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Jul 20

Körpergeräusche-Knigge: Was tun bei Gähnen, Schnäuzen & Toilettengang?

Körpergeräusche-Knigge

Unser Körper kann die verschiedensten Geräusche von sich geben. Und das nicht nur mit der Stimme. Manche Töne sind gewollt, andere nicht. Vor allem nicht in der Öffentlichkeit. Stil-Experte Uwe Fenner verrät im Gentleman-Blog, welches Verhalten bei Gähnen, Schnäuzen, Flatulenzen und Co. angmessen ist.

Aufmerksamkeit nicht durch Körpergeräusche auf sich ziehen

In Japan gilt es als ganz furchtbar unkultiviert, sich laut die Nase zu schnäuzen. In Europa ist das anders. Allerdings sollte der kultivierte Mensch nicht durch sein Niesen, Husten oder Schnäuzen und auch nicht durch sein dröhnendes Gelächter die Aufmerksam auf sich ziehen. Vielmehr sind diese Körpergeräusche schon so weit wie irgend möglich zu vermeiden bzw. zu reduzieren, so dass man andere Menschen damit nicht stört.

Husten und Niesen

Namentlich im Theater, in der Oper und im Konzert sind Husten- und Niesausbrüche sowie lautes Schnäuzen ein großes Ärgernis für die anderen Besucher. Deshalb sollte man sich vorher möglichst „ausniesen und aushusten“. Wer erkältet ist, sollte den Besuch solcher Veranstaltungen möglichst vermeiden.

Und wenn es denn doch mal sein muss? Ein probates Mittel ist das Taschentuch aus Stoff, das jede Dame von Welt und jeder Gentleman stets und besonders beim Besuch eines Opernhauses oder einer Konzerthalle mit sich führen sollte. Es sollte möglichst groß, immer ganz weiß und ein kleines bisschen gestärkt sein. Dieses Stofftaschentuch muss keineswegs das hygienische Papiertaschentuch aus Papier ersetzen, sondern es vielmehr eher ergänzen. Bei einem Hustenanfall im Konzert kann es, ganz fest vor den Mund gepresst, als äußerst wirksamer Schalldämpfer eingesetzt werden. Das übrige Publikum wird es den Zeitgenossen danken. Auch für den Huster selbst ist es natürlich viel angenehmer, braucht er sich mit diesem „Schalldämpfer“ doch nicht so zu schämen, wie mit seinem sonst ungedämpften Hustenanfall.

Gähnen

Das Gähnen in Gesellschaft ist ganz und gar unfein. Es muss am besten unterdrückt werden. Wenn das nicht gelingt, hält sich der Gähner von Anfang an und nicht erst am Schluss so die Hand vor den Mund, damit niemand den offen stehenden Mund sehen kann. Meine Empfehlung: Auch das Gähnen unterdrücken, wenn man alleine ist. Wo das nicht möglich erscheint, von Anfang an die Hand vor den Mund, selbst im dunklen Zimmer, das übt!

Knacken, Popeln und Fingernägel

Ebenfalls sollte man sich in Gegenwart anderer Menschen nicht recken, nicht seine Finger knacken lassen und sich natürlich auf gar keinen Fall mit seinen Fingern auf die Behandlung von Nase und Ohren einlassen oder die Fingernägel reinigen.

Stuhlgang und Flatulenzen

Zu den unangenehmen Geräuschen gehören schließlich solche, die unter Umständen auf dem ansonsten als „still“ bezeichneten Örtchen als unvermeidlich angesehen werden. Früher gab es ja die weit oberhalb der Toilette hängenden Spülkästen, in denen das Wasser zum Spülen der Toilette gesammelt wurde, das dann beim Ziehen an der vorgesehenen Strippe sturzbachartig durch das Fallrohr hinunterfloss, um das Toilettenbecken zu säubern. Anschließend füllte sich meist sehr geräuschvoll das Sammelbecken wieder mit Wasser, und das dauerte mitunter geraume Zeit.

Alte Benimmbücher empfahlen wegen dieser Geräuschkulisse, generiert durch das Einlaufen des Spülwassers in das hoch über, später auch hinter der Toilettenschüssel angebrachte Sammelbecken, grundsätzlich schon vor dem Beginn des Geschäfts an der Strippe zu ziehen und dies gegebenenfalls mehrmals zu wiederholen. Indem man eine Sicherheitsgeräuschkulisse erzeugte, konnte man die unangenehmen eigenen Geräusche durch das „neutrale“ Wassergeräusch überdecken. Heute sind die Rohre in den allermeisten Badezimmern schallgedämpft, jedenfalls fließt das Wasser viel leiser zurück in das Sammelbecken.

Ich empfehle trotzdem im Bad bei entsprechenden Handlungen, solch eine Geräuschkulisse zu erzeugen. Eventuell durch Fließenlassen des Wassers am Handwaschbecken. In sehr vornehmen Häusern sowie in Restaurants und Hotels ertönt auf der Toilette auch manchmal Musik, die nicht nur zur Unterhaltung, sondern vielleicht auch zu diesem Zweck eingeschaltet ist.

Handy, Köpfhörer und Co.

Die Vermeidung von für andere unangenehmen Geräuschen besteht überigens nicht nur in Körpergeräuschen. Handys und Kopfhöhrer sind – auf entsprechende Lautstärke gedreht – für den stillen Zeitgenossen fast ebenso unerträglich. Das gilt besonders in öffentlichen Verkehrsmitteln. Auch hier ist weniger mehr.

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Der Autor

Gastartikel von Uwe Fenner, Leiter des Instituts für Stil und Etikette. Der Beitrag stammt aus seinem Buch „Erfolgreich mit Stil„. Darin schreibt er über Knigge und Benimm in allen Lebenslagen.



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7 Responses to “Körpergeräusche-Knigge: Was tun bei Gähnen, Schnäuzen & Toilettengang?”

  1. „Eventuell durch Fließenlassen des Wassers am Handwaschbecken.“ –

    Wasserverschwendung gehört sich jedoch in meinen Augen auch nicht für den Gentleman.

  2. Herr F. sagt:

    Sehr geehrter Hannover Hipster,

    dafür gibt es jedoch auch eine Lösung. Man drückt, falls vorhanden, den Stopfen ins Handwaschbecken. Das plätschern wird dadurch verstärkt und man kann anschließend das gesammelte Wasser zum Waschen der Hände nutzen.

  3. Philippe sagt:

    Ich muss gestehen, dass ich nicht in allen Punkten dem Autor zustimmen kann.

    Auch Gentlemen sind Menschen mit all ihren Eigenschaften. Sie maßvoll zu zivilisieren ist das edle Bestreben eines Gentleman.
    Zweifelsohne zeugt ein GÄHNEN von einer gewissen Müdigkeit oder gar Langweile, die man Umstehenden als solche nicht zeigen sollte. Aber ein Gähnen ist ein natürlicher Reflex und meines Erachtens nicht unehrenhaft oder gar ekelig. Muss ich in Begleitung gähnen geschieht es abgewandt und still. Von Unterdrücken halte ich nichts.
    Ebenso wenig halte ich von einer Geräuschkulisse auf der Toilette. Dazu ist der Ort doch da!

  4. Peter S sagt:

    Wieder ein unnötiger Kommentar eines vermeintlichen Gutmenschen. Wasser ist genügend da und die Wasserwerke spülen selbst Tonnenweise Leitungswasser zurück in die Flüsse, da die Speicher zum bersten voll sind. Dieses ganze Gequatsche von Wasser Knappheit ist so etwas von blödsinnig, dass es zum Haare raufen ist. Ihnen wird aufgefallen sein, dass es regelmässig in Deutschland regnet, anders als in anderen Gegenden der Welt, in denen Wasser sparen tatsächlich sinnvoll ist. Ich bezweifle aber das Etiquette in diesen Ländern ganz oben auf der Prioritätenliste steht.

  5. Marc Koch sagt:

    Lieber Herr Fenner,

    vielen Dank für Ihren Artikel! Etwas gewundert habe ich mich über Ihre Ausführungen zum Gähnenunterdrücken: prinzipiell bin ich da völlig bei Ihnen, Löwenähnliche „Maulsperre“ braucht wirklich keiner, aber das komplette Unterdrücken des Gähnens mündet meiner Erfahrung nach in Symptomen wie gesichtslähmungsähnlichen Entgleisungen der Gesichtsmuskulatur, Zittern der Lider etc. etc. – kurzum, das halte ich wirklich nicht für ästhetischer als ein im Rahmen gehaltenes, geräuschloses Gähnen hinter vorgehaltener Hand. Oder schaffen Sie das Unterdrücken wirklich ohne irgendwelche sichtbaren Veränderungen im Gesicht?

    Kurz noch zu dem Waschbecken / Wasserhahn laufen lassen: Ich denke auch, dass irgendwelche Geräusche/Hintergrundmusik die Sache auf dem eben manchmal nicht ganz stillen Örtchen für den Verursacher entspannter gestalten, den Wasserhahn laufen lassen sehe ich aber eher als letzte Option – und schon gar nicht mit geschlossenem Stöpsel, um hinterher im gesammelten Wasser die Hände zu waschen. Das Waschbecken ist, wenn nicht unmittelbar vorher gründlich gereinigt, ein Tummelbecken für alle möglichen Keime (Händewaschen hat nichts mit Desinfektion zu tun). Dass man sich ausschließlich „freischwebend“ unter dem Frischwasserstrahl die Hände wäscht und das Brauchwasser sofort abläuft, hat schon seinen Sinn und dabei ist der wirtschaftliche Effekt für die Wasserwerke sicher nachrangig ;-).

    Beste Grüße, Ihr Marc

  6. Marc Koch sagt:

    Beste Grüße, Ihr Marc Koch

    (sorry, zu schnelle geklickt)

  7. P.W.P.S. sagt:

    Ich freue mich, dass ein Artikel zu diesem Thema verfasst wurde.

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