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Okt 06

Optimales Fitting

Welcher Anzug zu welcher Körperform passt

Perfekte Anzug-Form je nach Körper-Form

Am einfachsten ist es für „normal“ gebaute Männer sich zu kleiden. Doch auch wer zu klein, zu groß, zu dick oder zu dünn ist, kann Anzüge tragen und dabei toll aussehen. Modemacher Holger Sommer verrät im Gentleman-Blog, mit welchen Tricks Männer bei der Wahl des Anzuges und der Accessoires für ein überzeugendes Erscheinungsbild sorgen können, und welche klassischen Anzüge den Körper optimal aussehen lassen.

Grundsätzliches

Grundsätzlich sollte der Anzug am Körper anliegen, das heißt nicht zu weit aber auch nicht zu eng sein. Die Schultern des Sakkos sollten mit der realen Schulter abschließen und die Ärmel in der Länge so lang sein, dass die Hemdmanschetten etwa 1,5 cm herausschauen.

Normalerweise teilt die Sakko-Länge den Körper circa in der Hüfte. Doch hier lauern schon die ersten Fallstricke. Vorsicht, wenn der Oberkörper länger ist als die Beine. In dem Fall ist es besser, die Länge oberhalb der Hüfte zu halten. Beim kurzen Oberkörper sollte man das Sakko etwas länger als die Hüfte tragen.

Ebenso hilft es durch die Farbe des Anzuges dem Körper eine Kontur zu geben. Helle Farben besitzen eine offene Grenze, dadurch wirkt der Körper breiter. Dunkle Farben bewirken eine scharfe Abgrenzung und machen den Träger somit optisch schmaler.

Anzug-Tipps für kleine Männer

Bei einem untersetzen Korpus ist es wichtig den Körper optisch zu strecken und die Proportionen einzuhalten. Dazu kann man sich vieler kleiner Kniffe bedienen.

Derzeit sind die 2-Knopf Anzüge das Maß aller Dinge. Diese Form streckt den Körper. Auch ein schmales Revers verlängert den Körper, ein breites Revers macht den Korpus optisch „dicker“. Die Breite des Revers sollte man also auf die Breite des Körpers abstimmen.

Das Sakko darf nicht zu lang sein, damit die Beine nicht zu kurz wirken. Ebenso sind Unterteilungen wie ein auffälliger Gürtel zu vermeiden. Die Hose ohne Gürtel zu tragen wäre optimal, ansonsten ist es möglich die Gürtelfarbe Ton in Ton mit der Hose zu wählen. Die Manschetten sollten aus dem Ärmel des Sakkos herausschauen, allerdings nur maximal einen Zentimeter. Andernfalls wirkt der Ärmel zu kurz.

Die Anzughose darf nicht zu weit sein, sonst entsteht zu schnell der Eindruck eines „Ballons“. Auch wenn es viele bequem mögen – bequem ist für die heimische Couch reserviert. Die Maxime lautet stattdessen: Im Hosenbund so weit wie nötig und dann zum Fußgelenk schmal werdend.

Ein Tuch in der Brusttasche lenkt den Blick nach oben. Und da gehört der Blick der Mitmenschen auch hin. Mit Mustern auf dem Tuch sollte man sich allerdings in Zurückhaltung üben, hier sind unifarbene und kleine Ton-in-Ton-Muster zu empfehlen. Mit der Krawatte darf gespielt werden. Wichtig hierbei: Das Motive sollte eine „streckende Wirkung“ haben.

Anzug-Tipps für große Männer

Bei körperlich großen (und schlanken) Männern verhält es sich genau umgekehrt. Wer sich als Mann optisch kleiner machen möchte, erreicht dies durch die „Unterbrechung“ des Körpers. Eine gute Möglichkeit bietet dazu der Gürtel. Hier gilt: dezent aber sichtbar.

Schwierig wird es wenn die Proportionen zwischen Oberkörper und Beinen nicht in der Balance sind. Die Länge des Sakkos sollte hier die Einteilung zwischen oben und unten bestimmen. Das erzeugt einen Bruch des Körpers und lässt den Mann kleiner erscheinen.

Die meisten großen Männer tragen die Ärmel zu lang. Es empfiehlt sich die Manschette etwa 1,5 cm rausschauen zu lassen. Das sorgt für einen optisch verkürzten Eindruck.

Die Motive der Krawatte sollten breit wirken, damit die Körperlänge nicht noch weiter unterstrichen wird. Ebenso darf das Revers nicht zu schmal sein, weil hiermit auch wieder die Länge unterstrichen wird.

Die Beine werden bei einer zu schlanken Hose schnell als Storchenbeine empfunden. Wichtig ist wieder das proportionale Verhältnis zwischen dem Volumen des Oberkörpers und dem optischen Volumen der Beine. Mein Tipp: Lieber die Hose etwas zu schlaksig als zu eng halten, um dem Oberkörper optisch einen feste Basis zu geben.

Nur Tipps, keine Vorschriften

Ich möchte Ihnen in meiner Analyse keine starren Vorschriften mit an die Hand geben. Auch wer sich immer an die Regeln hält, kann daneben greifen. Die genannten Regeln sind zwar gemeinhin gültig, dennoch hängt die Wirkung des Anzuges stets von vielen weiteren Faktoren wie Hauttonung, Ausstrahlung, Körperhaltung und Tagesverfassung ab. Außerdem kommt es darauf an, zu welchem Anlass der Anzug getragen wird. Steht der Träger selber im Mittelpunkt des Geschehens, ist er Begleitung, möchten Sie neue Kontakte knüpfen, dem neuen Kunden positiv ins Auge fallen und im Gedächtnis bleiben? Erst wenn diese Faktoren bekannt sind, lässt sich wirklich beurteilen, wie Sie wirklich gut dastehen.

Mit meinen Angaben gebe ich Ihnen ein Grundgerüst zur Hand, mit dem Sie beim Kauf eines Anzuges die ersten Schritte in die richtige Richtung gehen können. Wenn Sie in modischen Dingen nicht allzu bewandert und stilsicher sind, so empfehle ich Ihnen einen Stilberater, Personal-Shopper oder einen guten Herrenausstatter. Hier erhalten Sie kompetente Hilfe bei der Suche nach der für Sie optimalen richtigen Kleidung.

Buchtipp:
Was Mann trägt: Gut angezogen in zwölf Schritten

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Der Autor

Holger Sommer PortraitDiese Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit Holger Sommer. Schon von klein auf an Mode interessiert, macht er nun seine eigene. Vor allem die Anzüge haben es ihm angetan. Hier entsteht in Handarbeit jedes einzelne Stück mit Eigensinn und mit dem klaren Ziel, jeden Kunden wirklich gut aussehen zu lassen.



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11 Responses to “Welcher Anzug zu welcher Körperform passt”

  1. H.Prendick sagt:

    Bei den Anzüge, die seit den späten 2000er Jahren angeboten werden, kann Mann machen, was er will, er wird immer unvorteilhaft aussehen. Die Hüfthosen lassen die Beine zu kurz aussehen, während das Hinterteil sich enten-förmig auswölbt. Die Hemden und Sakkos liegen eng am Körper an, und selbst ausgeprägte Muskelpartien werden so verborgen, und wehe man hebt die Arme an, dann hebt sich die ganze Oberteilpartie, wie ein überspanntes, unförmiges Segel.
    Hinter dem Wahnsinn steckt Methode. Wer Menschen einengt, versucht sie gefügig zu machen.

  2. Nko sagt:

    Hallo,

    wie sieht es für sportlich gebaute Männer aus? Ich treibe viel Kraftsport und habe daher ein breites Kreuz. Mit meinen 1,75 bin ich aber relativ klein. Ich tue mich schwer einen passenden Anzug zu finden, der an den Schultern sitzt und unten rum nicht zu lange ist.

    Haben Sie da einen Tipp?

    Vielen Dank
    Niko

  3. @NKO: Hallo Niko, schicke mir ein Bild von dir mit normal eng anliegenden Sachen, damit ich deine Figur sehen kann. Dann kann ich Dir einen Tipp geben. Email bitte an mode@holger-sommer.de.

    @H.Prendick: Min Tipp: Einen Anzughersteller finden, der klassische oder von Haus aus weite Anzüge anbietet. Die rein modische Schiene mag und kann Mann tragen oder auch nicht. Ein anderer Tipp: In die Masskonfektion oder zum Maßschneider gehen. Auch hier wieder im Vorfeld auf die Art der Modelle achten. Klassiche Schiene oder modische? Sie suchen nach Ihren Worten eher das klassische deutsche Modell, welche von Haus aus bequemer geschnitten ist, wie z.B. Bäumler.

    Mit freundlichen Grüßen
    Holger Sommer

  4. H.Prendick sagt:

    Mein Tipp an Herrn Sommer: Meiner Meinung nach trägt Sean Connery im „Goldfinger“, in der Tresorszene von Fort Knox den besten je hergestellten Anzug. Mann macht einfach genug Abzüge von dem Outfit, kauft sich ein Ticket nach Shanghai oder Beijng, und läßt sich zehn Stück für je 150,-€ herstellen. Und nachdem man die Verbotene Stadt, Mauer und Sommerpalast besichtigt hat, sind die fertig.

  5. Klaus Heins sagt:

    Hallo.
    Ich würde gerne wissen welchen Anzug Sie empfehlen bei folgenden Maßen:
    Ich habe ein breites Kreuz;
    Brustumfang 103
    Bundumfang 95
    Gesäßumfang 102
    Körpergröße 173
    Laut Tabelle ist es für den Oberkörper eine Größe von 25 und für die Hose eine Größe von 23-24.
    Jetzt soll aber auch der Bundumfang zur Hose mit eibfließen. Diesen sind aber fast 2 Größenunterschiede.
    Hätten Sie eine Lösng?

    Mit freundlichen Grüßen
    Klaus Heins

  6. Hallo Herr Heins,

    Vielen Dank für Ihre Frage.

    Für Sie gibt es 3 Lösungen.
    In hochwertigen Geschäften können Sie Hose und Sacko aus verschiedenen GrößenSätzen zusammenstellen und kaufen. Hier werden Sie sich das Sakko nachtaillieren lassen müssen. Bei der Hose ist es wichtig, dass der Bund und ich schätze die Weite im Oberschenkel für Sie passend ist.

    Die 2. Möglichkeit ist das Thema „Masskonfektion“….hier wird von Haus aus von der Größe, die Sie benötigen ausgegangen. Ein Tipp suchen Sie sich einen Schneider der auch Masskonfektion anbietet. Dieser hat das größere Wissen über Passform. Schauen Sie sich auch an welches Styling er vertritt. Passt und gefällt es Ihnen!

    Und die 3. Möglichkeit: Ein Handgefertigter Anzug. Hier werden wirklich Ihre Körpermaße genommen und danach gefertigt. Auch hier ist es wieder wichtig, Schauen Sie sich an in welchem Style dieser fertigt. Sagt er Ihnen zu oder nicht. Und noch ein Hinweiss , der Maßkonfektionär fertigt nach den Maßen der Prototypen mit denen er arbeitet, nicht mit Ihren richtigen Körpermaßen!

    Sollten Sie weitere Fragen haben. So können Sie mich auch direkt anschreiben: mode@holger-sommer.com

    Mit freundlichen Grüßen

    Holger Sommer

  7. Marco sagt:

    Hallo Holger,

    ich habe eine sehr sehr sportliche Figur.
    Bin 188 cm groß bei fast 100 kg. Brustumfang beträgt 128 cm, Taillle 82 cm, Armumfang 43 cm, Beinumfang 65 cm.

    Meine Schultern sind zu breit für Sackos der Größe 56, und Sackos der Größe 54 fast zu weit um die Bauchpartie. Bislang habe ich bei Maßschneidereien pro Anzug 1000 hinlegen können, gibt es keine Hersteller, welche für Sportler Anzüge anbieten, das scheint doch eine riesengroße Marktlücke zu sein. Ich habe das Gefühl nur für Spageltarzane und Dicke werden Anzüge konzipiert. Ich bräuchte für einen Businesstrip wieder einen neuen qualitativ hochwertigen aber bis 600.

  8. Holger Sommer sagt:

    Hallo Marco,

    da kann ich Dir leider keinen Tipp geben. Ein wahrhaftiger MassAnzug kostet in der Regel ab 2.800,– €. Und der ist dann richtig auf Deinen Körper gearbeitet. Alles andere sind Möglichkeiten die die industrielle Herstellung bietet. Sie gehen von errechneten Körpermaßen, mit welchen Erfahrungswissen auch immer, aus.
    Viele Grüße

    Holger

  9. Johannes sagt:

    Guten Tag,
    Ich habe das Problem das ich für normale Anzüge zu breite Schultern habe. Die Anzüge sind immer zu eng an den Schultern und am Bauch zu weit. Ein Hugo Boss Anzug in 102 oder 50 passt gerade so aber er sitzt nicht perfekt. Gibt es mittlerweile Marken die sich auf junge sportliche Herren konzentrieren und auch dementsprechend ihre Anzüge herstellen? VG

  10. Markus sagt:

    Ich habe wirklich probleme einen Anzug zu finden. Ich bin 194 cm, schlank ~82kg und habe eine leicht ausgeprägte Trichterbrust. Dank der Trichterbrust wirkt mein Oberkörper sehr flach und alle Jacken sehen an mir sehr steif und unvorteilhaft aus. Mit Hemden, Poloshirts, T-Shirts etc. habe ich generell keine Probleme, vorallem Hemden geben meinem Oberkörper optisch mehr Volumen. Nur würde ich gern auch Anzug tragen können. Wäre ein Anzug aus Leinen oder anderen weniger steifen Stoffen empfehlenswert? Ich habe bisher nur Erfahrung mit 100% Schurwolle.

  11. No slim fit please sagt:

    Eduard Dressler bietet mehr Platz für die Beine. Bin kräftig, aber nicht dick ;-)
    Suche aber auch eifrig nach Alternativen.

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