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Feb 22

Dem Anzug an den Kragen gehen

Reverskragen – Das Gesicht des Anzugs

Verschiede Reverskragen im Überblick

Der Reverskragen ist das ‚Gesicht‘ eines jeden Anzugs. Zudem bilden er den Rahmen für den Kopf des Anzugträgers. Entsprechend großen Einfluss haben die Elemente Revers und Kragen auf das gesamte Erscheinungsbild. Bei der Wahl des Anzuges sollte man also nicht nur auf Passform, Stoff und Farbe achten. Modemacher Holger Sommer gibt im Gentleman-Blog Tipps, mit welchem Revers Männer ihr Gesicht optimal zur Geltung bringen.

Revers + Kragen = Fasson

Das Revers (bzw. Aufschlag oder Klappe) ist die nach außen geschlagene, obere Vorderkante eines Sakkos (bzw. Mantels oder Blazers). Kragen und Revers bilden gemeinsam das Fasson und werden mittels der sog. Crochet- bzw. Spiegelnaht verbunden. Diese wandert je nach Mode weiter nach oben zum Hals oder runter in Richtung der Brust. Dementsprechend ist das Revers mal größer oder kleiner, was auch von der Höhe des obersten Knopfes des Sakkos abhängt.

Folgt das Revers der Crochetnaht und weist die Reversspitze nach unten, so entsteht ein spitzer Crochet-Winkel und man spricht von einem fallenden Revers. Steigt das Revers im Scheitelpunkt des Crochet-Winkels mit nach oben weisender Reversspitze an, spricht man von einem steigenden Revers.

Gängige und kreative Varianten

In den 1950ern bis in die 1980er wurde mit unterschiedlichen Kragen- und Reversbreiten wesentlich stärker und mehr gespielt. Mal war der Kragen viel kleiner als das Revers, und mal überragte der Kragen das Revers deutlich. Mittlerweile haben Kragen und Revers jedoch meistens eine ähnliche Breite und bilden so eine Einheit.

Aufgrund der verlangten schnellen Fertigung hat sich die Mode für diese eine Variante entschieden, und all die Zwischenformen („gebrochene Revers“) sind derzeit quasi ausgestorben.

Diese Skizzen zeigen zwei dieser verloren gegangenen Möglichkeiten: ein Sakko mit einer Raglananlage, wo die Crochetnaht dem Verlauf der Raglannaht folgt (li.), sowie ein Vierknopf-Sakko mit aufgesetzten Taschen, wo das Revers breiter ist als der Kragen (re.).

Aus der Mode: seltene Reverskragen

Ebenfalls schon fast gar nicht mehr zu finden, sind Sakkos ohne Kragen und Revers. Dieses Sakko in edlem Schwarz und mit einem Satin-Streifen auf der Kante macht sogar dem Smoking Konkurrenz. Oder das Sakko mit kleinem Revers und großem Kragen (li.). Als nächste Variante gibt es noch den Schalkragen, bei dem sich der äußere Stoff wie ein Schal um den Hals legt. Hier ist außen keine Crochetnaht zu finden, und es gibt weder Abstufung noch Einschnitt zwischen Revers und Kragen (re.).

Revers-Varianten

Kragen und Revers haben enorme Wirkung aufs Erscheinungsbild

Kragen und Revers umrahmen den Hals des Trägers, auf dem wiederum unser wichtigstes Körperteil sitzt – der Kopf. Unser Gesicht wollen wir dabei natürlich möglichst vorteilhaft präsentieren. Wie bei einem Foto suchen wir dafür den optimalen Rahmen.

Man muss sich der Bedeutung von Kragen und Revers für das Erscheinungsbild bewusst sein, um bei der Wahl des Anzuges ein passendes Modell zu wählen. Wer nur auf Schnitt und Farbe achtet, schöpft nicht das volle Potential des Anzuges aus. Weitere Möglichkeiten, um den optimalen Look zu zaubern und die richtigen Proportionen zu bekommen, sind das Material, die Oberfläche, das Muster sowie das Design.

Welches Revers für welches Gesicht?

Machen Sie einen Test. Ziehen Sie Ihr Lieblingssakko an, stellen sich vor den Spiegel, ziehen Sie eine Seite runter und verändern Sie die Reversbreite. Dabei können Sie beobachten, wie sich die veränderte Form auf das gesamte Erscheinungsbild auswirkt.

Eine allgemeingültige modische Regel für Kragen und Revers zu finden ist schwierig, da es stark vom Zeitgeschmack abhängig ist. Aus heutiger Sicht werden die Schnitte aus den 1970ern als schrecklich empfunden. Damals waren sie mit dem extra breiten Revers einfach der Hit. Heute ist es eher umgekehrt, es gilt: je schmaler, desto besser.

Dennoch gibt es Faustregeln: Wer ein schmales Gesicht hat, sollte einen breiten Schnitt für Revers und Kragen wählen, um es durch einen schmalen Schnitt nicht noch schmaler erscheinen zu lassen. Umgekehrt sollte ein breites Gesicht durch einen schmalen Fasson unterstrichen werden.

Die folgenden Fotos zeigen weitere kreative Möglichkeiten für Reverskragen und Tragekombinationen aus dem Atelier von Holger Sommer.

Kreative Reverskragen vom Schneider

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Der Autor

Holger Sommer PortraitDieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit Holger Sommer. Schon von klein auf an Mode interessiert, macht er nun seine eigene. Vor allem die Anzüge haben es ihm angetan. Hier entsteht in Handarbeit jedes einzelne Stück mit Eigensinn und mit dem klaren Ziel, jeden Kunden wirklich gut aussehen zu lassen.



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One Response to “Reverskragen – Das Gesicht des Anzugs”

  1. Dagny sagt:

    Interessant. Danke.

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