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Jan 17

Zeit zum Ausmisten: Warum weniger mehr ist

Wohnung und Kleiderschrank ausmisten

Das neue Jahr ist noch jung und deshalb vorzüglich dazu geeignet, sich vom Ballast, der sich im Laufe der Zeit in jeder Wohnung und Kleiderschrank ansammelt, zu befreien. Doch wo fängt man an und wie trennt man das Antiquierte vom Adäquaten? Der Gentleman-Blog hilft beim Ausmisten und verrät, wie Sie damit sich selbst und anderen etwas Gutes tun können.

In Schränken, Schubladen und Regalen bleiben sie hängen, die kleinen und grossen Beifänge des täglichen Lebens. Einige davon sind uns lieb und teuer, andere zumindest praktisch. Und manche auch einfach nur peinlich. Krempeln wir also die Ärmel hoch, machen wir uns ans Ausmisten und freuen wir uns ganz nebenbei auf eine kostenlose Lektion über die reinigende Kraft des Loslassens.

Die Aufwärmrunde: Kleiderschrank ausmisten

Beginnen wir mit etwas Einfachem: dem Kleiderschrank. Sortieren Sie zuerst alle Kleidungsstücke aus, bei denen sich Form, Farbe und/oder ursprünglicher Zweck nur noch vage erahnen lassen. Es folgen all jene Teile, in die Sie schon seit Jahren nicht mehr hineinpassen und die Sie für den Fall einer unerklärlichen spontanen Figurstraffung oder einer Anomalie im Raum-Zeit-Kontinuum beiseitegelegt haben – it’s not gonna happen. Was übrig bleibt ist der theoretisch tragbare Teil Ihrer Garderobe. Theoretisch deshalb, weil wir längst nicht alles anziehen, bloss weil wir reinpassen – noch nicht einmal, wenn es bei uns im Schrank hängt. Nehmen Sie also alle Stücke zur Hand, die Sie in den letzten 12 Monaten nie getragen haben, und überlegen Sie gut, bei welcher Gelegenheit Sie sich damit passend angezogen fühlen würden. Wenn Ihnen ausser Altweiberfasching und Stromausfall bei Neumond in Bad Salzuflen nichts einfällt – weg damit. Sie werden sehen: ein halbvoller Kleiderschrank lässt den Textilien Luft zum Atmen, vereinfacht die Auswahl und hilft dabei, den eigenen Stil zu verfeinern.

Jetzt geht’s ans Eingemachte: Wohnung Ausmisten

Während sich ein Kleiderschrank mit etwas Vernunft und Logik leicht ausmisten lässt, sieht es beim Rest der Wohnung schon anders aus. Hier haben wir es nicht mehr nur mit den eigenen Geschmacksverirrungen und Nachlässigkeiten zu tun, hier haben meist auch Familie, Freunde und Partner ihren Teil beigesteuert. Zudem sind Dinge wie der lustige Wackel-Elvis aus der TV-Werbung oder Billy Bass, der singende Fisch (wer erinnert sich noch daran?) oft mit einer nostalgischen Patina überzogen, die uns den ästhetischen Wert dieser ehemaligen Kultobjekte leicht vergessen lässt. Tief im Herzen wissen wir aber, dass der Hype längst gestorben und begraben ist und wir heute nie und nimmer willentlich die Brieftasche für solchen Firlefanz zücken würden. Das Schöne an den wilden, unbeschwerten Zeiten sind die Erinnerungen daran, nicht deren physische Artefakte. Behalten Sie also erstere im Kopf und räumen Sie zweitere von Regalen und Wänden – sie wollen ja nicht ein Leben lang im Kinderzimmer wohnen.

Der geschenkte Gaul

Geschenke sind in den allermeisten Fällen gut gemeint und sollen Freude bereiten. Und manchmal tun sie das sogar, zumindest eine Zeit lang. Doch muss man Dinge, die man im Traum niemals gewollt hat, in der eigenen Wohnung dulden, bloss weil jemand es gut mit einem gemeint hat? Natürlich nicht! Der Engländer sagt zu Recht «My home is my castle». Und das eigene Schloss gegen unerwünschte Eindringlinge zu verteidigen, ist seit jeher heilige Pflicht. Wandeln Sie also mit Argusaugen durch Ihre Wohnung und entfernen Sie alles, was den visuellen Frieden stört und keinem praktischen Zweck dient. Es liegt nun an Ihnen, diese Dinge ihrer ursprünglichen Bestimmung zuzuführen. Ganz einfach indem Sie sie auf dem Flohmarkt an jemanden verhökern, der WIRKLICH Freude daran hat (und es gibt IMMER jemanden, der Freude daran hat). Mit diesem Akt purer Nächstenliebe reinigen Sie nicht nur Ihr Karma, sondern auch Ihre vier Wände von optischem Sündenbefall. Voilà – schöner kann eine Win-Win-Situation gar nicht sein.

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Der Autor

Parfum-Kenner Lindo GanarinDer schweizer Bohemien Lindo Ganarin mit italienischen Wurzeln arbeitet als Creative Director in Bern und bloggt nebenbei über Dinge, die die Welt zu einem liebens- und lebenswerten Ort machen.



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3 Responses to “Zeit zum Ausmisten: Warum weniger mehr ist”

  1. Sascha sagt:

    Der Teil mit Bad Salzuflen ist doch wohl nicht abwertend gemeint?
    Ja, es gibt auch Leser Ihres Blogs aus Bad Salzuflen, also Vorsicht. ;)

  2. Das Problem hab ich auch immer, wobei ich wirklich sagen muss, bei mir gehts, ich habe nicht so riesen Schwierigkeiten mich von Sachen zu trennen, so lange ich mir das Logisch erklären kann warum ich dies und das nicht brauche kann es sofort weg! Bei meinen Geschwistern finde ich es interessant, egal wie unbrauchbar Sachen sind, man kann sich nicht davon trennen.

    Da muss wohl auch irgendwas in Richtung Gene erforscht werden ;-)

  3. Jan-Simon sagt:

    Hinsichtlich derartige “Beifänge” wie Wackel-Elvis und Billy Pass habe ich mal in einer Unterhaltung über eben diese Thematik (Problematik?) sich von altherrgebrachten Dingen zu trennen, den Rat gehört, diese Dinge in einen Karton zu packen und mit diesem in den Keller oder auf den Dachboden zu bringen. Wenn man innerhalb einer gesetzten Frist von einem bis drei Jahren den KArton nicht geöffnet hat, weil man etwas bestimmtes brauchte, soll man sich sicher sein, die Dinge nicht mehr zu benötigen. Die logische Konsequenz ist dann der im Beitrag erwähnte Gang zum Trödelmarkt.

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