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Okt 13

Die Geschichte der Mode (11) – Die 40er und 50er Jahre

Der Zweite Weltkrieg unterbrach die Modebegeisterung der 1920er und 1930er Jahre zunächst. Es musste gespart werden, und neue Kleidung ließ sich höchstens aus alten Materialien herstellen. Erst nach dem Krieg entstand langsam eine neue Modeindustrie mit neuen Modellen. Es dauerte viele Jahre, bis sich die Menschen wirtschaftlich erholt hatten, und sie Geld für Schmuck und Mode-Artikel ausgeben konnten – vieles wurde noch in Heimarbeit hergestellt.

Improvisation durch Materialmangel

Der Materialmangel in der Kriegszeit hatte zur Folge, dass nicht nur Lebensmittel, sondern auch Kleidung rationiert wurde. In England gab es eigene Kleidervorschriften: 1941 führte die britische Regierung das sogenannte Nützlichkeitsprinzip ein, was die Anzahl der Falten im Rock, die maximale Weite von Ärmeln, Kragen oder Gürteln vorgab. Stickerei, Pelz und Lederverzierungen waren untersagt. In ganz Europa begannen vor allem die Frauen zu improvisieren. Selbst Schuhe mussten oft selbst gemacht werden. Plateausohlen wurden damals modern, weil Kork und Holz eher zu bekommen war als Leder oder andere Materialien. Die Kleider bedeckten knapp das Knie und waren schmal geschnitten. Kostüme bewährten sich. Sie ähnelten nun Militäruniformen, da sie oft aus abgelegten Männermänteln gefertigt war. Neben alldem gab es trotzdem Haute Couture, die weiterhin Moden entwarf und sich nicht um praktische Erfordernisse scherte.

Der New Look bringt neuen Glamour in die Mode

In den ersten Nachkriegsjahren hat sich zunächst nicht viel an den Silhouetten der Mode geändert. 1947 aber zeigte Christian Dior, ein bis dahin weitgehend unbekannter Modedesigner, seine erste Kollektion. Sie wurde enthusiastisch feiert und der sogenannte New Look war geboren. Er brachte wieder den Glanz und Glamour in die Mode, der während des Krieges von Armut und Kargheit verdrängt wurde. Das neue Bild der Frau hatte runde Schultern, eine schmale Taille und betonte Hüften. Statt der rauen, robusten Stoffe der Kriegszeit, wählte Dior Satin, Samt und Taft, die er reich verzierte. Viele Frauen wünschten sich, wieder weiblich im traditionellen Sinn wirken zu können. In der Herrenmode änderte sich aufgrund der Stoffrationierungen nur wenig, so wurden vielfach alte Uniformen aufgetragen. Sakkos waren anfangs noch sackförmig, bis sich Ende der 40er Jahre die V-Linie, mit breiten Schultern und schmalen Hüften durchsetzte.

Neue Stoffe und Silhouetten in den 50er Jahren

In den 1950er Jahren übernahmen die männlichen Designer die Haute Couture und setzten die Modetrends. Die weibliche Silhouette veränderte sich wieder einmal. Die Röcke wurden erneut wadenlang und waren entweder extrem weit, wie Petticoat-Unterröcke, oder bleistifteng. Die Oberteile lagen eng an und die schmale Taille stand im Vordergrund. Busen, Po und Hüften wurden hervorgehoben.

In jener Zeit musste von Kopf bis Fuß alles abgestimmt sein. Passende Handschuhe, Schuhe, Hüte und Handtaschen gehörten zum Outfit modebewusster Frauen dazu. Plateausohlen und Keilabsätze verschwanden, die Schuhe wurden schmaler und hatten hohe Absätze. Hosen trug eine Dame nur in ihrer Freizeit und am ehesten als „Fischerhose“, die halblang und eng war.

In den 1950er Jahren boomte außerdem die Stoffindustrie, und es kamen neue Synthetikstoffe auf den Markt. Die Stoffe waren pflegeleichter und erschwinglicher als Naturfasern. Das Nylon- oder Perlonhemd war bei den Männern sehr beliebt, und auch der Hut durfte beim gutgekleideten Mann nicht fehlen.

Die Mode war außergewöhnlich abwechslungsreich. 1954 wurde Coco Chanel mit ihrem Chanel-Kostüm weltweit bekannt. Das Kostüm, bestehend aus einem kurzen, mit einer Borte verzierten Jäckchen und einem eng anliegenden Rock, war eine Mode-Idee, die in der Folgezeit so viele Nachahmungen hervor gebracht hatte wie kaum eine andere.

Die Couturiers konnten große Einnahmen verzeichnen und ließen viele Gäste an ihrem Luxus teilhaben. Nur selten wurden so große und programmreiche Feste gefeiert, wie in den 50er Jahren. Die Einladungen der Modekönige, wie Christian Dior oder Yves Saint Laurent waren Highlights, die mit barocken Hoffesten vergleichbar waren.

Lesen Sie im 12. Teil der Modegeschichte: Mode als Ausdruck der Abgrenzung der Jugend von der älteren Generation in den 1960er und 1970er Jahren.

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One Response to “Die Geschichte der Mode (11) – Die 40er und 50er Jahre”

  1. TextilS. sagt:

    Ich freu mich schon auf Teil 12, denn ich habe aktuell auf meiner Seite auch einen Artikel über Haute Couture ab den 1960er geschrieben.

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