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Jan 02

Honne und Tatemae – Vom wahren und öffentlichen Gesicht

Honne-Tatemae–Prinzip aus Japan

In der japanischen Gesellschaft unterscheiden die Menschen streng zwischen ihren echten Gefühlen (Honne) und dem Bild, das sie in der Öffentlichkeit darstellen (Tatemae). In der westlichen Welt hingegen weicht die Abgrenzung zwischen Privatem und Beruflichem immer weiter auf. Welche Vor- und Nachteile hat das Verhalten nach dem Honne-Tatemae-Prinzip, und was kann man als Gentleman vom fernen Osten lernen?

Die Säulen der japanischen Gesellschaft

In der globalisierten Welt schwappen immer häufiger Produkte, Ideen und Phänomene aus weit entfernten Gebieten der Erde zu uns herüber. Dennoch werden die wenigsten hierzulande etwas mit den beiden japanischen Begriffen Honne und Tatemae anfangen können. Damit stellen die Japaner die Dualität des menschlichen Wesens als Modell dar. Honne kennzeichnet hierbei die wahren Emotionen, Wünsche und Träume, während Tatemae (japanisch für Maskerade) das Verhalten in der Öffentlichkeit beschreibt.

Das öffentliche Verhalten einer Person ist in Japan stark von Konventionen, Erwartungen seitens der Gesellschaft und seiner beruflichen Position geprägt. In großen Teilen der japanischen Gesellschaft wird es von Erwachsenen erwartet, das schwierige Maskenspiel von Honne und Tatemae perfekt zu beherrschen. Ein Grund für dieses Verhaltensmuster liegt in der hohen Bevölkerungsdichte des Inselstaates. Wenn Menschen auf sehr engen Raum zusammenleben müssen, führt das häufig zu Spannungen. Tatemae soll dem frühzeitig entgegenwirken. Gefühlsausbrüche und starke Emotionen sollen durch einen neutralen Gesichtsausdruck oder freundliches Lächeln verschleiert werden und für ein friedvolles Miteinander sorgen.

Honne und Tatemae im Westen

In unserer westlichen Welt sind die Grenzen zwischen wahrem und öffentlichem Gesicht dagegen nicht so klar definiert, die Grenzen zwischen dem Privatem und dem Beruflichen verschwimmen zusehens. Nicht nur junge Menschen vernetzen sich und informieren nicht nur Freunde, sondern auch Arbeitskollegen und Geschäftskontakte durch soziale Netzwerke wie selbstverständlich über private Dinge.

Doch auch die japanische Gesellschaft wandelt sich: Insbesondere junge Japaner wollen bei dem Maskenspiel von Honne und Tatemae nicht mehr mitspielen. Sie fürchten ihren wahren Charakter und ihre echten Gefühle zu verleugnen. Ein Teil der Japaner verweigert sich deshalb dieser traditionellen gesellschaftlichen Regel so sehr, dass sie sich vermehrt in die scheinbare Sicherheit ihres Elternhauses zurückziehen. Hikikomori, werden diese Menschen in Japan genannt, die sich manchmal für Jahre in ihrem Zimmer einschließen und den (realen) Kontakt mit der Außenwelt auf ein Minimum reduzieren. Doch das ist lediglich eine Flucht, kein aktives Angehen und kann somit keine Lösung sein. In dem Punkt hat die hochkomplexe japanische Gesellschaft sicher noch Entwicklungspotential.

Ein universelles Phänomen

Trotzdem sollten wir uns dem fernen Osten nicht überlegen fühlen, denn das Prinzip von Honne und Tatemae ist keine spezifisch japanische Erscheinung, sondern charakterisierend für viele Gesellschaften auf der Welt. Die vordergründige Offenheit und gleichzeitige Oberflächlichkeit ist die weit verbreitete Maskerade des Westens. Dieses muss nicht per se schlecht sein, doch die Ideale eines Gentleman sollten in erster Linie Authentizität und ernsthaftes Interesse an den Mitmenschen sein.

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2 Responses to “Honne und Tatemae – Vom wahren und öffentlichen Gesicht”

  1. Gelegenheitsdieb sagt:

    Ist mir vielleicht nicht aufgefallen, aber trotz zweimaligen Lesens könnte ich den Inhalt nicht finden. Wo sind sie denn, die angekündigten Vor- und Nachteile?
    Wieso steht unter “Honne und Tatemae im Westen” japanische Jugendliche beschrieben die sich zu Hause einsperren beschrieben?

  2. Maples sagt:

    @Gelegenheitsdieb:
    Wow, zwei mal gelesen, und doch nicht die Vor- und nachteile gefunden. Ich helfe Dir :-)
    Vorteil: Weniger Konflikte in der japanischen Gesellschaft (so die Idealvorstellung)
    Nachteil: keine Authentizität, Verleugnung der wahren Gefühle
    MfG, Maples

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