Archive for Mai, 2010

Mai 31

Tipp: Veranstaltungsreihe “Gentlemen Experience” von GQ & Bombay Sapphire

Lust auf interessante Abende in angenehmer Gesellschaft? Das Männerlifestyle-Magazin GQ (Gentlemen’s Quarterly) und Bombay Sapphire laden in mehreren deutschen Großstädten zum Gentlemen Experience 2010, bestehend aus einer Reihe von exklusiven Events. Diese haben unterschiedliche Themenschwerpunkte und stehen ganz im Zeichen von Lifestyle & Trends, zeitgenössischem Design und moderner Barkultur – nicht nur für den modernen Gentleman inspirierend.

Alexandra Kamp liest aus ihrem Hörbuch „Sexus“

Der Gentleman-Blog war in der Berliner Shochu-Bar am Brandenburger Tor vor Ort, um sich ein eigenes Bild von der Veranstaltungsreihe zu machen. Wir wurden nicht enttäuscht! Zu Beginn las die prominente Münchener Schauspielerin Alexandra Kamp aus ihrem erfolgreichen Hörbuch „Sexus” , welches auf Henry Millers Roman basiert, vor. Mit ihrer Lesung zog sie die Zuhörer schnell in ihren Bann, muxmäuschenstill  lauschten sie ihren Worten. Doch auch die Gastgeber und vor allem das Publikum sorgten für eine angenehme und unaufgeregte Atmosphäre. Trotz freien Eintritts und kostenlosen schmackhaften Drinks war die Veranstaltung nicht überlaufen, sondern eher ein Insider-Tipp.

Eintritt, Drinks und interessante Gespräche kostenlos

Die nächsten beiden Termine sind der 09. Juni in Düsseldorf in der „Tobar“ und einen Tag später, am 10. Juni in der Frankfurter „Halle der Helden“, bevor die Reihe dann im Herbst fortgesetzt wird. In Düsseldorf wird Alexandra Kamp ebenfalls Millers „Sexus“ vortragen. Der Abend im Frankfurt steht im Zeichen der neuesten technischen Accessoires und Errungenschaften für die Herren der Schöpfung. Anmeldungen sind über GQ-Online möglich, wo man sich auf die Gästeliste setzen lassen kann. Hier geht es zur Anmeldung.

Der Gentleman-Blog wünscht viel Vergnügen!

Mai 29

Höflichkeit muss von Herzen kommen

Dass Fragen der Höflichkeit und des guten Benehmens in den vergangenen 30 Jahren so wenig beachtet wurden, oder häufig sogar auf Ablehnung und Spott stießen, hängt wohl mit dem Missbrauch der Höflichkeitsfloskeln zusammen, die man aus der sicher teilweise auch verlogenen Welt der „guten Gesellschaft“ von früher her kannte. In dieser Welt war es selbstverständlich, dass ein feiner Mann, der von einer Dame um einen Gefallen gebeten wurde, antwortete: „Mit dem allergrößten Vergnügen, gnädige Frau“, auch wenn er es innerlich ablehnte vor Zorn, weil er in dem Moment eigentlich etwas völlig anderes vorgehabt hatte, als jener alten Schrabnelle den Mantel zu holen. Diese Divergenz war es, die zu Recht als Unehrlichkeit entlarvt wurde.

Dies kann jedoch auch ein bequemes Argument sein, um sich vor Höflichkeit und ungeliebten Hilfsdiensten zu drücken. Dabei sollte ein (junger) Mann es als Ehrenpflicht ansehen, einer Dame in den Mantel zu helfen – als eine sich glücklicherweise bietende Gelegenheit, einer Dame seine Aufmerksamkeit, seine Wertschätzung und sein gutes Benehmen zu zeigen. Doch eine Dame, die ihren Begleiter dazu auffordert, ihr den Mantel zu holen, ist meist keine Dame, denn Höflichkeiten werden – zumindest unter Gleichrangigen – niemals eingefordert.

Gleichrangige fordern untereinander keine Höflichkeiten ein

Ein Chef kann seinen Lehrling jedoch durchaus darauf hinweisen, dass er ihm behilflich sein sollte. Mitarbeiter, die nicht auf die Idee kommen, einem mit zwei schweren Akten- oder Reisetaschen bepackten Chef eine der Taschen abzunehmen, sollte zu einem Benimmtraining geschickt werden. In solchen Fällen kann oder muss der Vorgesetzte einen Gefallen, eine Höflichkeit einfordern.

Ist hier Ehrlichkeit vorzuziehen, indem man sagt, man habe „keinen Bock“ darauf, Hilfestellung zu geben? Das muss jeder für sich entscheiden. Meiner Auffassung nach, sollte jeder versuchen, mit Freude höflich und gefällig zu sein. Es bereitet Freude, Stil und Etikette, Hilfsbereitschaft und Höflichkeit anderen gegenüber zu zeigen. Diese gelebte Höflichkeit kommt zurück und führt auf diese Weise zu mehr Lebensfreude. Dazu muss man sich allerdings ein wenig zurücknehmen und dazu durchringen, seien Mitmenschen wichtig und erst zu nehmen und ihnen wahrhaft gerne gefällig sein.

Nur ernstgemeinte Hilfe und ernstgemeinter Dank sind wahrhaftig

Hält einem jemand beispielsweise die Tür auf, doch diesem jemand entgleitet die Tür aus seiner Hand, so dass sie gegen die Schulter fällt, kann und sollte man sich bei demjenigen dennoch bedanken. „Das ist reizend von Ihnen“. Indem man den Dank mit einer herzlich dankenden Stimme äußert, sein gegenüber anlächelt, erkennt jeder sofort, dass es ein erst gemeinter Dank ist, Obwohl die Tür entglitten ist, wurde die gute Absicht bemerkt und honoriert.

Derselbe Satz könnte aber auch vorwurfsvoll-ironisch ausgesprochen werden, so dass seine Bedeutung in etwa die folgende ist: „Das ist ja reizend von Ihnen, die Tür vor meiner Nase loszulassen, damit sie mir entgegenfällt.“ Unterstrichen mit einem bösen Blick und einem Kopfnicken, dass die Ironie dieses Ausspruches unterstreicht. Mit ein und demselben Satz können also zwei gänzlich verschiedenen Aussagen getroffen werden. Der Ton macht die Musik. Es kommt oft nicht in erster Linie darauf was genau man sagt, sondern man es sagt und wie man es rüberbringt.

Dieses kleine Beispiel aus dem alltäglichen Leben zeigt, dass sich Höflichkeitsfragen und Benehmen nicht in mehr oder weniger artigen Bemerkungen erschöpfen. Sie müssen von Herzen können. Worte und Taten sollten ebenso übereinstimmen wie die gesprochene Worte und nonverbale Signale.

Lesen Sie auch: Schlechtes Benehmen ist eine Sache der Moral

Gastartikel von Uwe Fenner, Leiter des Instituts für Stil und Etikette. In seinen Beiträgen schreibt der Stilcoach und Buchautor über Knigge und Benimm in allen Lebenslagen.

Mai 26

Kindermänner

Viele Väter kleiden sich heute so wie ihre achtjährigen Söhne. Dabei meine ich wohlgemerkt nicht jene Väter, die vor Erreichen der Volljährigkeit Kinder haben. Ich rede von Mittdreißigern oder Vierzigjährigen, deren Garderobe aus bunten T-Shirts, Jeans und Turnschuhen zu bestehen scheint. Insofern kann man auch nicht mehr von Jugendwahn reden, passender wäre das Wort Kindheitswahn.

Ist das schlimm? Ich weiß es nicht. Ich finde es auf jeden Fall bemerkenswert. Denn es gab Zeiten, da wollten Väter nicht wie Kinder aussehen, allenfalls der Nachwuchs wie die Erwachsenen. Das funktionierte dann so, dass die Jungs möglichst früh lange Hosen haben wollten. Heute ist es umgekehrt. Die Erwachsenen wollen ihr Leben lang kurze Hosen tragen. Ich habe keinen missionarischen Eifer in Modedingen, von mir aus soll sich jeder so anziehen, wie er mag. Allerdings treten ab und zu doch mal Probleme auf. Und bei denen bin ich dann hin und wieder gefragt. Zum Beispiel bei Coachings. Da wollen die großen Kinder plötzlich wissen, wie man eine Krawatte bindet. Oder worauf sie beim Anzugkauf achten müssen.

Kleidungs-Grundlagen für Männer

Da komme ich mir ein bisschen wie ein Grundschullehrer vor, der Dinge nachholen muss, die im Elternhaus verpasst wurden. Allerdings ist es kein großes Ding, einem erwachsenen Mann ein paar Grundlagen beizubringen. Das dauert nur ein paar Stunden. Und es macht Spaß. Und zwar beiden. Dem bisher nicht in Anzug- und Krawattendingen bewanderten Zuhörer und mir. Denn ich kann zusehen, wie das Kind im Mann in kürzester Zeit zu voller Größe wächst. Wenn er nämlich feststellt, dass er in einem dunklen Anzug irgendwie doch anders rüberkommt als in Sweatshirt und Cargohosen. Übrigens will ich niemanden davon abhalten, so etwas zu tragen. Aber eben nur nicht ausschließlich. Manchmal hilft es nämlich, wenn die Kleidung Kompetenz ausstrahlt.

„Man sieht nur, was man weiß“

Das Coaching beginnt in der Regel mit einem Goethe-Zitat. Es lautet: „Man sieht nur, was man weiß.“ Wer nicht weiß, dass Sakkoärmel zu lang sind, wenn sie bis zu den Knöcheln der Finger reichen, wird es nicht sehen. Wer aber darauf hingewiesen wurde, dass die Hemdenmanschette aus dem Ärmel herausschauen soll, wird beim nächsten Anzugkauf darauf achten. Und sich vielleicht wundern, dass der Verkäufer ihm etwas anderes erzählt. Der hat dieses Grundlagenwissen leider oft vergessen. Falls es ihm überhaupt jemals vermittelt wurde. Viele Männer freuen sich auch schon, wenn sie in Ruhe ein Krawattenknoten gezeigt bekommen. Das geht ganz schnell und nebenbei erzähle ich noch ein bisschen was über Binder im Allgemeinen. Wie sie genäht werden, woran man gute Exemplare erkennt und wie Flecken daraus entfernt werden. Ein oder zwei Sitzungen genügen, um diese und andere Dinge an den Mann zu bringen. Ob das dann seinen Kleidungsstil im Alltag verändert, weiß ich nicht. Aber immerhin kann er dann seinem Sohn irgendwann diese praktischen Tipps weitergeben. Und der muss sich dann nicht mehr an Leute wie mich wenden. Ist zwar irgendwie auch schade. Besser ist es aber doch.

Gastbeitrag von Stil-Papst Bernhard Roetzel, Autor des Buches “Der Gentleman. Handbuch der klassischen Herrenmode”. Für den Gentleman-Blog schreibt er exklusive Kolumnen über Kleidung, Stil und Persönlichkeit eines Gentleman.

Mai 20

Die richtige Farbwahl (1): Welche Farben passen zu mir?

Grün ist nicht gleich Grün. Und Rot ist nicht gleich Rot. Da wären Ziegelrot, Kirschrot, Ferrarirot, Himbeerrot, Blutrot, Zinnoberrot, Hummerrot und Scharlachrot – und das sind nur ein Zehntel der allgemein bekannten Rottöne. Aber welcher passt zu mir?

Diese Frage stellte ich mir schon früh, denn kräftiges Rot ist eine meiner Lieblingsfarben. In meinem Leben vor der Farbberatung(-sausbildung) konnte ich mir das auch nicht ganz klar beantworten. Immerhin fiel mir auf, dass ich in einigen meiner zahlreichen roten Pullover richtig toll aussah, in anderen aber irgendwie nicht so und ich fühlte mich sogar etwas unwohl darin, ohne dass es am Material gelegen hätte. Durch die „guten“ Shirts leuchteten meine Augen noch blauer als sonst, meine Lippenkontur wirkte klarer und mein Teint ganz frisch. In den anderen kam mir meine Haut oft fleckig gerötet vor, der Blick war irgendwie müde.

Der Unterfarbton macht die Musik

Heute ist mir klar, es liegt am Unterton des Rots (oder Blau, oder Grün, …) und der wird durch den Gelbanteil in der Farbe bestimmt. Dadurch entstehen so genannte warm- oder kalttonige Farben. Warmtonig sind Farben, deren Gelbbeimischung über 50 Prozent liegt. Tomatenrot z.B., aber auch Lindgrün, Orange, Petrol oder Rostbraun. Kalttonige Farben enthalten weniger als 50 Prozent Gelb oder zum Teil sogar gar keins. Dazu gehören unter anderem Marineblau, Pink, Mint, Flieder und Grau.

Ob jemand eher auf einen hohen oder geringen Gelbanteil in seinen Kleiderfarben achten sollte, hängt mit seinem individuellen Hautcolorit zusammen. Das setzt sich aus dem Hautton, der Haarfarbe, Lippenfarbe und der Augenfarbe zusammen. Zwecks Vereinfachung – denn da jeder Mensch in seinem Aussehen einzigartig ist, hat schließlich jeder eine ganz individuelle Farbpalette – wurden verschiedene Farb-Analyse-Systeme entwickelt, die Menschen mit bestimmten Pigmentmerkmalen zu Farbtypen zusammenfassen.

Der Schlüssel liegt im individuellen Hautcolorit

Besonders etabliert haben sich die Farbberatung nach Dominanztypen nach den vier Jahreszeiten. Bei diesen Dominanzen wird die Charakteristik der passenden Palette durch bestimmte Farbmerkmale beschrieben. Zur Auswahl stehen dabei warm/kalt, klar/gedeckt und hell/dunkel.

Bei den vier Jahreszeiten orientiert man sich bei den Farbempfehlungen, wie der Name schon andeutet, tatsächlich am Farbspektrum, welches wir zur entsprechenden Jahreszeit in der Natur vorfinden. Die folgende Kategorisierung hilft den unterschiedlichen Typen somit bei der richtigen Farbwahl.

Die vier Dominanztypen nach Jahreszeiten

Frühling: helle, leuchtende, warmtonige Farben. Sie stehen Menschen mit leicht elfenbeinfarbenem oder gelblichem Hautton gut, deren Haar, Wimpern und Augenbrauen hell sind und einen rötlich-goldenen Schimmer aufweisen. Auch die oft vorhandenen Sommersprossen haben immer einen Goldton. Ein prominenter Vertreter diese Gruppe ist Boris Becker.

Sommer: kühle, gedeckte und helle Farben passen zu Personen mit bläulich-kühlem Hautton, der leicht in der Sonne bräunt und dessen Augenfarbe meist eine Mischung aus Grau, Blau und Grün ist. Neben kühlem Blond gibt es auch noch Aschblond als Haarton, der oft zu Färbe-Experimenten verleitet, da er von vielen als langweilig empfunden wird. Typischer Vertreter ist dabei so ziemlich jeder Zweite, der Ihnen über den Weg läuft, denn der Sommertyp ist sehr facettenreich und in Mittel-/West-Europa stark verbreitet. Heidi Klum ist eine von Ihnen.

Herbst: warm, gedeckt, dunkel. Harmoniert bei rotgoldenem Hautton, der auch mal ins Oliv geht und stark zu Sommersprossen neigt. Sonne kann der Herbsttyp überhaupt nicht gut vertragen. Seine Augen sind oft grün oder Mittel- bis Dunkel-Braun wie das Haar, ein kupferroter Schopf ist ebenfalls ein typisches Merkmal. So gesehen auch bei Schauspieler Rupert Grint, bekannt aus den Harry Potter Filmen.

Winter: kalt, kräftig, dunkel. Das Haar ist von kühlem Braun bis Schwarz, auch die Augenbrauen und Wimpern bilden einen klaren Kontrast zur kalttonigen Haut. Die Augenfarbe hebt sich intensiv vom Augenweiß ab, meist in leuchtendem Blau, Grün, Stahlgrau oder Schwarzbraun. Jemand mit diesen Merkmalen wird auch „Schneewittchentyp“ genannt.

Lesen Sie auch: Das persönliche Image

Gastartikel von Sophie B. Krüger. In ihren Beiträgen für den Gentleman-Blog berichtet die Diplom-Imageberaterin und Inhaberin von “Imageconsulting Berlin” über Image, Status und Stil.

Mai 17

Für einen guten Wein braucht man keinen Anlass, der Wein ist Anlass genug

Oft kommen Kunden oder Fremde in unseren kleinen Weinladen Planet Wein am Gendarmenmarkt in Berlin und haben selbst eine Flasche Wein dabei, bekannte oder unbekannte Tropfen. Alle diese Weine und ihre Besitzer haben eine Geschichte, wie sie zueinander gefunden haben. Manchmal möchten die Besitzer diese Weine veräußern oder zumindest den Wert der Flasche erfragen. Allerdings wird ein seriöser Weinhändler nie einen Wein, schon gar nicht eine Einzelflasche kaufen ohne um die genaue Herkunft zu wissen, jedenfalls nicht für den Weiterverkauf. Manchmal greift man dennoch zu, und öffnet den Wein auf einer Verkostung oder einfach so aus Interesse, also auf eigenes Risiko und leider wird man auch oft enttäuscht.

Viele dieser Besucher wollen eben einfach den Wert des Weines wissen, ob er noch trinkbar ist und ob und wann sie ihn öffnen sollen. Manchmal ist das einfach. Zum Beispiel kann man bei jungen, bekannten Weinen davon ausgehen, dass sie weder überlagert noch über eine entscheidend lange Zeit falsch gelagert wurden. Und da sie bekannt sind, gibt es auch einen relativ leicht zu taxierenden Wert. Schwerer wird es bei alten oder unbekannten Weinen, bei denen die Chance besteht, lange unsachgemäß gelagert worden zu sein, oder die aus unbekannten Regionen oder von so kleinen Produzenten kommen, dass man sie weder in Büchern noch im Internet wiederfindet.

Die „Grand Crux“ mit der Erwartungshaltung – sie ist der größte Feind eines Genussmomentes

Den meisten Besuchern, die mit Ihren Fundstücken und Geschenken zu mir kommen und Rat suchen, kann ich helfen. Ich sage ihnen, sie sollen den Wein so schnell wie möglich trinken, denn es gibt keine bessere Möglichkeit den Inhalt zu erfahren. Ich gehe sogar noch weiter und rate ihnen auf gar keinen Fall einen besonderen Moment abzuwarten um das vermeintliche Schmuckstück zu öffnen, denn der größte Feind eines Genussmomentes ist die Erwartungshaltung. Ich empfehle also, an einem Tag der weder ein eigener runder Geburtstag noch ein sonstiger Jubeltag ist – vielleicht einfach an einem Tag, der zum Abschluss einen guten Tropfen verdient hat – diese Flasche aufzumachen. In den allermeisten Fällen bekomme auf diesen Ratschlag später positive Resonanz, denn es gibt kaum ein schöneres Erlebnis als sich von einer guten Flasche Wein überraschen zu lassen, vor allem wenn man sie sowieso gefunden oder geschenkt bekommen hat. So baut man eine – wenn auch kurze – freundschaftliche Beziehung zu genau dieser Flasche auf, ein Wein–Quicky sozusagen, denn diese Flaschen sind meistens nicht mehr nachzukaufen – und wenn, wäre es ja auch nicht mehr der selbe Genussmoment. Zuviel Ehrfurcht oder der Versuch Kapital aus dem Fund oder Geschenk zu schlagen sind vom genießerischen Standpunkt nur kontraproduktiv. Allerdings ist es ratsam für den Fall, dass diese Flasche doch nicht mehr schmackhaft ist eine andere, gute Flasche in der Hinterhand zu haben.

1996er Chateau La Tour Carnet ein Wein für alle Fälle

Dafür eignet sich zum Beispiel ganz hervorragend ein 1996er Chateau La Tour Carnet. Das Weingut liegt in der Gemeinde Saint-Laurent im Médoc. Der Ursprung geht auf das 13. Jahrhundert zurück. Im Jahre 1427 verschenkte Jean de Foix den Besitz an seinen Stallmeister Carnet, der ihm den Namen gab. Nach wechselvoller Geschichte mit vielen Besitzern ging es 1962 in die Hände der Familie Lipschitz. Seit 1999 ist es in Besitz von Bernard Magrez, dem auch das Château Pape-Clément gehört. Bei der Bordeaux-Klassifizierung 1855 erhielt es den vierten Rang (Quatrième Cru Classé). Die Weinberge mit 40 Hektar Rebfläche sind mit Cabernet Sauvignon (53%), Merlot (33%), Cabernet Franc (10%) und Petit Verdot (4%) bestockt. Der langlebige Rotwein wird 12 bis 18 Monate in zu 60 Prozent neuen Eichenfässern ausgebaut.

Der 1996er Chateau La Tour Carnetduftet nach Brombeere und Cassis und hat eine schöne Röstnote vom Barriqueausbau. Am Gaumen zeigt er sich gut balanciert mit mittlerem Körper und feinen Gerbstoffen. Momentan auf dem Höhepunkt und doch noch einige Jahre lagerfähig.

Über den Autor

»In München geboren – in der Welt zu Hause.« Mit diesem Vorsatz zog der im Bayrischen Wald aufgewachsene, und im schönen Regensburg nach einigen Semestern Geographie und Politologie der Universität entronnene Matthias Martens nach seiner Lehre zum Hotelfachmann in die weite Welt. Seine Liebe zum Wein war schon lange entbrannt und nach Lehr- und Wanderjahren in der Gastronomie erkor er Berlin als seine Wahlheimat aus. Heute führt er mit seiner Frau Anja Schröder einen der schönsten und bestsortierten Weinladen der Hauptstadt: Planet Wein am Gendarmenmarkt.

Gastbeitrag von Matthias Martens. Im Gentleman-Blog schreibt der Weinliebhaber und Inhaber des Berliner Weinladens Planet Wein fortan regelmäßig über die vielfältige und geschmackvolle Welt der Weine.

Mai 13

iGentleman – Der Style Guide als iPhone-App für den Gentleman

Auch ein Gentleman verschließt sich nicht der Moderne. Das beweist Bernhard Roetzel, Autor des weltbekannten Buches „Der Gentleman – Handbuch der klassischen Herrenmode“. Auf Grundlage dieses Buches plus sehr vieler neuer Inhalte hat der „Stil-Papst“ nun eine neue iPhone-Applikation, auf den Markt gebracht, die iGentleman, Diese soll Männern beim Erwerb von Anzügen, Hemden, Herrenschuhe etc. ein kompetenter Ratgeber sein. Hintergrund ist der, dass viele Männer tage- und wochenlang über den Kauf von Unterhaltungselektronik oder Autozubehör brüten, Preisvergleiche anstellen, Testberichte lesen und Vor- und Nachteile der einzelnen Produkte abwägen. Doch über den Kauf hochwertiger Kleidung, die bisweilen ähnlich Preiskategorie erreicht, ist den Herren der Schöpfung die Recherche und Auseinandersetzung damit oftmals sehr fremd. Somit laufen sie nicht nur Gefahr bei der Wahl ihrer Garderobe stilistische Fehler zu begehen, sondern auch zu hohe Preise zu bezahlen. Die iGentleman schafft praktische Abhilfe.

Inhaltlich gliedert sich die Gentleman-App dabei in fünf Menüpunkte: Business-Garderobe, Festliche Garderobe, Casual Garderobe, Schuhe und ein Marken-ABC samt Glossar von A wie Anzug bis Z wie Zylinder.

Hoher Praxisbezug dank multimedialer Inhalte

“Man sieht nur, was man weiß”, lautet eines der Lieblingszitate von Autor Bernhard Roetzel. Dem lässt sich nicht widersprechen. Mit der iGentleman-App möchte er Kompetenz und Know-How vermitteln und stellt dabei einen direkten Praxisbezug her. Dazu liefert die App Antworten auf nahezu alle Fragen rund um die Herrenmode wie z.B. Wie kombiniere ich Hemd, Krawatte und Anzug? Worauf sollte man beim Schuhkauf achten? Wer oder was verbirgt sich hinter Markennamen und Labels? Was genau sind “rahmengenähte Schuhe“, und was bedeutet “Super 100’s” oder “unverklebte Einlage”? Welche Garderobe trage ich im Büro und was bei einer Hochzeit? Dank dieser App ist das Wohl oder Wehe des Einkaufes somit nicht mehr allein von der Kompetenz des jeweiligen Verkäufers abhängig.

Auch die multimediale Darstellung vereinfacht das Verständnis zu den einzelnen Punkten ungemein, denn ein Bild (bzw. ein Film) sagt bekanntlich oft mehr als 1000 Worte. Beispielsweise lässt sich das Binden eines Krawattenknotens mit einer filmischen Anleitung deutlich anschaulicher darlegen als mittels einer verbalen Beschreibung. Weiteres Feature: Der Adressen-Guide. Per GPS kann man sich die nächsten Bezugsquellen des gewünschten Produktes inklusive der dazugehörigen Route dorthin anzeigen lassen. So lassen sich zeitraubende und teils frustrierende Besuche von Geschäften vermeiden, in denen es das gesuchte Kleidungsstück gar nicht gibt.

Das Design ist einer Gentleman-App würdig

In Sachen Funktionalität zeichnet sich die iGentleman durch eine hohe Usability aus. Die Menüführung ist intuitiv zu bedienen, selbst ohne ein iPhone-Profi zu sein. Auch das Design der App ist sehr stilvoll und ansprechend umgesetzt. Der Style Guide hält in dem Punkt also das, was man auch von ihm erwarten durfte. Seit Mai dieses Jahres ist „iGentleman – The Style Guide“ für 4,99 Euro im Apple-Store erhältlich.

Lesen Sie auch: Stil-Papst Bernhard Roetzel im Interview über Kleidung und Persönlichkeit eines Gentleman.

Mai 10

Regen, Matsch? Galoschen schützen hochwertige Business-Schuhe!

Angesichts des Rückkehr des regenrischen Wetters wird den Besitzern hochwertiger Business-Schuhe die Laune dieser Tage gehörig vergehen. Gehandicapt durch den langen und harten Winter, ließen sie ihre Lieblinge lieber im Schrank, als dass sie ihre Schuhe dem Eis und den Salzen auf der Straße aussetzten. Dann kommt der Frühling und das Herz des Schuhliebhabers jauchzte auf – doch nur kurz, denn die nächste Schlechtwetterfront mit Regen und Matsch steht bereits vor der Tür. Doch wie kommt der geschmacksbewusste Mann bei diesen Verhältnissen, wenn er nicht auf seine Lieblingsschuhe verzichten will, ins Büro? Entweder er nimmt sie separat mit auf die Arbeit oder er ist ein reiner Schönwetterschuhträger und wartet tapfer auf das nächste Hoch. Tatsächlich bietet sich hier jedoch eine Alternative an, zu der Mann bei Regen, Nässe und Kälte greifen kann: Überschuhe!

Geschichte der Überschuhe reicht bis ins Mittelalter zurück

Über Kälte und Nässe braucht sich der Besitzer rahmengenähter Schuhe kaum zu sorgen. Zum einen schützt die Korkausballung unterhalb der Brandsohle vor kühlem Untergrund und zum anderen bewahrt eine optimale Pflege das Leder vor Nässeangriffen. Natürlich kann man den Weg ins Büro oder zur Abendveranstaltung auch mit einem Wechselschuhpaar bewältigen. Doch warum so kompliziert, wenn es auch einfach geht? Mit den Schuhen in Überschuhe schlüpfen und fertig. Es mag sich skurril anhören und tatsächlich trifft man in unseren Breiten eher selten auf solch Exemplare, dabei können sie auf eine lange Geschichte zurückblicken.

Bereits im Mittelalter schützten die wohlhabenderen Bürger ihre wendegenähten Schuhe durch sogenannte »Trippen«. Diese wurden mittels Lederriemen unter dem Schuh befestigt und schützten die Schuhe vor Nässe und bewahrten sie außerdem vor einer raschen Sohlenabnutzung. Über die Jahrhunderte wurde dieses Verfahren verfeinert. Die »Trippen« wichen im 17. Jahrhundert den »Patten« (quasi Holzschutzschuhe) und diese wiederum im 18. Jahrhundert den »Gamaschen«. Bei Letzteren handelte es sich um Überschuhe, die aus wasserabweisenden Materialien gefertigt wurden. Sie hielten sich noch bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts.

Vulkanisation führte zum Boom des Überschuhs

Heutige Überschuhe haben ihren Ursprung in Amerika, wo man 1820 »Overshoes« entwickelte, deren Bestandteile zuvor in Südamerika mit Gummimilch eingestrichen wurden. Sie boten bereits einen exzellenten Schutz vor Nässe, hatten jedoch den Nachteil, dass sie bei Kälte rasch brüchig und bei Hitze klebrig wurden. Die Vulkanisation von Kautschuk brachte dann den Durchbruch.

Die Galosche, der Überschuh der Gegenwart, besteht aus Gummi und ist äußerst eng anliegend und dabei doch sehr elastisch. Ausgestattet sind sie mit einer rutschfesten Sohle, hinterlassen optisch einen passablen Eindruck und sind preiswert in der Anschaffung. Bei Bedarf werden sie rasch über die eigentlich Schuhe gestreift und schützen diese vor Nässe, Verschmutzungen oder sonstigen negativen äußeren Einflüssen. Ganz abgesehen davon, dass ihre Sohle der Ledersohle bei dem aktuellen Wetter um Weiten überlegen ist. Im Büro angekommen, entledigt man sich der Galoschen und kann auf sein optisch einwandfreies und passgenaues Schuhwerk vertrauen.

Galoschen in Deutschland noch ein Geheimtipp

In Deutschland sind die Galoschen im Übrigen noch ein absoluter Geheimtipp. Lediglich ein paar hundert derartiger Überschuhe werden hier jährlich abgesetzt. Anders sieht es in den USA, dem Mutterland der Galosche, aus. Große Fabriken bedienen die gleichbleibend hohe Nachfrage.

Insofern sind die Galoschen sicherlich einen Blick wert. Und wenn auch der Regen wieder geht, die nächste Schlechtwetterfront kommt bestimmt. Mit Galoschen bleiben zumindest die edlen Schuhe in bester Verfassung, wenn es unser Gemüt wegen des nasskalten Wetters schon nicht ist.

shoepassionDieser Gastbeitrag wurde von den Herrenschuh-Experten von Shoepassion verfasst. Die Herrenschuh-Liebhaber geben uns regelmäßig Einblicke in die faszinierende Welt des Herrenschuhs.

Mai 07

Mode Zitate: Georg Christoph Lichtenberg

zitate

Georg Christoph Lichtenberg

Es ist ja doch nun einmal nicht anders: Die meisten Menschen leben mehr nach der Mode als nach der Vernunft.

Lesen Sie hier weitere Mode-Zitate.

Mai 02

Fundgrube: Gentleman Linktipps (5)

Die Zeit ist reif für neue Gentleman Linktipps. Diesmal im Programm: eine stylische und vor allem kugelsichere „James Bond Uhr“, ein äußerst praktisches Weinabo für Weinliebhaber, Tipps für die perfekte Rasur und die Beschreibung der unterschiedlichen Wirkungen unterschiedlicher Bartschnitte. Außerdem Tipps für Ladies, die aus ihrem Partner einen Gentleman machen wollen.

Gentleman Linktipps

Männer, traut euch keiner über den Weg oder reagieren die Mitmenschen irritiert, wenn Sie Euch gegenübertreten? Vielleicht liegt es an Eurem Bart. Die Grafik „The Trustworthiness of Beards“ zeigt auf anschauliche und humorvolle Weise, welcher Bartschnitt was signalisiert.

Wer noch Tipps für die perfekte Rasur braucht, die GQ weiß wie es geht. Auch für Bartträger geeignet, denn der Artikel enthält auch Tipps für die optimale Rasur von Bartkonturen.

Eine Uhr, die James Bond würdig wäre, die Tread 1 von Denon Works. Zwar verfügt der Zeitmesser nicht über geheime Extras wie einen eingebauten Laser oder einen Magneten, mit dem 007 seine Gegner entwaffnet oder einem Bond-Girl den Reißverschluss des Kleides öffnet. Aber stattdessen ist sie kugelsicher! Das Gehäuse der 15.000 bis 20.000 Euro teuren Uhr ist aus rostfreiem Stahl hergestellt und das Glas aus Polycarbonate-Kristall. Bei dem Preis wahrlich kein Schnäppchen, aber dafür kann dem Chronometer nicht einmal eine Gewehrkugel etwas anhaben. Und überaus stylisch ist sie auch, wie das Video beweist:

Ein Angebot für Weinfreunde und solche, die es werden wollen. Viel angenehmer kann man seinen Wein-Horizont nicht erweitern. Für monatlich 20 Euro kann der vinophile Gentleman ein Planetwein-Abo erwerben. Vom exklusiven Berliner Weinladen „Planet Wein“ bekommen Weinliebhaber damit alle dann vier Wochen einen hochwertigen Wein vom versankostenfrei nach Hause geschickt. Zu jedem gelieferten Wein gehört eine explizite Beschreibung, die den Wein vorstellt sensorisch beschreibt. Kundenfreundlich und risokofrei ist es auch: Das Abo ist jeweils zum Monatsende kündbar.

An dieser Stelle ausnahmsweise ein Linktipps für die Ladies: The Gentleman’s Ten – Upgrade your Gent’s Style. 10 Tipps für Frauen, um ihrem Partner unter anderem mit bestimmten Bemerkungen und Verhaltensweisen, Geschenken und gemeinsamen Shopping-Toren zum Gentleman zu machen.

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Mai 01

Kurze Geschichte der Schleife – klassisches Accessoire seit dem 17. Jahrhundert

Schleife


Wer in der Kulturgeschichte der Schleife stochert, wird bis in die Zeit des Sonnenkönigs Ludwig XIV. vordringen. Der franzöische Herrscher hatte im 17. Jahrhundert ein Regiment kroatischer Soldaten, die durch ihre eigenartig geknoteten Halstücher auffielen und der Legende nach die Damen am Hofe mit den “Fliegen”, wie sie im Volksmund auch genannt werden, beeindruckten. Die Namensgebung der Krawatten geht darauf zurück, dass die Franzosen die angesprochenen Kroaten „croat“ aussprachen. Dank Herzogin Louise von Lavalliere entstand aus den Krawatten die Schleife.

Denn der Geliebten König Ludwigs gefielen die Krawatten ebenfalls sehr gut. Aber anstatt es bei der Betrachtung zu belassen, knotete sie so lange an ihnen herum, bis sie daraus „Schmetterlingsflügel“ gebastelt hatte. Seit jener Zeit ist die Schleife ein steter Begleiter zur festlichen Herrengarderobe. In den Vierzigern und Fünfzigern des letzten jahrhunderts schließlich verhalf der weltberühmte Entertainer Frank Sinatra der Schleife endgültig zum Durchbruch. Heute erlebt die Schleife auf vielen Laufstegen der Modewelt eine regelrechte Renaissance. So gut wie jedes Modelabel setzt Farbakzente mit Schleifen.

Lesen Sie auch: Mit Schleifen gegen den Einheitsloook und die Anleitung zum Schleife binden.

SchleifenmanufakturDiesen Gastbeitrag haben die Schleifenexperten der Schleifenmanufaktur verfasst. In ihren Gastartikeln erfahren wir allerlei Interessantes über die Schmetterlingsflügel.