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Apr 05

Mode-Stile: Wer ist hier von gestern?

Mode von gestern?

Wenn ich eine Modemesse besuche, wirke ich zwischen den Besuchern und Ausstellern wie ein Außerirdischer. Anzug, Hemd und Krawatte. Geputzte Schuhe und Hut. Mein Look wird dabei durchaus positiv aufgenommen. Man spricht mich an, es kommt zu Gesprächen über Kleidung und Stil. Mein Aufzug ist vielleicht nicht nachahmenswert aber immerhin interessant. Wie der Mercedes aus den frühen Siebzigern, der vor der Messehalle parkt.

Wie fällt man nicht auf?

Was müsste ich tragen, um nicht aufzufallen? Im Winter zum Beispiel Jeans, Holzfällerhemd, Lederjacke, Boots und Schiebermütze. Im Frühjahr Polo, Pullunder, Jeans oder Chinos und Bootsschuhe. Das wäre hip und modern. Das wäre von heute. Wirklich?

Die Mainstream-Mode besteht seit einigen Jahren zum großen Teil aus Revivals. Mal graben die Designer die Siebziger wieder aus, mal die Fünfziger und dann werden die Sechziger reanimiert oder wenigstens zitiert. Wirklich innovativ ist alles natürlich nicht. Und moderner als der Anzug sind Jeans auch nicht. Nietenhosen und Ein- oder Zweireiher sind vielmehr Zeitgenossen, beide entstammen dem 19. Jahrhundert.

Designer bedienen sich für “neue” Mode-Stile der Vergangenheit

Ich glaube, dass es so etwas wie ein kollektives Modegedächtnis gibt. In uns steckt die Erinnerung an die Kleidung, die unsere Vorväter getragen haben. Genauso tief verwurzelt sind viele Regeln, die früher die Wahl des Outfits bestimmt haben. Die einen befolgen sie, die anderen definieren ihren Stil dadurch, dass sie die Vorgaben negieren. Beide, die Traditionalisten und die Neuerer brauchen das Vergangene als Referenz. Das ist völlig in Ordnung. Man sollte nur nicht denken, dass man in Denimkleidung weniger von gestern ist als im Zweireiher.

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Über den Autor

Gastbeitrag von Stil-Papst Bernhard Roetzel, Autor des Buches “Der Gentleman. Handbuch der klassischen Herrenmode.”. Für den Gentleman-Blog schreibt er exklusive Kolumnen über Kleidung, Stil und Persönlichkeit eines Gentleman.



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6 Responses to “Mode-Stile: Wer ist hier von gestern?”

  1. McMorghey sagt:

    …das wäre von heute…
    Und morgen?

    Aye, Mode ist immer Revival, manchmal jedoch auch zeitlos.
    Beim Herrn der Anzug, bei den Damen die ? (Leggins?)
    Nun, ich bin gerne zeitlos. In diesem Sinne.

    Doch stelle ich mir die Frage: Darf ich das?

    Grüsse aus der Schweiz
    McM

  2. Sascha sagt:

    Ich verfolge die Entwicklung der Mode sehr gerne, gerade aus dem Grund, dass gerne auch wieder der Stil von früheren Jahrzehnten im Trend kommen.
    Klar, mache ich nicht jeden Trend mit, aber ein Kleidungswechsel ist meiner Meinung nach nie verkehrt.

  3. villa sagt:

    Die Mode ist wirklich zeitlos. Ausserdem alte Stilrichtungen werden immer wieder aktuell. Weste, Krawatte.. warum nicht?

  4. Thomas S. sagt:

    Wann kommt den endlich mal wieder die Mode aus dem Barock zurück? Das wäre doch Klasse: Perücken, Puder, Schönheitspflaster glänzende Seite, Kniebundhosen. ;-)

    Eigentlich muss man, wenn man 10 Jahre konsequent jedem Trend gefolgt ist niemher was neues kaufen, in einem Turnus von 10 Jahre (pi mal Daumen) kommt nun wirklich alles wieder. Muss man nur noch auf das Gewicht achten!

  5. Oskar sagt:

    In Japan ist man mit Jeans die letzten Jahre fast völlig unten durch.

    Besonders schlimm und Steinzeit-Out gilt die Kombination Jeansjacke und Jeanshose was man zwischendrin tatsächlich noch sieht hierzulande.

  6. An Oskar sagt:

    Zwischendrin? Tatsächlich noch?

    Gerade im letzten Sommer war doch Jeans- Jacke, Hemd und Hose voll im Trend und auch in diesem Jahr hält der Trend an. Ich sehe solche Kleidungsstücke und Kombinationen sogar eher oft an modebewussten Menschen, als an denen die sich nicht dafür interessieren.. ;)

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