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Jul 19

Nassrasur: Männerpflege mit Tradition

Die Rasur ist das ultimative, männliche Pflegeritual. Ihre Tradition beginnt bereits in der Steinzeit: Höhlenmalereien erzählen von Männern, die mit geschärften Steinen oder Muscheln ihren Bart stutzen. Überwiegend glattrasiert waren die Ägypter – nur Könige durften als Zeichen ihrer Macht den blau gefärbten Kinnbart tragen. Sie entwickelten Klingen aus Kupfer und Bronze, die übrigens auch bei der Ganzkörperrasur zum Einsatz kamen. Die Sumerer dagegen bereiteten Rasiercremes aus Tierfett und Aschelauge zu. Schon im Mittelalter spezialisierten sich Barbiere (frz. barbe, „Bart“) auf die Bartpflege und den perfekten Umgang mit einem Rasiermesser. 1901 nahm die Rasurentwicklung mit der bahnbrechenden Erfindung von King Camp Gillette eine Wende, die bis heute wegweisend ist. Der Handelsvertreter aus Baltimore entwarf einen Sicherheitsrasierer mit austauschbarer Klinge. Soviel zur Rasurgeschichte in Zeitraffer.

Perfekt rasiert in sechs Schritten

Heute bildet die gründliche Rasur die Basis für den gepflegten Mann – dabei kehren immer mehr Männer zurück zur Nassrasur. Perfekt gelingt sie, wenn folgende sechs Schritte berücksichtigt werden.

Der erste Schritt fällt nur einmal an und ist sehr wichtig: die Bestimmung der Bartwuchsrichtung. Dabei werden Hals und Gesicht gedanklich in vier Sektionen geteilt – in die linke und rechte Gesichtshälfte und in die linke und rechte Halsseite. Damit man die Wuchsrichtung gut erkennen kann, müssen die Haare länger sein. Also am besten am Wochenende analysieren. Sind die Haare lang genug, ist zu erkennen, in welchem Winkel die Barthaare aus den Follikeln wachsen. Wer sich eine Pfeilspitze an jedes Haarende vorstellt, findet schnell die verschiedenen Wuchsrichtungen der Barthaare heraus.

Merke: Diese Analyse ist absolut notwendig. Denn es hilft Reizungen zu vermeiden, wenn mit der Wuchsrichtung rasiert wird.

Haut und Barthaare vorbereiten

Im zweiten und dritten Schritt bereitet man Barthaare und Haut auf die Rasur vor. Zunächst empfiehlt es sich, das Gesicht mit warmem Wasser und einem milden Gesichtsreiniger zu säubern. Es gibt mittlerweile zahlreiche hochwertige Pflegelinien, wie men-u, Kyoku oder Korres, speziell für Männerhaut. Warmes Wasser entspannt die Poren, darin sitzende Haarfollikel werden elastischer, die Rasur wird dadurch einfacher. Ein Pre-Shave Öl – zum Beispiel von The Art of Shaving oder Zirh – ist perfekt für kräftige Bärte, denn es weicht die Barthaare ein.

Bei empfindlicher Haut, eingewachsenen Haaren oder Pickelchen ist Rasieröl ausgesprochen empfehlenswert. Es baut eine schützende Schicht zwischen Rasierklinge und Haut auf. Das verhindert kleine Schnitte, Rasurbrand, Rötungen oder Hautirritationen. Diese Probleme entstehen vor allem durch zu starke mechanische Einflüsse wie zu hohen Druck oder stumpfe Klingen.

Rasierschaum auftragen und rasieren

In Schritt Vier wird Rasierschaum erzeugt. Zur Wahl stehen Rasierseife oder Rasiercreme; wenn es mal ganz schnell gehen soll, tut es auch der Rasierschaum aus der Dose. Für Rasierseife verwendet man eine passende Schale, in der sie auch später trocknen und aufbewahrt werden kann. Der warme, nasse Pinsel kreist so lange auf der Seife, bis ein schöner, cremiger Schaum entsteht. Für Rasiercreme benutzt man am besten einen speziellen Tiegel, füllt ihn mit warmem Wasser und stellt den Rasierpinsel hinein. Nach kurzer Zeit das Wasser ausleeren – Pinsel und Schale sind jetzt schön warm –, etwas Creme hineingeben und mit dem feuchten Pinsel schaumig rühren und auftragen. Der so erzeugte Schaum ist angenehm warm auf der Haut.

Bei Kotletten, Oberlippen- oder Spitzbart, empfiehlt es sich, klares Rasiergel zu verwenden. Es ist durchsichtig und dadurch werden die Stellen sichtbar, die nicht rasiert werden sollen.

Jetzt kommen Rasierer oder Rasierhobel zum Zug. Der Profi bevorzugt das Rasiermesser. Die Traditionsmarke Mühle hat eine große Auswahl an passendem „Werkzeug“. Die Klinge wird zunächst parallel zum Ende der Kotelette angesetzt. Rasiert wird in Bartwuchsrichtung mit kurzen, etwa drei bis fünf Zentimeter langen Zügen. Für eine absolut glatte Rasur ein zweites Mal einschäumen und quer zur Bartwuchsrichtung rasieren – und nicht dagegen.

Merke: Die perfekte Rasur steht und fällt mit einer sauberen und scharfen Klinge. Darum während der Rasur die Klinge immer wieder gründlich ausspülen und nur scharfe Rasierklingen verwenden.

Strapazierte Haut beruhigen und pflegen

Mit jeder Rasur werden dünne Hautschichten entfernt. Das stresst die Haut ungemein. Deshalb ist es wichtig, nach dem vierten Schritt professionell weiterzugehen. Die Schritte Fünf und Sechs tun der Haut Gutes: Zunächst wird das Gesicht mit warmen Wasser abgespült, um restlichen Schaum und abrasierte Hautpartikel zu entfernen. Ein Gesichtsreiniger mit Teebaumöl wirkt antibakteriell und desinfiziert Mikroschnitte. Danach Gesicht und Hals mit reichlich kaltem Wasser abspülen und mit einem sauberen Handtuch trocken tupfen – nicht rubbeln. Dann kommt das Aftershave. Für empfindliche Haut nimmt man besser eines ohne Alkohol (sog. Aftershave Balsam). Ist es eingezogen, schließt man die perfekte Rasur mit einer nährstoffreichen Feuchtigkeitspflege ab. Wer so rasiert, wird mit gesunder, gepflegter Haut belohnt.

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Über den Autor

Heldenlounge - Hochwertige Männerpflege Michael Bröske von der Heldenlounge, dem Onlineshop für hochwertige Herrenpflegeprodukte, gibt in Gastartikeln für den Gentleman-Blog professionelle Tipps zur Pflege rund um den Mann.



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4 Responses to “Nassrasur: Männerpflege mit Tradition”

  1. vea sagt:

    Hallo Lukas,
    ich hab es nach dem Bloggertreffen (oder besser: dem Treffen in der Bahn) endlich geschafft, mir euren Blog mal richtig anzuschauen und finde ihn wirklich toll! Da sind tatsächlich immer mal wieder Einträge, von denen auch ich lernen kann.;-)
    Also viele liebe Grüße!
    E

  2. Florian sagt:

    Cooler Blog und schöner Artikel zum Thema traditionelle Rasur

  3. Ralph sagt:

    Hallo.

    Schön geschrieben und absolut informativ.

    Allerdings habe ich gelernt, dass bei Rasierseife nicht nachgespült werden soll. Das gilt nur für Schaum oder Gel. Ist meine Information veraltet oder liegt es am verwendeten Produkt?

  4. Ben sagt:

    Hallo Ralph,
    Das Abspülen mit kaltem Wasser nach der Rasur dient dazu dass sich die Hautporen wieder schließen. Durch das warme Wasser öffnen sich zuerst die Hautporen. Das ist für die Vorbereitung wichtig da man dann das Barthaar weiter unten abschneiden kann. Sprich die Rasur wird gründlicher.

    Und danach eben das Spülen wieder mit kaltem Wasser um die Chance von Hautunreinheiten zu minimiren und die Haut zu beruhigen.

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