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Feb 01

Vom Wesen der Zeit – Über Hyperbeschleunigung und Mut zur Muße

Irgendwann kam sie in die Welt. Und nun ist sie unser stetiger Begleiter. Höchste Zeit, sich das ominöse Phänomen Zeit mal genauer anzuschauen. Der Gentleman-Blog geht auf Zeitreise und verrät, wie man seine Lebenszeit sinnvoll nutzt, um am Ende des Lebens nichts zu bereuen.

Leben im Zeitalter der Beschleunigung

Vom morgendlichen Klingeln des Weckers bis zum letzten Blick auf die Armbanduhr vor dem Einschlafen – die Zeit ist immer an unserer Seite. Sie ist normal und selbstverständlich, jeden Tag. Vor der Erfindung der Uhren und des elektrischen Lichts, lebten die Menschen nur nach dem Tages- und Nachtrhythmus der Natur. Wir modernen Homo sapiens hingegen haben die Urzeit längst hinter uns gelassen und deshalb die Uhrzeit immer im Blick. Dank Elektrizität können wir die Nacht zum Tage machen. Gleichzeitig hat sich unser Leben in den letzten Jahrzehnten durch Computertechnologien und Globalisierung immer mehr beschleunigt. Jeder Tag gleicht einem Wettkampf in den Disziplinen Höher, Schneller und Weiter, vor allem im Arbeitsleben. Diese Hyperbeschleunigung macht viele Menschen krank und hat völlig neue Krankheitsmuster wie das Burn-Out-Syndrom hervorgebracht, das im Jahre 2010 der Grund für jeden zehnten Fehltag der Arbeitnehmer in deutschen Unternehmen war.

Eine trügerische Logik

Auf der anderen Seite verdanken wir der exakten Zeiteinteilung durch Uhren die hohe Produktivität unserer Gesellschaft, die das riesige, internationale Angebot von Waren und Dienstleistungen hervorbringt, das wir jeden Tag genießen dürfen. Verständlicherweise versuchen viele Menschen die berufliche Logik des Höher, Weiter, Schneller auf ihre Freizeit zu übertragen. Eine stressige Arbeitswoche mit unzähligen Überstunden gehabt? Kein Problem, wir belohnen uns mit einem Wochenend-Party-Shopping-Sightseeing-Trip nach London! Eine Nacht durchgearbeitet? Einfach eine weitere Nacht durchfeiern, wozu gibt es denn schließlich diverse Aufputschmittel! Zu viel Stress? Stressabbau im Shoppingcenter! “Work hard play hard“, lautet das Motto.

Ausgestorben: die Langeweile

Es scheint als hätten wir heutigen Menschen die Langeweile aus unserem Leben verbannt. Smartphones ermöglichen es uns Zeiten des Leerlaufs sofort mit mehr oder weniger produktiven Aktionen zu füllen, sei es in der U-Bahn, im Wartezimmer, in der Werbepause, ja sogar auf der Toilette. Eine ganze Industrie läuft auf Hochtouren, um uns in unserer Freizeit von allen Seiten zu bespaßen. Das Problem daran: Wir verlernen es immer mehr, uns mit uns selbst zu beschäftigen. Wer diese Fähigkeit verlernt hat, wird kaum erfahren wer er wirklich ist, was er im Leben wirklich will und was ihn wirklich glücklich macht. Erkenntnis braucht Muße, und Muße brauchen Etappen freier und unbespaßter Zeit.

Der alte Mann und die Zeit

Wie wertvoll die Zeit wirklich ist, wird den meisten Menschen erst gegen Ende ihres Lebens bewusst. Dann, wenn es immer weniger Zukunft gibt, auf die noch hinarbeitet und hingestrebt werden kann. Eine Katastrophe für Menschen, die sich ein Leben lang eingebildet haben die unersetzlichen und ewig vitalen Herren der Zeit zu sein. Erst am Sterbebett lernen viele Männer: Ich hätte nicht so hart arbeiten sollen, ich hätte mich mehr um meine Freunde und Kindern kümmern sollen, ich hätte weniger auf die Erwartungen anderer geben und mehr Gefühle zeigen sollen. Gehen Sie bewusst mit Ihrer Zeit um, um später nichts zu bereuen. Dabei kann und die Verinnerlichung der Gentleman-Tugenden Demut, Menschlichkeit und Bescheidenheit helfen im Alltag bewusst Inseln der Entschleunigung zu schaffen. Das geht zum Beispiel, wenn man einen langen Spaziergang unternimmt, ein Buch liest, seinem Hobby nachgeht oder sich anderweitig Zeit für sich nimmt.

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4 Responses to “Vom Wesen der Zeit – Über Hyperbeschleunigung und Mut zur Muße”

  1. McMorghey sagt:

    Ich arbeite gerne, doch ich identifiziere mich nicht damit.
    Mir ist Zeit für mich und mit mir sehr wichtig! Und ICH will diese Zeit selber gestalten.

    Stressabbau im Shoppingcneter, an Parties und mit Kurztripps entsprechenden in meinen Augen nicht als “selber gestlaten”. Das ist wie Club-Urlaub mit Animationen rund um die Uhr.

    Wir Menschen haben es verlernt uns selber zu unterhalten! Darum müssen wir uns unterhalten LASSEN. Rund um die Uhr!

    Selber gestalten heisst meine Devise!

    Gruess
    McMorghey

  2. Zeitzeugin sagt:

    Mein Thema!
    “Die Zeit” hatte auch mal einen schönen Artikel dazu :) (den ich gerade leider nicht finden kann)

  3. Anna sagt:

    Ein sehr guter Artikel, der es gut auf den Punkt bringt. Durch die Technik ist man überall erreichbar und wird von allen Seiten mit Informationen überschwemmt. Interessant ist, dass man es scheinbar im Alter dann aber bereut.

  4. Oh Le Sens sagt:

    Guten Abend,

    ein wie ich finde, sehr treffender, sehr Zeitgenössischer Bericht über das Auflösen des “Feierabends” und des verfalles der der inneren Ruhe.
    Leider muss man sich diesen Zustand immer wieder selstständig vor Augen führen, um abhilfe zu schaffen.
    Ich denke dieser Bericht kann einem, eine sehr hilfreiche Stütze seien!!

    Vielen dank an den Verfasser und auch danke an den Macher dieses Blocks, ich habe ihn erst kürzkich entdeckt und kann mich garnicht satt lesen.

    Dieser Block ist eine Bereicherung des Webs und strotzt dem sonst doch sehr Inhaltslosen oder sogar Sinnfreien Webseiten und div. Blocks.

    LG O.Sens

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