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Jan 28

Craft Beer: Bier trinken mal anders

Craft Beer ein neuer Bier-Trend

Für diesen Trend fehlen die Worte: Craft Beer ist vielleicht noch nicht in aller Munde, aber erobert immer mehr Getränkekarten. Eine vernünftige deutsche Übersetzung für Craft Beer gibt es zwar keine, doch was hinter dem Trend steckt, erklärt Genussmensch Roland Graf im Gentleman-Blog und stellt auch gleich einige der besten „Kreativbiere“ vor.

Craft Beer eine Gegenbewegung der US-Brauer

„Handwerksbier“ wäre die wörtliche Übersetzung, die auf die historischen Wurzeln der Craft Beer-Welle verweist. In einer von wenigen Konzernen und ihren uniformen Produkten geprägten Bierlandschaft begann sich in den Vereinigten Staaten der späten 1980er Jahre, Widerstand zu regen. Kleinbrauereien besannen sich alter Rezepte oder kreierten neue, die zum Teil auch auf neue Hopfenzüchtungen zurückgriffen, sogenannte Aromahopfen wie etwa Cascade oder Saphir. Gleichzeitig setzten sie auf originelles Marketing und ließen sich die Kreativität auch bezahlen.

BierdeckelEines der Länder, das mit einer regelrechten Explosion der Brauereien folgte, war überraschender Weise das Weinland Italien, wo Pioniere wie Teo Musso mit dem Birra Baladin das amerikanische Beispiel des Craft Beer aufgriff. Plötzlich war nichts mehr sakrosankt, auch die Gebinde wurden selbstbewusst und kamen als 0,75-Liter-Flaschen auf den Markt. Für Deutschland hatte BraufactuM eine Vorreiterrolle inne.

Der Goldstandard IPA

Mittlerweile wird ein Biertyp, mit dem die Rückbesinnung begann, praktisch als Synonym für Craft Brewing verwendet – das India Pale Ale (von Bierfreunden IPA abgekürzt). Stärker gehopft und meist auch deutlich alkoholischer als die beliebten Pilsner, sind hier die obergärigen Fruchtaromen wie Banane oder Ananas durchaus erwünscht. Nicht alle Biere würde man als Durstlöscher und erfrischend bezeichnen, doch gerade die Komplexität soll dem Bier den Stellenwert geben, den es mit Produkten der Marke „Zisch-und-weg-die Pulle“ nicht mehr hat.

Im Zuge dessen hat sich als Entsprechung für Craft Beer (aber nicht unbedingt Übersetzung) auch Kreativbier bzw. Kreativbrauer eingebürgert. Schließlich suchte man nach neuen Aromen, die man durch Reinheitsgebot und Vereinheitlichung bisher nur aus belgischen Bieren kannte. In Europas Bierland Nr. 1 (in puncto Vielfalt, in Sachen Konsum liegt Tschechien vorne) verwendet man in den aromatisierten Bieren u.a. Kaffee, Kirschen oder Himbeeren. Und so tauchen alte Stile wie das bereits den Wikingern bekannte und mit Baumharz statt Hopfen gebraute Scotish Strong Ale des in Salzburg arbeitenden Dortmunders Axel Kiesbye auf.

Bier aus Whiskeyfässern

Der jüngste Trend der Craft Brewer liegt im Reifen der Biere in gebrauchten Holzfässern. Die Noten von Sherry, Whisky oder auch Rotwein sollen damit in das Bier übergehen. Eine umfangreiche Kollektion kommt von Hof ten Dormaal, einer Kleinbrauerei im belgischen Tildonk (www.htdoakaged.com). Neben den Abfüllungen aus dem Sauternes-und Grappa- und Armagnac-Fass stellte André Janssens beim Weihnachtsbier-Festival in Essen das „Winter 14“ vor: Insgesamt drei Jahre reifte das Bier, zunächst in Sherry-, dann in Portwein-Fässern. Der Geschmack erinnert mit seinen Vanillenoten und einer leichten Süße an Rotwein, die Kohlensäure ist wie bei den meisten „aged“ Bieren niedriger, und die leichte Bitterkeit im Finish verhindert, dass das „Winter“ eindimensional wird.

Bier-Karten erobern die Restaurants

American BeerDieser Craft Beer Trend hat aber längst die Bierhochburg Belgien verlassen. Gemeinsam mit der Jameson-Destillerie hat Franciscan Wells im irischen Cork ein Whiskey-Fass-gereiftes Pale Ale aufgelegt. Auch bei Holsten in Hamburg legte man mit der „Duckstein Braukunst Edition 2013“ ein Portwein-Fass-gelagertes helles Bockbier auf. In der Alpenrepublik rüstet man ebenfalls Holz-technisch auf: Mit 24 Barrique-Fässern wurde in der Privatbrauerei Josef Sigl in Obertrum Österreichs größter Fassreifekeller angelegt, parallel eröffnete die Salzburger Stiegl-Brauerei ein entsprechendes Lager.

Die Ideen gehen den Kreativbrauern also lange nicht aus, vor allem, da mittlerweile immer mehr Restaurants die Möglichkeit von eigenen Bier-Karten und alternativen Speisenbegleitungen entdecken.

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One Response to “Craft Beer: Bier trinken mal anders”

  1. […] unter anderem auch kleinen Brauereien, die sogenanntes Craft Beer brauen. „Gentlemen-Blog.de“ klärt uns darüber […]

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