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Jan 06

Knigge für Gast und Gastgeber

Nicht nur für einen Gast gibt es zahlreiche Benimm-Regeln dafür, wie man sich bei einem Besuch verhalten sollte. Auch als Gastgeber gibt es einiges zu beachten, damit dem Gast der Besuch so angenehm wie möglich gestaltet wird, wie Knigge-Experte Uwe Fenner in seinem Gastbeitrag für den Gentleman-Blog anschaulich darlegt.

Ein Gast kommt zu Besuch

Der Gastgeber, der einen Gast empfängt, wird vor allen in der dunklen Jahreszeit dafür sorgen, dass die Wohnung gut beleuchtet ist, damit der Gast nicht ein Hindernis übersieht. Er wird dem Gast beim Ablegen der Garderobe behilflich sein und ihn in ein Zimmer bitten, welches zum Empfang von Gästen geeignet ist.

Der Gast nimmt sich nicht die erstbeste Sitzgelegenheit und setzt sich, ohne dazu von dem Gastgeber aufgefordert zu sein, sondern bleibt stehen bis ihn der Gastgeber auffordert Platz zu nehmen. Dieser Aufforderung kommt der höfliche Gast indessen erst dann nach, wenn der Gastgeber sich entweder gleichzeitig hinsetzt oder nachdem er dem Gastgeber seine Hilfe bei der Versorgung mit Getränken angeboten hat. Es ist übrigens eine gute alte Gastgeberregel, dem Gast etwas zu trinken anzubieten.

Wenn der Gast von auswärts kommt

Die intensivste Form der Freundschaftspflege ist der gegenseitige Hausbesuch. Freunde von auswärts kommen für einige Tage als Logierbesuch oder Freunde aus der Stadt kommen zum Plaudern oder zum Glas Wein am Kamin. So gut man sich auch kennen mag, zur Pflege und zum Erhalt auch solch enger Freundschaften sind Regeln und Anstand, Takt und Toleranz notwendig.

Der aufmerksame Gastgeber holt den Gast vom Bahnhof oder vom Flughafen ab, bzw. sorgt anderweitig für dessen Abholung, indem er zum Beispiel seinen Sohn mit dem Wagen zum Bahnhof schickt. Der Gastgeber hilft dem Gast beim Gepäck, wobei er nicht lange fragt ob er dem Gast den Koffer abnehmen dürfe, sondern ihn sich einfach greift.

Kommt der Gast mit dem eigenen Wagen, so schaut der Gastgeber ab und zu auf die Straße, um den Gast möglichst vor dem Haus in Empfang zu nehmen. Damit gibt der freundliche Gastgeber dem Gast zu verstehen, dass er sehr willkommen ist.

Herzlich Willkommen!

Insbesondere bei Wohnungen in Häusern vor denen die Parksituation schwierig ist, erleichtert der aufmerksame Gastgeber dem Gast den Transport seines Gepäcks vom Auto in die Wohnung, indem er es dem Gast zum Beispiel ermöglicht kurz vorzufahren und die Koffer auszuladen. Dann gibt er dem Gast entsprechende Hinweise wo er parken kann und kümmert sich seinerseits um das Gepäck, welches er schon mal mit in die Wohnung nimmt.

Wenn der Besuch die Wohnung betritt, zeigt der aufmerksame Gastgeber ihm zunächst sein Zimmer und das Badezimmer, welches entweder allein oder zumindest auch für ihn gedacht ist, damit er sich frisch machen kann. Im Bad oder im Gästezimmer liegen frische Handtücher für den Gast bereit.

Der gute Gastgeber bittet den Gast ins Wohnzimmer und wartet auf ihn, um ihn nach den Strapazen seiner Reise nochmals willkommen zu heißen und das aktuelle „Programm“ zu besprechen. Häufig hat der Gastgeber zu Ehren des Besuchs ja ein Programm entwickelt. Vielleicht ein Abendessen mit weiteren Gästen zu Hause oder auswärts, oder er hat Opernkarten besorgt, oder es ist ein Besuch bei anderen, vielleicht gemeinsamen Freunden geplant.

Auch der Gast sollte sich auf den Besuch vorbereiten

Der aufmerksame Gast hat immer Kleidung bei sich, die es ihm ermöglicht zu ungeplanten Einladungen diverser Art in angemessener Kleidung zu erscheinen. Er braucht nicht für den Fall einer großen Premiere den Smoking dabei zu haben, denn wenn der Gastgeber vorgehabt hätte den Gast zu solch einem Ereignis einzuladen, hätte er es vermutlich vorher mit ihm abgesprochen. Aber zu einem Freund oder Verwandten ohne ein Jackett zu Besuch zu kommen ist sehr unhöflich.

Gastgeschenk mitbringen

Der höfliche Gast bringt dem Gastgeber, bei dem er eine oder sogar mehrere Nächte beherbergt wird, ein Gastgeschenk mit. Das ist ganz ähnlich zu handhaben, wie bei einer Einladung zu einer Abendgesellschaft.

Ein Buch, für welches sich das Gastgeberehepaar vielleicht interessieren könnte, Spielzeug für die Kinder oder etwas Typisches aus der Heimat des Besuchs sind neben dem immer richtigen Blumenstrauß passende Mitbringsel.

Was ist während des Besuchs geplant?

Der rücksichtsvolle Besucher erkundigt sich nach den Tagesgepflogenheiten seiner Gastgeberfamilie: Wann wird gefrühstückt, wann stört man niemanden im Badezimmer, falls es kein Gästebad gibt, welches sind die Essenszeiten für Mittag- bzw. Abendessen? Sind schon Abende verplant für gemeinsame Unternehmungen? Gibt es einen Abend, an welchem die Gastgeberfamilie ein Vorhaben hat, welches der Gast zum Anlass nehmen sollte, seinen bei einer anderen Familie geplanten Besuch zu veranstalten? Oder kann der Gast an diesem Abend der Gastgeberfamilie als Babysitter aushelfen und sich so für empfangene Gastfreundschaft bedanken?

Hat der Gastgeber genügend Zeit, zum Beispiel am Wochenende, so kann er dem Gast eine Stadtrundfahrt oder einen Rundgang vorschlagen, vor allem wenn der Gast zum ersten Mal in dieser Stadt ist.

Gegessen wird, was auf den Tisch kommt

Der Gast ist bemüht, seinem Gastgeber so wenige Umstände wie möglich zu bereiten. Wenn Kaffee angeboten wird, wird er nicht nach Tee fragen. Auch wird er den Gastgeber nicht mit Spezialwünschen nach linksdrehendem Joghurt belasten. Gegessen und getrunken wird, was auf den Tisch kommt. Der Gast zeichnet sich durch Bescheidenheit und Hilfsbereitschaft aus, der Gastgeber durch Großzügigkeit und Umsicht.

Lesen Sie auch: Hummer und Co. – Wie isst man was?

Geschrieben von Uwe Fenner, Leiter des Instituts für Stil und Etikette. In seinen Beiträgen für den Gentleman-Blog schreibt der Stilcoach und Buchautor über Knigge und Benimm in allen Lebenslagen.



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8 Responses to “Knigge für Gast und Gastgeber”

  1. [...] hier den Beitrag weiterlesen: Knigge für Gäste und Gastgeber | Gentleman [...]

  2. Sam Jai sagt:

    Tja, ich trinke aber keinen Kaffee, weil der mir grundsätzlich nicht schmeckt, und jetzt? Ausserdem bin ich Vegetarier, also werde ich garantiert nicht alles essen was auf den Tisch kommt!

  3. Esra Mindahl sagt:

    @Sam Jai:
    Ich denke, da fehlt im Artikel ein kleiner Satz. Wenn ein Gastgeber sich nicht im Voraus erkundigt, ob der Gast bestimmte Dinge nicht essen kann oder will (neben uns Vegetariern gibt es ja auch Allergiker!), dann darf ein Gast das mit Sicherheit anmerken, ohne dass es unhöflich ist. Und der Gastgeber muss sich darauf einstellen, sofern die Wünsche (links/rechts gedrehter Joghurt) nicht völlig abstrus sind.

    Und mit dem Kaffee geht es mir ähnlich: Ich finde, dass man als Gastgeber immer fragen sollte: “Kaffee oder Tee?” und dann sowohl Kaffee, als auch heißes Wasser vorbereitet hat (genauso wie kalte Alternativen, also beim Fühstück z.B. den Orangensaft), damit der Gast nicht nur aus Not den Kaffee wählt, weil der eben gerade fertig ist.

  4. Yui-chan sagt:

    Ich empfinde es als unhöflich, meinem Gast einfach irgendwas vorzusetzen – ich frage einfach, nach was ihm beliebt. Auch empfinde ich das Tragen eines Jackets für einen Anime- und Videospiele-Abend doch als ziemlich überdosiert.

    Meine Vermutung: Diese Stilberatungen wenden sich an neureiche Pseudo-Gentlemen, die versuchen, mit ihren antiquierten Tätigkeiten jemanden zu überzeugen.
    Also ich lade keine Menschen in mein Haus ein, denen ich so elitäres Verhalten vorspielen müsste, vielmehr setze ich auf ungezwungene Höflichkeit, ohne dabei ins Lächerliche abzuschweifen. Der Autor täte gut daran, auf den Ottonormat-Gentleman einzugehen.

  5. Benjamin sagt:

    Sicherlich ist die oben beschriebene Vorgehensweise nicht völlig universal anwendbar und klingt in mancher Menschen Ohren etwas übertrieben.
    Wenn ich zu einem Kumpel fahre bei dem ich nur aus dem Grund übernachte, weil wir uns am Abend einen reinleuchten wollen oder weil wir bis in die Puppen bei Bier und Chips Karten spielen, dann erwarte ich natürlich nicht so viel. Aber auch da ist ein Abholen vom Bahnhof, ein Helfen beim Gepäck tragen oder einfach nur das Erkundigen nach dem Befinden (meist in lockerer Form wie “Servus, wie geht’s dir”) nicht verkehrt. Viele der empfohlenen Verhaltensweisen haben die meisten Menschen ohnehin verinnerlicht (auch wenn viele sie zumeist schleifen lassen), sie wirken auf den Durchschnittsgastgeber alleine aufgrund der Wortwahl im Artikel ungewohnt und eventuell etwas übertieben.
    Ich finde, es ist ein hilfreicher Artikel.

  6. salomé sagt:

    Hallo
    die Freundin (19) meines Sohnes, sitzt bei fast allen Einladungen (Brunch) am Tisch und isst nichts. Sie trinkt ein Glas Wasser.
    Auf Anfrage, warum sie nichts ist, sagt sie immer, weil es ihr nicht gut gehe. Ich habe gefragt, was sie denn hätte, worauf sie mir sagte, dass mich dies nichts angehe. Nicht mal ihre Eltern wüssten dies. Ich habe ihr versucht zu erklären, dass es für mich schwierig sei, Gäste am Tisch zu haben, die auf Einladung dann nichts essen. Dies müsse ich akzeptieren, war ihre Antwort. Sie fing an zu weinen und rannte aus dem Haus ins Auto und kam nicht wieder. Mein Sohn (26) schnauzte mich an, ob dies notwendig gewesen sei. Ich habe ihm zu verstehen gegeben, dass seine Freundin sich von uns allen verabschieden sollte. Dies mache sie sicher nicht, da müsse ich schon zu ihr gehen. Sie sass im Auto mit den Händen zusammengepresst, weinte und zitterte.
    Wie soll ich mich in Zukunft zu ihr verhalten?

  7. oliver sagt:

    Sag ihr beim nächsten Besuch, dass es dir leid tut, solltest du zu persönlich geworden sein und das Sie natürlich jederzeit herzlich willkommen sei. Vor dem Branchen kannst du Sie Fragen, worauf Sie Hunger hat., wenn Sie keinen Hunger hat, lass Sie einfach dabei sitzen und sei weiterhin freundlich zu ihr.. sollte sie unbegründet patzig sein, ignorier ihr verhalten und lass dir weiterhin nicht deine gute Laune verderben. So würde ich handeln :)

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