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Apr 15

Sommerweine für laue Sommerabende

Ist es nicht schön, wie der Weinhandel an uns denkt? Sobald die Sonne auch nur ein wenig hinter den Wolken vorlugt, lachen an jeder Straßenecke Angebote für Sommerweine, Grillweine und Terrassentropfen. Sie versprechen leichten Genuss, gute Laune und überhaupt ein Leben in Glück und Schönheit. Aber irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass hier unter dem Label „sommerlich leicht“ versucht wird, die Lager von Überbeständen an banalen, saft- und kraftlosen Gewächsen zu befreien. Was also ist dran am Sommerwein?

Im Sommer sind die Sinne empfindlicher

Dass der Sommer nach anderen Genüssen verlangt als der Winter, kann wohl jeder aus alltäglicher Erfahrung bestätigen. Die schweren Rotweinpelze kommen in den Schrank bzw. Keller und im Glas soll es luftiger, charmanter, knackiger zugehen. Das hängt eindeutig mit den Temperaturen zusammen, aber auch mit dem Stoffwechsel, der sich auf die warme Jahreszeit einstellt. Wir schwitzen mehr, also steigt der Bedarf an Salzen und Mineralstoffen. Die Säureempfindlichkeit nimmt ab, und die Lust auf (und das Angebot an) Obst und Salat steigt. Die Nase kommt ständig in den Genuss von Blüten-, Frucht oder Kräuterdüften. Die Reizschwelle für Aromen steigt, d.h. intensive Düfte werden positiver erlebt als im reizarmen Winter, wo die Nase auf Düfte empfindlicher reagiert.

Mehr Frucht – weniger Alkohol

Ein guter Sommerwein bietet also nicht weniger, sondern eindeutig mehr. Mehr Mineralität, mehr Säure, mehr Frucht, mehr Duft nach Blüten oder Kräutern. Ein guter Sommerwein hat allerdings auch weniger. Weniger Alkohohl, weniger Gerbstoffe, weniger würzige Aromen wie Schokolade, Leder oder Karamell. Ein guter Sommerwein ist somit auf andere Weise intensiv als ein Winterwein – aber „leicht“ im Sinne von einfach oder dünn ist er keineswegs.

Die beiden weißen Paradetrauben für den Sommer sind der Riesling und der Sauvignon Blanc. Sie erfüllen die Heißwetteranforderung ‚knackig, mineralisch, fruchtig’ zu hundert Prozent und sind auch im unteren Preissegment weitgehend resistent gegen alle Banalisierungsversuche. Ebenfalls in die Liga der Sommerhelden gehört der Grüne Veltliner aus Österreich, der in deutschen Supermärkten allerdings nicht immer zu haben ist.

Riesling und Savigno ideal für den Sommer

Ein großes Sommerthema sind Rosé. Die Erdbeer- und Himbeeraromen, mit denen Roséweine selten geizen, passen natürlich wunderbar in die Saison. Leider übertreiben viele Erzeuger gern ein wenig und insbesondere bei günstigen Vertretern fühlt man sich farblich und im Geschmack an flüssige Gummibärchen erinnert. Einen generellen Tipp zu geben ist schwer. Aber oft haben die Südfranzosen mit ihren Tropfen die Nase vorn.

Natürlich braucht man auch im Sommer nicht auf Rotweine zu verzichten. Typische Vertreter sind gerbstoffarme Rote aus Norditalien wie der Bardolino oder Kalterersee (Traube: Grauvernatsch). Oder Sie wagen sich an deutsche Spätburgunder. Auch Österreich meldet sich mit dem Zweigelt äußerst charmant zu Wort. All diese Weine haben allerdings einen Nachteil: Eingefleischte Fürsprecher des wuchtigen, samtigen und bisweilen kantigen Rotweinstils nehmen diese Gewächse nicht für voll. Aber auch solchen Menschen kann geholfen werden. Stellen Sie ihren Lieblingsrotwein einfach in den Kühlschrank. Ab 14° Celsius wird selbst der raubeinigste Geselle sommerkompatibel.

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gastbeitrag-meevioDieser Gastbeitrag wurde von den Wein-Experten von meevio verfasst. Die Weinkenner veröffentlichen hier regelmäßig Artikel, die uns die Vielfältigkeit der Weine näher bringen, vom Weißwein bis zum Rotwein.



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