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Aug 02

Pünktlichkeit – Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben

Pünktlichkeit ist eine Tugend

Einem gängigen Bonmot nach ist Pünktlichkeit die Höflichkeit der Könige. Klingt irgendwie spießbürgerlich und tatsächlich nehmen es viele nicht so genau mit zeitlichen Vereinbarungen. Doch für einen Gentleman ist zu spät kommen kein Bagatelletadel einer kleinkarierten Sittenlehre. Ganz im Gegenteil: Pünktlichkeit ist heute wie eh und je eine wichtige Verhaltensmaxime für jeden Gentilhomme, der etwas auf sich hält.

Pünktlichkeit und der Respekt vor dem Gegenüber

Ein Treffen ist für alle Beteiligten ein Commitment in Sachen Zeit. Wenn man Termine akkurat einhält, bringt man zum Ausdruck, dass man die Zeit des Anderen ebenso schätzt wie die eigene. Pünktlichkeit ist somit eine einfache und wirkungsvolle Art, seinen Respekt gegenüber anderen zum Ausdruck zu bringen. Sie ist deshalb nicht nur oberstes Gebot für ein erstes Date oder wichtiges Business-Meeting, sondern des Gentlemans kategorischer Imperativ für so ziemlich jede Alltagsbegegnung.

Gründe für Unpünktlichkeit gibt es viele, sei es ausufernder Chaotismus, notorische Fehleinschätzung oder überschwänglicher Optimismus beim Vereinbaren von Zeiten. Oft ist es auch einfach nur eine gewisse Arroganz zu glauben, die eigene Zeit sei wichtiger als die des Interaktionspartners. In jedem Fall bringt regelmäßiges Zuspätkommen bestimmte Charaktereigenschaften zum Ausdruck, die auch auf andere Verhaltensweisen schließen lassen.

Der Pünktliche meistert den Alltag

Pünktlichkeit demonstriert Alltagstauglichkeit. Man zeigt damit, dass man mit Voraussicht handelt und in der Lage ist, Unerwartetes einzuplanen. Wer es schafft, erfolgreiches Zeitmanagement zu betreiben, dem wird deshalb auch eher Kompetenz in anderen Lebensbereichen zugeschrieben. Oder mal anders gefragt: Würde man einer Person das Bewältigen komplexer Aufgaben zutrauen, wenn diese nicht in der Lage ist, einen Verkehrsstau oder unregelmäßige S-Bahn-Wartezeiten in der persönlichen Agenda einzuplanen?

Dass die Wahrnehmung von Pünktlichkeit nicht zuletzt vom kulturellen Kontext abhängt, ist ja hinlänglich bekannt. In Deutschland erwartet man jedoch grundsätzlich eine punktgenaue Einhaltung zeitlicher Vereinbarungen. Auch wenn der Romantiker in uns einem gewissen Laisser-Faire-Ideal verfallen ist, in dessen Wertekatalog Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit Teil einer allzu glattgebügelten Strebernorm sind, andernorts wird gerade dieser deutsche Code of Conduct so geschätzt.

Die (Un-)Pünktlichkeit des Anderen

Pünktlichkeit ist die Fähigkeit, richtig einzuschätzen, um wie viel sich der Andere verspätet. So ein Sprichwort. Wenn man sich auf die Unpünktlichkeit des Anderen einstellt, indem man selbst zu spät kommt, ist dies jedoch ein Zugeständnis, das nicht nur den Anderen in seinem Verhalten bestärkt, sondern auch auf eigene Verhaltensmuster abfärben kann. Denn Unpünktlichkeit ist ebenso erlernbar wie Pünktlichkeit. Besser man bleibt deshalb seiner pünktlichen Linie treu und macht den Anderen nüchtern und sachlich auf seine Verspätung aufmerksam. Kommt ein Freund, Bekannter oder Geschäftspartner fortlaufend zu spät, kann einem auch mal der Kamm schwellen. Möchte man schon seinem Ärger Ausdruck verleihen, ist es stil- und wirkungsvoller, wenn sich dieser gegen die aufgrund der Verspätung hervorgerufene Situation, nicht aber gegen die jeweilige Person richtet.

Meistersinger ArmbanduhrDoch nicht jede Minute unfreiwilliger Wartezeit muss gleich beanstandet werden. Zumindest fünf Minuten Toleranz sind in der Regel durchaus angebracht. Dem neurotisch Pünktlichen sei an dieser Stelle die Einzeigeruhr von Meistersinger empfohlen. Aufgrund des Fehlens eines Minuten- und Sekundenzeigers ist die Uhrzeit nur näherungsweise ablesbar. Denn hin und wieder kann so mancher Zivilisations-Dauergehetzte etwas Entschleunigung gut gebrauchen.

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Der Autor

Uhren von MontredoGastbeitrag von den Uhren-Experten von Montredo. Montredo ist der erste sichere Online-Marktplatz für hochwertige Uhren. Bevor ein Zeitmesser auf Montredo gelangt, wird er genau begutachtet und anschließend ein Echtheitszertifikat erstellt – für Sicherheit und Transparenz beim Uhrenkauf im Internet. In ihren Beiträgen im Gentleman-Blog geben sie tiefe Einblicke in die faszinierende Welt der Uhren.



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7 Responses to “Pünktlichkeit – Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben”

  1. Tom sagt:

    Ich bin ein Spießer ! Ich stehe auf Pünktlichkeit !! Das hat etwas mit Respekt zu tun !!!
    Ich habe neulich z.b. auf eine neue Couch gewartet und die haben mir allen ernstes ein Zeitfenster von 8 Stunden (!!!) gegeben. Ich finde das an sich schon ziemlich unverschämt – und wann sind sie gekommen ? 30 Minuten zu spät – und haben dann allen ernstes noch die Hand aufgehalten und meinten bei der Rechnung “ Trinkgeld kommt extra “ – dafür das ich einen ganzen Urlaubstag verschwendet habe und sie dann auch noch unpünktlich waren ganz schön dreisst – dann bin ich wohl ein Spießer – kann ich aber gut mit leben :-)

  2. Hera sagt:

    In der Tat es gibt zwei Punkte die ich hasse. Entweder der Geschäftspartner kommt zu Spät oder er steht plötzlich schon 15 Minuten vor dem Termin vor der Tür. Sicherlich ist es schwer. Aber ich plane meine Termin immer so, das ich einen kleinen Zeitrahmen als Reserve zur Verfügung habe. Bin ich zu früh, kann ich im Auto noch einige Akten durcharbeiten.

    Kommt jemand zu Spät, höre ich immer wieder dumme Ausreden. Wäre es nicht einfach zu sagen. Verzeihung. Heißt es nicht, wer sich erklärt, ist schuldig?

  3. „Pünktlichkeit ist die Höflichkeit der Könige“ sage ich meiner Freundin auch immer, wenn es um deren Menstruationszyklus geht.

    Aber sie ist halt die Königin und nicht der König…

  4. Jan sagt:

    Ohja, pünktlichkeit ist für mich auch sehr wichtig.
    Ich hasse es wenn Freunde mal zu spät kommen, was heißt mal, sie kommen eigentlich nie pünktlich und das nervt wirklich extrem.

  5. Ben sagt:

    Mit Pünktlichkeit ist immer so eine Sache ;)
    Man nimmt es sich oft vor pünktlich zu sein, aber die Realität sieht dann leider häufig immer andrs aus ;(

  6. Grenzgänger sagt:

    Wer zu früh kommt, den bestraft das Leben auch.

    Mit Toleranzmargen, die man vereinbart, lässt sich für alle Zeit „sparen“ und einige Tote gäbe es weniger. Das „akademische Viertel“ entstand z.B. intuitiv. Auch an Universitäten knallte man dann durch. Es wurde abgeschafft, obwohl kein Gehirn unter 15min in der Lage ist, sich wirklich auf einen neuen Sachverhalt richtig einzulassen. Von Synchronisation der bei Rot über die Ampel gefahrenen Terminhetzer mit einem Kilogramm Adrenalin im verkalkten Blutgefäßsystem mit anderen Sitzungsteilnehmern ganz abgesehen. In weniger durchgedrehten Ländern ist die Toleranz bei ca. 10 Minuten. Deutsche Pünktlichkeit mit zuwenig Zeit der Muße bzw. für die entspannte Fahrt zum Termin tötet wohl jährlich Hunderte Menschen. Von den Herzinfarkten der Hetzer ganz abgesehen… Wir rasen, haben dadurch eine Wahrnehmung unserer Umwelt, die der von debilen Menschen vor 70 Jahren entspricht. Die einzigen die es merken (und die schwer leiden) sind Kinder, aber leider können sie nicht artikulieren, dass ihre Eltern rasende Zombies sind, die erst wieder etwas wahrnehmen, wenn den Kindern eine Hand fehlt oder obskure Krankheiten auftauchen. Dann soll der (genauso kranke) Arztraser helfen… Das Ende ist endgültig erreicht, die Hirnleistungen gehen auf Schneckenniveau herab. Unsere Effezienz beim Denken pro Kopf ist wohl die schlechteste seit Tausenden von Jahren. Wir haben Messgeräte gegen Verstand eingetauscht, aber Messwerte sind totes Wissen. Wir sind wie Fliegen auf dem Klebestreifen in der Gegenwart gefangen. Seit Jahrzehnten vorausgesagt, aber in der Gegenwart liest man kein Buch was älter als 3 Monate ist. Wir sind zeitkrank. Aber damit lässt sich ja viel Geld verdienen. Wer Mut hat, stelle sich einmal 60 Minuten in eine Fussgängerzone und schalte die Müllwalze im Kopf ab, um andere Menschen wahrzunehmen… Viele können es nicht mehr. Der Depressionsgrad der „freien Gesellschaft“ ist gruselig. Wem man auf offener Straße in die Augen schaut macht den Grüßaugust, weil er denkt, man kenne sich persönlich… Zombiegesellschaft. Aber zum Glück lügt uns jedem das Gehirn vor, man wäre völlig normal. 70% werden wohl oder übel im Leben ganz hart aufschlagen, weil die Gesetze biologischer Zeit nicht durch Emmsigkeit gedehnt werden können. Na ja, die Aufgeschlagenen ernähren dann wenigstens die Heilpraktiker und Bestatter, die noch etwas Ahnung vom Leben haben. Wer rennt, kommt nicht von der Stelle…

  7. Christoph sagt:

    Fantastisches Thema, über das man sich täglich aufregen kann ;-) Ich empfinde es besonders in der jüngeren Generation als schwierig, jemand zu finden, der wirklich Wert auf die Tugend Pünktlichkeit legt. Ich habe das Gefühl, dass dieser Wert wirklich an Bedeutung verloren hat. Es ist doch unerträglich, beispielsweise 20 Minuten alleine an einem vereinbarten Ort zu warten, bis die Verabredung eintrifft.

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