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Nov 27

Fliegeruhren – Vom praktischen Werkzeug zum Uhrenklassiker

STOWA Fliegeruhr TO1 nach TESTAF

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Fliegeruhren sind Klassiker, nicht nur allein deshalb, weil sie seit über hundert Jahren sicher ihren Dienst verrichten. Nein, vielmehr sind es die typischen, klassischen Merkmale, weswegen diese Armbanduhren bis heute hoch im Kurs stehen. Mario Sommerfeld über die Geschichte der Fliegeruhr und ihre besonderen Merkmale.

U(h)rsächliches zur Fliegeruhr

Die erste Fliegeruhr wurde von dem bekannten Uhrenhersteller Cartier hergestellt. Die in Paris seit Mitte des neunzehnten Jahrhunderts ansässige Schmuck- und Uhrenhersteller Cartier erhielt den Auftrag zur Konstruktion einer besonderen Uhr, speziell für Flieger.

Auftraggeber und Freund war ein gewisser brasilianischer Flugpionier namens Alberto Santos Dumont (der Flughafen in Rio de Janeiro trägt seinen Namen, und er gilt als »Vater der Luftfahrt«), Spross eines reichen Kaffeeplantagenbesitzers und bereits mit 18 Jahren Millionär. Er studierte in Paris Chemie, Physik, Astronomie und Mechanik und lernte dort u.a. Louis Cartier kennen. Die erste Fliegeruhr von Cartier wurde nach ihm benannt: Santos.

Der Hintergrund für diese Uhrenentwicklung war im Grunde banal. Santos Dumont stellte nämlich bei seinen Luftschifffahrten fest, dass das Ablesen einer damals üblichen Taschenuhr während des Lenkens eines Luftschiffes schwierig war. So entwickelte er 1904 gemeinsam mit seinem Freund Louis-François Cartier eine für Luftfahrtzwecke geeignete Armbanduhr, die speziell auf die Bedürfnisse der damaligen Piloten abgestimmt wurde.

Alberto Santos Dumont führte am 23.Oktober 1906 mit seiner »14-bis« den weltweit ersten beglaubigten Motorflug über (damals) atemberaubende 60 Meter durch. Er war tatsächlich der erste Pilot, der mit eigener Motorkraft von der Erde abhob. Die Brüder Wright verwendeten für Ihren Flug 1903 eine Startschiene mit Katapult, während Dumonts »14-bis« ein Fahrgestell mit Rädern hatte. Für derartige Strecken bedarf es natürlich keiner besonderen Uhrentechnik, gleichwohl kam den Fliegeruhren im Laufe der Zeit eine wichtige Funktion im Cockpit der Flugzeuge zu, als sie weite Strecken fliegen konnten. Hier wurden sie plötzlich zu notwendigen Navigationsinstrumenten. Die Bestimmung des Standortes ist mit der Seefahrt vergleichbar. Ein Kompass wie ein Sextant zählt zu den notwendigen Instrumenten, die durch eine möglichst genau gehende Uhr ergänzt wurden und heute noch werden. Man nannte die Uhren zuerst Beobachtungs- oder später auch Navigator-Uhr. Das fliegende Personal trug sie über der Fliegermontur.

Besser abheben mit einer Fliegeruhr

Typische Merkmale der Fliegeruhr

Es sind typischerweise optische Merkmale, die eine Fliegeruhr ausmachen. Ähnlichkeiten mit den Instrumenten in den Armaturentafeln der Flugzeuge sind unverkennbar. Die Uhrengehäuse weisen grundsätzlich einen großen Durchmesser auf, das Zifferblatt ist schwarz und um einen optimalen Kontrast bei den Ziffern und Indices zu erreichen, sind diese in weißen Leuchtfarben ausgeführt. Dadurch ist die Zeit auch bei Dunkelheit präzise abzulesen. Charakteristisch sind für die Fliegeruhren zudem besonders große und griffige Kronen. Dies mag zwar optisch möglicherweise nicht ansprechend wirken; darum ging es bei diesen Uhrentypen allerdings nie, praktische Zweckmäßigkeit genoss absolute Priorität.

Man erinnere sich: Zu den alten Zeiten war es kalt im Cockpit der Flugzeuge und die Piloten waren entsprechend bekleidet. Während des Fluges mussten die Instrumente (und dazu gehörte auch die Uhr) mit Handschuhen bedient werden. Dazu passt ebenfalls, dass Fliegeruhren mit langen und besonders robusten Lederbändern ausgestattet werden. Die Piloten trugen ihre Uhren über ihrer dicken Fliegermontur. Daher resultiert der optische Eindruck den Fliegeruhren heute noch vermitteln: robust, eher schmucklos und durchaus maskulin.

Gekürzter Artikel aus dem Magazin HIFI-STARS – Technik, Musk, Lebensart.

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8 Responses to “Fliegeruhren – Vom praktischen Werkzeug zum Uhrenklassiker”

  1. Denise sagt:

    Super geschrieben und gute Idee für den Beitrag!

  2. Uhren interessieren mich schon immer sehr, aber gerade die so genannten Fliegeruhren haben es mir besonders angetan. Heutzutage sind sie zu einer echten Lifestyle Uhr geworden, eine tolle Geschichte.

  3. Die Fliegeruhren sind ganz groß im kommen. Das merken wir beim Uhrenwarehaus fest jeden Tag. Neben den Fliegeruhren sind auch die Herrenuhren im Military-Style derzeit ganz groß angesagt.

  4. Tobias sagt:

    Fliegeruhren strahlen ihren ganz eigenen Charm aus. Meine Favoriten sind die schicken Zeitmesser von Junkers.

  5. bruno sagt:

    Wir alle mögen es etwas exklusiver und Fliegeruhren sind definitiv ein Hingucker!
    Mir gefällt die Kombination aus stabiler Krone und meist Lederband. Wenn die Fliegeruhr etwas größer ausfällt, mag ich das umso mehr, immerhin sind die Zeiten dezenter Uhren so langsam vorbei, finde ich. Daher darf es ruhig eine Uhr mit mehreren Zeitzonen sein :)

  6. Eduard sagt:

    Ich bin schon seit einigen Jahren glücklicher Besitzer einer Fliegeruhr und werde diese nicht so schnell wieder hergeben :)

  7. LUXUSBRANDS D. Lepouse sagt:

    In Ergänzung zum Thema Fliegeruhren muss man sagen, daß die Original Fliegeruhr seinerzeit einen Durchmesser von 55 mm. hatte, um sie leicht ablesen zu können.
    Es gab 2 BaumusterFliegeruhren, so wie sie heute auch noch gefertigt werden.
    Das Baumuster A:
    Das Zifferblatt der Fliegeruhr Typ A hat eine klassische Einteilung. Die Stunden werden in arabischen Ziffern von 1 – 11 angegeben. Anstelle der 12 steht ein Dreieck mit 2 Punkten
    Das Baumuster B:
    Das typische Merkmal der Fliegeruhr Typ B ist der innenliegende Stundenkreis und die aussen liegenden Minuten. Sie wurden vorwiegend von den Navigatoren an Bord für Kurzzeitmessungen getragen.
    Die Gehäusegrössen variieren heute von 38 – 46 mm.
    Die Manufaktur LACO fertigt u.a. Replikas originalgetreu.
    Hierbei gibt es noch die interessante, sehr authentische Variante der sogenannten „Erbstücke“, die neu gefertigt sind, aber die Patina und den Charakter einer „lange Jahre getragenen Fliegeruhr“ widerspiegelt.
    Ein Fliegeruhr, die halbwegs authentisch daherkommen will, sollte in jedem Fall entweder eine Automatikuhr sein, oder einen Handaufzug vorweisen. Quarz geht „eigentlich“ gar nicht.

  8. Ziffernblatt sagt:

    Eigentlich benötigen Fliegeruhren ja nur Piloten. Aber die griffigen Kronen machen sie eben doch für jedermann interessant. Ich schaue mir auf jeden Fall gerne Fliegeruhren an.

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