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Jan 07

Nach der Trennung: Neuanfang als Chance

Wie ein Gentleman mit einer Trennung umgeht

Sitzen gelassen zu werden ist sicherlich eine der unerfreulichsten Episoden im Leben. Bei einem solchen emotionalen Tiefschlag nicht die Contenance zu verlieren und sich stattdessen wie ein Gentleman mit der Situation zu arrangieren, macht nicht nur den Abschied leichter, sondern auch den Neuanfang. Der Gentleman-Blog gibt praktische Tipps, wie Sie die losen Enden bei einer Trennung verknoten und die Trauerphase für Ihre persönliche Entwicklung nutzen können.

Mit Anstand und Abstand

Um es gleich vorweg zu nehmen: ein Patentrezept gegen Schmerz und Trauer können auch wir nicht anbieten. Sie gehören zu einer Trennung und helfen dabei, den verwaisten Platz im Herzen aufzuräumen, damit früher oder später neues Glück dort einziehen kann. Wie oft im Leben ist der heilsame Effekt dieser Gefühle jedoch eine Frage der Dosierung. Wer sich ihnen vorbehaltlos hingibt, entfesselt unkontrolliert zerstörerische Kräfte. Und es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich diese gegen ihren Schöpfer wenden. Wehren wir also den Anfängen und betrachten wir den Scherbenhaufen mit Anstand und Abstand.

Fragen Sie nicht nach dem Warum

Jede Trennung hat ihre eigene Vorgeschichte. Daraus aber zu schließen, dass jede Trennung auch ihren klar erkennbaren, benennbaren und beiden Parteien einleuchtenden Grund haben muss, ist ein Trugschluss. Jeden Tag beschließen Menschen aus den seltsamsten und lächerlichsten Motiven, getrennte Wege zu gehen. Der Klassiker «mir fehlt etwas, aber ich weiß nicht was» ist als Begründung darum ebenso gut oder schlecht wie «ich habe mich in den Bürokollegen verliebt». Quälen Sie sich und Ihre Ex-Partnerin also nicht mit endlosen Diskussionen über das warum und weshalb, wenn diese nicht klar ersichtlich sind. Das Urteil ist bereits gefällt, die Gründe dafür machen die Konsequenzen für Sie nicht leichter. Akzeptieren Sie einfach, dass es ist, wie es ist. Und beschließen Sie, das Beste daraus zu machen.

Ziehen Sie einen Strich

Es wäre schön, wenn wir selbst nach plötzlichen Trennungen so vernünftig und zivilisiert wären, dass wir nahtlos von Liebe zu Freundschaft übergehen könnten. Und tatsächlich gibt es Mutige, die sich an diesem Ideal versuchen – meistens deutlich zu Gunsten des einen und auf Kosten des anderen. Darum jetzt mal in aller Deutlichkeit: man muss nicht der beste Freund seiner Ex werden. Man muss es noch nicht einmal wollen. Schon gar nicht, solange die Wunden noch frisch sind. Und man ist deswegen kein schlechter Mensch, sondern bloß Mensch. Gehen Sie also nach der Trennung auf Distanz, bleiben Sie dabei stets höflich, aber sagen sie auch laut «Nein, danke», wenn Ihre Ex Ihnen vom stressigen Tag im Büro erzählen will (das gilt natürlich auch umgekehrt). Sie hat sich entschieden, ihr Leben nicht mehr mit Ihnen zu teilen. Nun halten wenigstens Sie sich daran.

Seien Sie nicht kindisch

Und damit meinen wir: Halten Sie sich wirklich daran! Während es den meisten Verlassenen naturgemäß leicht fällt, im direkten Kontakt eine gewisse Distanz zu wahren, sieht es hinter den Kulissen nämlich oft anders aus. Dort wird im Minutentakt das Facebook-Profil der Ex gecheckt, «per Zufall» abendelang vor ihrer Wohnung hin- und herpatrouilliert oder am Wochenende sogar gezielt hinterherspioniert. Dieses Verhalten ist nicht nur jämmerlich, es ist auch ganz und gar sinnfrei. Statt zu versuchen, das Leben ihrer Ex zu kontrollieren, sollten Sie sich darum kümmern, ihr eigenes wieder in den Griff zu kriegen. Beschränken Sie also den Kontakt auf das absolut Notwendige und achten Sie darauf, dass sich ihre Wege bis auf Weiteres so wenig wie möglich kreuzen.

Bleiben Sie fair

Je nachdem wie lange die Strecke ist, die man zusammen auf dem Lebensweg zurückgelegt hat, gibt es bei einer Trennung mehr oder weniger aufzuteilen. Die Palette reicht von der gemeinsamen Wohnung über das gemeinsame Auto bis zu den gemeinsamen Freunden. Richtig gelesen: auch gemeinsame Freunde fühlen sich meist der einen oder anderen Partei mehr verpflichtet. Deshalb einen Groll gegen die «Überläufer» zu hegen, wäre unfair, Sie würden an deren Stelle ähnlich handeln (und haben es in der Vergangenheit wahrscheinlich auch schon getan). Überhaupt ist Fairness das A und O beim Entwirren der Beziehungsfäden. Häufig liegen zwischen dem finanziellen und dem ideellen Wert eines Gegenstands oder Möbelstücks Welten. Diese gegeneinander aufwiegen zu wollen, ist unsinnig. Überlegen Sie also lieber, wer für was die bessere Verwendung hat und was für wen von größerer Bedeutung ist. Als Faustregel gilt: der Gentleman zeigt sich im Zweifelsfall lieber zu generös als zu kleinlich. Tabula rasa zu machen ist immer noch die bessere Option, als sich wegen ein paar lumpiger CDs und einem alten Sofa jahrelang in den Haaren zu liegen

Nehmen Sie sich Zeit zum Trauern

Auch wenn das Herz bricht, dreht sich die Welt weiter. Freunde, Familie und Bekannte werden gerade jetzt alles daran setzen, um Ihnen nicht die Decke auf den Kopf fallen zu lassen. Doch vor der Trauer kann man auf Dauer nicht wegrennen. Nehmen Sie sich also ab und zu Zeit für ein Rendezvous mit der großen Dame in Schwarz. Ob nur einen Abend oder ein ganzes Wochenende bleibt ihnen überlassen. Wichtig ist aber, dass die Zeitfenster klar begrenzt bleiben. Während man so im stillen Kämmerlein die Scherben zusammenkehrt, die guten Erinnerungen behält und die schlechten runterschluckt, darf Man(n) ruhig auch Tränen vergießen. Immerhin gibt es einen Grund, warum man sich seinerzeit verliebt hat. Trauer auf Raten hilft dabei, auch in Krisenzeiten ein gesundes Gleichgewicht zu wahren und schützt gleichzeitig vor Selbstmitleid. Das haben Sie nämlich wirklich nicht nötig.

Definieren sich sich neu

Sich von einer Beziehung nahtlos in die nächste zu stürzen, bringt selten Gutes. Sie müssen jetzt niemandem beweisen, dass sie noch aktiv, knackig und begehrenswert sind – nicht einmal sich selber. Nutzen Sie die Zeit zwischen der letzten und der nächsten Partnerschaft darum statt für einen Rückfall in die Pubertät lieber dazu, die eigene Persönlichkeit weiter zu entwickeln. Nur sich selber verpflichtet zu sein bietet eine Chance, über den eigenen Horizont hinauszuwachsen. Jetzt können Sie Ihre Ziele und Ideale ungehindert hinterfragen, jetzt haben Sie die Möglichkeit, die eigenen Wünsche zu erfüllen. Trampen Sie durch Norwegen, machen Sie den Bootsschein oder lernen Sie endlich richtig kochen. Vor allem aber: Bleiben Sie jetzt auf keinen Fall stehen. Dann werden Sie schnell merken, dass Alleinsein nicht eine Prüfung sein muss, sondern eine Quelle der Kraft sein kann. Die Kraft, sich früher oder später wieder mit ganzem Herzen auf jemanden einzulassen. Ganz ohne Garantie und Umtauschrecht.

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Der Autor

Parfum-Kenner Lindo GanarinDer schweizer Bohemien Lindo Ganarin mit italienischen Wurzeln arbeitet als Creative Director in Bern und bloggt nebenbei über Dinge, die die Welt zu einem liebens- und lebenswerten Ort machen.



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8 Responses to “Nach der Trennung: Neuanfang als Chance”

  1. Oliver sagt:

    Hervorragender Beitrag, der es präzise auf den Punkt bringt!

  2. Schorse sagt:

    Danke

  3. der Muger sagt:

    ach wo – so reden doch bloss Verlierer und Feiglinge!
    liebe Grüsse vom Muger

  4. Tom sagt:

    Danke! Der beste (und auch noch fast kürzeste!) Beitrag, den ich bisher zu dem Thema gelesen habe.

  5. CarrieW sagt:

    Nichts hinzuzufügen die Herren, das sage sogar ich als Frau. Besonders beim Punkt “nicht kindisch sein” musste ich heftigst nicken. Bravo!

  6. Holly Wood sagt:

    Gilt übrigens nicht nur für Gentlemen sondern auch für Frauen :-)

  7. Ulrich sagt:

    Danke! Das kam genau richtig und irgendwo bin ich froh, dass meiste schon von alleine so getan zu haben.

    Das macht es etwas einfacher.

  8. [...] einer Freundin habe ich meine Trennungstheorie diskutiert und sie kam zu einem ganz anderen Ergebnis! Für sie ist es zwar ebenfalls der [...]

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