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Aug 03

Entscheidende Details

Krawatte, Fliege, Einstecktuch – Eine Typfrage

Stephan Hauner von Peacon-Munich im Krawatten-Interview

Richtig eingesetzt, runden Krawatten, Schleifen und Einstecktücher das Erscheinungsbild eines Mannes perfekt ab. Hier kann man viel richtig, aber auch einiges falsch machen. Der Gentleman-Blog hat nachgefragt bei Stephan Hauner, Inhaber vom Peacon Munich, einem Anbieter für exklusive Herren-Accessoires. Er erklärt, welches Accessoires zu welchem Anlass passt, welchen Krawattenknoten jeder Mann beherrschen sollte, und warum die Krawatte trotz der Casualisierung der Gesellschaft nicht vom Aussterben bedroht ist.

Herr Hauner, was hat die Krawatte, was die Schleife nicht hat?

Grundsätzlich sind beide elementarer Bestandteil der Garderobe des modernen Gentleman. Die Krawatte ist jedoch in der Regel universeller tragbar als die Schleife. Das wiederum ist jedoch eine Typ- und  Anlassfrage.

Wann trägt man Schleife, und wann Krawatte?

SchleifeHäufig sieht man die Schleife auf Abendveranstaltungen. Hierfür sind neben dem Klassiker aus schwarzen Satin auch zunehmend klassische Muster wie Polka Dots gefragt. Ich persönliche finde eine selbstgebundene Schleife wesentlich ausdruckstärker als eine perfekt gebundene, symmetrisch fixierte Schleife. Das ist sicherlich der Tatsache geschuldet, dass nicht jeder Mann im Schleifenbinden geübt ist. Die Schleife erlebt seit einigen Jahren im Lifestyle-Bereich eine Renaissance. Hier kann man bunte Schleifen ideal zu Jeanshemd und Chinos kombinieren. Das ist wie eingangs erwähnt eine Typ-Frage.

Für alle anderen Anlässe, bei welchen ein Anzug oder zumindest ein Jackett erforderlich ist, ist die Krawatte das zentrale Accessoire. Erst eine Krawatte komplettiert das Outfit. Für Geschäftstermine funktionieren Stoffe aus gewebter oder bedruckter Seide in klassischen Mustern wie Polka Dots, kleinen Printmotiven, Uni oder gestreift. Hier darf es gern auch etwas mutiger bei der Auswahl der Farben sein. Für den Office Friday oder Smart Casual-Look komplettiert beispielsweise eine Strickkrawatte oder eine Baumwollkrawatte das Outfit zu schmal geschnittener Jeans und Sakko. Auf Abendveranstaltungen ist die schwarze Satinkrawatte eine echte Alternative zur Schleife.

Für wen ist der Krawatten-Schal etwas?

Für Großgrundbesitzer, Oldtimer-Sammler, Pferderennen-Liebhaber oder Franzosen (lacht). Im Ernst, ich selbst bin Fan. Obwohl der Krawatten-Schal eine Randerscheinung darstellt, ist es eine leichte Alternative ideal für den Sommer.

Welchem Typ Mann steht eher Krawatte, wem eher eine Schleife?

In der (klassischen) Herrenmode ist alles eine Typ-Frage. So ist eine Schleife außerhalb von Ballsälen und Casinos eher eine extravagantere Erscheinung. Ist man hingegen ein eher extrovertierter Typ und fühlt sich wohl damit, ist es die ideale Möglichkeit, sich selbst auszudrücken. Darum geht es meiner Meinung nach und dafür bieten Accessoires das ideale Vehikel. Stil bedeutet zu wissen, wer man ist, was man ausdrücken möchte – und sich nicht weiter darum zu kümmern. Das hatte schon Orson Welles ganz treffend formuliert.

Würde James Bond auch eine Krawatte stehen?

Absolut, was auch nahezu jeder Bond-Darsteller bewiesen hat. James Bond trägt im Übrigen einen Four-in-Hands Knoten und misstraute jedem mit einem Windsor-Knoten. Letzterer ist ihm zu symmetrisch und aufgeblasen, siehe Sean Connery in From Russia with Love.

Welche drei Krawattenknoten sollte jeder Mann beherrschen?

Orange KrawatteEigentlich genügt ein Knoten – der Four-in-Hands. Mit einem schönen Dimpel und der leicht asymmetrischen und schmalen Form ist es ein ausdrucksstarker Knoten. Ein leichte Abwandlung des 4-in-Hands ist der Prince Albert Knoten. Hierbei wird das breite Ende zwei Mal herumgewickelt. Grundsätzlich sind breite Krawattenknoten eher konservativ und wirken oft etwas veraltet. Bei einem sehr weiten Haifischkragen kann unter Umständen ein halber Windsor Sinn machen. Der ist etwas breiter als die anderen beiden Knoten und wirkt nicht ganz so symmetrisch und breit wie der doppelte Windsor.

Und welcher Knoten ist die absolute Kür?

Der Eldredge Knoten, der ist aber nur bedingt tragbar. Ansonten der Prince Albert.

Breite oder schmale Krawatte, was ist Ihre Empfehlung?

Das ist etwas abhängig von der Statur als auch von der Breite des Revers. Je breiter das Revers, desto breiter die Krawatte und vice versa. Ich persönlich bevorzuge eine Breite von etwa sieben Zentimetern, als ideale Mischung aus modisch schmal und seriös tragbar.

Und worauf sollte man bei Farbe und Muster achten, damit es zum restlichen Outfit passt?

Regeln sind ja bekanntlich da, um gebrochen zu werden. Es gibt aber schon ein Paar Orientierungspunkte. Bei Farben ist es relativ einfach, wenn man in derselben Farbtemperatur bleibt zum Beispiel dunkelblauer Anzug, weißes Hemd, hellblaue Krawatte. Grün enthält Blautöne, passt demnach auch ganz hervorragend. Spaß macht es aber auch außerhalb von Farbtemperaturen, so gibt es einige Klassiker-Farbkombis wie beispielsweise Dunkelgrau/Lila, Braun/Hellblau, Dunkelblau/Orange, Beige/Grün und viele mehr.

Und bei gemusterten Hemden?

Hier empfehle ich uni-farbene Krawatten. Wenn man Muster kombiniert, kann man darauf achten, grobe Muster mit feinen Mustern zu paaren. Selbiges gilt für Streifen. Beispielsweise passt zu einem Hemd mit schmalen Streifen eine Krawatte mit groben, dicken Streifen.

Gepunktete Krawatten

Welche Regel gilt, damit Krawatte und Einstecktuch perfekt harmonieren?

Bitte niemals Einstecktuch und Krawatte in selber Farbe/Stoff kombinieren, das wirkt einfallslos und lenkt vom Gesicht ab, da es unbewusst den Blick auf die Linie zwischen Krawattenknoten und Einstecktuch lenkt. Bei der Kombination von Krawatte und Tuch kann man stattdessen sehr schön mit Primär- und Sekundärfarben spielen. So passt zu einer orangenen Krawatte mit hellblauen Tupfen ein hellblaues Einstecktuch. Hier funktionieren die klassischen Farbkombinationen super. Und auch hier gilt wieder die Typfrage. Ich persönlich trage zu Krawatte immer ein Einstecktuch. Und wenn der Anlass mal etwas weniger formell ist, greife ich auf ein schlichtes weißes Leinentuch mit farblichen, handrollierten Kanten zurück.

Wie steht es mit der Krawattennadel – ja oder nein?

In den meisten Fällen eher nein. Ehrlicherweise sieht man Krawattennadeln außerhalb von GQ-Covern und Aral-Tankstellenmitarbeitern eher selten.

Wie viele Krawatten sollte ein Mann im Schrank haben?

Ich denke, mit etwa sieben bis zehn Krawatten hat man jeden Anlass und jede Stimmung abgedeckt. Mit sechs Seidenkrawatten in uni, gestreift und kleinen Motiven in unterschiedlichen Farben (Blau, Hellblau, Grün, Orange, Rot, Lila und Braun) ist man gut versorgt. Zusätzlich zwei Strickkrawatten für den (Smart) Casual Look und eine schwarze Satin-Krawatte für Festivitäten komplettieren die Garderobe.

Woran erkennt man eine hochwertige Krawatte?

Eine hochwertige Krawatte erkennt man an drei Punkten: Stoff, Einlage und Verarbeitung. Seidenstoffe sind oft von unterschiedlicher Qualität. Ein Qualitätsmerkmal hierbei ist eine hohe Schussdichte: Je höher sie ist, desto mehr Seidengarn wurde verarbeitet. Eine Einlage aus reiner Wolle ohne künstliche Stoffanteile weist die besten Eigenschaften hinsichtlich Sprungelastizität auf. Sie ermöglicht der Krawatte nach dem Tragen, wieder in ihre ursprünglich Form zurück zu gelangen.

Bei der Verarbeitung trennt sich die Spreu vom Weizen. Hochwertige Krawatten verfügen über eine handgenähte Mittelnaht mit doppelter Fadenreserve. Diese ermöglicht der Krawatte eine gewisse Flexibilität beim Binden und Entknoten und vermeidet Spannungen in der Naht. Ein wesentlicher Faktor für die Langlebigkeit der Krawatte.

Zuschnitt und Faltung sind weitere Qualitätsmerkmale der Verarbeitung. Bei Peacon werden Krawatten aus nur zwei Teilen Stoffe gefertigt, an Stelle der üblichen drei Teile. Der Stoffeinsatz ist zwar höher, man spart sich jedoch eine Naht und erlangt somit ein Gefühl wie aus einem Guss.

In den letzten Jahren sind Politiker vor allem im Wahlkampf des Öfteren ohne Krawatte aufgetreten, um Volksnähe zu demonstrieren. Sind Krawatten ein aussterbendes Relikt, wird Krawatten tragen vielleicht sogar out?

Dieser sogenannten Casualisierung steht meines Erachtens eine Renaissance der Herren-Accessoires gegenüber. Einstecktücher und farbige Krawatten sind heute mehr ein Zeichen guten Stils als von Extravaganz. Insbesondere Einstecktücher werten auch einen Casual Look ungemein auf und verleihen das gewisse Etwas. Hinzu kommt ein wachsendes Interesse der Männer für Stoffe und deren Verarbeitung.

Buchtipp:
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7 Responses to “Krawatte, Fliege, Einstecktuch – Eine Typfrage”

  1. Markus Hirt sagt:

    Ich bin immer noch ein Fan der Krawatten, zu fast jeder Veranstaltung. (: Ich finde es oft schon peinlich, wenn ältere Herren eine Schleife tragen, die überhaupt nicht zu ihnen passen. Schöne Seidenkrawatten, oder auch schmale Krawatten, mit passenden Krawatten Tücher würde da schon meistens besser passen. (:

  2. Nick sagt:

    Ich habe lange in Italien gelebt und auch wenn dort die Krawatten auch weniger werden, sieht man doch immer noch mehr Männer mit Krawatte und Einstecktuch als bei uns. Den Trend hab ich gerne mitgemacht und trage auch jetzt noch regelmäßig zu vielen Anlässen Krawatte und pasendes Tuch. Besonders gut finde ich die Accessoires von Andrew’s Ties, die bei uns leider nicht besonders bekannt sind aber in Sachen Preis-Leistung einfach unschlagbar sind.

  3. Damon sagt:

    Wichtig wäre noch zu erwähnen, dass die Farben und Muster miteinander harmonisieren müssen, sonst kriegt das Publikum Kopfschmerzen ;) Ein Einstecktuch ist aber immer ein eleganter Hingucker, würde also definitiv nicht schaden

  4. Herr H. sagt:

    „Bitte niemals Einstecktuch und Krawatte in selber Farbe/Stoff kombinieren.“
    Das gilt dann wohl auch für die Schleife/Einstecktuch. Also geht Seide/Seide eher nicht, unabhängig davon, ob die Farbe harmonieren?

  5. Daniel sagt:

    Unterhaltsamer Beitrag. Krawatten sind für viele Anlässe unverzichtbare Accessoires und gepaart mit einem Einstecktuch verleihen Sie jedem Outfit Charme und Extravaganz!

    Zur Antwort an Herrn H.

    Seide+Seide bei Krawatte und Einstecktuch würde ich auch meiden. Jeans + Jeanshemd ist auch nicht mehr besonders trendy…

    Schöne Grüße,

    Daniel

  6. Leonard sagt:

    Dieser Artikel ist wirklich sehr gut! Wir selbst verkaufen auch Krawatten und sind dementsprechend Experten auf diesem Gebiet. Der Autor ist wirklich ein Experte.

    Krawatten sind einfach ein Muss, unverständlich eigentlich weshalb diese als Accessoires abgestempelt werden, weil es für jeden Anlass die passende Krawatte gibt, außerdem kann man seine Charakterzüge mit einer Krawatte Ausdruck verleihen.

  7. Heike sagt:

    Egal wie der Mann im Alltag aussieht – ein schickes Hemd und eine passende Krawatte können Wunder wirken!

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