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Dez 03

Kompromisse in der Partnerschaft: Notwendigkeit und Grenzen

Tauziehen um Kompromisse

Kompromisse in einer Partnerschaft gehören dazu, aber wo haben sie ihre Grenzen? Über die Notwendigkeit von Kompromissen, Unterschiede in der Herangehensweise von Männern und Frauen sowie die Antwort auf die Frage, ob sich bei Partnerschaften Gleich und Gleich gern gesellen oder sich doch eher Gegensätze anziehen. Ein Essay über Kompromisse von Coach und Therapeut Uwe Linke im Gentleman-Blog.

Kompromiss bedeutet Verzicht

„Sich einem Schiedsspruch unterwerfen“ ist die genaue Übersetzung des Wortes Kompromiss, was wir gerne als Entgegenkommen oder Ausgleich definieren. Im Grunde geht es um einen Verzicht auf zumindest Teile der eigenen Vorstellung oder Erwartung. Dazu sind Frauen eher bereit als Männer – und Weicheier eher als harte Kerle. Und sie reagieren anders auf einen Verzicht der Macht. Mädchen sagen: „Na gut, wenn du meinst.“ Frauen sind schon im Kleinkindalter auf Kommunikation und das Miteinander auskommen erzogen. Was nicht heißt, dass sich nicht auch Frauen einen ordentlichen Zickenkrieg liefern und scharfe Krallen zeigen können. Doch die Bemühungen, schon kleine Mädchen im Sandkasten auf Kompromisse mit dem Rest der Umwelt zu trimmen, treffen auf fruchtbareren Boden als bei gleichaltrigen Jungs.

Vielleicht liegt das daran, dass Mädchen eher zur Mäßigung und Verbundenheit erzogen werden, Jungs hingegen zur Selbstständigkeit und Durchsetzungskraft. Vielleicht liegt es aber einfach auch an den Hormonen, die in manchen Entwicklungsphasen nicht nur ansteigen, sondern explodieren. In der Pubertät z.B. schießt das Testosteron eines Mannes auf das Vielfache an (unter anderem um Muskelwachstum zu stimulieren).

Männer nicht gut im Machtverzicht …

Damit du es gleich weißt…“ ist bei den meisten Halbwüchsigen der Spruch der Wahl, wenn es um die Bedingungen einer Beziehung geht. Das ist die männliche Taktik: Man macht gleich mal zu Beginn klar, was man nicht ändern will, selbst wenn sie wissen, dass diese Einstellung oder Eigenschaft für eine Beziehung störend oder wenig kompatibel ist. So kommen Statements von Männern zustande, die in keinem Fall kompromissbereit sind oder es als abwegig erachten, sich auf andere einzustellen und Kompromisse einzugehen. Für uns Männer stellt das nämlich einen Machtverlust dar.

Nicht, dass wir jemals über Macht in Beziehungen verfügten. Nur mögen wir einfach das Gefühl nicht, auf sie verzichten zu müssen. Doch genau das scheint man von uns zu verlangen, wenn wir einen Kompromiss eingehen sollen.

… aber verhandlungsbereit

Der geneigte Leser wird sich denken: Na toll. Der Autor weiß keine Lösung, aber er bewundert das Problem. Daher hier eine Art Kompromiss: Meine Erfahrung zeigt, dass Männer echt schlecht mit Vorwürfen und Kritik umgehen können – zumindest, wenn es sich nach Vorwürfen oder Kritik anhört. Es kommt sehr auf die Art an, wie man seine Meinung vorbringt. Das Stichwort „Handel“ ist bei uns Männern deutlich positiver besetzt. Wer verhandelt, zeigt Stärke, weil er nicht in einem faulen Kompromiss klein beigibt. Das Gefühl, das zurückbleibt, fühlt sich besser an, weil man vielleicht das eine nicht durchsetzen konnte, aber etwas anderes bekommt. Verhandeln macht auch Spaß, weil es nichts mit kleinlichen Vorwürfen oder schweren Altlasten zu tun hat, sondern sich von dem konkreten Vergangenem entfernt und Weichen für die bessere Zukunft stellt.

Die britische Lösung: „We agree to disagree“

Verhandeln ist auch klüger, weil man ehrlicherweise tatsächlich nicht Vieles verändern will oder kann. Die Briten haben dafür einen treffenden Ausdruck: „We agree to disagree“, was so viel meint wie: „Wir stimmen darin überein, dass wir hier nicht zusammenkommen“. Ist das nicht großartig? Man muss sich gar nicht einigen oder miesen Kompromissen zustimmen, die man gar nicht mittragen kann (=will). Man kann einfach bei seinem Standpunkt bleiben, sei er noch so eigenartig und unvertretbar. Und trotzdem kann man sich mit dem anderen vertragen und liebevoll in der Beziehung sein.

Gleich und gleich gesellt sich gern!

Falls Sie sich schon immer gefragt haben, ob Beziehungen von ähnlichen Charakteren besser klappen als von sehr unterschiedlichen, ist meine Erfahrung, dass Gleich und Gleich sich gern gesellt. Das kann sich völlig entgegengesetzt ausdrücken, aber ähnliche ethische Werte sichern funktionierende Beziehungen. Das heißt, wenn die Absicht gleich ist, aber die Schlussfolgerung eine andere, besteht die Möglichkeit, darüber zu diskutieren. Zudem sind Kompromisse einfacher und für beide Seiten leichter, wenn die Standpunkte nicht so weit auseinander liegen.

Seien Sie nicht konfliktscheu!

Aufpassen sollte man nur beim Ausspruch: „Ist schon recht“, was so viel heißt wie „ich mag nicht darüber reden“ oder „keine Lust zu streiten“. Ernst und wörtlich nehmen darf man diese Phrase nicht, denn gemeint ist eigentlich: „Ich nehme es erstmal hin, aber irgendwann kommt der Tag, an dem ich mich räche.

Fair wäre hingegen ein ehrliches „Was brauchst du?“ entgegen zu setzen. Sonst droht sich ein Vulkan, schwelend, übelriechend, schweflig und unauslöschbar zu entzündend und sich irgendwann unvorhersehbar in einem Amoklauf zu entladen. Achtung, Frauen können das! Aber wer will das schon? Besser, Sie finden vernünftige Kompromisse, mit denen beide Seiten gut Leben können.

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Wohnpsychologe Uwe Linke im Interview

Der Autor

Uwe LinkeBeitrag von Uwe Linke. Der Wohnpsychologe Uwe Linke ist Coach und Psychotherapeut (HP). Zudem gehört der Buchautor zu den Top-Einrichtern in Deutschland und bietet Coachings und Seminare an. Im Gentleman-Blog schreibt er über Farben, Wohnungseinrichtung, Männer sowie über das Zusammenleben zwischen Mann und Frau.



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4 Responses to “Kompromisse in der Partnerschaft: Notwendigkeit und Grenzen”

  1. Christian sagt:

    Ein sehr interessanter Artikel, der Mut macht, eben NICHT immer der Klügere zu sein und nachzugeben.Ich denke auch, dass es zahlreiche Situatiionen gibt, in denen kein (fauler) Kompromiss gefunden werden muss.Ich denke es ist ehrlicher und auf lange Sicht besser für die Beziehung, wenn jederm dieses echt eingeräumt wird.
    Gruss
    Christian

  2. Klischee hin oder her, letztendlich ist es ein Geben und Nehmen in jeder Hinsicht einer Beziehung. Wenn man ordentlich über alles miteinander reden kann und aufeinander eingehen kann, dann findet man in jedem Bereich die Mitte mit der sich beide zufrieden geben und glücklich zusammen sein können :)

  3. […] ist auch ein Kompromiss nicht heranzuführen, dann ist die britische Version “we agree to disagree” eine […]

  4. Andreas K. sagt:

    Super vielen Dank für diesen Artikel.

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