Autoren Kontakt Impressum
Aug 13

Die Weste – unverzichtbar zum vollendeten Anzug

Die gängige Definition für einen Anzug ist relativ einfach: Er besteht aus Jackett, Weste und Anzughose. Alle drei Teile sind aus demselben Stoff gefertigt und in derselben Farbe gehalten. Lediglich die Weste darf bei einigen Anzugvarianten wie dem Frack oder dem Cutaway Kontraste bilden oder bunt sein. Wenn man sich aber umschaut, sieht man die klassische Anzugweste immer weniger. Grund dafür ist zum einen die Praktikabilität. Permanent noch eine Weste unter dem Sakko zu tragen, kann einen beruflichen Anzugträger insbesondere bei sommerlichen Temperaturen schnell ins Schwitzen bringen. Dazu kommt, dass die Weste bei einem Zweireiher oder einem hochgeschlossenen Einreiher sowieso nur wenig zu sehen ist und in optischer Hinsicht somit wenig praktischen Nutzen stiftet. Und schließlich braucht auch die Taschenuhr keine Westentasche mehr.

Kein Accessoire, sondern fester Bestandteil des Anzugs

Doch dass die Weste heutzutage eher Accessoire ist denn integraler Bestandteil eines Anzugs, ist eine neumodische Entwicklung. Vom 19. Jahrhundert bis in das 20. Jahrhundert hinein galt die Weste als zwingender Teil des Anzugs. Auch wenn es heute ab und an als schick gilt, nur eine Weste ohne Sakko zu tragen, so war das damals ein absoluter Stilbruch. Die Weste besteht nämlich nur in ihrer Vorderseite aus dem Anzugstoff. Die Rückseite wird aus Futterstoff angelegt. Daher galt es als höchst unfein, das „unfertige“ Kleidungsstück komplett zu zeigen. Aus diesem Umstand entstand die Smokingjacke. Diese wurde ursprünglich nur angezogen, wenn die Herren vor oder nach dem Essen in das Raucherzimmer gingen und verhindern wollten, dass die restliche Kleidung den Rauchgeruch annimmt. Da die Damen zu der Zeit nicht oder nur selten rauchten, war die Smokingjacke eine Geste an die Damenwelt.

Formell oder doch léger?

Die Anzugweste gilt heutzutage als etwas steif und ist daher vor allem für formellere Veranstaltungen gedacht. Gleichzeitig gilt sie auch als elegant und als Blickfang. Auch für größere Veranstaltungen, auf denen ein Smoking oder ein Frack als Abendgarderobe notwendig ist, ist eine Weste unverzichtbar. Man sollte aber auch immer beachten, wie sie zu tragen ist. Wie erwähnt, sollte die Weste nicht ohne Sakko gezeigt werden. Außerdem ist es Brauch, den untersten Knopf offen zu tragen. Der Legende nach hat Eduard VII. diesen Trend aus einem ganz praktischen Grund erfunden: Vor lauter Übergewicht konnte er diesen Knopf nicht schließen.

Anzug mit oder ohne Weste?

Es stellt sich abschließend die Frage, ob man beim Anzugkauf oder bei der Maßanfertigung auf eine Weste bestehen soll. Die Antwort lautet Ja. Denn einerseits kann sie auf den entsprechenden Anlässen unverzichtbar sein, und andererseits kann man sie bei informellen Veranstaltungen leicht und schnell weglassen. Es ist also immer ratsam, ein oder auch zwei Dreiteiler in der Garderobe zu haben, und eventuell auch mit verschiedenfarbigen Westen. Der Gentleman ist schließlich auf jeden Anlass vorbereitet.

Lesen Sie auch:
How to: 39 Gentleman-Regeln
Was ist was: Das große Modelexikon
Stiltipp – Schuhe und Gürtel aus einem Guss

Dieser Gastbeitrag wurde von den Maßkleidungsexperten der Herrenschmiede verfasst. Die Kenner hochwertiger Maßkleidung veröffentlichen hier regelmäßig Artikel, die uns die Vielfältigkeit der maßgeschneiderten Herrenkleidung näher bringen.



SHOEPASSION.com Banner

6 Responses to “Die Weste – unverzichtbar zum vollendeten Anzug”

  1. Sehr schöner Artikel und ja, eine Weste gehört definitiv zu einem Anzug dazu. Wesentlich wichtiger finde ich aber eigentlich noch die Schuhe. Ohne die entsprechenden Schuhe wirkt auch der beste Anzug nur halb so schön!

  2. Mode-Junkie sagt:

    @Mode-Kennerin: Ja, gute Schuhe müssen in der Tat sein. Schlechte Treter machen den Eindruck eines gutes Anzugs schnell kaputt.

    Aber zurück zur Weste. Leuten mit einem “normalen” Körperbau stehen Westen sehr gut. Doch wenn jemand zu dick oder zu dünn ist, sieht ne Weste nicht mehr so gut aus.

  3. Daniel sagt:

    Ich finde es sehr schade, dass es bei Anzügen die “nicht” maßgeschneidert werden kaum noch Westen zu den jeweiligen Anzügen zu kaufen gibt.

    Ich bin zurzeit auf der Suche nach einem Laden/Schneider/Online-Shop bei dem ich für meine Anzüge entsprechende Westem aus dem selben Stoff des Anzugs kaufen kann, was sich als recht schwierig gestalltet. Daher bin ich schon drauf und dran mir diese Schneidern zu lassen.

  4. Gelegenheitsdieb sagt:

    Unterster Knopf also offen. Aha.

    …und der Typ auf dem Foto? Na, dem wird es Wurscht sein, ein Bild sagt ja nicht mehr, als tausend Worte…

  5. Unknown sagt:

    @up

    Beim Sakko und nicht bei der Weste du Volldepp

  6. neve sagt:

    @unknown
    kommentar vom 28.juni…
    Der einzige Volldepp hier bist du!
    Natürlich war hier die Weste gemeint!!
    vl liest du mal bei Edward dem VII nach und verschonst uns mit deinem Halbwissen!
    Beste Grüße :-)

Kommentar schreiben