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Mai 21

Auf den Hut gekommen

Panama-Hut

Gentleman-Blog-Autor Florian S. Küblbeck hadert. Mit dem sich ankündigenden Sommer beginnt auch wieder die Hut-Saison, doch er hat beobachten müssen, dass fast immer nur diejenigen Hut tragen, die sich ansonsten wenig um ein akzeptables Outfit scheren. Eine Stilkritik.

Das Hut-Paradoxon

Jedes Jahr muss ich, etwa um die Zeit der zweiten Maiwoche, beim Gang durch die Münchener Innenstadt von neuem folgendes Paradoxon feststellen: Es ist wieder Hut-Saison — leider jedoch für die falsche Zielgruppe. Was ich damit meine, ist zwar nicht nett, aber leider wahr. Hut trägt immer nur der, der sich ansonsten wenig um ein akzeptables Outfit schert. Und so kann man die meisten Sommerhüte eben an Herren beobachten, die ihre Kopfbedeckung am liebsten mit T-Shirts, abgetragenen Jeans oder gar der gefürchteten Zip-Off-Hose kombinieren. Komplettiert wird der Look nur all zu oft mit schmutzigen Turnschuhen oder gar Trekking-Sandalen.

Sommerhut ist kein Freizeithut

Welches fatale Missverständnis hier vorliegt, ist offensichtlich. Der Sommerhut, häufig aus geflochtenem Seegras, wird ob seines luftigen Aussehens als reiner Freizeithut interpretiert — und damit nur zu dem kombiniert, was viele Männer eben in ihrer Freizeit tragen. Was hier so schlüssig klingt, beraubt aber den Hut eines wesentlichen Teils seines Kombinationsspektrums. Viele Männer scheinen heute nicht mehr zu wissen, dass das Material, aus dem der Hut besteht, nicht zwangsläufig dessen Form bestimmt. So kann auch der sommerliche Panama in beinahe jeder gängigen Hutform daherkommen, vom Trilby über den Snap Brim bis hin zum Homburg. Damit kann er in seiner Formalität beliebig variiert und zu einer Vielzahl von Looks kombiniert werden.

Sommerhut zum Anzug tragen

Dass man einen Sommerhut so auch ohne Probleme zum Anzug tragen kann, scheint die Männerwelt jedoch erfolgreich aus ihrem Bewusstsein zu verbannen. Dabei sähe oftmals zu leichten Sommeranzug aus Fresko oder Leinen ein mittelgroßer, eleganter Panamahut wesentlich besser aus als eine Sonnenbrille. Von ästhetischen Gesichtspunkten ganz abgesehen hat der Hut übrigens noch einen weiteren großen Vorteil: Mit einem Lichtschutzfaktor von bis zu 40 bewahrt er Kopf und Hals effektiv vor Sonnenbrand, selbst wenn die Mittagspause auf der Terrasse des Lieblingslokals mal länger dauert.

Für mich persönlich beginnt die Hut-Saison übrigens nicht Mitte Mai. Hut-Saison ist vielmehr ganzjährig. Anstatt Panamahut und Leinenkappe trage ich im Herbst und Winter stattdessen einfach Hüte aus Kaninchenhaar und Kappen aus Tweed. Wer einmal die für die eigene Kopfform geeignete Hutfasson gefunden hat, kann so ganzjährig gleichermaßen Kopschutz und Kopfputz tragen.

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Über den Autor

Gastbeitrag von Florian S. Küblbeck. Im renommierten Stilmagazin war der Modejournalist und Stilcoach federführend für den redaktionellen Teil verantwortlich. Heute arbeitet er für verschiedene Blogs und Online-Magazine. Sein Spezialgebiet ist die klassische Herrengarderobe. Im Gentleman-Blog schreibt er unter anderem über Stil und die Garderobe eines Gentleman.



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5 Responses to “Auf den Hut gekommen”

  1. Schminke sagt:

    Auch ich bin ganzjaehriger Huttraeger mit Anzug. Sommer mit Panamahut, doch was, wenn es regnet? Regenschirm als staendiger Begleiter?

  2. FSK sagt:

    Gute Hutqualitäten vertragen leichte Schauer ganz gut. Bei sintflutartigen Wassermengen würde ich am besten ganz auf einen Hut verzichten (oder zum Regenhut wechseln).

  3. Ramona sagt:

    Mein Mann hatte im letzten Urlaub auch das gleiche Problem. Er hat zum Glück einen guten Hut, der hat schon ein wenig Wasser vertragen und wenn es länger geregnet hat, haben wir eh zum Regenschirm oder Regenjacke gegriffen. Oder gibt es noch andere Alternativen?

  4. [...] letzterem Punkt tun sich vor allem Uhren, Sonnenbrillen und Kopfbedeckungen aller Art [...]

  5. [...] mit Ohrenklappen sind zudem für die eisigen Tage. Diese sind häufig auch noch gefüttert. Diese Kopfbedeckungen sind also ganzjährig tragbar. Sie sind ausserdem sehr modisch und wirken sportlich -dynamisch. Sie [...]

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