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Sep 10

Achtung: Arschloch!

Mit Verlaub: Egosten sind Arschloecher

Egal ob im Büro, in der Straßenbahn, im Kino oder im Restaurant – Arschlöchern begegnet man überall. Nicht alle sind auf den ersten Blick als solche erkennbar, doch meist genügt ein nichtiger Anlass, um Maske und Anstand fallen zu lassen und die spitzen Ellenbogen in Kampfposition zu bringen. Kein Wunder, wird ruchloses, egoistisches und unreifes Verhalten von unserer Gesellschaft doch nicht nur geduldet, sondern oft sogar honoriert. Der Gentleman-Blog erklärt, warum der vermeintliche Siegeszug der Arschlöcher trotzdem in eine Sackgasse führt.

Mit Verlaub, …

Das Phänomen ist ebenso bekannt wie unbestritten: Die Menschen werden immer später erwachsen. Manche schaffen es sogar, nach der Geschlechtsreife jegliche Form der mentalen Weiterentwicklung beliebig hinauszuzögern. In der Zwischenzeit benehmen sich die scheinmündigen Sandkastentyrannen in der Welt so, wie sie es als Kind daheim gelernt haben: laut fordernd, latent aggressiv und konsequent rücksichtslos. Leidtragende sind alle, die es ihnen nicht mit gleicher Münze heimzahlen können oder wollen, denn Respekt haben Arschlöcher nur vor größeren Arschlöchern. Haben Verantwortungsbewusstsein, Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit damit endgültig ausgedient? Zum Glück nicht, denn die Zeit arbeitet für die Anständigen.

Es ist geil, ein Arschloch zu sein

Es stimmt: Arschlöcher kriegen die besseren Jobs, die tolleren Frauen, die cooleren Freunde, den Sitz in der 1. Reihe und das Upgrade in die Business Class. Ganz einfach, weil sie sich nehmen, was sie wollen, ohne dabei von lästigen Skrupeln gebremst zu werden. Früher hätte man das unverschämt genannt, heute entschlossen. Und weil Entschlossenheit in einer Leistungsgesellschaft belohnt werden muss, darf munter gedrängelt, geschubst und geschummelt werden, um all die schönen Lorbeeren zu pflücken, die andere verdient hätten.

Diese Rechnung geht auf, wenn man sich selbst als Winner und alle anderen als potenzielle Opfer sieht. Tatsächlich aber kommen Arschlöcher oft nur deshalb so schnell weiter, weil sich niemand länger als nötig mit ihnen abgeben mag. Und so führt ihr Weg früher oder später entweder durch die Umdenkanlage oder aber direkt aufs berufliche, soziale und emotionale Abstellgleis.

Biete Arschloch, suche Selbstwertgefühl

Die selbstbewusst zur Schau getragene Arroganz eines Arschlochs vermag uns, eine Weile zu faszinieren. Doch früher oder später meldet sich selbst beim masochistischsten Publikum der gesunde Menschenverstand und mit ihm die Erkenntnis, dass wir etwas Besseres verdient haben. Denn Arschlöcher sind keine guten Freunde, keine guten Chefs, keine guten Väter, Ehemänner oder Vorbilder. Womöglich noch nicht einmal gute Liebhaber. Sie sind einfach nur große, verzogene Kinder, mit denen irgendwann keiner mehr spielen mag. Weil sie nicht verlieren können. Weil sie nie gelernt haben zu teilen. Weil sie eben Arschlöcher sind, und um die macht man lieber einen großen Bogen. Basta.

Und die Moral von der Geschicht‘?

Löcher definieren sich bekanntlich durch ihren Mangel an Substanz. Deshalb sind sie mehr als alles andere auf ein Umfeld angewiesen – ohne Halt von Außen sind sie ein Nichts. Und genau das ist das Dilemma aller Arschlöcher: Über kurz oder lang verprellen sie jedes Publikum, bis am Schluss niemand mehr da ist, dem sie den Platz wegschnappen können. Einmal an diesem Punkt angelangt gibt es drei Möglichkeiten:

1. Das Arschloch beginnt mit immer heftigeren öffentlichen Provokationen und befördert sich damit Schritt für Schritt endgültig ins soziale Abseits (oder in eine geschlossene Anstalt).
2. Das Arschloch ertrinkt zuerst im Selbstmitleid und dann im Alkohol. In längeren Nüchternphasen versucht es, bei alten Kumpels anzudocken (die haben aber nie Zeit).
3. Das Arschloch lernt eine Lektion in Sachen Demut, trägt die Konsequenzen seines Handelns und beschließt, in Zukunft kein Arschloch mehr zu sein.

Natürlich werden die Leser (und Leserinnen) unseres Gentleman-Blogs niemals vor einer solchen Entscheidung stehen, dieser Artikel hat für sie deshalb rein informativen Charakter. Trotzdem erlauben wir uns zum Schluss, daran zu erinnern, dass ein „Danke“ und ein „Bitte“ nichts kosten, während man für ein ausuferndes Ego womöglich doch irgendwann bezahlen muss…

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Der Autor

Parfum-Kenner Lindo GanarinDer Schweizer Bohemien Lindo Ganarin mit italienischen Wurzeln arbeitet als Creative Director in Bern und bloggt hier nebenbei über Dinge, die die Welt zu einem liebens- und lebenswerten Ort machen.



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9 Responses to “Achtung: Arschloch!”

  1. Herr von C sagt:

    „Löcher definieren sich bekanntlich durch ihren Mangel an Substanz.“ – herrlicher Kommentar!

    Sehr flott und munter geschriebener Beitrag, auch sehr nett ihn zu lesen jedoch funktioniert das mit den Arschlöchern in der Realität nicht ganz so einfach wie hier beschrieben.

    Gegeben sei der Fall ein selbst noch nicht „fertiger“ Mann oder Gentleman zu sein und auf ein Ziel hinzuarbeiten. Just in diesem Moment taucht jemand auf und schnappt alles das weg wofür man so lange gearbeitet hat.

    Das Arschloch mag vielleicht mal in einer Sackgasse ankommen, hat aber bis dahin schon alles eingestreift was es wollte.

    Klar eine Möglichkeit ist es sich seinen Teil zu denken, nur das hilft keinem weiter. Passiert aber trotzdem. Nun hat das Nicht-Arschloch zwei Möglichkeiten:

    1. Selbst ein Arschloch zu werden
    2. Bei der nächsten Gelegenheit hoffen, dass kein Arschloch vorbeikommt und alles zunichte macht.

  2. H.Prendick sagt:

    Ich kann nicht anders, aber der ziemlich herablassende Grundton dieses Textes erinnert an den Stil von Elliot Rodger, der auch alle anderen, vor allem die bei Frauen erfolgreiche Männer, mit dem A-„Wort oder vergleichbaren Bezeichnungen tituliert hat, während er selber seiner Meinung nach der perfekte Gentleman war. Auch ziemlich frauenfeindlich – die sind laut Herr Ganarin so dumm, dass sie ein A-Loch als solches gar nicht erkennen. Vielleicht weil sie masochistisch veranlagt sing? Sehr schlechter Stil Herr Ganarin, mit dem Sie nur den Eindruck erwecken, Sie seien ein sehr schlechter Verlierer. Aber andererseits, entspricht die hier artikulierte Haltung dem Zeitgeist.

  3. Lindo Ganarin sagt:

    Guten Abend Herr Prendick

    Vielen Dank für Ihren Kommentar. Wer öffentlich schreibt muss mit Kritik leben können, insofern kann ich ihren Standpunkt durchaus nachvollziehen. Alleine den Vorwurf der Frauenfeindlichkeit will ich so nicht unkommentiert lassen. Da wir hier beim Gentleman-Blog sind richtet sich die Formulierung meines Textes explizit an Herren. Arschlochiges Benehmen ist jedoch keinesfalls an ein bestimmtes Geschlecht gebunden, ebenso gibt es sowohl unter Männern als auch unter Frauen genug, die sich zumindest zeitweilig davon blenden lassen.

    Gleichberechtigung ist mir persönlich ein grosses Anliegen und ich möchte mich deshalb gerade in diesem Punkt richtig verstanden wissen. In der Hoffnung Sie weiterhin zu den treuen Lesern des Gentleman-Blogs zählen zu dürfen grüsst freundlichst

    Ihr Lindo Ganarin

  4. H.Prendick sagt:

    Nachtrag zum Kommentar vom 10 September 2014.
    So eine Sprache und Verhalten ist eines Gentleman(s) nicht würdig.
    Andere Menschen als A-Loch zu bezeichnen ist vor allem das Privileg erfolgloser und vor allem frustrierter Zeitgenossen, wie z.B. „Neu- Männer“ oder „Nur-Freund-Typen“, die selbst nachdem sie zwei Zisternen an Milchkaffee mit der vermeintlichen Prinzessin Iointaine vertrunken haben, bei ihr keine Spannung erzeugen können, aus welchen Gründen auch immer, während die „Old-School-Männer“ sie links überholen, und dann so bezeichnet werden. (O-Ton: „Ich bin zu nett, doch Frauen stehen auf A-Löcher“) Natürlich könnte man Beispiele aus anderen Bereichen anführen.
    Und wer bestimmt was ein A-Loch ist? Nur die unbegabten, dummen und hässlichen Homo Sapiens werden so nie bezeichnet werden.

  5. Gegenrede sagt:

    @Herr Prendick:
    Gegenrede. Wenn jemand ein A-Loch ist (egoistisch, rücksichtslos, frauenausnutzend etc.) dann darf (Gentle)man diesen auch als ein soclhes titulieren.
    Herzlichste Grüße an alle Nicht-Arschlöcher, Tom

  6. H.Prendick sagt:

    An Gegenrede: Aber selbstverständlich, aber bitte nur in Form eines mentalen Kinnhakens – direkt, ins Gesicht, offen.

  7. Genervt sagt:

    Die Frage ist wohl eher? Warum wird man zum sogenanten Ignoranten Menschen. Ohne Gewissen und Solidarität . Weil es von der Schulle seit der ersten Klasse ab Gelehrt wird. Aber eins ist klar, an der öberfläche sind solche Menschen Geliebt, weil sie Klar entschlossen Auftreten. Und das mögen auch Frauen. Ein klein bischen Affen gehabe ist anscheinend in unserer Evolution Mensch anscheinend noch drin. Aber jetzt hin zu gehen, und diese Menschen zu verteufeln? Weis nicht. Jeder Mensch kann entscheiden wass er will. Und entscheidet sich jemand für diesen Weg, wird er auch mit allen Konsequenzen leben müssen können. Die Evolution lässt sich dammit aber nicht bergründen. Klar überlebenskaempfe gibt auch unter menschen. Nur müssen wir uns auf das Niveau einer Steinzeit begeben… Also bitte,,,, Wir wollen alle ein Mitteinander. Und wen wir eine Geselschaft erreicht haben wo jeder so ist, wie oben Beschrieben. Ja dan prost mahlzeit. Dan wander ich aus…… Dan können wir ja wieder zurück auf die Bäume, und Bannanen Essen.

  8. Grüne_Seite sagt:

    Danke. Der Artikel ist köstlich geschrieben. Er hat mich aufgebaut, weil ich herzhaft lachen konnte.
    Etwas anderes kann man auch bei so genannten Gutmenschen scheinbar nicht tun. ;)

    Mit herzlichen Grüßen!

  9. Sophie sagt:

    Ein Apell an die Netiquette ais Sicht einer Frau.

    Sehr geehrer Herr Ganarin,
    der Artikel ist purer Balsam für meine Seele. Mir wurde schon öfters von anderen selbsternannten Kartiereberatern und Frauenverstehern gesagt, ich wäre als Frau zu nett. Ja das Problem haben nicht nur Männer. Und mich nervt es so dermaßen. Wie kann man in Zeiten von Donald Trump und 13 % AfD im Bundestag noch glauben die Gesellschaft bräuchte nicht etwas mehr Gentlemen und Gentlewomen auf dieser Welt? Nett zu sein wurde mir anerzogen, genau so wie mir Selbstbewusst mitgegeben wurde. Unter anderem in dem ich nett bin (auch zu Menschen, die es offensichtlich nicht verdient haben). So lebe ich meinen Glauben- haben die christlichen Werte denn gesellschaftlich so an Bedeutung verloren? Ich habe während meines Ingenieurstudiums immer wieder gemerkt, dass Frauen sich in Männerdomänen immer wieder durchsetzen müssen. Dennoch… Soll ich meine Erziehung vergessen? Warum soll ich meine größte Charakterstärke kleinreden lassen von anderen, die glauben den Erfolg gepachtet zu haben? Warum soll ich anderen den Gefallen tun und ihnen unter die Nase reiben, warum sie kaum einer leiden kann? Jeder, der mir erzählen wollte, ich wäre „zu lieb“ ist beruflich inzwischen abgestiegen oder hat seine Beziehung gegen die Wand gefahren. Ich hingegen habe mich mit netten Menschen umgeben. Menschen, die mir gut tun. Ich führe die bisher beste und aufregendste Beziehung mit einem lieben und interessanten, klugen Gentleman. Warum sollte ich auf den Tenor der Gesellschaft hören und aufhören nett zu sein? Kann mein Umfeld etwa den Spiegel nicht ertragen? Fühlen sich die anderen schlecht wenn ich „zu nett bin“? Tut mir nicht leid! Richtig gehört – es gibt keinen Grund, warum ich mich ändern sollte.
    Danke für den Artikel.
    Viele Grüße
    Sophie

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