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Apr 14

Gentleman-Sport: Fechten

Gentleman-Sport: Fechten

Viele von uns verfolgen bei Olympischen Spielen die Übertragung der Wettkämpfe im Fechten, schließen holt die deutsche Mannschaft in dieser Disziplin regelmäßig ihre Medaillen. Doch viel mehr wissen die meisten von uns nicht von dieser alten, traditionsreichen Sportart. Höchste Zeit den ehrwürdigen Gentleman-Sport Fechten näher zu betrachten.

Fechten – Ein uralter Sport

Fechten war bereits im antiken Griechenland und im römischen Reich als sportlicher Wettbewerb anerkannt und zählt somit zu den ältesten Wettkampfarten der Menschheit. Später im europäischen Mittelalter war es üblich, sein Gegenüber bei Meinungsverschiedenheiten oder Beleidigungen zu einem Duell aufzufordern, dass mit Säbeln ausgefochten werden musste. Wer damals diese potentiell hochgefährliche Einladung abschlug, galt als Mann ohne Ehre und musste mit gesellschaftlicher Ächtung rechnen. Noch vor weniger als hundert Jahren waren tödliche Duelle unter gebildeten Männern eine gängige Praxis. Duellanten wurden übrigens häufig überhaupt nicht gerichtlich verfolgt, oder nur sehr milde bestraft bzw. nach kurzer Strafverbüßung begnadigt. Erst bei der Strafrechtsreform von 1969 wurden die betreffenden Paragraphen aufgehoben, so dass das Duell den allgemeinen Strafvorschriften wie gefährliche oder schwere Körperverletzung und Totschlag unterliegt. Diese fragwürdige Tradition ist heute zum Glück passé. „Etwas ausfechten“ ist aber bis heute ein geflügelter Begriff.

Seinen Status als Gentleman-Sport begründete das Fechten durch die große Nähe zum gebildeten, universitären Milieu. Hier wurde jahrhundertlang in Studentenverbindungen eine vereinfachte Form des Fechtens, die sogenannte Mensur praktiziert.

Waffengattungen und Regeln beim Fechten

Man unterscheidet beim Fechten in die Waffengattungen Florett, Degen und Säbel, die sich vor allem durch die Stärke und Biegsamkeit der Klinge unterscheiden. Um Verletzungen zu vermeiden, wird das Fechten nur mit einer angemessenen Schutzkleidung betrieben, deren auffälligster Bestandteil die berühmte Fechtmaske mit Drahtgitter bildet. Die beiden Kontrahenten treffen auf der 14 Meter langen Fechtbahn aufeinander. In Vor- und Zwischenrunden beträgt die reine Kampfzeit maximal 3 Minuten, in Direktausscheidungen 3 mal 3 Minuten. Gefochten wird bis 5 (bzw. bei Direktausscheidungen 15) Treffer erzielt wurden.

Sport zur Charakterbildung

Wie jeder Sport erfüllt das Fechten das menschliche Urbedürfnis, in einem sportlichen Wettbewerb unsere Kräfte zu messen und uns so unseres Könnens und unsere Geschicklichkeit bewusst zu werden. Somit hilft uns eine Sportart wie das Fechten ein realistisches Selbstbild zu konstruieren und damit unserem Platz in der Welt zu finden. In diesem Sinne ist sportliche Betätigung vor allem für junge Menschen charakterbildend, vermittelt sie doch auf ganz handfeste, nicht kopflastige Weise, Werte wie Disziplin, Teamwork und Fairness. In Deutschland betreiben ca. 25.000 Aktive in 500 Fechtvereinen die seit 1896 olympische Disziplin. Das Fechten erfordert die Bereitschaft Regeln und Grenzen zu akzeptieren und schult nebenbei Körperhaltung und Körperbeherrschung, weswegen es auch auf den Lehrplänen sämtlicher Schauspielschulen auftaucht. Wie kein anderer Sport hat sich das Fechten in den letzten Jahrhunderten von einer gewalttätigen Konfrontation zu einem fairen und eleganten Kräftemessen gewandelt.

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5 Responses to “Gentleman-Sport: Fechten”

  1. Ein wirklich sehr schöner Sport. Leider gibt es so wenig Angebot ihn zu lernen und auszuüben, die Beliebtheit hält sich ja in Grenzen. Wenn wir technologisch so weit sind das mit Laserschwertern machen zu können, gehe ich aber von einem großen Zulauf aus!

  2. Trafalgar sagt:

    Ich möchte kurz darauf hinweisen, dass das sogenannte Akademische Fechten, auf welchem Sie den Gentleman-Status begründen, noch immer von schlagenden Studentenverbindungen ausgeübt wird.

  3. Isabel sagt:

    Ich finde diesen Sport sehr ansehnlich!

  4. D.Schenk sagt:

    >>Seinen Status als Gentleman-Sport begründete das Fechten durch die große Nähe zum gebildeten, universitären Milieu. Hier wurde jahrhundertlang in Studentenverbindungen eine vereinfachte Form des Fechtens, die sogenannte Mensur praktiziert.<<

    Nicht nur wurde hier jahrhundertelang gefochten, sondern es wird (!) auch weiterhin bei schlagenden Verbindungen gefochten.

    Wieso Sie diese Form des Fechtens als "vereinfacht" ansehen ist mir ein Rätsel, wo sie doch eigentlich eine verschärfte Version des Olympischen Sportes darstellt.

  5. Jakob Horz sagt:

    Ich selbst habe diesen Sport 10 Jahre lang ausgeführt, ich habe mit meinem besten freund in der zweiten klasse damit angefangen, mittlerweile bin ich 18 Jahre alt, und übe diesen Sport nichtmehr aus, aus Zeitgründen, aber mein Herz hängt noch daran! es ist einfach etwas komplett anderes, als die ganzen anderen Sportarten, allein bis man zu seinem ersten Turnier darf, vergehen schon gut und gerne 2 Jahre und man muss seine Fechtprüfung bestehen um zu Turnieren zugelassen zu werden, das Umschließt einen theoretischen Teil und einen Praktischen, es gibt dort viel zu lernen und zu beachten es ist nicht wie z.B. Fußball was man nach ein paar tagen mehr oder weniger drauf hat, aber ich denke das macht es auch so Reizvoll!

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