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Mai 07

“Schau´mer mal” – Die anstrengende Unverbindlichkeit des Seins

Moderne Kommunikationsmittel ermöglichen es uns, jederzeit und spontan mit anderen Menschen zusammen zu kommen. Feste Verabredungen scheinen antiquiert, es regiert die ungeheuer anstrengende Unverbindlichkeit des Seins.

Verabredung als Spontan-Ereignis

Erwartungsvoll richten wir ein freudiges „Wollen wir uns morgen gegen vier Uhr auf einen Kaffee treffen?“ an unser Gegenüber. Doch dieser haucht uns entgegen: „Hm. Ich weiß noch nicht genau, ob ich da kann. Wir können das ja ganz spontan machen. Ich meld’ mich!“ Na prima, jetzt wissen wir genau, worauf wir uns einrichten können, diese „Botschaft“ kann Alles und Nichts bedeuten!

Unverbindlichkeitsmaschine Handy

Dank des massiven technologischen Fortschritts verfügen wir heute über kommunikative Freiheiten, von denen unsere Großeltern noch nicht einmal träumen konnten. Dank Mobiltelefon und Co. benötigen wir scheinbar keine festen Termine mehr, können uns sofort zusammenlocken und jederzeit Einladungen aussprechen oder diese abschlagen. Denn was spontan gefragt wird, kann man mit dem Verweis auf die Kurzfristigkeit der Anfrage auch leicht und ohne schlechtes Gewissen ablehnen.

Spontanität kostet Energie

Diese Unverbindlichkeit, diese Alles-kann-Nichts-muss-Gesellschaft fordert uns aber auch täglich: Ständig müssen wir multioptional denken, planen und handeln. Nichts scheint sicher, kaum ein Termin steht wirklich fest, jederzeit kann sich alles ändern. Wir reagieren auf dieses Chaos: und zwar mit Überforderung!

Spontanität schön und gut, aber wollen wir deswegen nicht mehr planen, uns auf ein Treffen freuen und uns vorher Gedanken machen dürfen? Wer würde sich freuen, wenn Gäste spontan bei ihm nach Feierabend auf der Matte stehen würden? Das gilt heutzutage als unhöflich, schließlich gibt es Mittel und Wege sich anzukündigen.

Verbindlichkeit ist ein Gebot der Höflichkeit. Feste Aussagen tragen die Botschaft: Ich respektiere deine Zeit, du bist mir wichtig. Nutzen Sie diese Chance, geben Sie feste Zusagen oder freundliche und begründende Absagen. In dieser Welt der Vielleicht-Menschen werden Sie so positiv in Erinnerung bleiben.

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4 Responses to ““Schau´mer mal” – Die anstrengende Unverbindlichkeit des Seins”

  1. Thomas sagt:

    Es ist sehr wichtig anzumerken, dass es hier eher um die westliche Kultur geht. Wenn wir uns beispielsweise einige lateinamerikanische Kulturen anschauen, dann sieht man schnell, dass dort solch eine Unverbindlichkeit seit einer langen Zeit herrscht und das auch ohne Smartphones und Internet.

  2. Ein schwieriges Thema in der heutigen Zeit. Für mich persönlich emotional sehr anstregend, immer auf der Lauer sein zu müssen, Klappt der Termin nun oder nicht. Egal ob geschäftlich oder unter Freunden. Ich persönlich bevorzuge zu einer Verabredung meinem Gegenüber auch zuvermitteln ich komme und bin dann da!. Ich mag es nämlcih ganz und garnicht wenn Mann/Frau mir meine Zeit KLAUT!……
    Dieser Artikel spricht mir aus dem Herzen und spricht den Respekt und die Höflichkeit meinem Gegenüber an.

    Mit freundlichen Grüßen
    Holger Sommer

  3. [...] wenig anfangen kann und am liebsten weiß, woran er ist und vor allem, wann er welchen Termin hat, findet dazu auf dem „Gentleman Blog“ ein paar Gedanken. Wie haltet ihr es mit dem Thema Pünktlichkeit [...]

  4. Rob sagt:

    Dieser Poszt ist mir aus dem Herzen gegeriffen. Ich wurde mit dem Credo “Pünkltichkeit ist die Höflichkeit der Könige” erzogen und bin auch wirklich immer pünktlich.

    Ich astehe bei einem Termin lieber noch 10 Minuten ums Eck und warte als dass ich zu früh/zu spät erscheine. Ich bin da wohl eher ein altmodisches Fossil , denn meine Umgebung ist zu 90% unverbindlich wie die pest.

    Während Projekte werden termine nicht eingehalten (ohne Absage) oder man hört tagelang einfach nichts, weil der Projektpartner sich ausserhalb der Stadt befindet und das Ladegreät seines Smartphones vergessen hat.

    Macht man dann eine Ansage kommt “Na ja ist doch nicht so schlimm oder?” mit einem leicht erstaunten Blick.

    Ich finde es extremst unhöflich und respektlos so mit Anderen und deren Zeit rumzuspringen. Sei es nun privat oder geschäftlich und ich échauffiere mich auch jedesmal aus Neue.

    Hoffentlich ändert sich dieses Verhalten wieder.

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