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Okt 27

Schneller leben, und die Zeit vergeht langsamer

Warum fliegen manche Tage dahin und ziehen sich andere wie Kaugummi? Nehmen die Menschen Zeit unterschiedlich war und können wir den Zeitfluss tatsächlich verlangsamen? Der Gentleman-Blog präsentiert eine spannende wissenschaftlich-philosophische Betrachtung.

Die Zeit läuft im Alter schneller

Im Gespräch mit älteren Menschen hören wir es immer wieder: Die Zeit rast mit steigendem Lebensalter immer schneller voran. Auch wir selbst kennen das Phänomen: Schon wieder Ostern, schon wieder Weihnachten, schon wieder Geburtstag. Denken wir dagegen an unsere Kindheit zurück, so scheint sie uns im Rückblick wie ein verlorenes Paradies gelebter Entschleunigung: Jedes Wochenende war ein langes, wie ein weiter Ozean kamen uns die großen Sommerferien vor und ewig zog sich das Schuljahr. Stellen wir die unbeschwerten Kindertage unserem heutigen Alltag gegenüber, so ahnen wir, was uns mit steigendem Alter bevorsteht: ein wilder Ritt durch die Zeit.

Experimente mit der Zeit

Dies ist für die meisten keine schöne Aussicht. Schließlich ist Zeit für den einen Geld und für den anderen Luxus. Glücklicherweise sind wir nicht völlig hilflos, sondern können ein wenig an der Zeit herummanipulieren. Eine Zeitmaschine wie in Science-Fiction Filmen, kommt freilich nicht infrage. Die physikalische Zeit lässt sich in unserer Welt aller Phantasien zum Trotz niemals anhalten oder verlangsamen. Unsere Zeitempfinden hingegen ist subjektiv, da wir kein Sinnensorgan für die Zeitmessung besitzen, sondern die Zeitwahrnehmung im Gehirn konstruiert wird.

Um diese These zu untermauern teilten amerikanische Wissenschaftler freiwillige Testpersonen in zwei Gruppen ein. Die eine Gruppe musste neun Minuten warten und saß untätig herum, die andere Gruppe schaute sich derweil einen spannenden Actionfilm an. Nach dem Experiment schätze die Filmfraktion ihre Zeit als schnell vergangen und viel zu kurz ein, während die Wartenden über einen endlosen Zeitraum der Langeweile klagten. Viele neue Erlebnisse betätigen demnach die Vorspulen-Taste im Videorekorder unseres Lebensfilms, ereignislose Langeweile hingegen drückt auf die Zeitlupen-Taste. Aber wer will sich schon langweilen? Das kann doch nicht die Lösung sein! Und glücklicherweise ist es das auch nicht.

Das Zeitparadoxon

Unser Gehirn sorgt dafür, dass sich der Effekt wenig später ins Gegenteil verkehrt. Tage später befragten die Wissenschaftler die beiden Gruppen erneut über ihr Zeitempfinden in Hinblick auf das durchgeführte Experiment. Das Ergebnis: Die gleiche Zeitspanne erscheint den ereignisverwöhnten Filmschauern in der Retrospektive länger, während die Wartefraktion ihre Zeit im Nachhinein wesentlich kürzer einschätzt.

Das bedeutet: Ereignisreiche Phasen mit vielen Eindrücken blähen sich in der Rückschau auf wie eine frische Pizza im Steinofen, während reizarme Zeitspannen retrospektiv wie ein über reifer Apfel in sich zusammenfallen. Zeitparadoxon nennen die Experten dieses rätselhafte Phänomen.

Sollten Sie also gerade in Ihrem Büro sitzen und sich langweilen: Glückwunsch, Sie bringen es effektiv fertig, die Zeit zu verlangsamen und schaffen sich somit einen kleine Insel im Zeitsstrom. Doch leider werden Sie morgen früh denken: Mist, gestern wieder nichts geschafft. Sind Sie dagegen heute in absoluter Top-Form und mitten im Flow-Zustand gefangen, werden Sie sich gegen Abend über den frühen Dunkelheitsanbruch klagen und dagegen am Wochenende stolz auf Ihre vielen Arbeitsergebnisse sein. So gesehen ist unsere subjektive Zeitwahrnehmung erfrischend gerecht, straft und belohnt sie doch den Faulen und Fleißigen im gleichen Maße. Als intelligente Antwort auf die unverrückbaren Gesetze unseres Gehirns hilft da nur eine gesunde Mischung aus Engagement und Entspannung – nicht nur für unser Zeitempfinden.

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