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Aug 02

„Mr. Classic“ Jeremy Hackett im Interview

Die britische Stil-Ikone Jeremy Hacket im Interview

Jeremy Hackett gilt als Ikone des noblen Brit-Schicks. Mit seinem Label „Hackett London“ schuf er für Gentlemen weltweit eine internationale Marke, die den englischen Dresscode mit einem Augenzwinkern neu interpretiert. Im Interview mit dem Gentleman-Blog erklärt “Mr. Classic” die Shopping-Philosophie von Männern, warum er eine Aversion gegen schwarze Anzüge hat und welchen Tennis-Champion er gerne öfter in Hackett-Mode sehen würde.

Der Gentleman-Blog im Interview mit Jeremy Hackett

Mr. Hackett, Sie sagten einmal, Männer hätten Angst vor Mode und daher solle sich Bekleidung besser nicht zu stark verändern. Warum verlässt Männer ausgerechnet in Sachen Mode der Mut?

Ich denke Männer haben nicht unbedingt Angst, aber sie sind vorsichtig. Sie sind sich ihrer Sache nicht sicher und wollen sich daher lieber nicht zu weit vorwagen, um nicht irgendwann lächerlich auszusehen.

Von Experimentierfreude demnach keine Spur?

Jeremy Hackett: Die meisten Männer wollen wirklich nicht zu sehr herausstechen. Ein berühmtes Sprichwort besagt: „Ein Gentleman kleidet sich entsprechend, um nicht bemerkt zu werden“. Natürlich gibt es jene Modetypen, die mit ihrem Look ein Statement abgeben wollen, aber die Meisten betreten unseren Laden und haben kein Interesse an solcher Mode.

Neigt man nicht gerade, wenn man keine Ahnung von Mode hat, dazu, der breiten Masse und somit dem Trend zu folgen?

Jeremy Hackett: Es kommt auf den Mann an, einige wollen das, aber der Großteil nicht. Viele kommen zu uns und sagen: „Ich habe diese Jacke letzten Winter bei Ihnen gekauft und hätte gern das gleiche Modell noch einmal oder etwas ganz ähnliches.” So sind sie, ich auch. Ein Kunde kaufte mal 78 Tweed-Anzüge bei mir. Alle hatten exakt das gleiche Design, nur unterschiedliche Stoffe. Er hat sich einen ganzen Schrank bauen lassen, um sie alle unterzubringen. Ich habe nur drei Tweed-Anzüge.

„Never change a winning team“, oder war es nur die Macht der Gewohnheit?

Jeremy Hackett: Ich denke, wenn Männer einmal etwas gefunden haben, was Ihnen gefällt, gewöhnen sie sich daran, tragen es ein und selbst wenn es etwas alt und abgenutzt ist, wird es zu ihrem liebsten Kleidungsstück.

Ist Geld für ein gutes Händchen beim Shoppen hilfreich?

Jeremy Hackett: Es geht nicht so sehr darum Geld zu haben, sondern viel mehr darum, ein Auge für die Mode zu haben. Außerdem kommt es darauf an, wofür du dein Geld ausgeben willst. Als ich früher in Shops gearbeitet habe, habe ich die Hälfte meines Gehalts wieder zurückgezahlt, weil ich so viele Sachen dort selbst gekauft habe. Ich würde eher einen guten Anzug kaufen als drei günstige. Es ist eine Frage der Prioritäten.

Was käme abgesehen von billigen Anzügen ebenfalls niemals in Ihren Kleiderschrank?

Jeremy Hackett: Ich bin nicht so scharf auf braun. Dieses ganz einfache braun. Ein brauner Anzug oder eine braune Jacke wären nichts für mich. Braune Schuhe sind ok. Und ich trage kein Schwarz.

Schwarz gilt doch als die stilsicherste Farbe überhaupt. Haben Sie gar nichts in schwarz?

Jeremy Hackett: Ich habe eine Smoking-Jacke und einen Morgenmantel in schwarz, das ist alles. Ich mag keine schwarzen Anzüge oder Sweater. Bei mir ist fast alles marineblau. Ich habe eine Tonne marineblauer Sweater.

Wieso ausgerechnet marineblau?

Jeremy Hackett: Ich mag es einfach.

Ein Blick durch Ihren Shop genügt, um festzustellen, dass etwa 1/3 der Kollektion fest in marineblauer Hand ist. Teilen die Kunden Ihren Geschmack?

Jeremy Hackett: Unser meistverkaufter Sweater und unser meistverkauftes Poloshirt sind beide marineblau. Bei Prada oder Gucci wäre wahrscheinlich schwarz die dominante Farbe, aber Hackett ist eine marineblaue Marke. Dafür stehen wir. Wenn du einen schwarzen Anzug willst, dann geh zu Prada. Wenn du einen anständigen marineblauen Anzug willst, kauf ihn bei Hackett!

Bilder aus dem Hackett-Shop in Hamburg

Alle Welt trägt schwarze Anzüge, was ist falsch daran?

Jeremy Hackett: Es ist ok, wenn andere einen schwarzen Anzug tragen. Wenn ich jedoch einen schwarzen Anzug trage, fühle ich mich, als wollte ich modisch sein. Nicht, dass ich altmodisch bin, aber in schwarz fühlt es sich zu gewollt an. Die Mehrzahl unserer Kunden will auch kein Schwarz tragen.

Wie können Sie das wissen, wenn Sie gar nichts in schwarz anbieten?

Jeremy Hackett: Wir hatten irrtümlich mal ein paar schwarze Sweater in einer Lieferung und mein Verkäufer wollte sie zurückschicken. Ich fand, wir sollten sie einsortieren und schauen, wie die Kunden reagieren. Sie hüteten drei Monate lang den Laden.

Sie haben bereits einen Store in München und Hamburg. Werden wir demnächst auch einen Hackett-London-Store in der deutschen Mode-Hauptstadt Berlin finden?

Jeremy Hackett: Berlin ist eine schwarze Stadt. Hamburg ist eine blaue Stadt, sie ist klassisch, jedenfalls von meinem Gefühl her.

Hackett London ist einer der Hauptsponsoren des Tennisturniers am Hamburger Rothenbaum. Nebenbei sponsern Sie auch Polo-Events und waren bereits im Rugby eingebunden. Warum sind Hackett London und Sport so ein gutes Team?

Jeremy Hackett: Viele unserer Kunden verfolgen oder betreiben diese Sportarten. In England gibt es zudem für alle Gelegenheiten einen Dresscode. Wenn die Leute aufs Land fahren, zum Polo oder auf eine Hochzeit gehen, dann ziehen sie sich dementsprechend an. Unser Ziel war es, sie für diese Anlässe einzukleiden und das gewisse Etwas hinzuzufügen.

Die Designs sind demnach sehr kulturträchtig.

Jeremy Hackett: Bei unserer Mode spielt das Bewusstsein darüber, wie die Engländer in Europa gesehen werden, eine große Rolle. Alles ist etwas aufpolierter und überspitzter, als man es tatsächlich in England tragen würde. Aber dieses bisschen mehr kommt nicht nur gut bei den Europäern an, sondern auch bei den Amerikanern und den Japanern.

Wie man hört auch bei den Gentlemen des Tennissports.

Jeremy Hackett: Rafael Nadal und David Ferrer tragen hin und wieder Hackett. Roger Federer war ein paar Mal in unseren Läden in Zürich und Genf einkaufen. Unglücklicherweise ist er an Nike gebunden, er würde großartig in Hackett aussehen!

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One Response to “„Mr. Classic“ Jeremy Hackett im Interview”

  1. Will von ASW erklärt, warum man sich hüten sollte tagsüber schwarz zu tragen, wenn man nicht auf einer Beerdigung ist:

    Kurzform: Es sieht an fast jedem, der nicht sehr helle Haut mit sehr dunklen Haaren hat, unvorteilhaft aus. Man wird zu einem unförmigen blob, weil schwarz alle konturen verschwimmen lässt und blass, weil schwarz so ein scharfer kontrast zu Hautfarben ist. Die einzige Möglichkeit, dass mir persönlich ein Anzug in schwarz steht ist, wenn er ein wenig Glanz hat. Und schwarze Seide sieht nun wirklich wie für den Abend (und vor allem künstliches, warmes, vielquelliges Licht) gemacht.
    Ich persönlich finde auch, dass ein schwarzer Anzug immer den Geist von Funktion und Komformität hat, was ihn zur Alltagskleidung von Schalterbeamten, SPD-Politikern und Möchtegerngeheimagenten macht, aber auf den schultern eines modisch interessierten Mannes nichts zu suchen hat.

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