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Mai 10

“Ich gehe nicht nach Trends“ – Interview mit Modedesigner Julian F.M. Stoeckel

Der Berliner Designer und Schauspieler Julian F.M. Stoeckel gilt in der Modeszene als bunter Hund. kürzlich präsentierte er unter dem Label “JULIANSTOECKEL“ seine erste eigene Kollektion. Der Gentleman-Blog sprach mit dem Modemacher über den stillvollen Mann von heute, androgyne Models und den deutschen Medienzirkus.

Sehr geehrter Herr Stoeckel, Sie haben jüngst auf einer von Ihnen selbst organisierten Fashion Show Ihre erste Kollektion unter eigenem Namen vorgestellt. Wie schafft man es bereits im zarten Alter von 25 Jahren so ein Projekt zu realisieren?

Julian F.M. Stoeckel: (lacht) Es war zwar die Präsentation meiner ersten eigenen Kollektion unter eigenem Namen, aber nicht meine erste Fashion Show. Eine solche habe ich bereits im Januar 2010 veranstaltet. Die Idee einer eigenen Kollektion kam wie so oft in meinem Leben durch einen Zufall, wenn man so will auch Schicksal. Ich wurde für eine Kollektion angefragt. Bei diesem Projekt ging es darum, dass ich in Kooperation mit einem Berliner Label wieder eine Sonderkollektion mache. Aus unterschiedlichen Gründen kam das Projekt aber nicht wie erst geplant zu Stande. Und so habe ich mir gedacht, dass ich die Kollektion, die ich ja eh bereits entwarf, einfach unter meinem eigenen Namen präsentiere.

Haben Sie ein modisches Vorbild und von welchen lassen Sie sich inspirieren?

Julian F.M. Stoeckel: Ich bin ein wahnsinnig großer Fan der 60er Jahre. Die Musik der 60er Jahre, die Mode der 60er Jahre, und vor allem der Stil und die Eleganz ist eine große Inspirationsquelle für mich. Modische Vorbilder sind vor allem die Stars dieser Zeit, zum Beispiel Alain Delon, Amanda Lear, Andy Warhol, Truman Capote, Gunter Sachs, Brigitte Bardot, Gina Lollobrigida, Grace Kelley und Helmut Berger. Und ein meiner größten Lieblinge ist Karl Lagerfeld.

Von Außen betrachtet wirken vielen weibliche Modells im aktuelle Modebetrieb knabenhaft und androgyn. Welche Faktoren haben dazu geführt, dass die meisten Modeschöpfer den Typ Magermodel den normal schlanken Frauen vorziehen?

Julian F.M. Stoeckel: Die meisten Kundinnen wollen keine Frauen auf dem Laufsteg sehen, die ihnen ähneln. Denn dann hätten sie das Gefühl, dass ihr Spiegelbild auf dem Laufsteg läuft. Pyschologisch gesehen würde ich sagen, sieht jeder lieber das Ideal – oder das, was man für Ideal hält.- und will dann auch so sein und hat dadurch eine größere positive Energie.

Der Sommer naht langsam aber sicher. Zu welchem Stil würden Sie stillbewussten Männern in der warmen Jahreszeit raten?

Julian F.M. Stoeckel: Ich gehe eigentlich nicht nach irgendwelchen Trends. Ich finde es sehr wichtig, dass man sich das anzieht, was einem am besten steht. Jeder Mensch hat eine eigene Persönlichkeit und genau dafür muss man sich das passende Suchen. Denn es kann ganz schnell passieren, dass man nicht ge-kleidet, sondern ver-kleidet aussieht. Aber welche Trends ich immer en Vogue finde sind: Sakko (helles Beige), Mokassins, große und dunkle Sonnenbrillen, ein sommerliches (Leinen-)Tuch, Leinenhosen in weiß, beige und schwarz und natürlich T-Shirts mit tiefe V-Ausschnitt und Ketten.

Auf Ihrer Webseite bezeichnen Sie sich selbst als “Partygesamtkunstwerk” der deutschen Hauptstadt. Was verbirgt sich hinter diese Bezeichnung?

Julian F.M. Stoeckel: (lacht) Ich muss gestehen, dass ich gar nicht weiß, ob diese Bezeichnung noch zeitgemäß ist. Dieses Prädikat hat mir einmal eine Zeitung verpasst. Ich fand es zu dem damaligen Zeitpunkt sehr treffend. Und was sich dahinter verbirgt: Ich würde sagen die Mischung aus Kunst, Party, Lebenslust und Energie.

Die deutsche Hauptstadt gilt seit einigen Jahren als die Trendmetropole Europas. Wie würden Sie den besonderen Geist Berlins beschreiben?

Julian F.M. Stoeckel: Ich bin ein echtes Berliner Kind. Ich bin in West-Berlin geboren, aufgewachsen und lebe heute noch immer dort. Ich sehe Berlin nicht als die „Trendmetropole“. Ich höre diesen Begriff auch meistens nur von Menschen, die nicht aus Berlin kommen. Wenn man mich fragt, wie ich Berlin sehe, dann zitiere ich immer meine Freundin Hildegard Knef, die einmal sagte: „Berlin, Du bist die Frau mit der Schürze, an der wir unser Leben lang ziehen…!“ Und das trifft es für mich am besten. Berlin ist nicht chic, sondern echt!

Was ist Ihr liebster Ort in der Hauptstadt?

Julian F.M. Stoeckel: Es gibt viele schöne Orte in Berlin. Aber ich bin meistens gerne bei Freunden oder in Restaurants, Bars und Hotels, wo nicht viele Touristen und Leute sind, die einen im Alltag auf den Keks gehen. Mein Lieblingsitaliener ist Pino am Stuttgarter Platz und der schönste Ort im Sommer ist das Schlosshotel Grunewald.

Sie bewegen sich seit Jahren in einem Umfeld, in dem der Schein oft über dem Sein steht und jede Aktion in den medialen Fokus gerückt wird. Wie ernst nehmen Sie den deutschen Medienbetrieb?

Julian F.M. Stoeckel: Das ist eine wunderbare Frage! Der Medienbetrieb ist für mich eine Firma wie jede andere Firma auch. Meine Kollegen sind eben Persönlichkeiten, die man aus dem Fernsehen, der Musik oder der künstlerischen Szene kennt. Aber dennoch sind die Strukturen wie in einer Firma. Jeder kennt sich, man trifft sich immer wieder, und man muss miteinander umgehen können. Ich halte aber dennoch mein Privatleben aus dem medialen Fokus raus, und ich weiß auch ganz gut mit dem Medienbetrieb umzugehen. Die Presse ist wie ein hungriger Wolf. Man muss ihnen immer wieder mal etwas zuwerfen und dann sind sie wieder ruhig. Wenn du sie nur warten lässt, dann suchen sie sich etwas. Und das kann schlecht ausgehen! (lacht)

Wie gehen Sie als “bunter Hund“ in der Szene mit Erwartungshaltungen, Stress und Häme der Öffentlichkeit um?

Julian F.M. Stoeckel: Ich gehe nur auf Veranstaltungen, wenn ich wirklich voller Energie bin und es mir gut geht. Dann ertrage ich auch die ganzen oberflächlichen Momente. Aber ich brauche auch meine Ruhe und ziehe mich regelmäßig zurück. Das bedeutet in meinem Fall, dass ich einen guten Wein trinke, leidenschaftlich gerne Opern von Mozart, Wagner, Rossini und Verdi höre und viele Künstlerbiografien lese, und damit Kraft und Energie tanke.

Aus Gentleman-Blog möchten wir natürlich von Ihnen wissen, was in Ihren Augen einen Gentleman ausmacht?

Julian F.M. Stoeckel: Ich finde, dass sich der Begriff „Gentleman“ verändert hat. Ich finde es heutzutage nicht mehr so wichtig, dass man einer Dame die Tür aufhält oder das man aufsteht, wenn eine Dame an den Tisch kommt. Ich mache das natürlich dennoch! (lacht) Aber ich sehe den Begriff „Gentleman“ heute, dass man aufmerksam, seriös, aufrichtig, charmant, witzig und geistreich ist und damit es schafft, zum Beispiel bei einem Dinner, kluge und interessante Tischgespräche zu führen. Es geht darum, dass man einfach eine Person mit Geist, Verstand und Witz ist, der die Menschen in seinem Umfeld mit kleinen Geschenken überrascht und mit Aufmerksamkeit beschenkt.

Würden Sie sich nach dieser Definition selbst als Gentleman bezeichnen?

Julian F.M. Stoeckel: Das kann ich eigentlich gar nicht beantworten. Ich würde eigentlich sagen: ja – aber ich denke, dass den „Gentleman“ alter Schule ja eher das ruhige und das zurücknehmende gegenüber anderen ausmacht. Doch ich bin ja nun bekannt dafür, dass ich eine einnehmende Person bin.

Letzte Frage: Sind Tugenden wie Höflichkeit, gute Manieren und Understatement im aktuellen deutschen Medienzirkus eher von Vorteil oder eher von Nachteil?

Julian F.M. Stoeckel: Gute Manieren sind immer wichtig! Aufrichtigkeit, Vertrauen und Ehrlichkeit sind wichtige Attribute. Aber ich weiß natürlich, dass viele Personen öffentlichen Lebens sich für etwas Besseres halten als der Rest der Welt. Meine Oma hat immer gesagt: „Schlag nicht auf die Menschen unten, denn die Menschen unten tragen den Thron, auf dem Du sitzen möchtest – Denn du trägst deinen Thron ja nicht selbst…!“ Und das trifft es sehr gut. Ich bin zu jedem nett und freundlich, der auch zu mir nett ist. Und wenn ich merke, dass jemand einfach die guten Manieren nicht besitzt oder oberflächlich, hinterhältig und intrigant ist, dann wende ich diesem Menschen einfach den Rücken zu. Aber ich denke, da muss jeder seinen eigenen Weg gehen…!

Mehr über Julian F.M. Stoeckel erfahren Sie auf seiner Facebook-Seite oder auf seiner Homepage.

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3 Responses to ““Ich gehe nicht nach Trends“ – Interview mit Modedesigner Julian F.M. Stoeckel”

  1. Der Julian ist ein ganz Lieber! Ich habe richtig Spaß mit ihm. Ach ja und designen kann er auch :)

  2. René Frommholz sagt:

    Guten Tag,

    ich kann nicht verstehen, wie in Ihrem Gentleman-Blog ein Interview mit einem von RTL’s Dschungelbewohnern veröffentlicht werden kann. Für mich hat die Teilnahme am Dschungelcamp überhaupt nichts mit einem Gentleman bzw. dem Bild eines Gentleman’s in der Öffentlichkeit zu tun. Die ganze Show ist vielmehr wirklich unterstes Niveau und volksverdummend. Ich bin enttäuscht.

    Mit freundlichen Grüßen
    René Frommholz

  3. Gentleman-Blog sagt:

    Guten Tag Herr Frommholz,

    dieses Interview haben wir mit Herrn Stoeckel geführt, Jahre bevor er sich zum Dschungelbewohner wurde.

    Viele Grüße

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