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Dez 15

Gentleman-Sport: Schach

Schach spielen vorm Kamin

Schach ist das bedeutendste Brettspiel der Welt. Über Sieg und Niederlage entscheidet hier nicht das Glück, sondern Strategie, Konzentration, geistige Kondition, Training und Erfahrung. Daher wird Schach vom Deutschen Olympischen Sportbund offiziell als Sport anerkannt, auch wenn das Ziehen der Figuren keine körperlicher Anstrengung erfordert. Es ist ein geistiger Kampfsport, der von seinen Spielern den Fair-Play-Gedanken einfordert, und nicht nur deshalb ein Sport für Gentlemen ist.

(Warum) ist Schach ein Sport?

Sportarten wie Fußball, Fechten und Reiten ist zweifelsohne körperlich anstrengender als Schach, doch auch geistige Tätigkeiten verbrauchen Energie und somit Kalorien. Obwohl das Gehirn nur zwei Prozent des Körpergewichts ausmacht, verbraucht es 20 Prozent der Energie, bei höher geistiger Anstrengung sogar noch deutlich mehr. Es bedarf körperlicher Fitness, um die Konzentration auch bei mehrstündigen Partien dauerhaft hochzuhalten.

In Deutschland gibt es rund 90.000 aktive Schachspieler, die in etwa 2.700 Schachvereinen organisiert sind. Es gibt Ranglisten, eine Schach-WM sowie eine Schach-Olympiade, die alle zwei Jahre vom Weltverband FIDE ausgetragen wird. Die Bestrebungen, Schach als eigene Disziplin bei den Olympischen Spielen einzuführen, sind bisher allerdings gescheitert.

Ursprung und Geschichte des Schachspiels

Um die Erfindung des Schachspiels rankt sich die „Weizenkornlegende“. Demnach tyrannisierte der indische Herrscher Shihram (3.-4. Jh. n. Chr.) seine Untertanen und stürzte sein Land in Not und Elend. Um den König auf seine Fehler aufmerksam zu machen, ohne seinen Zorn zu entfachen, schuf der angebliche Erfinder Sissa, ein Spiel, in dem der König als wichtigste Figur, ohne Hilfe anderer Figuren und Bauern, nichts ausrichten kann.

Der angebliche Erfinder Sissa bat den Herrscher, ihm als Lohn die 64 Felder des Schachbretts mit Weizenkörnern zu füllen, indem er auf das erste Feld ein Korn legt, auf das zweite zwei Körner, auf das dritte vier Körner und auf jedes weitere Feld doppelt so viele wie auf das vorherige. Der Herrscher wunderte sich zunächst über die Bescheidenheit der Bitte, doch letztlich summiert sich dies rechnerisch auf über 18 Trillionen Weizenkörner!

Über Persien verbreitete sich das Schachspiel in breite Teile der Welt und war spätestens im 13. Jahrhundert fest in Europa etabliert. Damals gehörte es zu den „sieben Tugenden der Ritter“. Im 15. Jahrhundert kam es, vermutlich in Spanien, zu einer großen Reform der Spielregeln, die bis heute gültig sind. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde das Schachspiel ein Bestandteil der bürgerlichen Kultur. Es war auch die Zeit der großen Schachcafés, wobei Paris eine der Hochburgen war.

Schach-Etikette

Beim Schach wird Fair Play groß geschrieben. Vor und nach einer Partie ist es üblich, dass sich die Gegner die Hand reichen. Eine Verweigerung des Handschlags, gilt als Unsportlichkeit und kann sogar mit dem Verlust der Partie geahndet werden. Es dürfen keine Handlungen vorgenommen werden, die dem Ansehen des Schachs schaden.

Während der Partie ist es verboten, den Gegner zu stören, egal auf welche Weise. Seit 2005 führt auch das Läuten des Handys eines Spielers während der Partie zum sofortigen Partieverlust. Ferner gilt es als unhöflich, in einer hoffnungslosen Lage nicht aufzugeben und bis zum Schachmatt weiterzuspielen oder in deutlich schlechterer Stellung ein Remis anzubieten.

Dem Schachspiel wurde seit jeher große Bedeutung beigemessen. Selbst moralische Aspekte des Spiels wurden untersucht, zuerst von dem Naturphilosophen und späteren US-Gründervater Benjamin Franklin in seinem Werk ‚The Morals of Chess‚.

Zitate zum Schach

Viele Begriffe aus dem Schachspiel haben sich fest im Sprachgebrauch etabliert, unter anderem „Bauernopfer„, „Turm in der Schlacht„, „in Zugzwang sein“ oder „jemanden in Schach halten„. Zudem gibt es viele Zitate, die das Schachspiel huldigen und Parallelen zwischen dem „Königsspiel“ und dem wahren leben ziehen.

„Schach ist ein Bestandteil der Menschheitskultur und kann aus ihr nicht mehr weggedacht […] Schach ist die Einheit aus Theorie und Praxis.“

– Klaus Borg, Philosoph

„Schach ist Gymnastik für den Geist.“

– Wladimir Iljitsch Lenin, ehem. Regierungschef Sowjetrusslands

„Neben dem intellektuellen Reiz des Schachs ist der erzieherische Wert von Bedeutung. Schach lehrt Logik, Phantasie, Selbstdisziplin und Entschlossenheit.“

– Ex-Schachweltmeister Garri Kasparow, ehem. Schachweltmeister

„Schach ist für ein Spiel zu Ernst, für den Ernst zu viel Spaß.“

– Gotthold Ephraim Lessing, Schriftsteller

„Im Schach wie im Leben strauchelt sowohl derjenige, der ganz planlos herumirrt, als auch der derjenige, der allzu feste Vorsätze mitbringt und keine Kompromisse macht.“

– Robert Scheu, Autor

„Man sollte vor allem groß spielen, im Schach wie im Leben, und nicht wie ein Krämer. Alle Berechnung in Ehren, aber das Entscheidende bleibt stets das Unberechenbare, das Wagnis.“

– Christian Morgenstern, Dichter

Schach eine Männerdomäne

Die Frauenquote in den deutschen Schachvereinen liegt nur bei rund sieben Prozent. Auch in der Liste der Schachgroßmeister des Weltschachverbands finden sich über 1.300 Männer aber lediglich 28 Frauen. Der Weltmeistertitel konnte noch nicht von einer Frau errungen werden. Warum das so ist? Zum einen, mag das mathematische Kampfspiel Frauen weniger ansprechen, zum anderen, spielt sicherlich die Tradition eine Rolle: Großväter und Väter bringen ihren Söhnen und Enkelsöhnen wohl eher das Schachspiel bei als ihren (Enkel-)Töchtern.

Schach als Gentleman-Sport

Schach ist eine wunderbares Spiel, um sich geistig zu messen. Das muss aber nicht unbedingt ein verbissener Wettkampf sein, sondern kann ein wundervoller Rahmen für einen gediegenen Männerabend sein. Hierbei kann man wunderbar mit einem guten Freund im Kaminzimmer bei einer Zigarre und einen gute Glas Wein über Gott und die Welt philosophieren.

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3 Responses to “Gentleman-Sport: Schach”

  1. […] Schach ist das bedeutendste Brettspiel der Welt. Über Sieg und Niederlage entscheidet hier nicht das Glück, sondern Strategie, Konzentration, geistige Kondition, Training und Erfahrung. Daher wird Schach vom Deutschen …  […]

  2. […] könnte: spannende Gespräche, interessante Bücher, lange Spaziergänge in der Natur oder eine gute Partie Schach mit […]

  3. Fritzo sagt:

    Denkspiele sind immer gut :). Beim Schach sieht man dazu noch sehr intelligent aus.

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