden Schuhe und darf man Schuhe auch ohne Socken tragen? SHOEPASSION.com weiß die Antwort und zeigt auf, wie sich Kleidung und Schuhe stilsicher zu einem perfekten Gesamtbild kombinieren lassen.

Manieren lassen sich nicht einfach auf Regeln herunterbrechen, da sich auch das ­Leben nicht einfach mit Regeln abbilden lässt. das und vieles interessantes mehr sagt Moritz Freiherr Knigge, Nachfahre von Adolph, im Interview mit dem Schweizer Anzeiger über Manieren und respektvollen Umgang untereinander.

Im Internet wird es mit den Manieren und Umgangsformen bedauerlicherweise viel zu häufig nicht so genau genommen. Sowohl für Privatpersonen als auch für ganze Unternhemen kann das Konsequenzen nach sich ziehen, wenn Firmenangehörige im Netz nicht auf Konventionen achten oder ein ungebührliches Verhalten an den Tag legen. Im Bereich Social Media sind für Firmen und deren Mitarbeiter daher gewisse Regeln zwingend erforderlich, sozusagen ein Knigge für Twitter & Co., wie ihn chip-online veröffentlicht hat. Übrigens: Auch der Gentleman-Blog twittert. Folgen Sie uns.

Ähnliche Artikel: Gentleman-Linktipps (1)

Jan 23

Was ist eigentlich Image?

„Image“ – mit diesem Wort werden wir fast täglich und in den verschiedensten Zusammenhängen konfrontiert. „Image-Kampagne“, „Image-Design“ und „ein gutes oder schlechtes Image haben“. Konkret darauf angesprochen, was „Image“ nun eigentlich ist, ob jeder eins hat und ob man das eigene Image irgendwie beeinflussen kann, kommen die meisten Menschen schwer ins Grübeln, begleitet von ratlos umherwandernden Blicken und gedankenvollem Kopfkratzen.

Die Antworten könnten nicht unterschiedlicher sein. „Das hat doch was mit Kleidung zu tun“, sagt der eine. „Ein Image legt man sich zu, um besser anzukommen oder sich im Beruf zu profilieren“, meint ein anderer. „Mit ihrem Image täuschen die Leute doch nur irgendwas vor, was sie gar nicht sind“ hab ich auch schon gehört.

Image ist subjektiv

Na gut. Bevor es richtig haarsträubend wird, hier mal die fachlich korrekte Definition: Das „Image“ steht, wie das Wort aus dem Englischen übersetzt schon sagt, für das Bild/den Gesamteindruck bezüglich einer Person, eines Unternehmens, aber auch eines Produktes oder einer Stadt. Diese Wahrnehmung darüber muss nicht wirklich objektiv sein, also an Fakten orientiert, sondern wird sehr stark durch Gefühle und Assoziationen beeinflusst.

Auf den Menschen bezogen bedeutet das: Jeder hat ein Image, auch wenn er noch nie bewusst darüber nachgedacht oder sich darum gekümmert hat. Man kann nicht nicht wirken, sondern hinterlässt immer einen Eindruck.

Jeder hat ein Image

Auch wenn wir ganz großmütig von uns behaupten mögen, unsere Mitmenschen vor allem nach Charakter und Kompetenzen zu beurteilen, das Steinzeitprogamm „sympathisch oder unsympathisch?“ (Freund oder Feind?) läuft automatisch in jedem von uns ab, wenn wir jemandem zum ersten Mal gegenüberstehen. Die in dieser Situation durch uns oder unserem Gegenüber gebildete Meinung lässt sich im Nachhinein nur schwer revidieren.

Dabei ist es interessant zu wissen, dass sich unsere Wirkung aus verschiedenen Faktoren zusammensetzt. Zu allererst präsentieren wir eine soziale Zugehörigkeit, z.B. Franzose, männlich, Professor – sofort läuft ein Film in unserem Kopf ab, gespickt mit allen Informationen und Stereotypen, die wir Zeit unseres Lebens darüber angesammelt haben. Weiter geht es mit dem möglichen Charakter und der fachlichen Kompetenz, dem Grad des beruflichen Erfolgs.

Auftreten, Kommunikation und Kleidung beeinflussen das Image stark

Lesbar sind diese Informationen durch unser Auftreten, Kommunikation(-sfähigkeit) und natürlich die Wahl unserer Kleidung. Wie ist die Qualität in Material und Verarbeitung? Passen Schnitt und Stil zum Träger? Paßt es überhaupt zusammen? Was verrät die gewählte Farbigkeit? In welchem Zustand ist die Kleidung? … Diese Aufzählung ließe sich noch endlos fortsetzten.

Sehen wir die Chance darin. All das sind Dinge, die wir bewusst beeinflussen können und haben somit die Möglichkeit, uns von unserer besten Seite zu zeigen, uns zu präsentieren, wie wir wirklich sind und verstanden werden wollen.



Die ist ein Gastbeitrag von Sophie B. Krüger. In ihren Gastartikeln für den Gentleman-Blog berichtet die Diplom-Imageberaterin und Inhaberin von “Imageconsulting Berlin” über Image, Status und Stil.

Jan 20

Knigge-Regeln bei „Haatschiiii“ und Erkältung

Winterzeit gleich Erkältungszeit. Im Büro, in der U-Bahn oder im Theater. Allerorten ist das „Haatschiie“ zu vernehmen, meistens gefolgt von einem „Gesundheit“. Dabei wurde vor gut zehn Jahren von den Hütern der Benimm-Regeln festgelegt, dass man das Gesundheit-Wünschen unterlassen solle. Die Begründung lautete, dass ein Niesen ein unbeabsichtigter Fauxpass sei. Mit dem „Gesundheit!“ lenke man zusätzlich noch die Aufmerksamkeit darauf. Daher solle man über das Niesen der Mitmenschen einfach hinwegsehen. Diese Regel hat sich jedoch kaum durchgesetzt. Auch deswegen fordert nun die Deutsche Knigge-Gesellschaft eine Änderung und plädiert dafür, dass Gesundheit-Wünschen wieder zu gestatten.

Dr. Hans-Michael Klein, Vorsitzender der Knigge Gesellschaft sagt in seiner Begründung, dass der Ausspruch zum einen höflich gemeint sei und zum anderen weit verbreitet. So wären Niesende fast beleidigt, wenn niemand etwas sagt. Nachdem es zehn Jahre von vielen unbemerkt auf dem Index stand, ist der Ausspruch „Gesundheit!“ also wieder erlaubt. Sich selst für einen Nieser entschuldigen muss man sich übrigens nicht.

Stoff- oder Papiertaschentuch?

Wenn jemand selbst von einer Erkältung heimgesucht wurde, sollte er laut Knigge stets ein Stofftaschentuch dabei haben – möglichst sauber und faltenfrei. Die Regel hat noch immer Bestand, doch Stofftaschentücher sind nicht jedermanns Sache. So wird es in der gelebte Praxis meist anders gehandhabt und dem Papiertaschentuch Vorzug gegeben. Das liegt nicht zuletzt daran, dass diese praktischer und vor allem hygienischer sind.

Beim Niesen in der Gesellschaft bzw. in einer Gruppe sollte man zunächst einen Schritt zurückziehen. Falls der Nieser spontan kommt und keine Zeit für das Zücken eines Taschentuchs bleibt, sollte man in die linke Hand niesen, da man bei Begrüßung und Verabschiedung die rechte Hand gibt.

Der Gentleman-Blog wünscht allen Lesern Gesundheit!

Jan 17

Der Gentleman trägt Strümpfe bis zum Knie

Was wir unterhalb unseres Knies tragen, scheint die wenigsten Männer wirklich zu interessieren. Dabei ist dieses meist unbeachtete Accessoire in den letzten Jahren durchaus salonfähig, wenn nicht sogar zu einem Modetrend geworden. Nicht nur, dass die Waden des Mannes nun feinste Garne umschmeicheln, er kann nun auch zwischen einer großen Farbvielfalt wählen. Qualität und Bequemlichkeit sprechen schon lange für das Tragen von Kniestrümpfen. Aber durchaus auch Stilbewusstsein. Mit Kniestrümpfen kommt der Gentleman nie in Verlegenheit, sein nacktes Bein im Sitzen zu zeigen. Es bleibt durch die Strümpfe immer gut verdeckt. In Italien tragen 90% aller Männer Kniestrümpfe, Socken zum Anzug sind südlich der Alpen ein absolutes No-Go. Die Italiener sind auch diejenigen, die die Farbe im Strumpf für sich entdeckt haben. Das lässt auch die deutsche Männerwelt aufhorchen.

Stilvoll eingesetzt: die Farbe der Kniestrümpfe

Wie viel Farbe darf der Strumpfträger zeigen? Bei den Geschäftsmännern in Deutschland richtet sich die Strumpffarbe immer noch nach der Farbe von Hose oder Schuhe. Gedeckte Farben wie Schwarz, Dunkelgrau, allenfalls Marine kommen bei der Beinkleidung zum Einsatz. Doch es gibt durchaus auch Kniestrümpfe unter anderem Farben wie Rot, Violett und Grün, die durchaus businesskonform sind. Ganz abgesehen von bunt gemusterten, farbenfrohen Strümpfen, wie sie der Mailänder Strumpf-Stricker Gallo in seiner Boutique anbietet. Bekannte Marken wie Falke, Burlington und Albert Kreuz setzen bei Business-Socken seit einiger Zeit auf Farbe und Muster. Doch noch sind die Deutschen Männer nicht so mutig wie die Engländer und Italiener: Sie tragen hauptsächlich kräftige Töne im Business-Schuh, abgestimmt zu Krawatte oder Schleife.

Mut zur Individualität, Gentlemen

Farbige Strümpfe bedeuten nicht automatisch einen Stilbruch. Ein paar Mode-Regeln gibt es dennoch zu beachten: Zu offiziellen Anlässen ist der Kniestrumpf immer einfarbig. Und – ganz wichtig – die Farbe des Strumpfes sollte sich in einem Kleidungsstück oberhalb der Taille wiederfinden, also in Hemd oder Krawatte.

Der Gentleman weiß: Stil zeichnet sich nicht durch Mitläufertum aus, sondern durch die eigene Persönlichkeit. Nicht die Kleidung zeigt die Individualität einer Person, sondern ihr Auftreten darin. Nutzen wir also die minimalen Spielräume, die uns die Modeetikette lässt. Der leidenschaftliche und stilbewusste Anzugträger steckt farbige Kniestrümpfe wohl in eine Kategorie mit exquisiten Schnitten, Stoffen und Mustern und ausgesuchten Accessoires wie Einstecktüchern, Schnupfdöschen oder auch Schuhen. Wichtig für den Gentleman ist, dass der Gesamteindruck stimmt. Zum Abschluss ein passendes Mode-Zitat aus Pelham: “Or the Adventures of a Gentleman”.

“Ein Narr mag sich auffällig, aber er wird sich nie gut kleiden können, denn dazu bedarf es Urteilsvermögen!”


gastbeitrag-albertkreuzDieser Gastbeitrag stammt aus der Feder der Herrenunterwäsche-Marke Albert Kreuz. In ihren Gastartikeln für den Gentleman-Blog erfahren wir, was Mann drunter trägt.

Jan 14

Mode Zitate: Giorgio Armani

zitate

Giorgio Armani

“Der Stil ist der Mode überlegen. Er läßt sich von der Mode anregen und greift ihre Ideen auf, ohne sie ganz zu übernehmen. Niemand mit Stilbewußtsein würde seine Art, sich zu kleiden, nur um der Mode willen radikal ändern. Was Stil von Mode unterscheidet, ist die Qualität.”

Jan 09

Anleitung zum Schleife binden


Nur wenige Männer tragen eine Schleife bzw. eine Fliege. Das Gute daran: So bleibt sie ein exklusives Accessoire für den stilvollen Herrn.

Es herrscht die weitverbreitete Annahme, dass das Binden einer Schleife schwierig sei. Doch das ist mitnichten so. Wir treten den Gegenbeweis an. Es mag überraschend klingen, aber das Schleifebinden ist nicht schwieriger als das Binden von Schuhen, denn es entspricht genau dem Binden von Schnürsenkeln. Natürlich abgesehen davon, dass die Herrenschleife am Hals und nicht am Fuß gebunden wird.

Schleife binden so einfach wie Schuhe binden

So wird es gemacht: Legen Sie die offene Schleife so um Ihren Hals, dass das rechte Ende etwas länger bleibt als das linke Ende (Bild 1). Dieses legen Sie nun so über das rechte Ende, dass ein „Kreuz“ entsteht. Beide Enden zeigen dann in Richtung Füße, wobei das linke Ende zum rechten Fuß zeigt und umgekehrt (Bild 2). Entsprechend dem Binden einer Krawatte legen Sie als nächstes den Knoten, indem Sie das längere Ende von Hinten am Hals entlang führen und vorne über das kürzere Ende legen (Bild 3). Anschließend legen Sie eine Schleife. Das machen Sie mit dem kürzeren Ende. Das längere Ende legen Sie im Anschluss über die Schleife (Bild 4). Mit der linken Hand halten Sie dann die gelegte Schleife so, dass hinter der Schleife eine Art Öse entsteht. Diese Öse können Sie mit dem Zeigefinger auf die gewünschte Größe erweitern. Als Letztes stecken Sie das ebenfalls zu Schleife gelegte längere Ende durch die Öse (Bild 5). Und fertig ist die Schleife (Bild 6).




Schleifenmanufaktur Diesen Gastbeitrag haben die Schleifenexperten der Schleifenmanufaktur verfasst. In ihren Gastartikeln erfahren wir allerlei Interessantes über die Schmetterlingsflügel.

Jan 06

Gentlemen’s Agreement – moralische Verpflichtung

Eine Gentlemen´s Agreement ist eine Vereinbarung, die auf gegenseitigem Vertrauen beruht, ohne die Ergebnisse bereits schriftlich und vertraglich fixiert zu haben.

Schon im Römischen Recht gab es den Grundsatz „pacta sunt servanda“ (wörtlich: „Verträge sind einzuhalten) der besagt, dass auch mündliche Verträge zu erfüllen sind. In der deutschen Rechtssprechung versteht man unter einem Gentlemen’s Agreement jedoch eine Vereinbarung, die nicht juristisch durchgesetzt werden kann. Die Erfüllung der Vereinbarung hängt daher im Besonderen von der Vertrauenswürdigkeit der Vertragspartner ab.

Keine juristische Bindung aber gesellschaftlicher Druck

Die Nichterfüllung hat also keine juristischen Konsequenzen und kann lediglich mit sozialen Sanktionen geahndet werden. Aus einem Gentlemen´s Agreement entsteht also vielmehr eine moralische Verpflichtung, da man sein Wort gegeben hat.

Ein bekanntes Beispiel für ein Gentlemen’s Agreement ist auch heute noch der internationale Diamantenhandel. Der Handel mit Edelsteinen im Wert von mehreren Millionen US-Dollar wird oft per Handschlag verabredet. Sobald ein Vertragspartner seinen Pflichten nicht nachkommt, wird er innerhalb dieser elitären Gruppe geächtet und ausgeschlossen. Da der Diamantenmarkt und die Anzahl der Teilnehmer überschaubar und darüber hinaus in weiten Teilen auch sozial eng miteinander verbunden sind, bedeutet dies für den Betreffenden nicht selten das geschäftliche und auch gesellschaftliche Aus.

Langfristige Partnerschaften wertvoller als ein kurzfristiger Vorteil

Wenn also jemand man auf ein Gentlemen´s Agreement beschließt, sollte (gentle-)man die Verainbarung auch unbedingt einhalten. Längerfristige, auf Vertrauen und Fairness basierende Partnerschaften sind in aller Regel ergiebiger als der kurzfristige Profit. Ein unlauteres Geschäftsgebaren spricht sich überdies oft schnell herum und erschwert das Eingehen neuer Allianzen. Und abgesehen davon, ist es einfach ein gutes Gefühl, wenn man sich darauf verlassen kann, dass ein Wort noch gilt und eingehalten wird- auch ohne schriftlichen Vertrag. Es macht die Welt lebenswerter.

Jan 03

Gestatten, »Beau« Brummel!

Der Dandy

Im Gentleman-Blog dreht sich alles um Geschmack, Stil und gutes Benehmen. Eben all die Eigenschaften, die gemeinhin mit einem Gentleman assoziiert werden. Heute widmen wir uns einmal einer, man könnte beinahe sagen, Unterkategorie des Gentleman: dem Dandy. Der Engländer George Bryan »Beau« Brummel ist der Ur-Dandy schlechthin. Er verhalf der Männerwelt zu einem ganz neuen modischen Bewusstsein und war der erste »It-Boy« Londons.

Der Dandy verabscheut das Grelle, Laute und Parfümierte

Ein Dandy ist historisch betrachtet eine besondere Art des Gentleman. Er legt sehr großen Wert auf ein gepflegtes Erscheinungsbild und kombiniert dies mit den perfekten Manieren eines Gentleman. Der Dandy verabscheut das Grelle, Laute und Parfümierte. Sein Augenmerk gilt dem perfekten Stil und Auftreten. Zu jedem Anlass die passende Kleidung zu tragen, erhebt der Dandy zum Lebenszweck. Oft wird in diesem Zusammenhang der Schriftsteller Oscar Wilde (1854-1900) als archetypischer Dandy genannt, da seine Lebensweise sich wunderbar in dieses Muster einfügt. Doch bereits 76 Jahre vor Wild erblickte in London George Bryan Brummel das Licht der Welt. Bevor er 1840 verarmt in Frankreich starb, hatte er sich den Beinamen »Beau« erarbeitet und seinen Platz in der Geschichte erobert.

Brummel, Sohn eines Privatsekretärs von Lord North, der ihm nach seinem Tod 1794 die damals stattliche Summe von mehr als 20.000 Pfund hinterließ, hatte frühzeitig Kontakt zur adligen Klasse, obwohl fern von ihr geboren. Er erregte die Aufmerksamkeit von Prinz George unter dessen Einfluss er 1796 den militärischen Rang eines Captains errang. Als sein Regiment kurze Zeit später jedoch ins triste Manchester verlegt werden sollte, dankte Brummel ab. Finanziell gut ausgestattet und versehen mit Kontakten in die besten Kreise, bezog er Quartier im Zentrum Londons und frönte fortan seinem extravaganten Lebensstil.

Brummel propagierte die neue Schlichtheit in der Mode

Er beeindruckte im ausgehenden 18. Jahrhundert die Londoner Society. Brummel kultivierte seine Kleidung, sein Auftreten, die Körperpflege und seinen Wortwitz. In einer Zeit, wo die Herren der adligen Kreise noch ganz der höfischen französischen Mode folgten, propagierte Brummel bereits die neue Schlichtheit. Er erschien ungepudert, unparfümiert und ohne Perrücke. Dennoch benötigste er eigenen Angaben zufolge fünf Stunden um sich anzuziehen. Seine Rasur war makellos. Ebenso die Kleidung. Er trug – noch absolut untypisch für diese Zeit – einen modernen Herrenanzug und dazu ein schnörkelloses und glattes Jackett. Seine Füße schmückte die Bottine, eine geschnürte Herrenstiefelette. Der Hals wurde von einer gewieft geknoteten Krawatte dekoriert. Alles war natürlich frisch gewaschen und in bester Form. Sein Kleidungsstil und die Art sich zu geben erlangte unter der Bezeichnung »Dandy« Berühmtheit.

»Beau« Brummel erster »It Boy« Londons

Lange bevor es die breite Medienberichtserstattung und die Yellow-Press gab, wurde George Bryan Brummel so zum ersten »It Boy« Londons und erhielt seinen Spitznamen »Beau«. Er war quasi ein früher Vorläufer der heutigen Celebrities, die einfach nur berühmt sind für ihr Berühmtsein ohne dabei einer ernsthaften Beschäftigung nachzugehen.

»Beau« Brummel wurde so zu einer frühen Stilikone und seine geradezu pingelige Auffassung von sauberen Zähnen, tadelloser Rasur und eines täglichen Bades fand viele Nachahmer – ja machte diese Hygienevorstellungen gar populär.

Brummel rät: Stiefel nur mit Champagner putzen!

Zu einem richtigen Dandy und Celebrity gehören natürlich auch unglaubliche Anekdoten und Klatsch. »Beau« Brummel hat auf diesem Terrain wirklich einiges zu bieten. Der Legende nach soll er sich seine Handschuhe stets von zwei verschiedenen Fabrikanten angefertigt gelassen haben. Der eine war für die Daumen zuständig, der andere für die Finger. Angeblich vertraute er beim Schnitt der Haare gleich auf drei Friseure. Einer war für die Stirnpartie verantwortlich, ein anderer für die Seiten und der Dritte für den Hinterkopf. Für die Träger von Herrenstiefel, die er populär machte, hatte er den Rat parat, die Stiefel ausschließlich mit Champagner zu putzen.

Brummels Aufstieg folgt ein tiefer Fall

Doch natürlich kein Aufstieg ohne Fall. Und »Beau« Brummel sollte tief fallen. Bedingt durch seinen Verkehr in reichen Kreisen geriet er auch an das Glücksspiel. Im Gegensatz zu seinen adligen Mitspielers waren seine monetären Reserven jedoch arg begrenzt. Dies stellte so lange kein Problem dar, wie er auf einen Kredit bei seinen wohlhabenden und einflussreichen Freunden hoffen konnte. Doch im Jahr 1813 folgte der Bruch mit seinem Freund Prinz George. Zwei Jahre zuvor wurde dieser, bedingt durch den schlechten Gesundheitszustand seines Vaters George III., zum Prinzregenten des Vereinigten Königreichs von Großbritannien ernannt (und 1820 sogar zum König). Der neue Herrscher trennte sich daraufhin von alten, jetzt als ungebührenden Umgang empfundenen Weggefährten. So auch von Brummel. Auf einem Maskenball im Juli 1813 stand »Beau« Brummel zusammen mit seinen Freunden Lord Alvanley und Henry Pierrepoint, als der Prinzregent dazustieß. Er begrüßte lediglich Alvanley und Pierrepoint. Brummel schnitt er. Diese Respektlosigkeit veranlasste »Beau« zu folgender waghalsiger Frage: “Alvanley, wer ist dein fetter Freund?”

Seit 2002 Statue in London zu Ehren Brummels

Er kam mit dieser Beleidigung für den Moment ungeschoren davon, doch mit seinem Protektionismus innerhalb der adligen Gesellschaft war es vorbei. Brummel war quasi zum Abschuss freigegeben. Das aufgebrauchte Erbe und die massiven Spielschulden zwangen ihn zur Flucht nach Frankreich. Er endete letztlich im Irrenhaus von Caen, wo er 1840 völlig mittellos verstarb.

Im Jahr 2002 wurde in der Londoner Jermyn Street eine Statur von George Bryan Brummel aufgestellt. Die tschechische Bildhauerin Irena Sedlecka setzte »Beau« dadurch ein Denkmal. In eleganter Pose verharrend, mit Stock und Zylinder, ist der Ur-Dandy so endlich für immer in sein geliebtes London zurückgekehrt und mahnt hier, nicht unweit vom Piccadilly Circus entfernt, die Herren der Stadt an die Wichtigkeit und den Genuss eines tadellosen Auftritts.