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Jul 18

Giorgio Armani….Die neue Freiheit des Anzuges oder “Der lässige Gentleman”

Batman-Darsteller Christian Bale im Armani-Anzug

Giorgio Armani ist aus der heutigen Modewelt nicht mehr wegzudenken. Sein, nach wie vor eigenes Imperium, dies darf man sich in den Windungen des Gehirns zergehen lassen, vertreibt mittlerweile nicht nur Mode. Über die Klassiker Brillen, Parfüm, Kosmetik und vieles mehr ist er mittlerweile beim G. Armani Design-Hotel angelangt. Modemacher Holger Sommer beschreibt im Gentleman-Blog den Werdegang Armanis und die typischen Merkmale des italienischen Designers.

Charakteristische Armani-Merkmale

Beginnen wir beim Ursprung des Schaffens von Giorgio Armani, der Männermode. Sie ist ein Inbegriff von Purismus und Perfektion. Begonnen hat Armani, indem er für Cerruti die erste Männermode zeichnete. Als freier Designer tätig, zählten damals auch Ungaro und Zegna zu seinen Auftraggebern, bis er sich schließlich auf den Weg machte, seine eigene Mode zu zeigen.

Was zeichnet den Stil von Armani eigentlich aus? Sind es die Farben, die Stoffe, die Linien im Schnitt oder die Passform? In jedem dieser Teile hinterlässt Armani seine charakteristischen Merkmale. Die Farben sind nie wirklich leuchtend, immer leicht abgedämpft. Die Linie im Schnitt ist absolut proportional und elegant gehalten, der Sakko-Korpus scheint einem schlanken, göttlichen Jüngling abgenommen zu sein: Seine Anzüge fallen einfach an und um ihn herum. Das wird deutlich im Gegensatz zum englischen Anzug, der im Verhältnis dazu eher „steht“. Armani hat damals nämlich einfach die Polster und Einlagen rausgeschmissen, und den Mann damit von seiner „Steifheit“ befreit. (Was haben die Schultern in den 1970er und 80er bisweilen gedrückt!) Die wesentlich weicheren italienischen Stoffe können dadurch ihren eigenen Charakter besser entfalten. Sie schwingen mit dem Mann und packen ihn nicht in ein Korsett.

Die Kunst des Weglassens

In der klassischen Herrenschneiderei liegt der Oberstoff der Front auf mehreren Lagen von Rosshaar-Einlagen um eine feste Brust und Schulter „zu bauen“. Armani hat dieser Tradition einen Tritt verpasst. Dies liegt nun einige Zeit zurück, die Entwicklung ist vorangeschritten. Die heutige Einlagentechnologie lässt eine in der Form stabile und dennoch weiche Schulter zu. Doch all dies verdanken wir seinem mutigen Schritt, in den 80er alles „draußen zu lassen“.

Seitdem haben sich neue Formen auf der Basis des Sakkos entwickelt. Die Sakkos von heute wirken manchmal eher wie eine Jacke, was die Kombinier-Möglichkeit gesteigert hat. So zum Beispiel die Sakkos oder Zwei-Reiher ohne Polster: Ein Traum für den Abend im Restaurant oder auf der Gartenparty. Vorbei die Zeiten mit diesen „zubetonierten“ Schultern, gerade in diesem Kleidungsstück, dass derzeit wieder stärker in den Mittelpunkt rückt, tut dies gut.

Lässigkeit eines Gigolos & die Seriosität eines Banker

Wenn es dann noch in einem wunderbar weichen Woll-Jersey gearbeitet ist und zur Armani-Jeans oder Armani-Chino getragen wird bedeutet da Coolness pur am Abend. Giorgio Armani´s Anzüge sind die perfekte Aufmachung um in italienischer Lässigkeit mit einer Frau zu flirten und dabei seinem Charme die nötige Eleganz zu verleihen.

Der klassische Anzug bekam im Laufe der Jahre die Lässigkeit des Gigolo, die Seriosität eines Bankers (man darf ja noch träumen dürfen), und den Schwung der Jugend. Begabte Scheider geben dem Stoff dieses dynamische Eigenleben – nach Insiderinformationen ist Herr Armani gegenüber seinen Angestellten äußerst „fordernd“.

Diese Leichtigkeit in der Schulter und Eleganz in der Linie lassen den Mann einfach „gut dazustehen“. Vielleicht hat sein Faible zum Film und der ständige Gedanke – „Wie sieht der Mann auf der Leinwand einfach großartig aus!“ – ihn dazu getrieben, sich derartige Gedanken um Stoffe, Linien und Verarbeitungstechniken zu machen, um dieses wohlgeformte Äußere zu kreieren.

Männermode wäre ohne Armani ärmer

Richard Gere sah in dem Film „Ein Mann für gewisse Stunden“ für die 80er Jahre einfach hinreißend elegant und edel aus, auch wenn dieses Jahrzehnt auch aus heutiger Sicht nicht zu den elegantesten Mode-Epochen zählt. Dennoch hat Giorgio Armani es verstanden, die damaligen breiten Schultern und das Rever „locker“ erscheinen zu lassen. Eben weil er einfach auf einen Teil der Einlagen verzichtet hat.

Armani hat sich der Männermode verschrieben und sie geprägt wie kaum ein anderer. Er möchte, dass der Mann das Leben genießt und nicht immer alles so steif und verbissen sieht. Bei ihm stimmen die Elemente „Farben + Stoff + Linien + Passform“ in Perfektion zusammen. Ohne Ihn wäre die Männermodewelt wahrlich ärmer.

Mein erster Armani

Einer meiner ersten Mode-Artikel war damals ein Giorgio Armani Sweatshirt in dunkelrot. Ich war im Alter von 14 Jahren stolz wie Oskar, als ich durch Taschengeld sparen und Zeitungen austragen die 400,- DM dafür zusammenhatte, um endlich meine erste „Schaufensterliebe“ selber tragen zu können. Seitdem sind seine Kollektionen ein „Must“, verwende selbst, sofern es möglich ist, Original Armani-Stoffe und habe mein Herz an diese italienische lässige und elegante Linie verloren.

Lesen Sie auch:
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Über den Autor

Holger SommerSchon von klein auf an Mode interessiert, macht Holger Sommer nun seine eigene. Vor allem die Anzüge haben es ihm angetan. Hier entsteht in Handarbeit jedes einzelne Stück mit Eigensinn und mit dem klaren Ziel, jeden Kunden wirklich gut aussehen zu lassen.



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4 Responses to “Giorgio Armani….Die neue Freiheit des Anzuges oder “Der lässige Gentleman””

  1. [...] Giorgio Armani Anzüge oder "Der lässige Gentleman" | Gentleman [...]

  2. Bernd M. sagt:

    Zitat: LÄSSIGKEIT EINES GIGOLOS & DIE SERIOSITÄT EINES BANKER
    Welch peinlicher Ausrutscher. Seit wann sind Banker seriös? Schuster bleib bei deinen Leisten!

  3. Paul sagt:

    Hallo Holger,

    mit 14 Jahren seinen eigenen Armani Anzug Hut ab! Ich habe meinen ersten Anzug vor ca. 3 Jahren gekauft, im Alter von 35 Jahren. Eines meiner Lieblingsstücke, denn er sitzt nicht nur perfekt sondern verleiht einem – besonders mir – ein besonders Gefühl wenn ich ihn trage.

  4. Stefan sagt:

    So ist das eben. Ein Armani ist einfach der Ferrari unter den Anzügen.
    Einsteigen, wohlfühlen, auffallen :)

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