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Dez 12

Sabina Wachtel im Interview: „Jung sein ist cool, aber auch sehr anstrengend“

Goldschnitte Sabina Wachtel

Sabina Wachtel ist im Hauptberuf Image- und Stil-Beraterin von Spitzenmanagern. Nun hat sie einen Auflug ins Literarische unternommen. Die Zielgruppe ihres Buches „Goldschnitte – Für alle Frauen, die sich mit 40 noch nicht erschießen wollen“ ist in erster Linie die Damenwelt, doch auch Männer können bei der Lektüre Einiges lernen. Im Interview mit dem Gentleman-Blog spricht die Autorin über Klischees, die Partnersuche als Ü40-Single, und was man tun sollte, damit das Leben auch im fortgeschrittenen Alter stets spannend bleibt.

Frau Wachtel, dem Klischee nach werden Männer durch Falten erst interessant, während Frauen durch Falten einfach nur alt aussehen. Ist das ungerecht?

Keine Ahnung, aber mich nervt das Lamentieren von Frauen, die sich ab 40 nicht mehr attraktiv fühlen. Da sind Männer oft einfach cooler. Seien wir doch ehrlich: Ich fände es natürlich auch toll, wenn ich auf der Straße noch alle Männer reihenweise zum Umfallen bringen würde. Aber leider muss ich zugeben, dass ich das auch mit zwanzig nicht geschafft habe. Doch wir Frauen tun manchmal so, als hätten wir früher kaum auf die Straße gehen können, ohne dass uns Scharen von Männern hinterher gelaufen seien – da ist aber viel Legendenbildung dabei.

Wofür können Vierzigjährige – ob Mann oder Frau – die jüngere Generation beneiden, und wofür nicht?

Jung sein ist immer cool, aber oft auch extrem anstrengend: Jung sein heißt, oft auch keine Kohle zu haben, nicht zu wissen, was man beruflich machen will, wer der oder die Richtige ist, und ob man Karriere machen oder Kinder will. Das Leben der Jüngeren ist also gar nicht so entspannt und unbeschwert, wie es auf den ersten Blick scheint.

Abgesehen davon ist Neid selten die richtige Strategie; genauso wenig wie Leugnen oder Verdrängen. Dinge einfach zu akzeptieren zu können, wäre das Klügste, allerdings schwingt da für mich immer etwas Resignatives mit. Meine Lösung und mein Rat: Schönreden. Darin sind wir Frauen sowieso schon Meister. Wir können uns doch den größten Idioten schönreden, die total verzogenen Kinder oder die hundertste Tasche, die wir dringend noch brauchen. Also werden wir das mit unserem ach so schlimmen Alter wohl auch noch hinbekommen können. Im Ernst: Wir können etwas dagegensetzen, das stärker ist. Dazu gehört auf jeden Fall auch im etwas fortgeschrittenen Alter, noch Ziele und Pläne zu haben – es müssen auch keine großen Vorhaben sein. Das gilt für Männer wie Frauen gleichermaßen.

Sie plädieren auch für mehr Wagemut im Leben.

Genau das ist die Message meines Buchs. Ein Typ zu sein, Ecken und Kanten zu haben, klare Statements zu setzen, sich etwas zu trauen und anders zu sein. Darum geht es. Das Erwartete ist langweilig – das Unerwartete schafft Aufmerksamkeit.

Sind Frauen ab 40 anders gestrickt als Männer ab 40?

Eigentlich nicht. Wir verdienen nicht nur Geld, sondern können auch mit Pleiten umgehen. Das finde ich schon mal grandios. Ich glaube, das können Frauen oft sogar besser als Männer. Zudem wissen wir, dass es diese Mist-Tage gibt, an denen gar nichts geht, wissen aber auch, dass solche Tage glücklicherweise wieder verschwinden.

Was kann ein Mann dazu beitragen, dass sich Frau auch noch nach 20 Jahren Ehe wie eine Goldschnitte fühlt?

(lacht) Ich finde da sollte man sich lieber auf sich selbst verlassen statt auf den Ehemann. Man hat sein Glück selbst in der Hand. Dafür muss man schon selber sorgen – das ist dann auch für beide entspannter. Und wenn der Mann seinen Teil dazu beiträgt – umso schöner!

Ist die Partnersuche für eine Ü40-Frau eigentlich schwerer als für einen Ü40-Mann?

Nur, wenn man dem Klischee glaubt, dass Männer Angst vor starken Frauen haben. Dieses Statement ist aber meiner Meinung nach überholt. Eher ist es doch so, dass es oft halt einfach nicht passt. Man nimmt ja nicht jeden zum Partner. Es will auch nicht jede Singlefrau unbedingt eine Beziehung haben. Mein Credo: Entweder haben Goldschnitten exzellente Beziehungen – zumindest beschweren sie sich nicht andauernd – oder eben gar keine. Und wenn sie Single sind, dann überleben sie das auch. Schwerer als für Männer ist es jedenfalls nicht.

Meine Empfehlung an die Single-Goldschnitten lautet: Fokusverlagerung auf kleinere Zielgruppen. Ich sehe Goldschnitten in der ersten Liga, wenn ich das mal so drastisch ausdrücken darf. Wie Luxushotels oder generell Luxusprodukte, die nur für eine bestimmte, eine kleine, aber feine Zielgruppe zugänglich sind. Genauso ist es mit Vierzig-plus-Frauen. Vielleicht hinkt der Vergleich ein bisschen, aber mir gefällt das Bild.

Sind eigentlich auch Männer Goldschnitte-Leser?

Sogar das „Handelsblatt“ hat über die Goldschnitte berichtet und dort für sehr reges Interesse gesorgt, obwohl oder grade weil die Zeitung vor allem von Männern gelesen wird. Ich selbst kenne Männer, die das Buch lesen und sich amüsieren. Männer finden es generell gut, wenn wir Frauen uns nicht ganz so ernst nehmen. Das passiert ja eher selten (lacht).

Und wenn: Was hat die Goldschnitte den Männern zu sagen?

Nehmen wir an, Sie legen sich einen Ferrari oder einen Maserati zu. Obwohl Sie Autofahren können, sich auch ziemlich gut mit Autos auskennen, so würden Sie bei solch‘ einem Schlitten doch vielleicht mal einen Blick in die Bedienungsanleitung werfen. Genau so ist es mit der Goldschnitte.

>> Zum Buch „Goldschnitte“

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One Response to “Sabina Wachtel im Interview: „Jung sein ist cool, aber auch sehr anstrengend“”

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