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Jun 04

Kleine Kulturgeschichte des Unterhemds

Das Unterhemd des Mannes. Notwendiges Übel oder gern getragenes Kleidungsstück? Kaum ein männliches Kleidungsstück ist so umstritten wie das Unterhemd. Dabei ist es ein grundehrliches Stück Stoff. Sein Name sagt bereits, worum es sich dabei handelt: Um ein Wäschestück, das unter dem Hemd getragen wird. Nicht mehr und nicht weniger. Genauso pragmatisch und funktional wie seine Benennung, ist sein Einsatz bis heute. Jedoch haben sich die Bedürfnisse des Mannes geändert: Nicht unbedingt notwendig scheint es für die meisten – aber wenn, dann soll es bitte modern, angenehm zu tragen und unsichtbar sein.

Das Unterhemd – wie alles begann

Die Geschichte des Unterhemdes ist auch die Geschichte der Unterwäsche. Seit wann Männer – aber auch Frauen – Unterwäsche tragen, ist ungewiss. Sicher belegt sind Unterwäschestücke/Hemden für ihn und sie aus der frühen Neuzeit. Im Mittelalter bezeichnete man mit „Unterhemd“ die untere Hälfte des Hemdes. Das, was unserem heutigen Begriff Unterhemd nahe kommt, war das „Niederhemd“. Das Wort „Unterhemd“ hatte noch eine andere Bedeutung zur damaligen Zeit: Man nannte so auch einen Vertrauten, einen Busenfreund – jedoch eher abfällig in der Bedeutung von – Verzeihung – „Arschkriecher“.

Das Hemd trugen alle Männer und Frauen – ob reich oder arm – unter ihrem Gewand. Mit dem heutigen Aussehen hatte das „Unterhemd“ lange nichts zu tun. Bis zur Französischen Revolution war es ein langes Leinenhemd, das man auch im Bett trug. Es bedeckte den ganzen Körper: Rumpf, Arme und Beine bis zu den Waden. Der Grundschnitt war für beide Geschlechter gleich; das der Damen war am Halsausschnitt etwas weiter geschnitten, bei den Männern zeigte sich schon ein Kragenansatz.

Erst im 20. Jahrhundert entwickelte sich das Unterhemd, wie wir es heute kennen – allen voran das T-Shirt, das ursprünglich ein Unterhemd für Männer war. Mit einer der Vorreiter für unser heute bekanntes Unterhemd war Schiesser. Ende der 1890er Jahre entwickelte das Unternehmen ein sogenanntes Knüpftrikot. Das Verfahren ließ sich Schiesser patentieren; im Jahr 1900 wurde es auf der Weltausstellung in Paris sogar prämiert. In den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts folgte dann Unterwäsche aus Fein- und Doppelripp.

Die Farbe Weiß – ideal für das unten drunter

Weiß ist seit jeher die Farbe des Unterhemdes. Bis ins 19. Jahrhundert verwendete man fast ausschließlich weißes Leinen für die Unterwäsche. Der Stoff war relativ billig und zudem gut waschbar. Baumwolle wurde erst im frühen 19. Jahrhundert allgemein erschwinglich.

Die Farbe Weiß wurde jedoch durchaus auch aus praktischen Gründen gewählt: Um die Unterwäsche sauber zu bekommen, benutzten die Wäscherinnen chemische Mittel wie Chlorlauge und mussten oft stark rubbeln, um Flecken vollständig zu entfernen. Ein gefärbter Stoff hätte diesen Behandlungen nicht standgehalten.

Die Vorliebe für Weiß hat sich bis heute bei der Unterwäsche gehalten. Daher nannte man bis ins letzte Jahrhundert (Unter-)Wäschegeschäfte auch Weißwarengeschäfte.

Unsichtbar und fein soll es sein

Heute heißt das gute Wäschestück nicht mehr Unterhemd, sondern Bodywear oder Underwear. In Modejournalen und TV-Spots bedeckt das Unterhemd einen durchtrainierten Männerkörper mit muskulösen Oberarmen und gebräunter Haut. Es versprüht einen Hauch Erotik – weit entfernt scheint die Funktionalität des Wäschestücks. Dabei soll das Unterhemd nicht den Adoniskörper unterstreichen, sondern vor allem dem Mann dienen. Wer sich für ein Unterhemd unter dem Oberhemd entscheidet, möchte vor allem eins, nicht daran erinnert werden.

Ein Unterhemd soll dem Mann dienen

Das Unterhemd von heute muss sich also den Bedürfnissen des Mannes anpassen: enge Passform, angenehme Materialien gegen Schweißbildung wie supergekämmte Langstapel Baumwolle oder die Luxusfaser Micromodal und optisch nicht sichtbar sein, auch bei geöffnetem Hemdkragen. Schließlich trägt Mann das Unterhemd direkt auf der Haut und das den ganzen Tag. Hochwertige Unterhemden tragen genau diesen Bedürfnissen Rechnung. Daher ist das beste Kompliment, das man einem Unterhemd machen kann, zu vergessen, dass man es trägt.

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gastbeitrag-albertkreuzDieser Gastbeitrag stammt aus der Feder der Herrenunterwäsche-Marke Albert Kreuz. In ihren Gstartikeln für den Gentleman-Blog erfahren wir, was Mann drunter trägt.



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2 Responses to “Kleine Kulturgeschichte des Unterhemds”

  1. [...] in den verschiedenen Fachgeschäften gehandhabt wird. Ob man dort beispielsweise Frauendessous und Männerunterwäsche kauft oder ob eben keine Geschlechtertrennung gemacht [...]

  2. [...] als männlich geltende Kleidungsstück adaptiert. Sei es nun einfach die Hose oder das Hemd, das Unterhemd oder sogar die Lederhose. Es gibt keine Grenzen mehr. Andererseits sei ihnen dies zugestanden, denn [...]

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