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Jul 20

Was Uhren anzeigen – Zeit und Image

Männer-Uhren und ihr Image

Der Gentleman-Blog veröffentlicht exklusiv drei Auszüge aus Bernhard Roetzels neuem Buch „Mode Guide für Männer“. Im zweiten Teil erklärt der renommierte Stil-Kritiker und Autor des Standardwerkes “Der Gentleman. Handbuch der klassischen Herrenmode“, dass Uhren viel mehr als nur die Uhrzeit anzeigen: Edle Chronographen dienen auch als Schmuck, und es wohnt ihnen stets ein Image inne.

“Ein Mann braucht nur drei Schmuckstücke: sein Auto, seine Frau und seine Uhr”

Ein italienischer Uhren-Designer sagte einmal, dass ein Mann nur drei Schmuckstücke braucht. Sein Auto, seine Frau und seine Uhr. Interessant an dieser Aussage ist, dass der Mann, der ja selbst vom Uhrenverkauf lebt, die eigentliche Funktion seiner Gestaltungsobjekte unerwähnt lässt: Das Messen der Zeit. Das hat wohl damit zu tun, dass selbst eine billige Quarzuhr dies genauer bewerkstelligt, als der teuerste Chronograph. Einen Zusammenhang zwischen teuer zu bezahlender Uhrmacherkunst und Ganggenauigkeit gibt es also nicht mehr. Deshalb konzentriert sich das Uhren-Marketing auf das Image. Und das Image färbt auf den Uhrenträger ab.

„Man sieht nur, was man weiß“

Häufig wird gefragt, ob man mit einer teuren Uhr, beispielsweise einer Rolex, zum Vorstellungsgespräch erscheinen soll. Diese Frage lässt sich nicht so leicht beantworten. Wenn sich z.B. ein frisch promovierter Volljurist in einer traditionsreichen Kanzlei für eine gut bezahlte Stelle bewirbt, wird er mit einer unauffälligen Edelstahlrolex kaum etwas falsch machen. Vielleicht ist sein Gesprächspartner sogar selbst Uhren-Fan, der wird dann den Zeitmesser sofort wahrnehmen und in der Regel positiv vermerken. Wenn sich derselbe Bewerber bei einer gewerkschaftsnahen Stiftung als Hausjurist andient, würde ihm dort vielleicht die Rolex negativ angekreidet werden. Aber nur, wenn sie jemandem auffällt. Auch bei Uhren gilt, was Goethe gesagt hat: »Man sieht nur, was man weiß.« Nur, wer sich mit Uhren beschäftigt, und das sind in der Regel auch Uhren-Freunde, nimmt konkrete Uhrenmodelle war. Alle anderen übersehen dieses Detail. Es sei denn, die Uhr ist sehr auffällig.

Uhr als Schmuck in Deutschland nicht weit verbreitet

In Deutschland werden teure Uhren in aller Regel eher von wohlhabenden Menschen getragen und dann auch überwiegend von solchen Leuten wahrgenommen. In anderen Ländern, z.B. Italien, ist es dagegen relativ weit verbreitet, sich hochwertige Zeitmesser als Schmuckstück zuzulegen. Auch wenn die dann nicht die finanzielle Situation des Trägers widerspiegeln. Nicht selten sieht man dort Männer in ganz normalen Berufen mit Schweizer Chronographen, z. B. Taxifahrer, den Barmann oder einen Verkäufer in einem Modeladen. So wie in Deutschland oft teure Autos vor bescheidenen Wohnungen parken.

Finger weg von gefälschten Blender-Uhren

Wer wenig Geld ausgeben will und mit seiner Uhr trotzdem Stil zeigen will, sollte auf keinen Fall zu einem »Blender« greifen, also der Kopie eines Schweizer Originals. Dies ist einfach nur geschmacklos. Besser ist, eine Uhr zu kaufen, die günstig ist, aber dennoch stilistisch mithalten kann. Schicke Markenuhren für jeden Kleidungsstil zu erschwinglichen Preisen gibt es zum Beispiel bei JnP. Der Klassiker dieses Genres wäre beispielsweise die schlichte schwarze Swatch. Oftmals sieht man sie bei Italienern, die sie spaßeshalber an und zu im Wechsel mit Modellen von Rolex, IWC oder TAG Heuer anlegen. So eine Uhr wäre dann auch eine gute Option für das eben erwähnte Vorstellungsgespräch. Stilvoll aber günstig – das wird niemals negativ vermerkt.

>>Hier geht es zum “Mode Guide für Männer” von Bernhard Roetzel bei Amazon.

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Über den Autor

Gastbeitrag von Stil-Papst Bernhard Roetzel, Autor des Buches “Der Gentleman. Handbuch der klassischen Herrenmode”. Für den Gentleman-Blog schreibt er exklusive Kolumnen über Kleidung, Stil und Persönlichkeit eines Gentleman.



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9 Responses to “Was Uhren anzeigen – Zeit und Image”

  1. Armin Tamzarian sagt:

    Ich schlage eine andere Herangehensweise vor: statt des billigsten schweizer fabrikats kann man sehr gut japanischen und amerikanischen, etwa Seiko, Orient oder Timex greifen. Diese sind mitunter sehr elegant, manchmal sportlich- dynamisch, haben gute Werke (ich rede hier von automatikwerken, bei quarzwerken gibt es wie angesprochen keine Qualitätsunterschiede mehr) und sind sehr erschwinglich. Ein weiterer Geheimtipp sind russische Uhren aus der Sowjet-Zeit, etwa poljot oder slava, die großartig produziert und hübsch sind.

    Ich persönlich bin Fan von simplen, fast spartanischen Uhren, die auch zum Handgelenk passen, also nicht zu groß sein sollten. Den ultimativen Todesstoß gibt ein Mann, der stilistisch eh an der kante des zumutbaren navigiert (ich denke hier schwarzer Anzug, gelbe Krawatte, zu viel gel im Haar und eine sportliche Sonnenbrille, Typ Sparkassenschalter) mit einem riesigen Wecker mit 3ziffernblattern von einem blenderlabel (die Klassiker vom Graf von Monte wehro oder stella Polaris genauso wie modemarken wie armani Jeans oder esprit)

  2. Golden sagt:

    fauxpas definiere ich anders. links oben gefällt mir persönlich nicht. ordne ich dem freizeitbereich zu. den rest trüge ich ohne bedenken zum anzug. sogar zum smoking, sowie die italiener halt. für mich ist meine speedmaster sehr universell einsetzbar. das hört man immer wieder aus verschiedensten kreisen. die meissten sogenannten “dress watches” sind mir zu fad oder gefallen mir nicht besonders.

  3. Hans Hörl sagt:

    Man hat ja nicht immer die Zeit um sich beim Uhren-Fachhändler ausführlich über die zahlreichen Neuerscheinungen zu informieren; immerhin ist ein Trend zu limitierten Uhrenserien festzustellen. Tipp: Eine gute Überrsicht über aktuelle Uhren-Neuheiten liefert unsere Webseite.

  4. Sandra sagt:

    Wo findet man ausführliche Listen zu Limited Editions? Lg Sandra

  5. [...] die mit dem Gedanken spielen das Buch zu lesen finden zudem im Webmagazin gentleman-blog.de eine Auswahl an exklusiven [...]

  6. Stefan Degen sagt:

    In meinen Augen ist es ein absolutes nogo, teure Uhren von nicht traditionellen Fakturen wie Gucci, Hugo Boss und dergleichen zu tragen. Diese Labels machen schöne Kleidung, aber können niemals den Stil einer edlen Herrenuhr einbringen. Dann lieber günstige Uhrenvon Omega oder Oris tragen, dietraditionell aus diesem Business kommen.

  7. Fenja sagt:

    Meiner Meinung nach bringt das Zitat “EIN MANN BRAUCHT NUR DREI SCHMUCKSTÜCKE: SEIN AUTO, SEINE FRAU UND SEINE UHR” goldrichtig. In der heutigen Zeit sollten sich die Herren wieder auf die traditionellen Werte zurück besinnen. Der Kauf einer Uhr sollte wohl durchdacht sein und den eigenen Stil unterstreichen, erst dann wird ein Outfit zu einer runden Geschichte. Diese Tatsache macht einen Gentleman aus.
    In der Wahl der Uhr sollte nicht der Preis der ausschlaggebende Punkt sein, sondern das persönliche Empfinden bei dem Umlegen der Uhr – erst wenn man sich wohl fühlt strahlt man dieses auch aus.

  8. […] steht vor der Tür. Langsam wird es Zeit, sich um die ersten Geschenke zu kümmern. Kleidung und Accessoires sind neben Büchern, Parfum und DVDs definitiv unter den Favoriten. Einen schönen Ledergürtel […]

  9. Tobi sagt:

    Toller Artikel!

    Ich finde es einfach schade, dass es so wenig Uhrenliebhaber gibt, gerade in meiner Altersklasse geb. 1988.

    Als “Normalverdiener” mit 40k Brutto haben mich alle für verrückt erklärt als ich mir meine Omega SMP geholt habe… Aber was solls im Alltag fällt sie eh niemandem auf und ich hab meinen Spaß an der Uhr! :)

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