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Mrz 12

Inflation der Freundschaft – Von temporären, virtuellen und wahren Freunden

In unserer Zeit einen Artikel über Freundschaft zu schreiben fällt schwer, wird dieser Begriff doch überreichlich verwendet und damit zunehmend entwertet. Fast jeder flüchtige private oder auch berufliche Kontakt wird sofort im großen, digitalen und öffentliche Poesiealbum vor den Augen der Welt publiziert. Was früher dicke Kladden wie “Meine Schulfreunde“ waren, sind heute soziale Netzwerke wie Facebook, Xing oder GooglePlus. Der Gentleman-Blog über wahre und digitale Freunde, Freundschaftsersatz, ewige und temporäre Freunde sowie den Mythos Männerfreundschaft.

Spurensuche in der Kindheit

Um sich dem Begriff der Freundschaft zu nähren, ist es hilfreich eine  Zeitreise in die eigene Kindheit zu starten. Betrachten Sie Ihre Kindergarten- und Grundschulzeit: Was hieß es damals, befreundet zu sein. Man fand sich nett, sympathisch, hatte gleiche Interessen wie Fußball, Zeichnen oder eine bestimmte TV-Serie und hielt im Notfall gegen die Übermacht der “Anderen“ wie Pech und Schwefel zusammen. Hatte der Freund mal nicht zu uns gehalten, waren wir stundenlang sauer und heilsfroh, wenn wir uns wieder versöhnen konnten. Freundschaften waren damals so einfach zu beginnen, wie zu keinem späteren Zeitpunkt unseres Lebens.

Was bedeutet Freundschaft heute?

Die Dinge wurden zunehmend komplizierter, vielschichtiger und intellektueller je älter wir wurden. Trotzdem basieren sie im Kern immer noch auf dem Kindergartenprinzip: Freunde sind sich meist vom Wesen her ähnlich, haben verbindende Hobbies und Interessen, teilen gemeinsame Ansichten, unterstützen sich und helfen sich aus der Patsche, wenn es sein muss. All das gibt es auch in der Liebe. Gegenüber der Liebe hat die Freundschaft jedoch immense Vorteile: Man genießt das Vertrauen des Anderen, muss sich aber nicht mit Haut und Haaren auf ihn einlassen, nicht alles mit ihm teilen und auch keine gemeinsamen Zukunftspläne schmieden. Man hat weniger Pflichten und mehr Freiheiten. Kurzum: Es ist wesentlich unkomlizierter

Wie viele Freunde braucht der Mensch?

Auf diese Frage kann es keine befriedigende Antwort geben. Einen Anhaltspunkt gibt das Wissenschaftszentrum für Sozialforschung und vermeldet: Jeder Deutsche hat im Schnitt 3,3 Freunde. Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Facebook-User hat 130 Freunde. Auch aus dieser Sichtweise kann man es betrachten, definiert doch jeder für sich selbst, was für ihn Freundschaft bedeutet. Trotzdem hilft es wenig alle Bekanntschaften im Geiste zu Freundschaften umzuetikettieren. “Wahre” Freundschaften zu pflegen kostet Zeit und Energie, ein knappes Gut, das in großen Teilen für Beruf, Familie und Partnerschaft reserviert ist. Zu einer echten Freundschaft braucht es mehr als ein paar Wortwechsel spätabends auf einer dröhnend lauten Party.

Eine andere Möglichkeit mehr Freunde zu gewinnen, ist es den Freundschaftsbegriff großzügig auf Dinge und Tiere auszudehnen. Von bunten Werbeplakaten schreit es uns entgegen: Werde Freund/Fan unseres Produktes! Eine digitale Freundschaft mit einem Nuss-Nougat-Aufstrich oder einer Gesichtspflegelotion, wie soll das gehen? Nein, Gegenstände können in persönlichen Notsituationen oder Kummer und Sorgen nicht trösten oder zuhören. Und Tiere sind zwar eine gute Hilfe bei Einsamkeit und lindern nachweislich Depressionen – der Freundschaftsbegriff trifft hier allerdings nicht zu, weil es sich um ein Abhängigkeitsverhältnis handelt.

Müssen Freundschaften ewig dauern?

Nein, denn im Laufe des Lebens gibt es  viele temporäre Freundschaften: Kindergartenfreunde, Schulfreunde, Freunde auf der Uni, dem Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft oder dem Sportverein. Das ist auch meist nicht schlimm, denn Menschen entwickeln  sich, ändern ihre Ansichten, ihren Wohnort oder ihren Arbeitsplatz. Wenn Freundschaften zu Ende gehen, bricht der Kontakt selten von heute auf morgen ab, sondern wird im Zeitverlauf weniger. Im Gegensatz zu einer Trennung eines Liebespaares fließen keine Tränen (Es sei denn, es geht um eine Frau). Manche Freundschaften können auch mal ruhen und später neu aufleben. Andere Freundschaften wiederum lassen sich nicht von Entfernungen aufhalten, und dank der modernen Kommunikationsmittel ist es heute wesentlich leichter Kontakt zu halten.

Mythos Männerfreundschaft

Wahre Freundschaft gibt es nur unter Männern, sagen viele Männer. Wahre Freundschaft gibt es nur unter Frauen, sagen die Frauen. Die Forscher vom Wissenschaftzentrum für Sozialforschung geben beiden Rückendeckung: Die absolute Mehrheit der Freundschaften entsteht tatsächlich unter Vertretern des gleichen Geschlechts. Und was unterscheidet dann beide Geschlechter? Männer treiben am Liebsten zusammen Sport und feiern dann in geselliger Runde. Bei Frauen hingegen spielt das intensive Gespräch mit dem ausführlichen Austausch von Problemen, Gedanken und Erlebnissen die Hauptrolle. Allen Gleichstellungsbeauftragten/innen zum Trotz: Männer ticken einfach anders, auch bei Freundschaften. Und wir finden: Das ist auch gut so!

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3 Responses to “Inflation der Freundschaft – Von temporären, virtuellen und wahren Freunden”

  1. Thania79 sagt:

    Freundschaft ist sehr wichtig, denn ohne einen Freund ist man in manchen Situation aufgeschmissen. Nicht immer meinen es die Freunde ernst, deshalb sollte man genau wissen wen man vertraut.

  2. also so viel ich weiss, hiess es bei Facebook nicht “Friends” sondern Buddys – was ja auf deutsch Kumpels wären. Darum sind doch auch Facebook Freunde eher Kumpels und nicht nach dem alten Wort Freunde.

    Ich selbst habe 2 Accounts bei Facebook (ja ich weiss sollte man ja ned). ich habe den alten Account dort habe ich wirklich nur “Freunde” nach dem klassischen Sinn drinn. Also Leute wie du richtig sagst, mit ähnlichen Interessen oder solche die ich schon seit Jahren kenne.
    Im 2. Account habe ich reine Business Kontakte – also solche die nützlich sind mit denen man hin und wieder ein nettes Wort wechselt – aber nicht mehr.

    ich kann Leute nicht ernst nehmen die tausende von FB Freunde haben. Da kann man nicht mal eine lockere Kumpelschaft pflegen sondern sind dann eher Namens-Sammler um das eigene Ego zu streicheln…

    So sehe ich altmodischer Mann das ;)

  3. Zeitzeugin sagt:

    Offenbar bin ich auch beim Thema Freundschaft eher männlich veranlagt… verdammt. (Gemeinsam Sport zu treiben und dann zu feiern liegt mir weitaus näher als mit irgendwelchen Mädels ach so tiefsinnige oder herzschmerzige Diskussionen zu führen.

    Verstehe aber auch die ganze Facebookfreundediskussionen nicht. “Freunde” auf Facebook sind zum größten Teil schlicht Kontakte und sollten daher gar nicht erst in Freundschaftsdiskussionen miteinfließen, das ist künstliche Problemmacherei. ;)

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