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Jun 16

Wir abhängigen Männer

Starke Frau und schwacher Mann

In den letzten 60 Jahren hat sich das Bild des Mannes und dessen Rolle massiv verändert. Es gab große Veränderungen in den Rollenverhältnissen zwischen Mann und Frau und in der Familienstruktur, Frauen haben sich emanzipiert, es gibt Feminismus- und Antimännerdebatten, und echte männliche Vorbilder sind rar geworden. Das ist ein Problem – für beide Geschlechter.

Während es damals noch ausreichte, der Versorger der Familie zu sein, ist dies heutzutage schon längst nicht mehr genug. Das was damals den Großteil der männlichen Identität ausmachte, hat mittlerweile stark an Bedeutung verloren. Viele Frauen sind heute finanziell unabhängig und verdienen ähnlich gut wie Männer.

Das klassische Rollenbild hat sich verändert

Es scheint so, als wären viele Frauen – zumindest in Deutschland – größtenteils nicht mehr abhängig von Männern. Man möge meinen, das dies zu einer Gesellschaft mit zwei unabhängigen Individuen geführt hat. Hat es aber nicht, denn mittlerweile sind viele Männer abhängig von Frauen.

Ein paar Jahrzehnte und einige Veränderungen in der Gesellschaft haben gereicht, um eine neue Generation abhängiger Männer zum Vorschein zu bringen. Nicht finanziell abhängig, sondern emotional und sexuell.

Männer begegnen heutzutage Frauen nur noch selten auf Augenhöhe, viel mehr suchen sie etwas in ihnen. Sie suchen in Frauen nach Bestätigung, Anerkennung, Zuneigung, Liebe und Sex. Natürlich wünscht sich jeder Mensch diese Dinge, aber es gibt einen großen Unterschied zwischen wollen und brauchen. Und zu viele Männer brauchen es.

Das führt dazu, dass viele Männer der heutigen Generation weder zu sich, ihren Meinungen noch zu ihrer Männlichkeit stehen. Im Umgang mit Frauen verbiegen sie sich, passen sich an, verheimlichen ihren wahren Bedürfnisse und tun und sagen Dinge, hinter denen sie gar nicht stehen. Alles nur, weil sie Frauen unbedingt gefallen wollen (oder die Konfrontation meiden).

Waschlappen“ statt echte Männer

Kein Wunder, dass die Frauen uns Männer in letzter Zeit immer häufiger als Waschlappen beschreiben, denn nichts anderes sind wir. Noch nie gab es so viele Frauen die sich fragten, wo denn die echten Männer geblieben sind. Männer, die sich noch wie Männer benehmen und die Frauen noch wie Frauen behandeln.

Diese Abhängigkeit von Frauen ist letztendlich auch größtenteils das, was einen Mann für Frauen unattraktiv macht. Egal ob jemand nur einen One-Night-Stand haben oder eine Freundin finden möchte: Keine Frau will einen Mann, der ihr hinterherrennt und für sie alles tut. Dies mag zwar vielleicht ein netter Kerl und ein guter Freund sein, jedoch kein wünschenswerter Sex- und Liebespartner.

Woher kommt diese Abhängigkeit von den Frauen?

Warum stehen wir neue Generation Männer aber nicht zu unserem Mannsein und sind abhängig von Frauen? Weil wir nie zu Männern geworden sind!

Jungs brauchen für die Entwicklung zum Mannsein männliche Vorbilder. Doch diese Vorbilder fehlen uns so oft. Einige von uns sind schon die zweite Generation Männer, die hauptsächlich von Frauen erzogen wurde (Ich gehöre übrigens dazu). Doch fehlt in jungen Jahren oft nicht nur die Vaterfigur, sondern generell der Kontakt zu anderen Männern. Im Kindergarten wie auch in der Grundschule sind die meisten Erzieher und Lehrer weiblich.

Die wichtigsten und markantesten Jahre in unserer Kindheit, die sehr prägend für unser späteres Verhalten sind, sind wir somit größtenteils von Frauen und weiblicher Energie umgeben. Dadurch werden uns oft typisch weibliche Glaubenssätze und Verhaltensmuster anstatt männliche mit auf den Weg gegeben.

Männliche Vorbilder verzweifelt gesucht

Frauen erziehen die Jungs so, wie sie glauben, dass sie Männer gerne hätten: nett, zuvorkommend, einfühlsam, passiv und rücksichtsvoll.

Das ist auf den ersten Blick nicht unbedingt falsch. Wenn jedoch der männliche Gegenpol fehlt, was er häufig tut, dann werden Jungs zu Mädchen mit einem Penis – und später zu Männern, die abhängig von Frauen sind. Jedoch will dies keiner, auch Frauen nicht. Deshalb sollten wir Männer anfangen, wieder Männer zu sein. Doch das kann für manche von uns nicht einfach sein, denn wir haben es ein Leben lang nicht gemacht. Allerdings ist es notwendig, jetzt mehr denn je zuvor.

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Der Autor

Anchu KoeglBeitrag von Anchu Kögl. Der Autor, Unternehmer und Weltreisender schreibt im Gentleman-Blog über Frauen, Sex und Männlichkeit. Intensiv, filterlos und bisweilen auch sehr direkt.



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15 Responses to “Wir abhängigen Männer”

  1. Sarah sagt:

    Ich finde es schade, dass der Autor nicht beschreibt, was für ihn denn dieses „echter Mann“-sein ausmacht. Was er kritisiert, ist ein Verhalten, dass Frauen über Generationen zeigen (mussten) und dass immernoch tief in unseren Köpfen und Körpern verankert ist. Passivität, Anpassung, gefallen wollen, verbiegen. So scheint es mir nur eine natürliche Folge der Gleichberechtigung, dass diese Problematik nun eine von Individuen geworden und nicht mehr geschlechterspezifisch ist. Was den neuen Mann betrifft: Ich habe einen Rücksichtsvollen, lieben Freund. Das sind für mich absolut wünschenswerte Eigenschaften, die der Männlichkeit nicht den geringsten Abbruch tun, ganz im Gegenteil. Was der Autor meiner Meinung nach kritisiert ist fehlendes Selbstbewusstsein und Selbstbehauptung. Dass man sich als lieber Mensch dennoch nicht verarschen und schlecht behandeln lässt. Ich finde es gut, dass man nicht aufgrund eines Geschlechts per se mehr Selbstbewusstsein erhalten kann. Das würde nämlich heißen, dass man es daraus zieht, seins als höherwertig anzusehen, also aus der Diskriminierung. Es gilt also eine Aufgabe zu bewältigen, die für jeden Menschen, egal welchen Geschlechts, eine Herausforderung ist: Wie kann ich ein guter Mensch sein, ohne wie Jesus immer noch die andere Wange hinzuhalten? Das Gutmenschentum tut nämlich nicht gut, weder einem selbst noch dem Umfeld. Weil man anderen die Verantwortung für sich selbst überträgt. Das zu erläutern würde jetzt zu weit führen, wen es interessiert: es gibt dazu eine Menge guter Bücher. Besonders empfehlen kann ich da Friedemann Schulz von Thun „Miteinander reden“ Band 2. Viele Grüße, Sarah

  2. Sarah sagt:

    Nachtrag: Der Ernährer zu sein bedeutet auch eine 100% abhängige Frau zu haben. Wirtschaftliche Unabhängigkeit ist die Grundvoraussetzung für eine freiheitliche Gesellschaft und die will ja wohl hoffentlich keiner in Frage stellen…

  3. Tilo sagt:

    Danke für den interessanten Artikel, der wohl eine immer größere Zahl von Männern betrifft, die inzwischen mit ihren allein (hoffentlich) erziehenden Müttern aufgewachsen sind und aufwachsen. Den Artikel ergänzt hervorragend Sarahs Kommentar, der die weibliche Sicht sozusagen aus erster Hand darstellt.

    Aus meiner Sicht (ich bin ebenfalls in weiblichem Umfeld aufgewachsen, allerdings noch vor der „Männchen-wechsel-dich“-Zeit, kann aber inzwischen mit Dankbarkeit auf eine über 20-jährige Partnerschaft blicken) fehlen jedoch ein paar Aspekte:

    Sicher freut sich die (reife) Frau über einen freundlichen liebevollen (verständnisvoll etc.: die anzeigenüblichen Eigenschaften) Mann und erzieht deshalb ihren Sohn entsprechend. Damit bekommt unsere Gesellschaft viele herzallerliebste Kumpel und Freunde-Typen. Soweit so gut.

    Nur, wie ist demgegenüber oft genug das emotionale animalische Verhalten der Frau: Warum zieht es denn so viele Frauen zu den „bad guys“? Zu denen, die eben nicht verständnisvoll etc. sind? Denen mit dem Schweißgeruch das Abenteuer anhaftet? Die, vor denen sie „ihre Eltern immer warnten“?

    Es ist nur zu verständlich, daß Frauen ihre Söhne nicht so erziehen, daß sie (für sie) sexuell reizvoll sind. Nur was kommt dabei heraus? Die lieben „braven“ Buben kommen in die Pubertät und fassen die Welt nicht mehr: Gerade die reizvollsten Mädchen (die „man(n)“ ja so gern selbst hätte) ziehen mit den Männern umher, die doch so ganz anders sind als die „braven“ Männer als attraktiv seiend gelernt haben.

    Wer macht sich schon diesen Unterschied bewußt zwischen verstandesmäßiger Attraktivität (lieb, zuverlässig … familiengeeignet) und emotional triebhafter Attraktivität (abenteuerlich, spannend, gegenwartsbezogen)? Den alten Hure-Mutter-Dualismus gibt es auch in weiblicher Form!

    Natürlich „braucht“ der Mann die Frau. Gerade die Illusion der autarken Partner („ich brauche dich nicht“) führt doch zu instabilen „Familien“-Konstellationen, weil die Opferbereitschaft fehlt, unbequeme Schwierigkeiten gemeinsam durchzustehen. Nur gilt es m.E. als Mann, sich wieder mehr als Mann zu positionieren – was einschließt, den Mut zu haben, von der Frau zu fordern (ich weiß, grauenhaft unpopulär!), sich wieder mehr als Frau zu gerieren. Nur um der üblichen Reaktion vorzubeugen: Das schließt gegenseitige Achtung sowie Respekt dem anderen Teil des Ganzen ein!

    Abschließend noch ein „Trost“ für die suchenden und unverstandenen „Lieben“: Viele der Traumfrauen, die Du in der (verlängerten) Pubertät unerreichbar in den Armen der „bad guys“ gesehen hast, kommen nach einigen Jahren mit entsprechenden Blessuren und Gebrauchsspuren gern zu dem zuverlässigen familienorientierten „braven“ Mann zurück, der doch gern sie und ihre Kinder aus entsprechendem Vorlieben mit den Früchten seines Fleißes versorgt … Wenn das kein Trost ist!!!

  4. H.Prendick sagt:

    Woher kommt diese unselige Dichotomie von „Nice Guy and Bad Boy“?
    Autoren wie Raymond Chandler und Dashiell Hammett verlangten nur zwei Dinge von ihren Hauptfiguren, seien es Nick Charles, Sam Spade oder Philip Marlow: Brains and Brawns a.k.a. Stil und Härte neben einer satten Portion an Lakonismus, ersichtlich an Zitaten wie, „Willste ne tolle Frau, dann sei auch bereit den Ärger zu ertragen, den sie mit sich bringen wird.“ (Dashiell Hammett, aus „Der gläserne Schlüssel“)

  5. Manfred Treubig sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Herr Kögl,

    die Ausführungen von Ihnen Herr Kögl, die ich – hier bei bei gentleman – blog, gelesen habe,
    möchte ich auf meine persönliche Art unterstreichen.

    Ich bin 58 Jahre alt.

    Oberstleutnant a. D.

    Die ersten 2 Jahrzehnte in der Fallschirmjägertruppe gedient.

    Auf mehreren Kriegsschauplätzen meine Einsätze gehabt.

    Unverletzt an Seele und Körper.

    Was fehlt den deutschen Männern?!,

    im Vergleich zu den Afghanen, Kosovaren, Türken, Briten, Schotten, Franzosen -, …

    – der Stolz.

    Demzufolge – die Würde.

    DER Stolz … Die Würde,

    Polaritäten die zusammengehören.

    DER unstolze Mann, er wird nie – DIE WÜRDIGE – erlangen.

    Wer als Junge, als Jugendlicher, als

    heranwachsender Mann, als Partner und

    Ehemann jeder Konfrontation aus dem Wege geht,

    bekommt –

    nicht das Profil, das

    eine männliche Spur hinterlässt.

    … ein profilloser Mann, wo

    ist da „der Grip“ für die Frau?

    Mit freundlichen Grüßen

    Manfred Treubig

  6. Ada sagt:

    Wow, das Einzige, was diesem Artikel noch fehlte war ein weinerlicher Abschnitt über die „Friendzone“.

    Wo sind denn bitte eigentlich all die Frauen, die mit den „bad guys“ ausgehen? Komischerweise habe ich davon äußerst wenig in meinem weiblichen Bekanntenkreis. Die meisten haben normale, nette, rücksichtsvolle und verantwortungsbewusste Partner.
    Was ich viel eher sehe: Männer, die der Frau eine Freundschaft vortäuschen (denn das Motiv ist ja letztlich, bei ihr im Bett zu landen), alles Recht machen, und dann mit ihr ausgehen wollen. Sagt das Objekt der Begierde dann „Nein“, ist der vermeintlich ach so nette Kerl ganz schnell mit gar nicht mehr so netten Äußerungen zur Hand („Frigide“, „Unfair“, „Ich hab doch alles gemacht was die Schlampe wollte??“, „Friendzoned!“, ecetera).

    Das Problem was ich hier eher sehe ist, das Männer einfach oftmals kein „Nein“ akzeptieren, und die Schuld dafür bei anderen suchen. Oder will mir jemand weiß machen, jede einzelne Frau, die einen „netten“ Kerl abgewiesen hat, steht in Wahrheit auf bad boys“ steht?
    Manche Dinge funktionieren einfach nicht. Wenn es nicht klappt, dann halt nicht. Das zu akzeptieren, fällt auch immer mehr Männern schwer. Statt das hinzunehmen und sich jemanden Neues zu suchen, wird dann oft groß nach Gründen gesucht – bei andere Leuten. Übrigens auch kein besonders Erwachsenes oder „sexy“ Verhalten. Wird aber auch gerne von Hollywood unterstützt- wenn sie „Nein“ sagt, musst du es einfach nochmal und härter versuchen! Nope.
    Oder es wird groß „Wir brauchen neue Männlichkeit!“ und „Ach was, Frauen stehen gar nicht auf nette Kerle!“ getönt. Wobei letztes Argument mir wohl immer schleierhaft bleiben wird. Komischerweise habe ich das noch nie eine meiner Freundinnen sagen hören.

    Was Frauen wollen ist oft gar nicht so schwer: Normale, nette, vernünftige Männer. Aber nur weil man diese Eigenschaften aufweist heißt das nicht, das jede Frau einem direkt in die Arme fällt und/oder die Beine breitmacht. Und was der neue Mann braucht sind keine ominösen Männlichkeitsbegriffe, sondern Selbstbewusstsein. Rückgrat und den Mut, nach einer Abweisung nicht gleich das ganze Weltbild einstürzen zu lassen.

  7. Manfred Treubig sagt:

    Liebe Sarah,

    Ihre/n Kommentar/e, – vom 18. Juni, habe ich soeben

    – zum ersten Mal gelesen.

    Ich stimme Ihnen in Ihren Aussagen uneingeschränkt zu.

    Ihrer Buchempfehlung werde ich nachgehen.

    Zum Gut – Menschen – tun – Verhalten, … etwas sehr politisch provokant,

    sehr vereinfacht und schmerzhaft empfindbar für jene formuliert:

    Das sind die neuen Herren – Menschen! …

    mit dem,

    was sie fordern,

    von anderen -.

    Und Jesus – bezogen:

    ich verstehe folgendes in Frage gestellt geschrieben und bildlich gesprochen, nicht:

    Wie konnte Gott seinen Sohn so „hängen lassen“?

    Jedoch, ich denke auch, Helden wollen sterben – …, oder?

    Wer ist der annehmbare Typus Mann? Gott – Vater oder Sohn – Gottes?

    Von beiden, leiblich gesprochen, wird eine Frau wenig haben, oder?

    Der eine unnahbar, …

    der andere tot.

    Und jeder Mensch, welcher einmal unter dem Kreuze stehend nach „oben“ geschaut hat,

    der sollte sich fragen:

    Wollte ich so enden?

    Oder die Frage an Jesus stellen, nach seiner Wiederauferstehung -,

    sallop formuliert:

    „Na, nochmal denselben „turn“?

    Abschließend,

    Sie haben über Ihren Freund sehr liebenswert, also – der-Liebe-wert – geurteilt,

    das freut mich für ihn und für Sie.

    Herzliche Grüße an sie beide, es sei mir erlaubt,

    Manfred Treubig

  8. Hans sagt:

    Das Hauptproblem in meiner Erziehung war, dass meine alleinerziehende Mutter mir immer klar gemacht hat, dass männliche Sexulität etwas schlechtes/böses ist. Sie hat es nie konkret so gesagt, aber diese Haltung war klar. Alles „Männliche“ war schlecht, weil sie schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht hatte. Man wurde zum Zwangssoftie.
    Mann kann aus jedem Flirt eine Unterhaltung machen, wenn man das Mädchen nicht ab und an berührt. (Mal ihre Hand nimmt, mal ihre Schulter berührt etc.). Die ganzen Softies können dies alle nicht. Es gab Mädchen, die haben beim Flirten teilweise die Initiative für mich übernommen und ich konnte mir dennoch nicht vorstellen, dass sie etwas von mir wollten. (Was auf Dauer für die Mädchen auch frustriend war). Ich dachte überhaupt nicht, dass ich wertvoll genug sein könnte. Wenn man bedenkt, dass immer noch erwartet wird, dass der Junge den ersten Schritt macht, dann wird klar, dass viel Softies dies nicht können. Das ist dann auch für die Mädchen frustrierend. Ich glaube, dass bestimmt die Hälfte der Jungs unter 20 diese Probleme haben. Je „gebildeter/gehobener“ das Elternhaus ist, desto schlimmer wird es. Wenn man als Softie aber erstmal diese ersten Hürde überwunden hat, dann glaube ich, kann man die besseren Beziehung führen.
    Die zweite Frage ist: Sind Männer heute bereit Verantwortung zu übernehmen. (Alles was ich schreibe, trifft auch auf Frauen zu.) Die meisten Männer drücken sich davor. Entscheidungen werden heute fast alle basisdemokratisch zu Brei diskutiert und am Ende ist keiner Schuld, wenn dabei Mist rauskommt. Keiner traut sich zu sagen: „Dies ist meine Meinung, zu dieser stehe ich und wenn ich mich irre, (was menschlich ist und keine Schande,) dann trage ich die Konsequenzen.“ Ich halte es für deutlich sinnvoller, wenn Einzelpersonen Entscheidungen treffen und die Verantwortung für diese tragen. Jeder Mensch darf seine Meinung ändern und muss für Kritik offen sein und seine Mitmenschen sogar, um ihre Meinung/Kritik bitten, aber er muss seine Entscheidungen für sich selbst und wenn er Erwachsen ist auch für andere treffen und zu diesen Entscheidungen und den Konsequenzen stehen. (Weil der Entscheider zu den Konsequenzen stehen muss, hat dies nichts mit diktatorischem Verhalten zu tun. Der Entscheider ist stattdessen viel eher bemüht, alle möglichen Fehler abzuwägen und zu meiden. Dies ist in verantwortungslosen Gruppendiskussionen nicht der Fall.) Ein Mensch führt nur dann sein eigenes Leben, wenn er zu seinen Entscheidungen steht. Die meisten Menschen suchen die Schuld immer wo anders: Bei der Politik, bei den Chefs, den Banken, bei Ihrer Familie, schlimme Kindheit, soziale Ungerechtigkeit… Das gibt es alles zweigelsohne, dennoch ist jeder für sein Leben verantwortlich. Wenn jeder zu dem stehen müsste, was er sagt, dann wäre es sehr ruhig in diesem Land.
    Der nächste Punkt, der für Unsicherheit bei vielen Männer(und auch Frauen) sorgt, ist, dass es kein einheitliches Weltbild mehr gibt. Wir betrachten dies gerne als Vorteil und es hat auch Vorteile, aber es hat eben auch Nachteile. Früher gab es die Kirche, den Staat und sonstige Organisationen, die einem sagten, was man zu denken und zu glauben hat. Was gut und was richtig ist. Die Umgebung glaubte an das Gleiche und es gab weniger Zweifel. Heute wird jeder Mensch aufgefordert alles zu hinterfragen und sein eigenes Weltbild zu entwickeln. Nach diesem soll er dann glücklich werden. Man bekommt erzählt, nachdem man mit der Schule fertig ist, dass man als junger Mensch den richtigen Beruf für sein Leben finden soll. Die Auswahl ist unüberschaubar. Man werfe nur einen Blick in 1000-Seitige Studienratgeber. Zeitgleich besteht der Zwang, dass für sich Optimale zu finden. Das eigene Leben sieht leider (aus meiner Sicht: zum Glück) nicht so aus, wie es uns die Medien verkaufen. Als Folge zweifelt man ständig an sich selbst und entwickelt kein Fundament, keine Identität, keinen Charakter auf den man sicher zurückgreifen kann. Zu sagen: „Hier stehe ich. Das bin ich.“ Das kann heute kaum noch ein Mensch.

    Die letzten beiden Abschnitt gelten im klassischen Rollenbild als männlich, aber ich habe auch vor Frauen große Achtung, die zu ihren Überzeugungen stehen.

    Ich schimpfe die ganze Zeit auf die Gegenwart: Aber war es früher wirklich besser? Wir wissen schließlich alle, dass früher alles besser war.

  9. Manfred Treubig sagt:

    ADA! Ihr „Wow, (…)“, nehme ich als: Oh!… beeindruckt. Jedoch, „(…), das was diesem Artikel noch fehlte (…)“, wenn ich Sie passend als Einleitung wiedergeben darf, ist folgendes Zitat:

    „Ich mögte gern, daß man Stolz für eine edle Eigenschaft der Seele ansähe; für ein Bewußtsein wahrer innrer Erhabenheit und Würde; für ein Gefühl der Unfähigkeit, niederträchtig zu handeln. Dieser Stolz führt zu großen edlen Taten; er ist die Stütze des Redlichen, wenn er von jedermann verlassen ist; er erhebt über Schicksal und schlechte Menschen und erzwingt, selbst von dem mächtigen Bösewichte, den Tribut der Bewundrung, den er wider Willen dem unterdrückten Weisen zollen muß.
    Hochmut hingegen brüstet sich mit Vorzügen (…).“

    Ich zitierte Adolph Freiherr Knigge, aus – Über den Umgang mit Menschen -,
    Reclam Universalbibliothek Nr. 1138 (6), 1991, Erster Teil, Drittes Kapitel, 5., Zweiter Satz.

    Was ich unter Würde verstehe ist nachzulesen in Stefan Zweigs Roman – Maria Stuart -,
    „Dreiundzwanzigtes Kapitel > In meinem Ende ist mein Anbeginn <, 8. Februar 1587";
    der Abschnitt, welchen ich hinsichtlich – Würde – vor meinem geistigen Auge habe, er beginnt mit den Worten: "Das Mittelalter ist grausam und gewalttätig, aber es ist darum nicht seelenlos. Und in manchem seiner Gebräuche hat es ein tieferes Bewußtsein seiner Unmenschlichkeit bewahrt als unsere Zeit. (…)" Beschrieben wird: – wie – Maria Stuart zu ihrer Hinrichtung schreitet; also, dem Unausweichlichem entgegentritt.

    Sie, ADA, haben gar nichts Falsches geschrieben und ich zitiere Sie gerne, weil ich es letztendlich – zeitgemäß – unterstreichen möchte: "(…), sondern Selbstbewußtsein, Rückrat und den Mut, nach einer Abweisung nicht gleich das ganze Weltbild einstürzen zu lassen."

    Weinen, wirklich weinen, bitterlich weinen, rückhaltlos, das würde ich, wenn meine mir liebe Ehefrau mich nach 41 1/2 gemeinsamen Jahren, davon 39 1/4 verheiratet verlassen würde.
    Egal wodurch auch immer, das würde mir den Boden ersteinmal unter Füßen wegziehen.

    Stolz und Würde beziehe ich auf die Menschen, denen ich in meinen Kriegseinsätzen begegnen durfte. Wenn – Ihnen, Frau ADA, mal alles genommen wird, was man Hab und Gut nennt, wenn Mütter um die Freilassung ihrer Söhne, ihrer Männer flehen, weil sie in den Ländern des Orients als Frau ohne Mann an ihrer Seite, u.a., ein sehr, sehr, sehr schweres u.a. Leben führen werden …
    Und wenn Ihnen heiliger Zorn, Wut und doch Be – Herr – schtheit im Geschlecht des Mannes entgegentritt, weil er für seine Familie, Sippe, Clan, wie wir es nennen, ringt, dann erst können Sie begreifen, daß Stolz und Würde vor allerletzter Nacktheit bewahrt.

    Dazu braucht der Mensch nicht Soldat zu werden. In einer UN – Menschenrechtsorganisation (GO / NGO ) – vor Ort – Dienst am Menschen zu erbringen, führt mit Sicherheit zu vergleichbarer Einsicht.

    Eine letzte Anmerkung: der deutsche Mann – dort, er – ist in aller Regel aufgrund seiner Rücksicht, die er zu nehmen weiß, seiner Organisationsfähigkeit, seiner Kinderliebe, seiner Ritterlichkeit sowie seines Mutes und Ehrlichkeit sehr hoch angesehen und – begehrt. Wenn sie dort zu Gast in einer Familie sein dürfen, erspüren sie was man in Worten nur unzulänglich auszudrücken vermag.

    Aufrichtig,
    mit freundlichen Grüßen und
    einem Dankeschön dafür, dass Sie mir auf meinen Kommentar,
    Frau ADA -,geantwortet haben,

    möchte ich verbleiben,

    Manfred Treubig

  10. die Diskussion gefällt mir!

  11. Lindo Ganarin sagt:

    Willkommen in der bumsfidelen Scherenschnittwelt wo es nur Schwarz und Weiss gibt, das Leben in wohlgeordneten Schubladen verläuft und alle Wege in die Poppeheja führen. Jetzt mal ehrlich: wenn das mein Film wäre, hätte ich längst gezappt. Und tschüss.

  12. Die Diskussion ist ja echt spannend. Werde diesen Faden weiterverfolgen.

  13. Leon sagt:

    Interessant – jetzt fehlt nur noch der „Like-Button“ ! :-)

  14. Dermannindir sagt:

    Wir Männer müssen uns in der heutigen schnelllebigen Zeit diesen Status als Mann teilweise schwer wieder zurück erobern. Frauen wissen heutzutage viel mehr was sie wollen und können es auch ohne weiteres viel einfacher erreichen, da es die gesellschaftlichen Barrieren, wie es sie einmal gab, heute eben nicht mehr gibt. Sie sind mit uns gesellschaftlich, beruflich und sozial mindestens auf Augenhöhe. Was vielen Männern Angst macht.

    Dazu sollte man jedoch erst einmal als Mann (sich) selbst-bewusst sein, sich selbst lieben und sich selbst achten. Ein Ziel haben… von Tag zu Tag eine bessere Version von sich selbst zu werden. Dies hilft im alltäglichen Leben, im Umgang mit Menschen, im Job, im Alltag und in der Interaktion mit Frauen…

    Ein Mann der eine gewisse Dominanz ausstrahlt und das hat nichts mit Aussehen, laut sein, hart sein zu tun oder dass Frau keine Rechte hat. Ganz und gar nicht. Es ist etwas was der Mann ausstrahlt. Eine gewisse Selbstsicherheit. Er ist (sich) selbst – bewusst, weiß was er will, geht seinen Weg, respektiert dabei immer andere Menschen und deren Meinungen, lässt sich aber von seiner nicht so leicht abbringen, auch nicht von ihr.

    Sieht Fehler ein, Reflektiert sich selbst und ist emotional in seiner Mitte. Dies gilt fürs Berufsleben, fürs soziale Umfeld und auch in der Interaktion mit Frauen. Er weiß was er für sich will und strahlt es auch gegenüber Frauen aus. Lässt es sie spüren. Wenn sie ihn testet oder ihm eine Abfuhr gibt vermittelt er ihr in James Bond Manier, dass sie es ist, die was verpasst. Immer ruhig und gelassen, charmant und flirty.

  15. Dr. Thomas Wanninger sagt:

    Lieber Manfred Treubig,

    leider haben wir uns in den letzten Jahren aus dem Auge verloren. Es freut mich aber sehr hier durch Zufall mal wieder ihre unbestechliche Meinung im O-Ton zu lesen und in meinem Inneren zu hören.

    Lassen Sie es sich gut ergehen.

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