Gegen den Regen – Stilvolle Kleidung bei Regenwetter

Angeblich gibt es ja kein schlechtes Wetter, nur die falsche Kleidung. Aber was ist richtig? Die objektiv wasserdichte Variante aus dem Outdoorladen? Federleicht und auch für Expeditionseinsatz geeignet? Oder eher der englische Klassiker in Grün aus der Prä-Goretex-Ära?
Wie lang man unter einem Stoff trocken bleibt, sollte nicht allein darüber entscheiden, was bei Nässe stilvoll ist. Schließlich kaufen viele ihre Uhren auch nicht nach dem Kriterium Ganggenauigkeit. Sonst würde kaum noch jemand Schweizer Automatikuhren erstehen. Jedenfalls keine ich keinen Träger der Marke mit dem Krönchen, dessen Uhr genau geht. So ähnlich ist es bei Regenkleidung. Stilvoll ist eher das altväterliche Mantelmodell aus Baumwollgabardine. Das ist zwar nur bedingt wasserabweisend, dafür aber elegant. Wer das nicht nachvollziehen kann, sollte zum Anorak aus Funktionsfasern greifen.
Stil versus „Funktionalität“
Funktion steht hier für Synthetik, da dies aber in der Mode immer noch ein Unwort ist, wurde der Euphemismus „Funktion“ erfunden. Ich finde allerdings, dass auch Kleidungsstücke aus Naturfasern funktionieren, also ihren Dienst erfüllen. Zum Beispiel eine Wachsjacke. Sie wird aus Baumwolle genäht, genauso wie die klassischen Trenchs. Beide Varianten sind übrigens in erster Linie wegen der dichten Webung relativ immun gegen den Niederschlag, die Imprägnierung unterstützt nur. Und wenn diese nicht reicht, gibt es Accessoires, die der Unvollkommenheit abhelfen.
Der Regenschirm hält den Großteil des Wassers vom Menschen fern, Gummigaloschen dichten die Schuhe ab. Bei letzteren handelt es sich um Überschuhe aus Naturkautschuk, die über die Lederschuhe gezogen. Auf den ersten Blick mag dieses Zubehör anachronistisch erscheinen, wer es an einem wirklich nassen Tag ausprobiert hat, wird anschließend anders darüber denken.
Ich bin kein Feind des textilen Fortschritts und kein weltfremder Romantiker. Bei Bergwanderungen setze ich auch lieber auf Regenkleidung, die wenig wiegt und auch nach mehreren Stunden kein Wasser durchlässt. Aber für die wenigen Kilometer, die der Stadtmensch im Regen zurücklegt, tun es durchaus die Kleidungsstücke, die auch schon die Anzüge unsere Urgroßväter vor Wasserschäden bewahrt haben.
Gastbeitrag von Stil-Papst Bernhard Roetzel, Autor des Buches “Der Gentleman. Handbuch der klassischen Herrenmode”. Für den Gentleman-Blog schreibt er exklusive Kolumnen über Kleidung, Stil und Persönlichkeit eines Gentleman.
Recht haben Sie. Auch wenn es bisweilen intessant zu beobachten ist, was die Leute alles so für feine nis aäßerst undfeine, was die Menschen so für Kleidung tragen – bei bei Regen oder Sonnenschein. Viele Grüße
Ein interessanter Artikel. Noch interessanter finde ich allerdings den Regenschirm auf Bild 1. Wo gibt es diesen zu erwerben?