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Mai 07

Guerilla Gardening – Ziviler Ungehorsam erwünscht

Innerstädtisches Gärtnern erfreut sich augenblicklich einer hohen medialen Aufmerksamkeit. Doch was steckt hinter dem Trend “Gurerilla Gardening” aus den USA? Stellt das Samenverteilen in Städten gar eine Straftat dar und was hat das Ganze mit dem Bild des modernen Gentlemans zu tun? Lesen Sie im Gentleman-Blog, wann und wie zivilier Ungehorsam auch mal erwünscht sein kann.

Ein Kaugummiautomat gefüllt mit Dreck?

Neulich im Reformhaus: Direkt auf dem Kassentresen thront seit kurzem ein seltsamer Verkaufsautomat. Optisch ähnelt das Ding einem Kaugummispender unserer Kindheit, doch der transparente Blick in den Bauch des Automaten offenbart einen signifikanten Unterschied: Hier sind die durchsichtigen Plastikkapseln mit einem Häufchen hellbrauner klumpiger Erde gefüllt. Eine neue Aktion eines ausgeflippten Künstlers gegen unsere Plastik- und Konsum-Welt? Keineswegs, denn dies ist ein spezieller Automat für Samenbomben. Was ein wenig martialisch klingt, hat einen ganz zivilen Hintergrund und dient einzig und allein den Zielen des Friedens, nämlich grüne, lebendige und naturnahe Oasen in unseren grauen Großstädten zu schaffen. Guerilla Gardening oder Urban Gardening heißt die Bewegung, bei dem engagierte Bürger an öffentlichen Brachflächen heimlich Pflanzen aussäen.

Guerilla Gardening stammt aus den wilden Siebzigern

Geboren wurde die Bewegung bereits vor über 40 Jahren. Im New York der 1970er begann eine Gruppe engagierter Bürger eigenmächtig mit der Begrünung ihres durch die Passivität der Behörden verwahrlosten Stadtteils. Aktiver Bürgersinn und eine Prise Rebellentum, dies scheinen die Grundzutaten des Guerilla bzw. Urban Gardening zu sein. Motto: Aktiv werden und mitgestalten, sich persönlich für die Zukunft des eigenen Stadtteils oder der eigenen Region einsetzen, nicht immer nur meckern, sondern selbst Motor der Veränderung sein. Dies alles sind wichtige Werte für moderne, selbstbewusste Männer von heute. Deshalb sollte ein gesunder Bürgersinn integraler Bestandteil jedes Lebens als Gentleman sein. Wie aber ist das Verhältnis des Gentlemans zum Rebellentum? Kann und darf ein wahrer Gentleman zugleich besorgter Bürger und trotzdem wilder Rebell sein?

Eine Abwägung von Schaden und Nutzen

Guerilla Gardening ist hier ein interessanter Präzedenzfall, da die Bepflanzung eines Grundstücks ohne die vorherige Zustimmung des Eigentümers rein rechtlich einen Straftatbestand darstellt und als Sachbeschädigung verfolgt werden kann. Bei einer solchen Rechtslage empfiehlt es sich, vor jeder Aktion abzuwägen: Welcher Schaden kann im schlimmsten Fall durch mein Handeln angerichtet werden? Im Fall des Guerilla Gardening dürfte dieser “Schaden” in allen Fällen sehr gering sein, der Nutzen für Natur und Gesellschaft dagegen sehr groß. Graue Straßenzüge und öde Industriebrachen verwandeln sich dank engagierter Bürger in ein buntes Blumenmeer. Schaden: Null! Nutzen: Augenweide für alle Passanten und Stadtbewohner und Lebensraum für nützliche Insekten und andere kleine Tiere.

Samenbombe (Quelle: Herder3 / Wikipedia)Auch von rechtlicher Seite gibt es bezüglich des Guerilla Gardening mittlerweile Entwarnung: Laut den Erfahrungsberichten zahlreicher Stadtgärtner sehen die Ordnungshüter meist von einer Verfolgung ab oder begrüßen das freiwillige Engagement in Zeiten knapper kommunaler Kassen sogar ausdrücklich. Die Schweizer Metropole Zürich geht sogar noch einen Schritt weiter und verteilt kostenlos Samenbomben an seine Bürger. Eine Aktion, die auch in Deutschland Schule machen sollte.

Aktiv werden!

Falls sie nach diesem Artikel Lust auf Guerilla Gardening bekommen haben und loszuziehen wollen, um Samenbomben zu werfen, legen wir Ihnen dieses praktische YouTube-Tutorial zum Bau eigener Natur-Bomben ans Herz. Wer als gepflegter Gentleman den dabei unvermeidbaren schmutzigen Fingernägeln aus dem Wege gehen will, sollte nach fertigen Samengeschossen Ausschau halten, zum Beispiel im nächsten Reformhaus oder Bio-Laden – Es lohnt sich, denn unsere Stadt und unser Stadtteil ist immer so schön, wie wir sie mitgestallten!

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