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Mrz 09

Kubanische Zigarren: Mythos und Geschichte

Zigarren aus Kuba: Geschichte und Mythos

Kubanische Zigarren sind ein Alltime-Klassiker ähnlich Derby– oder Oxford-Schuhen. Jeder Aficionado, so nennt man einen Liebhaber von Zigarren, hat dazu eine Meinung. Insbesondere die älteren Semester und die klassischen Zigarrenraucher werden ins Schwärmen verfallen und darauf bestehen, dass kubanische Zigarren nach wie vor die besten der Welt sind. Doch worauf basiert dieser Mythos, und ist die Qualität wirklich so außergewöhnlich? Der Gentleman-Blog bringt Licht in den Nebel.

1492 – Conquest of Cigar-Paradise

Der Mythos der kubanischen Zigarren ist untrennbar mit der wechselhaften Geschichte des mittelamerikanischen Landes verbunden. Und wenn etwas über die Geschichte von Zigarren bekannt ist, dann aus Kuba. Die Seeleute um Christoph Kolumbus berichteten, dass sie während der Reise um 1492, die zur Entdeckung Amerikas führte, kubanische Ureinwohner beobachteten, die gerollte Tabakwickel rauchten. Nachdem sich der Seeweg etabliert hatte, verbreiteten sich die kubanischen Zigarren erst bis nach Europa und später in die ganze Welt.

Im Laufe der Geschichte hielten abwechselnd Spanier und Großbritannier Kuba unter ihrer Kontrolle. 1902 wurde Kuba zur Republik ernannt und ist nun seit 1960 unter der Kontrolle des Castro-Clans. Eine wechselhafte Geschichte prägten das Land, geblieben aber ist stets der Kult um das Hauptexportgut Zigarren – das Produkt, das so untrennbar mit dem Land verbunden ist.

1810 wurde von Don Franciso Cabanas eine der ersten Zigarrenmarken Kubas erfunden. Seitdem kamen viele hunderte Marken hinzu, von denen viele im Laufe der Zeit wieder von der Bildfläche verschwanden. Als das spanische Monopol auf den Tabak im Jahre 1817 fiel, folgte in Kuba ein riesiger Zigarren-Boom: Im Jahre 1840 gab es bereits über 300 Zigarren-Manufakturen, zwanzig Jahre später sogar über 500. Dadurch hatte der kubanische Zigarren-Export Mitte des 19. Jahrhunderts die bis dato unerreichte Höchstmarke von 356 Millionen Stück erreicht.

Zigarrengenuss

Wiederholte Besitzerwechsel der kubanischen Tabak-Plantagen

Aber diese Hochphase ging bald wieder vorbei. Nach drei Jahrzehnten Krieg zum Ende des 19. Jahrhunderts und den stürmischen Zeiten Anfang des 20. Jahrhunderts lag die Zigarrenproduktion am Boden. Zudem kam es zu einer dramatischen Umverteilung der Besitztümer in Kuba mit negativen Folgen für die einheimischen Familien und Geschäftsleute, deren Erfolgsgeschichte auf diese Weise zu Ende ging. Britische und amerikanische Investoren kauften schließlich nahezu die gesamte Zigarrenindustrie Kubas Stück für Stück auf. So waren bald mehr als die Hälfte der kubanischen Markennamen in der Hand ausländischer Investoren. Der Erste Weltkrieg und die Weltwirtschaftskrise sollten die Besitztümer in wenige Hände zusammenschmelzen lassen. Nur wenige Marken schafften es eigenständig zu bleiben, wie zum Beispiel die Manufakturen Romeo y Julieta oder Jose L. Piedra.

Es folgte das Kapitel kubanischer Geschichte, welches das Land bis heute fest im Griff hält: Mit der von Fidel Castro angeführten kubanischen Revolution wurden sämtliche Plantagen und Zigarren-Manufakturen verstaatlicht. Das staatliche Monopol „Kubatobaco“ gestaltete fortan die Geschichte der kubanischen Zigarren.

Zigarren aus Kuba – Anbau und Fertigung

Der Mythos der kubanischen Zigarren fußt zu großen Teilen auf die wechselhafte Geschichte des Landes. Darüber hinaus ist Kuba klimatisch ideal gelegen für den Tabakanbau. Die drei Hauptregionen des Tabakanbaus – Vuelta Abajo, Semi Vuelta und Vuelta Arriba – liefern nach Meinung vieler Fachleute den besten Tabak der Welt. Die Fachkenntnis von hunderten Jahren Tabakanbau und -verarbeitung ist in jedem Arbeitsgang präsent: Vom Pflanzen der kleinen Tabak-Setzlinge im Oktober über die Kontrolle der Pflanzen während der Wachstumsperiode bis Dezember bis hin zur Ernte – alles wird nach genauen Vorgaben erledigt.

Die Ernte an sich dauert bis zu 30 Tage, denn es werden pro Tag nur zwei bis drei Blätter je Pflanze abgenommen. Weiter oben wachsen die kräftig-aromatischen Tabake, genannt Ligero, während weiter unten die besser brennenden, dafür aber milderen Tabakblätter geerntet werden.

Tabak-Anbau in Kuba

Nach der Trocknung in den Tabakhäusern werden die Tabakblätter verlesen. Man sortiert hier nach Größe, Farbe und nach Verwendungsart des Tabaks. Es folgt die Fermentation, ein Prozess der den Tabak überhaupt erst rauchbar macht und Prozesse in Gang setzt, die dem Tabak Aroma und Geschmack verleihen. Ist diese abgeschlossen, erfolgt die genaue Sortierung der Blätter nach Größe, Farbe und Textur, so dass anschließend die endgültige Reifelagerung vorgenommen werden kann. Diese kann Monate bis Jahre dauern, bevor der Tabak in die Fabriken zur Zigarrenfertigung verbracht wird. Jedes winzige Detail, von Sortierung bis Art und Dauer der Reifelagerung, wurde in den Jahrhunderten der kubanischen Zigarrenkultur stets weiterentwickelt und gefestigt.

Die Tabakblätter werden in Fabriken weiterverarbeitet. In verschiedenen Arbeitsschritten werden nun aus den Tabakblättern eine Zigarre gerollt. Die Tabake finden als Einlage, Umblatt oder Deckblatt Verwendung. Das Können der Zigarrenroller, Torcedores genannt, hat entscheidenden Einfluss auf das finale Produkt. Das Know-how dieser Menschen ist eine der entscheidenden Faktoren, um eine hervorragende Zigarre herzustellen.

Vorsicht: Große Qualitätsunterschiede

Doch auch bei den Zigarren aus Kuba ist nicht alles Gold, was glänzt. Nur weil eine Zigarre aus dem traditionsreichen Inselstaat stammt, gehört sie nicht automatisch zu den besten der Welt. Es gibt viele Marken, die aufgrund ihrer kubanischen Herkunft einen stolzen Preis Verlangen, deren Qualität diesem aber nicht gerecht wird. Das geschieht beispielsweise, wenn die Kontrolleure es mit ihrer Kontrollpflicht nicht allzu genau nehmen, oder wenn bei der Fertigung nicht die vorgeschriebenen Abläufe eingehalten werden. Für den Laien sind diese Unterscheide leider nicht auf einen Blick zu erkennen. Hier sollte man vor dem Kauf im Fachgeschäft einen Zigarren-Experten zu Rate ziehen, um sich nicht von der kubanischen Herkunft blenden zu lassen.

Festigung des kubanischen Zigarren-Mythos‘

Die kubanische Zigarren-Industrie hat wilde Zeiten überlebt. Trotz aller Unruhen hat sie sich stets weiterentwickelt. Agrarinstitute forschen an der Pflanze, Markenrechte wurden geschützt und neue Marken – wie die Cohiba – geboren. Bis heute wird der Mythos weiter zelebriert und gefestigt. Jedes Jahr kommen Sonderserien in begrenzter Menge auf den Markt, die sogenannten „Limitadas“, die stets schnell vergriffen sind. Die künstliche Verknappung hält den Mythos des exklusiven Genussgutes zusätzlich hoch. Der Mythos, dass die kubanischen Zigarren die besten der Welt sind, lebt eben auch davon, dass die Zigarre Kriege und Revolutionen überlebt hat und mitunter nur in begrenzter Menge verfügbar ist – denn die besten Zigarren der Welt gibt es eben nicht am Fließband. Sie sind das Produkt Jahrhunderte alter Tradition.

Der Artikel entstand mit freundlicher Unterstützung des Zigarren-Anbieters Martin Neumann.

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2 Responses to “Kubanische Zigarren: Mythos und Geschichte”

  1. GRINCH sagt:

    An einem schönen Abend mit mildem Wetter. Gemeinsam mit Freunden als Abschluss des Tages.
    Eigentlich ist eine Zigarre aber zu jedem Abend ein angenehmes Genussmittel um einen stressigen Tag revue passieren zu lassen.

  2. Andi sagt:

    Wenn ich irgendwas geschafft habe; eine Prüfung, einen wichtigen Termin, ein Geschäftsabschluss, o.ä., gönne ich mir gerne eine Zigarre. Ich besitze keinen eigenen Humidor, also kaufe ich mir im Fachhandel immer wieder „frische“. Mein Favorit ist übrigens die Romeo y Julieta Churchill Short.

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