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Aug 22

Die Geschichte der Mode (10) – Goldene Zwanziger Jahre

Heutzutage spricht von den Goldenen Zwanzigern, weil bei den Menschen in Europa nach dem 1. Weltkrieg ein neuer Lebenshunger aufkam. Es herrschte der Wunsch, die schwere Kriegszeit zu hinter sich zu lassen und es gab einen Nachholbedarf an Freiheit und Vergnügungen. Die Lebensweise wurde in großen Teilen der Gesellschaft freizügiger – dies spiegelte sich auch in der Mode jener Zeit wieder.

Jungenhafter Charme

In den 1920er Jahren bestimmten Kostüme in Herrenfasson, knielange Röcke, Hänge- und Hemdblusenkleider und das von Coco Chanel lancierte „Kleine Schwarze“ die junge Damenmode. Die Kleider waren gerade geschnitten und hingen lose am Körper. Sie ignorierten Taille, Busen und Hüfte. Androgynie hieß das Zauberwort. Im Gegensatz zur heutigen Zeit, in der sich der Begriff Metrosexualität etabliert hat, waren es damals die Frauen, die die Geschlechterunterschiede aufzuheben versuchten. Die Frau der jüngeren Generation trug einen kurzgeschnittenen Bubikopf, kurze strenge Kleider und rauchte öffentlich. Sehr begehrt war daher auch die lange Zigarettenspitze, die den Damen einen mondänen Anstrich verlieh.

Für die Männer kam in den 1920er Jahren der sogenannte Stresemann-Anzug auf. Er bestand aus einer schwarzen Jacke, dunkler Weste und gestreifter Hose, und wurde zu offiziellen Anlässen getragen. Er bekam seinen Namen vom deutschen Reichskanzler Gustav Stresemann, der ihn mit Vorliebe trug. Dazu trug man auf dem Kopf entweder den steifen Homburg-Hut, mit hochgezogener eingefasster Krempe, oder eine sportliche Schirmmütze. Daneben blieben der Frack und der lässigere Smoking weiterhin die Festkleidung des Mannes. Im Alltag dominierten Sakko und Hose mit Bügelfalten und Aufschlag. Sportliche Männer trugen kurze Knickerbocker und Trenchcoat. Auch die Accessoires veränderten sich. Als modische Ergänzung ersetzten Gürtel die Hosenträger und Armbanduhren die Taschenuhr. Erstrebenswert war ein Siegelring oder gar ein Monokel, eine Lesehilfe mit nur einem Glas.

In der Mode waren alle gleich

Die Demokratisierung der Mode trat ein. Zum einen durch ihre Produktion und Distribution, zum anderen durch ihre modischen Linien. Das heißt, man konnte anhand der Kleidung und Silhouette nicht mehr eindeutig unterscheiden, wer welcher sozialen Schicht angehörte. Nahezu alle Frauen aus allen Gesellschaftsschichten trugen kurze, gerade geschnittene Kleider mit tiefsitzender Taille sowie kurze Haare und enganliegende Hüte. Die Unterschiede lagen damals nur noch in der Qualität der Stoffe und in deren Verarbeitung.

Von der knabenhaften zur femininen Silhouette

In den 1930er Jahren begann für die Frauen ein völlig neuer Lebensstil. Durch die hohe Arbeitslosigkeit der Männer, mussten sie sich meist aus dem Berufsleben zurück ziehen. Dadurch hatte die Emanzipation plötzlich nicht mehr denselben Stellenwert wie früher. Das Interesse daran sich androgyn zu kleiden und die Geschlechterrollen aufzuheben ließ nach. Für die Mode bedeutete dies eine erneute Hinwendung zu feminineren Formen.

In dieser Zeit dominierte eine sehr figurbetonte, wadenlange Kleid-Mode. Das knabenhafte, sportliche der 20er Jahre verschwand und wich einer erwachseneren und feminineren Mode. Die neuen Kleider waren körperbetont und fließend und wurden oft nach unten hin weiter. Der Godet-Rock ist eine wichtige Rockform dieser Dekade. Dessen Säume fielen bis zum Knie, später bis zur Wadenmitte. Die Taille rutschte wieder nach oben und wurde durch schmale Gürtel sogar betont. Modern wurden auch Boleros, kurze Jäckchen, die mehr zierten als nützten. Einen wahren Triumph jedoch feierte das Kostüm. Es wurde zur eleganten Tageskleidung für zahlreiche Anlässe.

Filmstars als neue Vorbilder

Großen Einfluss auf die Mode der 30er Jahre nahmen auch amerikanische Film- und Hollywoodstars, wie Marlene Dietrich und Greta Garbo. Die Haare der Frauen wurden, wie die der Leinwandheldinnen wieder länger und umrahmten leicht gewellt die Gesichter. Auch die dunkel geschminkten Augen und Lippen der 1920er wichen einem natürlicheren Make-Up. Marlene Dietrich verkörperte mit ihrem schmalen Gesicht und den eingefallen Wangen das derzeitige Schönheitsideal. Für den Effekt der eingefallenen Wangen ließ sie sich sogar ihre Backenzähne ziehen.

Die Geschichte der Mode – im 11. Teil der Serie:
Wie der 2. Weltkrieg und die resourcenknappen Nachkriegsjahre Einfluss auf die Entwicklung der Mode ausgeübt haben.

Zurück zu Teil 1:
Die Geschichte der Mode – Am Anfang war das Fell



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2 Responses to “Die Geschichte der Mode (10) – Goldene Zwanziger Jahre”

  1. Schönes Bildder Herren im Cut!

  2. [...] Bubi Kragen, auch Peter-Pan-Kragen genannt, ist schmal und rund. Er erinnert vor allem an die Mode der goldenen Zwanziger. Auch wenn wir Frauen gern mal tief ausgeschnittene Oberteile oder einem andeutenden [...]

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