Archive for April, 2010

Apr 28

Über den Sinn von Schuhpflege

Schuhpflege erscheint bei dem heutigen Überangebot von Pflegemitteln vielen als ein Buch mit sieben Siegeln. Dabei ist sie ganz einfach und man benötigt zur optimalen Pflege von Lederschuhen auch keine Unmenge von Cremes aus Tuben oder Tiegeln, Sprays, Tinkturen und was sonst noch an überflüssigen Präparaten auf den unkundigen Käufer wartet. Eine gute Hartwachscreme aus der flachen Blechdose, wie sie schon unsere Großväter (mit zusätzlichem Einsatz von Spucke beim Polieren) nutzten, zusätzlich einige Polierbüsten und einen Auftragslappen reicht in den meisten Fällen vollkommen aus. Warum diese Creme immer noch das Beste ist, womit Sie das Oberleder Ihrer Schuhe pflegen können, erfahren Sie in den folgenden Beiträgen zum Thema Schuhpflege. Darin komme ich auch noch auf die Spucke zu sprechen. Doch zuvor sei die grundsätzliche Frage beantwortet, weshalb man Schuhe überhaupt pflegen sollte.

Schuhpflege erhöht Haltbarkeit und bewahrt Tragekomfort

Mit Schuhpflege sorgen Sie nicht nur für ein optisch gepflegtes Erscheinungsbild, sondern erhöhen die Lebensdauer und Haltbarkeit. Desweiteren bewahren sie den Tragekomfort. Gerade dieser Punkt wird oft übersehen, ist aber doch wichtig, denn nur durch die Pflege des Leders bleibt dessen Geschmeidigkeit sowie die Wasserdampfaufnahme- und Durchlässigkeit erhalten und der Schaft gegen äußere Nässe geschützt. Beides – Schmiegsamkeit und Schuhklima – sind für ein angenehmes Tragegefühl vonnöten. Aber auch das Erscheinungsbild der Schuhe ist wichtig, denn Menschen werden nicht zuletzt auch und gerade nach dem Pflegezustand ihrer Schuhe beurteilt.

Insofern ist Schuhpflege ein Ausdruck von intelligentem, wirtschaftlichem Denken und ist nicht zuletzt ein aktiver Beitrag zum Umweltschutz.

Lesen Sie auch: Passive Schuhpflege – Schuhlöffel und Schuhspanner

Dieser Artikel wurde von Rainer Ersfeld von Burgol verfasst. In seinen Gastbeiträgen liefert er hilfreiche und wertvolle Tipps für die aktive und passive Schuhpflege – für eine schöne Optik und lange Lebensdauer der Schuhe.

Apr 23

Die Geschichte des Hemdes

Die Vokabel “Hemd” stammt von dem althochdeutschen Wort “Hemedi” ab, was “Haut”bedeutet. Die zweite Haut als Kleidungsstück kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. War es zu seinen Anfangszeiten um das Jahr 1000 vor Christus noch ein einfaches, bodenlanges Hemd ohne Knöpfe, hat es sich über die Jahrhunderte immer weiter entwickelt. Im Mittelalter waren Hemden mit austauschbaren Krägen versehen und wurden zumeist als Unterhemden verwendet. Im 18. Jahrhundert wurden Hemden dann erstmals auch als Oberhemden getragen und zum Anfang des 20. Jahrhunderts traten Hemden dann schließlich zum ersten Mal in der heute bekannten Form mit Knöpfen entlang der kompletten Vorderseite in Erscheinung. Das Hemd mit festem Kragen etablierte sich und dominiert bis heute den Markt. Mit einer rückläufigen Verbreitung der Weste unter dem Anzug kam in den 60er-Jahren die Hemdtasche als Ausstattungsdetail dazu und wird seitdem in unterschiedlichsten Schnittformen verwendet.

Hemdstoffe – von Leinen zu exklusiver Seide

Auch im Bereich der Stoffe durchliefen Hemden eine vielschichte Entwicklung. Die ersten Modelle wurden noch aus Leinen gefertigt, ein robustes Material, welches erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts durch günstig gewordene Baumwollstoffe ersetzt wurde. Auch heute werden die meisten Hemdstoffe aus Baumwolle gewebt, der in vielen Varianten auch Kunstfasern beigemischt werden, um kostengünstigere Stoffe zu fertigen. Reine Nylonhemden gibt es ungefähr seit 1950. Heutzutage werden Stoffe außerdem häufig besonders bearbeitet, um sie bügelleichter zu machen. Dies kann durch schonende Druckverfahren geschehen oder aber mittels Zugabe von Chemikalien, die aber zu Hautirritationen führen können.

Hemden heute – die Beliebtheit nimmt keine Ende

Moderne Hemden sind aus der Modelwelt nicht mehr wegzudenken und unterscheiden sich vor allem in Bezug auf den verwendeten Stoff sowie den Schnitt, die Ausführung und die Kragenform. Es gibt unterschiedlichste Manschetten-Formen, Varianten des Kragens und der Knopfleiste sowie mögliche modische Details wie zum Beispiel Kontraststoffe im Bereich der Manschetten und des Hemdkragens. Die jeweilige Entwicklung unterliegt hier den aktuellen modischen Trends. Legt der Käufer Wert auf Individualität kann er sich ein Maßhemd schneidern lassen und alle diese Aspekte seinen Wünschen entsprechend gestalten und sogar ein persönliches Monogramm aufsticken lassen.

herrenschmiede-gastbeitragDieser Gastbeitrag wurde von den Maßanzugs-Experten der Herrenschmiede verfasst. Die Anzugs-Kenner veröffentlichen hier regelmäßig Artikel, die uns die Vielfältigkeit der Herrenanzüge und der Hemden näher bringen.

Apr 20

Anstand und Umgangsformen bei Frauen hoch im Kurs

Gute Nachricht für Gentlemen: Anstand, Respekt und höfliche Umgangsformen stehen bei Frauen hoch im Kurs, wie verschiedene Umfragen bestätigen. Für den dritten Teil unserer Serie „Was Frauen wollen…“ haben wir die Ergebnisse nach den gewünschten Umgangsformen und Verhaltensweisen der Männer genauer unter die Lupe genommen.

Direkte Fragen? – Diplomatische Antworten!

„Schatz, wie findest du mein neues Kleid?“ Oder die neue Frisur oder die neuen Schuhe etc. pp. Vielen Männern graut vor der Antwort, denn nicht selten macht man(n) die Befürchtung, dass man bei der Frage fast nur verlieren kann. 30 Prozent der Frauen ist eine ehrliche Antwort á la „Ich finde rot steht dir besser als das blaue…“ oder „In Jeans gefällst du mir besser“ zwar lieber, als wenn der Mann lediglich „gut“ sagt, auch wenn dem in Wahrheit gar nicht so ist. Abgesehen davon, dass Frauen ein Gespür dafür haben, wenn ihr Partner bei solchen Fragen nicht ehrlich ist, wünschen sich 70 Prozent der Frauen eine diplomatische Antwort. Hier ist also das Geschick der Männer gefragt. Außerdem gilt wie in fast allen Situationen im Leben: Der Ton macht die Musik. Es kommt weniger darauf an, WAS man sagt, sondern vielmehr darauf, WIE man es rüberbringt. Aus dem Pädagogik gibt es dafür die sogenannte Sandwich-Methode: Dabei verpackt man negative Kritik zwischen zwei positive Aspekte. Beispielsweise „Das Kleid steht dir richtig gut, allerdings würde es mir mit einem helleren Farbton noch etwas besser gefallen. Aber dafür ist das Muster echt schick.“ So oder so ähnlich.

Tür aufhalten kommt immer noch gut an

Fast ausnahmslos schätzen die Frauen es, wenn der Mann ihnen die Tür aufhält. 36 Prozent der Damen fügen aber an, dass sie das nicht so streng sehen und es immer auch situationsabhängig ist. Für sie gilt: Wer zuerst kommt malt zuerst bzw. öffnet zuerst und hält dann auch die Tür auf. Auch wenn die Geste prinzipiell gut ankommt, sollen Männer sich also nicht dafür verbiegen und unter ALLEN Umständen die Tür aufhalten.

Geschenke: Lieber originell als teuer

Es gibt kaum eine Frau, die sich nicht über Geschenke von ihrem Liebsten freut. Wenn sie diese nicht nur zum Geburtstag oder zu Weihnachten sondern auch einmal außer der Reihe erhalten, noch umso mehr. Doch vielen Männern fällt es schwer, sich Geschenke einfallen zu lassen. Nicht wenige versuchen, fehlenden Ideen mit einem teuren Geschenk gutzumachen. Dabei kommt es den allermeisten Frauen gar nicht auf den materiellen Wert an. Es ist vielmehr die Idee, die zählt. Auch wenn Frauen teure Geschenke nicht ablehnend gegenüberstehen, sehen sagenhafte 97 Prozent der Frauen zwischen 20 und 40 sehen das so!

Die Zahnbürste teilen? Eher nicht!

Die Frage, ob das Teilen der Zahnbürste mit ihrem Partner in Frage kommt, bejahen 41 Prozent der Frauen. Die häufigste Begründung ist, dass sie schließlich auch das Bett mit ihrem Partner teilen, und dass das nicht intimer wäre als die gemeinsame Benutzung einer Zahnbürste. Das ändert aber für die Mehrheit der Frauen (59 %) nichts daran, dass sie damit kleinere bis größere Probleme haben. Ausnahmen sind – wenn überhaupt – nur in Notfällen erlaubt.

Von der Ex-Freundin erzählen oder nicht?

Jedes Paar erzählt sich mehr oder weniger häufig Stories und Anekdoten aus der Zeit, in der man noch nicht zusammen war. Doch was halten eigentlich die Frauen davon, wenn in den Erzählungen des Mannes dessen Ex-Freundin auftaucht? Die Frauen reagieren erstaunlich gelassen. Wenn es eine gute Story ist, darf der Mann sie auch erzählen. Das sehen jedenfalls 58 Prozent der Damen so. 21 Prozent geben an, dass ihr Partner die Story erzählen soll, er in den Erzählungen aber „eine Freundin“ statt „Ex-Freundin“ sagen soll. Weitere 10 Prozent der Frauen wollen die gute Story an sich zwar hören, doch die Ex-Freundin soll darin besser nicht auftauchen. Da bedarf es also eines Platzhalters. Nur 11 Prozent möchte, dass der Ihr Partner die Ex-Freundin und die gemeinsamen Geschichten am besten gar nicht erwähnt.

Bei der gleichen Umfrage kam zudem heraus, dass man sich beim ersten Date zwar durchaus über Beziehung im Allgemeinen unterhalten kann, aber sowohl die Männer als auch die Frauen konkrete Ex-Partner aber bei der ersten Begegnung besser unerwähnt lassen sollten.

Apr 15

Sommerweine für laue Sommerabende

Ist es nicht schön, wie der Weinhandel an uns denkt? Sobald die Sonne auch nur ein wenig hinter den Wolken vorlugt, lachen an jeder Straßenecke Angebote für Sommerweine, Grillweine und Terrassentropfen. Sie versprechen leichten Genuss, gute Laune und überhaupt ein Leben in Glück und Schönheit. Aber irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass hier unter dem Label „sommerlich leicht“ versucht wird, die Lager von Überbeständen an banalen, saft- und kraftlosen Gewächsen zu befreien. Was also ist dran am Sommerwein?

Im Sommer sind die Sinne empfindlicher

Dass der Sommer nach anderen Genüssen verlangt als der Winter, kann wohl jeder aus alltäglicher Erfahrung bestätigen. Die schweren Rotweinpelze kommen in den Schrank bzw. Keller und im Glas soll es luftiger, charmanter, knackiger zugehen. Das hängt eindeutig mit den Temperaturen zusammen, aber auch mit dem Stoffwechsel, der sich auf die warme Jahreszeit einstellt. Wir schwitzen mehr, also steigt der Bedarf an Salzen und Mineralstoffen. Die Säureempfindlichkeit nimmt ab, und die Lust auf (und das Angebot an) Obst und Salat steigt. Die Nase kommt ständig in den Genuss von Blüten-, Frucht oder Kräuterdüften. Die Reizschwelle für Aromen steigt, d.h. intensive Düfte werden positiver erlebt als im reizarmen Winter, wo die Nase auf Düfte empfindlicher reagiert.

Mehr Frucht – weniger Alkohol

Ein guter Sommerwein bietet also nicht weniger, sondern eindeutig mehr. Mehr Mineralität, mehr Säure, mehr Frucht, mehr Duft nach Blüten oder Kräutern. Ein guter Sommerwein hat allerdings auch weniger. Weniger Alkohohl, weniger Gerbstoffe, weniger würzige Aromen wie Schokolade, Leder oder Karamell. Ein guter Sommerwein ist somit auf andere Weise intensiv als ein Winterwein – aber „leicht“ im Sinne von einfach oder dünn ist er keineswegs.

Die beiden weißen Paradetrauben für den Sommer sind der Riesling und der Sauvignon Blanc. Sie erfüllen die Heißwetteranforderung ‚knackig, mineralisch, fruchtig’ zu hundert Prozent und sind auch im unteren Preissegment weitgehend resistent gegen alle Banalisierungsversuche. Ebenfalls in die Liga der Sommerhelden gehört der Grüne Veltliner aus Österreich, der in deutschen Supermärkten allerdings nicht immer zu haben ist.

Riesling und Savigno ideal für den Sommer

Ein großes Sommerthema sind Rosé. Die Erdbeer- und Himbeeraromen, mit denen Roséweine selten geizen, passen natürlich wunderbar in die Saison. Leider übertreiben viele Erzeuger gern ein wenig und insbesondere bei günstigen Vertretern fühlt man sich farblich und im Geschmack an flüssige Gummibärchen erinnert. Einen generellen Tipp zu geben ist schwer. Aber oft haben die Südfranzosen mit ihren Tropfen die Nase vorn.

Natürlich braucht man auch im Sommer nicht auf Rotweine zu verzichten. Typische Vertreter sind gerbstoffarme Rote aus Norditalien wie der Bardolino oder Kalterersee (Traube: Grauvernatsch). Oder Sie wagen sich an deutsche Spätburgunder. Auch Österreich meldet sich mit dem Zweigelt äußerst charmant zu Wort. All diese Weine haben allerdings einen Nachteil: Eingefleischte Fürsprecher des wuchtigen, samtigen und bisweilen kantigen Rotweinstils nehmen diese Gewächse nicht für voll. Aber auch solchen Menschen kann geholfen werden. Stellen Sie ihren Lieblingsrotwein einfach in den Kühlschrank. Ab 14° Celsius wird selbst der raubeinigste Geselle sommerkompatibel.

Lesen Sie auch: Etiketten-Schwindel – oder: Woran erkenne ich einen guten Wein?


gastbeitrag-meevioDieser Gastbeitrag wurde von den Wein-Experten von meevio verfasst. Die Weinkenner veröffentlichen hier regelmäßig Artikel, die uns die Vielfältigkeit der Weine näher bringen, vom Weißwein bis zum Rotwein.

Apr 10

Mode Zitate: Senta Berger

zitate

Senta Berger

“Mode ist die bereitwillige Bejahung der rätselhaften Tatsache, daß heute etwas schön ist, was gestern häßlich gewesen ist und was morgen unerträglich sein wird.”

Lesen Sie hier weitere Mode-Zitate.

Apr 07

Vor Ort: Heiteres Schuhpflege-Seminar von Burgol

Anders als in vielen anderen Ländern wie beispielsweise Indien oder Brasilien, wo Schuhputzer ein verbreiteter Beruf ist und es in den dortigen Gesellschaften vollkommen normal ist, sich auf offener Straße die Schuhe putzen zu lassen, reinigen die meisten Deutschen ihre Schuhe noch selbst – wenn sie es denn tun. Wie man seine Schuhe richtig putzt, zeigt und lehrt Rainer Ersfeld von Burgol-Shoecareservice in seinen Schuhpflege-Seminaren. Der Gentleman-Blog war vor Ort und hat es sich aus der Nähe angeschaut.

Workshop mit Theorie und Praxis

Das Schuhpflege-Seminar ist in Theorie und Praxis unterteilt. Die Theorie umfasst die aktive und passive Schuhpflege. Anschließend können die Teilnehmer in der Praxisphase ihr neu erlangtes Wissen unter Anleitung von Reiner Ersfeld direkt bei ihren eigenen Schuhen anwenden.

Gegen Schweißfüße und sich öffnende Schnürsenkel – zahlreiche wertvolle Tipps

In der Theorie geht es nicht nur um die richtige Schuhpflege und die Schuhputz-Werkzeuge und Schuputz-Mittel an sich. Die Teilnehmer bekommen auch zahlreiche wertvolle praxisnahe Tipps für den Alltag. Man erfährt unter anderem, wie man einen Personalausweis als Schuhlöffel benutzen kann, was gegen Schweißfüße hilft, mit wechem Kniff sich ein Schnürsenkel garantiert nicht unbeabsichtigt öffnet, und zu welcher Tageszeit man sich neue Schuhe kaufen sollte.

Ran ans Schuh-Werk

Nach der Theorie folgt die Praxis. Die Teilnehmer bringen dazu ihre eigenen Schuhe mit oder bekommen schmutzige Schuhe gestellt. Von der Schmutzentfernung über das Einwachsen bis zum Polieren kann jeder seine Schuhe wieder auf Hochglanz bringen. Laut Ersfeld neigen vor allem Männer bei der Pflege ihrer Herrenschuhe dazu, zu viel Schuhcreme zu benutzen. Doch bei dem Einsatz der Pflegemittel gilt: Weniger ist mehr, was sich im Praxistext auch schnell bewahrheitet.

Kurzweilig, anschaulich und lehrreich

Die Teilnahmegebühr für das vierständige Schuhpflegeseminar beträgt 79 Euro. Auch Dank der humorigen Art von Rainer Ersfeld und seinen zahlreichen Anekdoten vergehen die vier Stunden fast wie im Flug. Statt Frontalunterricht wie in der Schule werden die zehn bis 16 Teilnehmer auf angenehme Art und Weise eingebunden. Und am Ende haben alle garantiert blitzeblanke Schuhe, die einen makellosen Eindruck hinterlassen. Wer das Gelernte zu Hause anwendet, dem bleiben die Schuhe viele Jahre oder sogar Jahrzehnte erhalten. Und für das leibliche Wohl ist bei dem Seminar übrigens auch gesorgt. Bei dem abendlichen Seminar gibt es Käse und Wein.

Wer auch Interesse an dem Schuhpflege-Seminar hat, kann sich hier über Termine und Veranstaltungsorte informieren. Die Veranstaltungen richten sich übrigens nicht nur an Männer, Frauen sind ebenso willkommen.

Apr 03

Knigge-Essensregeln: Wie isst man was?



Dass man Kartoffeln nicht „zermatschen“ sollte, ist weitgehend bekannt. Doch bei anderen Speisen wie Austern, Geflügel oder Hummer herrscht nicht selten Unsicherheit, wie diese gesellschaftlich korrekt gegessen werden sollten. Um bei einem privaten oder beruflichen Dinner eine gute Figur zu machen, soll dem an dieser Stelle Abhilfe geschaffen werden.

Von der Ananas bis zum Hummer – Anleitung zum gesellschaftlich korrekten Verzehr

Ananas wird in der Küche vorbereitet und in verzehrbaren Stückchen oder in Scheiben serviert, die mit der Obstgabel, der kleinen Gabel oder mit Gabel und Löffel gegessen werden.

Artischocken werden in der Regel so auf einem Teller serviert, dass man von oben nach unten Blatt für Blatt abziehen kann. Mit dem dicken, fleischigen Ende des Blattes in die leckere Sauce dippen und diesen Teil des Blattes mit den Zähnen mitsamt dem Dip abziehen. Das Innere der Artischocke ist das Herz. Es besteht aus dem Boden und dem Heu. Letzteres kann man nicht essen, man hebt es ab und legt es an die Seite. Der Boden dagegen schmeckt sehr gut. Man zerschneidet ihn am Ende mit Messer und Gabel und verzehrt ihn anschließend.

Austern: Die geöffnete Auster wird mit Zitrone beträufelt und ausgeschlürft. Man sollte sie mit der kleinen Austerngabel erst von ihrem Schalenboden trennen, dafür hat die Austerngabel häufig eine Schneideseite. Dann kann man sie entweder mit diesem Werkzeug spießen, aus der Schale ziehen, verspeisen und die Flüssigkeit, das Meerwasser, gegebenenfalls vermischt mit einer leichten Essigsauce, im Anschluss durch leichtes Kippen der Schale trinken. Man kann auch alles zusammen direkt aus der Austernschale schlürfen, die man vorher an den Mund setzt.

Avocado: Sie wird im Allgemeinen halbiert serviert. Man löffelt sie aus. Eventuell mit einem Dip zusammen oder bereits püriert. Nur die dunkelgrüne, kräftige Lederhaut bleibt übrig.

Bananen besitzen von Natur aus den praktischen Bananen-Reißverschluss, mit dem sie allerdings nur zu öffnen sind. Die Banane stattdessen mit Messer und Gabel zu öffnen, ist erlaubt, wirkt aber ein bisschen albern. Die von der Schale entkleidete Banane isst man dann mit (Obst-) Messer und Gabel.

Fisch durfte früher nur mit dem Fischbesteck, oder ersatzweise mit zwei Gabeln, zerlegt und gegessen werden. Ausnahmen galten und gelten auch heute noch für Matjes, Rollmöpse sowie Räucheraal und geräucherten oder gebeizten Lachs. Denn diese Meerestiere erfordern wegen der Festigkeit ihres Fleisches ein richtiges Messer mit richtiger Schneide. Heute sieht man den Verzehr von Fisch aber auch mit normalem Besteck nicht mehr so streng. Denn der wahre Grund, warum man Fisch nicht mit einem Messer schneidet, ist mit den rostfreien Stahlklingen entfallen. So ist das Fischbesteck eigentlich nur noch ein Relikt an gute alte Zeiten.

Geflügel, wie Enten, Gänse, Fasane, Tauben, Rebhühner, Poularden und anderes Federvieh, kommt entweder schon zerteilt, mitunter sogar entbeint auf den Tisch. Dann ist es leicht. Oder man muss sich mit dem großen Tranchiermesser sein Stück abschneiden, etwas Brust, einen Flügel oder ein Bein. Wenn auf dem Tisch Fingerschalen stehen – das sind kleine Schälchen mit Wasser und einer Zitronenscheibe, um sich darin seine Finger waschen und mit der Serviette abtrocknen zu können – darf man die Beine in die Hand nehmen und abnagen. Aber eben nur dann. Es geht aber auch gut mit Messer und Gabel!

Hummer isst man mit Hummergabeln. Mit diesem langen und schmalen Gabelwerkzeug lässt sich das Fleisch aus den Gliedmaßen des Hummers ziehen.

Zum Abschluss noch einmal zu den Kartoffeln: Wie bereits eingangs erwähnt, werden diese nicht zermatscht. Sie werden aber genauso wenig mit dem Messer zerschnitten, das gilt ebenfalls als unfein. Dies hat – genauso wie beim Fisch – seinen Ursprung darin, dass die Silbermesser bis vor einigen Jahrzehnten noch nicht über die rostfreien Stahlklingen verfügten und die Kartoffeln so den üblen Geschmack des Metalls annahmen.


Gastartikel von Uwe Fenner, Leiter des Instituts für Stil und Etikette. In seinen Beiträgen schreibt der Stilcoach und Buchautor über Knigge und Benimm in allen Lebenslagen.