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Mai 10

Parfums von Roger & Gallet: frische Brise aus Paris

Parfüm Bois d'Orange von Roger & Gallet

Die Wurzeln der Parfummarke Roger & Gallet reichen über 200 Jahre zurück und sind damit tiefer mit der Geschichte von Paris verknüpft als beispielsweise der Eiffelturm oder das Moulin Rouge. Heute kennen viele den traditionsreichen Namen aber nur noch von den Luxusseifen, die wegen ihrer schmucken Jugendstil-Verpackung gerne als Blickfang im Bad platziert werden. Unter der Leitung des neuen Besitzers L’Oréal besinnen sich Roger & Gallet nun auf ihre Ursprünge und präsentieren mit den «Eaux Fraîches» eine Auswahl leichter Düfte für Sie und Ihn. Der Gentleman-Blog hat «Bois d’Orange» getestet – und freut sich über das gelungene Comeback der Franzosen.

Die Geschichte von Roger & Gallet beginnt mit dem Tod von Gian Paolo Féminis in Köln. Der bekannte Apotheker hinterlässt das Rezept für sein «Aqua Mirabilis» dem Großneffen Jean-Marie Farina, welcher das Elixier mit den angeblich wundertätigen Eigenschaften ab 1806 in Paris destilliert und verfeinert. Heute ist es als «Eau de Cologne» – oder schlicht: «Kölnisch Wasser» – bekannt und wird demnächst an dieser Stelle mit einem eigenen Artikel geehrt.

Wenn aus Wasser Gold wird

Schnell erkennt Farina das Potenzial des für die damalige Zeit revolutionären Dufts. Er baut die Produktepalette aus, steigt zum erfolgreichen Hofparfümeur auf und verkauft sein glänzend laufendes Geschäft im Jahr 1862 für gutes Geld an den Kaufmann Charles Armand Roger und den Bankier Charles Martial Gallet. In einem aufsehenerregenden Prozess erstreiten die neuen Besitzer zudem das Recht, den ruhmreichen Namen Farina auch weiterhin für ihre Produkte zu verwenden – und legen damit den Grundstein für eine der traditionsreichsten Parfummarken der Welt.

Vom Parfümeur zum Seifenkocher

Der Erfolg von Roger & Gallet lässt nicht lange auf sich warten. 1864 ernennt Queen Victoria die beiden zu Hoflieferanten, 1879 werden die runden, im Kern parfümierten Toilettenseifen eingeführt, später führt die Französische Lizenz für synthetischen Veilchen-Duft zu spektakuläre Kreationen und Kollaborationen. Doch im Laufe des 20. Jahrhunderts versinkt die Marke im Dornröschenschlaf. Innovationen werden rar und von den Klassikern finden nur die Seifen Gnade vor dem launischen Zeitgeist. Es scheint, als würden Roger & Gallet in Würde ihrem Ende entgegen dämmern.

Ein neuer Frühling in Paris

Erst als L’Oréal das Ruder im Jahr 2008 übernimmt, kann der schleichende Verfall gestoppt werden. Man holt renommierte Nasen wie Alberto Morillas, Philippe Romano, Francis Kurkdjian und Marie Salamagne ins Boot und veröffentlicht ab 2009 regelmäßig neue Kreationen, die auf ein modernes Publikum zugeschnitten sind, ohne dabei mit der Philosophie von Roger & Gallet zu brechen. Da die Marke traditionellerweise in Apotheken beheimatet ist, wird sie von Duftliebhabern oft übersehen. Zu unrecht, denn ein ähnlich gutes Preis-Leistungs-Verhältnis (ca. 39 Euro) sucht man in den meisten Parfümerien vergebens.

Gartenfrisches Nasenkino

Die Bezeichnung «Eau Fraîche» verrät bereits, dass es sich bei den neuen Düften von Roger & Gallet um leichte Kreationen für den Tag handelt. Da nicht nach Herren- und Damenparfums unterschieden wird, muss man sich bei der Auswahl auf die eigene Nase verlassen (was sowieso der einzig vernünftige Weg zum passenden Duft ist, lesen Sie dazu auch den Artikel «Immer der Nase nach»). Wir haben uns für «Bois d’Orange» entschieden, einen Duft der von Andalusischen Gärten inspiriert ist und mit seinem typischen Orangenholzduft belebend wirken soll. Das zumindest behauptet die Werbung – wir machen den Test aufs Exempel.

Klassische Komposition mit furioser Ouvertüre

Der erste Eindruck von «Bois d’Orange» könnte manch einem allerdings spanisch vorkommen, denn die Kopfnote aus Mandarine, Basilikum und Eisenkraut fällt unerwartet heftig aus. Der anfängliche «Aromaschock» verpufft jedoch schnell und spricht außerdem für einen verhältnismäßig hohen Gehalt an natürlichen Duftessenzen – ein ebenso seltener wie erfreulicher Pluspunkt. Nach dem fruchtigen Auftakt übernimmt rasch die unverwechselbare frisch-bittere Herznote von Orangenblüten – in der Parfümerie auch «Neroli» genannt – die Hauptrolle. Dieser Klassiker prägt auch den weiteren Verlauf, wobei die blumigen Nuancen nach und nach von den warmen, holzigen Basisnoten Palisander, Zeder und Amber abgelöst werden.

Wenn Werbung nicht lügt

«Bois d’Orange» gleicht tatsächlich einem Spaziergang durch einen duftenden, mediterranen Orangenhain. Er führt von der Süße der reifen Frucht über die Frische der Blüte bis zur wohligen Wärme des sonnenbeschienen Baumstamms. Die trocken-puderige Endnote ist dezent, hält aber trotz der sparsamen Parfümkonzentration eines «Eau Fraîche» lange an. Wer gerne den ganzen Tag riecht wie frisch geduscht, wird diesen leichten, unaufgeregten und dennoch nicht alltäglichen Duft bald nicht mehr missen wollen.

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Der Autor

Parfum-Kenner Lindo GanarinDer Schweizer Bohemien Lindo Ganarin mit italienischen Wurzeln arbeitet als Creative Director in Bern und bloggt nebenbei über Dinge, die die Welt zu einem liebens- und lebenswerten Ort machen.



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