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Feb 05

Smoking, Frack, Cutaway & Co. – Die Hierarchie der Anzüge

Während der ein- oder zweireihige Herrenanzug der bekannteste Vertreter seiner Gattung ist und den Einstieg in die “Hierarchie der Anzüge” bildet, so gibt es einige weitere Schnitte und Ausführungen, die dem Gentleman gerade bei festlichen Anlässen deutlich besser zu Gesicht stehen. Da diesen Anzugvarianten in der Regel nicht so viel Aufmerksamkeit geschenkt wird, möchten wir sie heute zumindest in einem groben Überblick vorstellen. In den Bereich der Tagesanzüge fallen dabei der Stresemann und der Cutaway, während sowohl Smoking als auch Frack nur abends getragen werden.

Stresemann

Für festliche oder besondere Anlässe empfiehlt sich der Stresemann. Eine Form des Anzugs, die aus dunklem Jackett in mittlerer Länge, Streifenhosen und hellgrauer Weste besteht. Dazu wird ein Hemd mit Umschlagmanschetten und Manschettenknöpfen getragen. Eingeführt wurde diese Variante Anfang des letzten Jahrhunderts vom ehemaligen Reichskanzler Gustav Stresemann, der eine weniger förmliche Alternative zum Cutaway suchte. Die Anzugsvariante Stresemann wird nur tagsüber bis ungefähr 18 Uhr getragen.

Cutaway

Der Cutaway, auch als ‚großer Bruder‘ des Stresemann bezeichnet, sieht dem Frack sehr ähnlich, denn beide haben ein Schwalbenschwanz-Sakko. Beim Cutaway ist das Sakko entweder schwarz oder dunkelgrau und wird gemeinhin zu einer gestreiften Hose getragen. Dazu gehört außerdem eine hellgraue Weste, ein Hemd mit Kläppchenkragen und üblicherweise eine silbergraue Schalkrawatte, auch Plastron genannt. Im Gegensatz zum recht modernen Stresemann ist der Cutaway ein traditioneller und sehr festlicher Tagesanzug, der häufig auch bei Hochzeiten zum Einsatz kommt. Wie der Stresemann wird er ebenfalls nur tagsüber bis ungefähr 18 Uhr getragen.

Smoking

Der Smoking als besonders eleganter Anzug gilt als kleiner Abendanzug, ist also das nächtliche Pendant zum Stresemann und steht eine Stufe unter dem Frack. Der Name des Smoking begründet sich darin, dass er ursprünglich eine Anzugjacke war, die beim Rauchen im Raucherzimmer getragen wurde. In den USA ist er als Tuxedo bekannt und wird im britischen Englisch als ‚dinner jacket‘ bezeichnet.

Klassischerweise setzt sich ein Smoking aus folgenden Elementen zusammen: Als Jackett wird ein mittellanges ein- oder zweireihiges Sakko ohne Rückenschlitz getragen. In der Regel hat es nur einen Schließknopf und ein steigendes Revers bzw. ein Schalfasson, das entweder mit Satin oder Seide besetzt ist. Die Jacketttaschen werden als Paspeltaschen ausgeführt. Die Hose dazu wird aus dem gleichen Stoff wie das Sakko gefertigt, hat keine Gürtelschlaufen und wird an den äußeren Beinnähten mit einfachen Besatzstreifen aus Seidensatin versehen. Das Hemd, wahlweise mit Kläppchen- oder Umlegekragen, hat Umschlagmanschetten und eine versteckte Knopfleiste. Dazu trägt der Herr eine schwarze Schleife sowie einen Kummerbund aus Seidensatin, der den Hosenbund bedeckt.

Frack

Der Frack steht in der Hierarchie der Anzüge an oberster Stelle und wird nur zu festlichen Veranstaltungen am Abend getragen. Die Jacke des Fracks hat ein steigendes Revers, am Rücken die typischen ‚Schwalbenschwänzchen und ist vorne taillenkurz geschnitten. Die jacke wird ausnahmslos offen getragen. Die Frackhose hat statt eines Seidenbandes, wie beim Smoking, gleich zwei Seidenbänder an den Seitennähten und wird grundsätzlich mit Hosenträgern getragen. Das spezielle Frackhemd hat eine gestärkte Piquébrust, stehende Frackknöpfe sowie einen Kläppchenkragen. Über dem Hemd wird sowohl eine weiße Frackweste als auch eine weiße Schleife getragen, die beide ebenfalls aus Baumwoll-Piqué gefertigt sind.

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Der Autor

Dieser Gastbeitrag wurde von den Maßkleidungsexperten der Herrenschmiede verfasst. Die Kenner hochwertiger Maßkleidung veröffentlichen hier regelmäßig Artikel, die uns die Vielfältigkeit der maßgeschneiderten Herrenkleidung näher bringen.



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11 Responses to “Smoking, Frack, Cutaway & Co. – Die Hierarchie der Anzüge”

  1. Ergänzung zum Frackhemd, es besitzt immer eine ‘Wiener Manschette’.

  2. Yvonne sagt:

    Von welchem Designer ist der Anzug ganz rechts?
    Wo kann man diesen Kaufen?

  3. Gentleman-Blog sagt:

    Hallo Yvonne,
    das wissen wir leider nicht. Das Bild hat unsere Grafikerin erstellt.
    Viele Grüße von Lukas und Gentleman-Blog-Team

  4. Thomas Weickenmeier sagt:

    Kleine Ergänzung zum Frack – er wird durchuas auch untertags getragen, da allerdings mit schwarzer Weste. Ist z.Bsp bei offiziellen Audienzen beim Papst und anderen gekrönten Staatsoberhäuptern angemessen.

  5. Heinz Kuba sagt:

    Bemerkung zu Frackmasche und Hemd: Die weiße Frackmasche muss nicht ausschließlich aus Baumwolle-Piquet sein. Eine elegante Alternative stellt die weiße Masche aus glatter Seide dar, wenn die gestärkte Hemdbrust ebenfalls aus glattem Stoff gefertigt wurde.

  6. Marcel sagt:

    Anmerkung zum Smoking: anstatt des Kummerbundes bietet es sich an, eine zum Stoff der Hose und des Jackets passende Weste zu tragen. Ursprünglich fungierte der Kummerbund meines Erachtens nur als Ersatz zur Weste, um den Hosenbund zu verdecken. Eine Weste wirkt aber in jedem Falle eleganter und förmlicher. Das Tragen beider Bekleidungsteile, Kummerbund und Weste, erübrigt sich beim Tragen eines zweireihigen Jackets.
    Außerdem kann zum Smoking ein dem Frackhemd ähnliches Hemd getragen werden, d.h. unter anderem mit gestärkter Hemdbrust usw. Auch dies wirkt besonders elegant.

  7. Sir Hillary sagt:

    @ Marcel: Es bietet sich an eine Weste unter einem Smoking zu tragen? Eine Weste als Ersatz für einen Kummerbund ist eben nur ein Ersatz. Wäre damit also ein modischer Fauxpas! Du wirst niemals einen Gentleman mit einer Weste unter dem Smoking sehen.

    Wenn ich kein Geld für einen Kummerbund mehr übrig habe, dann lasse ich ihn weg. Aber bitte keine Weste als Kummerbundersatz….

  8. David sagt:

    Die Weste zum Frack ist historisch betrachtet älter als der Kummerbund. Was nicht geht ist ein Ersatzhemd das dem Smokinghemd ähnlich ist. Klassisch sollte das Hemd den sogenannten Vatermörder-Kragen aufweisen.

    Der Kummerbund ist nicht zwingend erforderlich. Trägt man ihn, hat die Jacke offen zu sein, trägt man ihn nicht, geschlossen. Dabei zu beachten ist, dass die Öffnung der Falten des Kummerbundes nach Oben zeigen. Man macht sich schnell zum Idioten wenn man solche Feinheiten nicht beachtet. Der Kummerbund kommt ursprüglich aus Indien und hatte Taschen integriert.

    Tagsüber einen Smoking zu tragen bzw. ein Fack ist grundsätzlich gegen die Etikette. Nicht ohne Grund gibt es den Cutaway.

    Zu dem Anzg auf dem Bild: Ein Anzug mit 4 Knöpfen wirkt nur bei sehr sehr großen Männern noch angebracht. Grundsätzlich ist anzuraten 3 oder 2 Knöpfe zu tragen, um nichts falsch zu machen.

  9. [...] Trauungen am Tag empfiehlt sich ein Cutaway für Herren sowie für weibliche Gäste ein kurzes Kleid, je nach Jahreszeit auch mit einem Hut als [...]

  10. […] sehr ausführlichen Artikel über die Schnitt hat der Gentleman-Blog […]

  11. Marcus sagt:

    Spassig, dass im Text korrekterweise geschrieben wird, dass der Frack immer Spitzrevers hat, auf dem Bild oben aber das einzige mir bekannte Bild eines Fracks mit einem fallenden Revers gezeigt wird … also falscher geht’s quasi nicht

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