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Jan 12

Die Geschichte der Mode (12): 60er und 70er Jahre

In den 1960er Jahren erreichten die geburtenstarken Jahrgänge das Teenager-Alter. Massenkonsum und Massenproduktion begannen sich durchzusetzen, und die Jugend fand in der Zurschaustellung des Körpers und ausfallener Kleidung ein wirksames Mittel, um sich von der älteren Generation abzugrenzen.

Die Mode verjüngte sich und wurde zum Jugend- und Massenphänomen. Erstmals wurden Models so berühmt wie Filmstars. Das magere Model Twiggy prägte das Jahrzehnt. Auch Jackie Kennedy wurde mit ihren Pillbox-Hüten und ihren schmalen, oft pinkfarbenen Kleidern in jener Zeit zum Vorbild für viele Frauen.

Die Jugend setzt die Mode-Trends

Der modische Prozess hatte sich in sein Gegenteil verkehrt. Traditionell entstand Mode in den privilegierten Schichten und wurde später von allen Schichten übernommen. Seit den 1960er Jahren hingegen entstanden Mode-Trends in den Jugendkulturen „auf der Straße“. Diese Trends wurden dann sogar von Haute Couture und Prêt-à-Porter übernommen und somit zum Massephänomen.

Viele Designer experimentierten mit verschiedenen Materialien. Neben synthetischen Stoffen, wurde auch Metall oder Plastik zur Kleiderherstellung verwendet. Abgerundet wurden diese schrillen Outfits mit zum Teil helmartigen Kopfbedeckungen, wie zum Beispiel beim sogenannten Weltraumlook.

Modische Revolutionen

Nach 1964 revolutionierte Mary Quant mit ihren Miniröcken und extrem kurzen Kleidern die Modewelt. Die ältere Generation war empört, doch die weibliche Jugend nahm diesen Trend – sehr zum Wohlgefallen der Männer – umso begeisterter auf.

Während sich Modezeitschriften und Designer noch über die Rocklänge stritten, griffen die Frauen zur Hose. Es gab sie in allen Variationen, von Hotpants, über Knickerbocker bis hin zu Hosen im Herrenstil. Aber am typischsten war die Schlaghose.

Somit kam die Jeanshose in Mode. Sie wurde zu allen Anlässen getragen und drückte ein Lebensgefühl aus. Sie war ein Zeichen des Protests gegen das etablierte Bürgertum. Jeans wurden von Männern und Frauen getragen. Aus dem „Blue Denim“ wurden bald auch Bikinis, Röcke, Kleider, Jacken, Shorts, u.v.m. hergestellt. Sogar Wände wurden mit Jeansstoff überzogen.

Ein anderer bedeutender Trend der 1960er Jahre war die Hippie-Bewegung. Nachdem Männer jahrzehntelang vornehmlich Kurzhaarfrisuren trugen, hatten auch sie plötzlich lange Haare und bunte Kleidung mit Rüschen und Spitzen. Das bescherte dieser Mode-Epoche den Beinamen „Pfauenrevolution“.

Übertreibung in den 1970er Jahren

In den 1970er Jahren wurde die Mode noch origineller. Die freie, freche Mode, die in den späten 60ern ihren Durchbruch hatte, kannte nun keine Grenzen mehr. Es gab nichts, was zu kurz, zu knapp, zu glamourös oder zu stark gemustert war. Es wurde mit allem übertrieben: Revers, Manschetten, Kragen und vor allem Pailletten waren ein Muss. Als Pendant zur Disco-Kleidung kam mit der Öko-Bewegung auch der Folklore-, Batik und Patchwork-Trend auf.

Schuhe wurden ebenfalls stark ins modische Blickfeld gerückt. Neben praktischen Clogs waren Plateauschuhe der Renner. Alle angesagten Pop- und Rocksänger trugen die hohen Sohlen und wurden somit ein Vorbild für die junge Generation. Das Originalmodell wurde von der englischen Designerin Barbara Hulanicki für eine Boutique in London entworfen und war bei Männern und Frauen gleichermaßen beliebt.

Der Unisex-Look für Frauen und Männer

Das modische Einkleiden von Männern war neu. Vor allem die körperbetonte Kleidung etablierte sich in der Herrenmode. Männer trugen in den 1970ern knallenge Hüfthosen mit kurzen Pullovern und Jacken. Die Hosen waren teilweise so eng, dass nicht einmal ein Portemonnaie in die Gesäßtasche passte. Infolge dessen wurden auch Umhängetaschen für Männer zum Trend. Die Farben der Männerbekleidung wurden bunter und erstreckten sich in einer Bandbreite, die zu jener Zeit gesellschaftlich noch als unmännlich galt.

In dieser Zeit verbreitete sich auch der Unisex-Look. Dieser zeichnete sich dadurch aus, dass Frauen und Männer anhand ihrer Kleidung und Frisuren kaum zu unterscheiden waren.

Die Entstehung der Punk-Mode

Die 1970er brachten auch die Punkmode hervor. Als eine Art Aussteiger der Gesellschaft schockierten die „Punks“ ihre Mitmenschen mit ihrem Erscheinungsbild. Die Haare wurden meist grellbunt und als Irokesen-Schnitt getragen. An der Kleidung waren vor allem Leder und Nieten beliebt, und die Kleidung sollte abgenutzt aussehen.

Der Punk kann als Meilenstein der Emanzipation junger Frauen angesehen werden, da keine geschlechtlichen Unterschiede gemacht werden. Es gibt keine gesonderte Bezeichnung für weibliche Punks und keine Unterschiede in der Kleidung. Nicht etwa, weil sich die jungen Frauen wie Männer kleiden, sondern weil die Männer genauso Röcke tragen und sich schminken. Bis heute wirkt die Verweigerung des vorherrschenden Schönheitsideals der Punks provokativ und wird noch immer, zum Beispiel von der Designergröße Vivienne Westwood, in der Mode aufgegriffen.

Weiterlesen: Modegeschichte: die schrillen 1980 und 1990er Jahre.

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5 Responses to “Die Geschichte der Mode (12): 60er und 70er Jahre”

  1. Die 70er Jahre waren schon echt groovy! Ich muss bei den 70ern immer an Disco-Fever denken. Aber stimmt es war eine Zeit der modischen Revolution, obwohl ich finde das es in den 80er Jahren noch stärker war.

  2. Alina sagt:

    Super Artikel. Gefällt mir sehr gut! Ich finde toll, dass die Menschen so viel mit Mode ausdrückten und provozierten und das Männer nicht mehr über Frauen gestellt wurden.
    LG Alina

  3. …oder besser war. Naja, einige Überbleibsel sind uns ja bis heut erhalten, von daher gab es da ja auch einige Schmankerle ;). Die Frage stellt sich dann natürlich inwiefern Mode heute noch einen revolutionären Charakter besitzen kann oder besitzt. Gerade der verweis auf die Punkmethode un deren Emanzipationsmechanismen wurden ja heute vollends neutralisiert. Vielleicht ist das der Fluch der Mode, dass sie zuerst gesellschaftliche Ungleichheit angreift, im nächstem Atemzug aber so Mainstream wird, dass sie nirgends mehr aneckt.

  4. Kerstin sagt:

    Die Mode in den 70ger Jahren hat den Frauen die Chance gegeben sich frei zu entfalten und ihren eigenen Kopf durchzusetzen.
    Was hätten wir bloß ohne Modeschöpfer, wie Beispielsweise Coco Chanel gemacht?
    Was wäre aus unserem heutigen Stil geworden?
    Was hätten sich Frauen erlauben dürfen zu tragen?

  5. Harald der Coole sagt:

    Cool :D

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