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Apr 11

Tempus fugit – von der paradoxen Faszination mechanischer Zeitmesser

Faszinierende Luxusuhren

Vor einiger Zeit sah ich in einer Fernsehübertragung den unvergleichlichen Günther Netzer sitzen, der neben einem wie immer perfekt passenden Anzug eine besondere Uhr trug. Es war ein Ewiger Kalender von IWC, ungeheuer schön, ungeheuer teuer und uhrmacherisch eine Delikatesse. Diese Art von Komplikation in einer Uhr zeigt – sofern sie ständig betriebsbereit gehalten wird – für eine Dauer von 499 Jahren korrekt das aktuelle Tagesdatum an. Die ebenfalls angezeigte Mondphase würde erst nach 577 Jahren korrigiert werden müssen.

Konfrontation mit der eigenen Vergänglichkeit

Bereits in weinseeliger Verklärung befindlich, fragte ich mich selbst laut in den Raum hinein, warum ein Mensch den Wert eines Mittelklassewagens in eine Uhr investiert, deren Highlight er nur einen Bruchteil seiner Funktionsdauer erleben kann – man mache sich klar: Die Uhr wurde gebaut, um etwa bis zum Jahr 2490 das Datum zu präsentieren. Das ist eine Zeitspanne, in der rund 14 Generationen sich die Klinken in die Hand geben.

Denkt man weiter, tut sich vielleicht die generelle Frage auf, warum Herren in stetig wachsender Zahl kleine bis große Vermögen in luxuriöse Zeitmessser investieren, um so auf teuerste Weise jeden Tag mit der eigenen Vergänglichkeit konfrontiert zu werden. Es gibt kaum eine subtil eindrucksvollere Weise, sich selbst jeden Tag oder auch jede Stunde beim Betrachten der vorrückenden Zeiger und des Datums beim langsamen Absterben zu beobachten.

Das stete Ticken beruhigt

Vielleicht empfindet man angesichts des stetig weitertickenden Sekundenzeigers am Handgelenk aber auch Beruhigung. Kontinuität in kleinsten, überschaubaren Schritten scheinen eine berechenbare, beherrschbare und überraschungsfreie Realitätswahrnehmung zu unterstützen.

Mich interessiert, wie Sie Ihre Uhr empfinden – ich lade Sie ein, einen Kommentar zu verfassen.

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Der Autor

Lars Hallatsch schreibt im Gentleman-BlogDieser Beitrag stammt aus der digitalen Feder von Lars Hallatsch. Er lebt und arbeitet als freier Journalist, Dozent und Coach bei Köln und München. Stil und Style für Herren sind dabei seine besondere Leidenschaft.



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One Response to “Tempus fugit – von der paradoxen Faszination mechanischer Zeitmesser”

  1. Mir gefällt die Uhr mit dem eigenen Namen. Ich denke, dass wir in Zukunft noch viel mehr Private Label sehen werden.

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