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Jan 16

Flirten wie die Alten Römer: Tipps vom Dichter Ovid

Historische Knigge-Regeln - Flirten wie im alten Rom

Durch Sauberkeit errege dein Körper Wohlgefallen.“ Das hört sich doch eigentlich nach Werbung für ein Duschgel an. Tatsächlich hat der Satz um die 2000 Jahre auf dem Buckel – stammt er doch aus dem Werk »Die Kunst des Liebens« (Ars Amatoria) von Ovid. Wenn man so will, handelt es sich dabei um den ersten Flirt- und Benimmratgeber der Literaturgeschichte. Christoph Sauer stellt im Gentleman-Blog die historischen Knigge-Regeln des römischen Dichters vor.

„Korrektes Outfit“ & „Richtige Körperpflege“

Ovid wendet sich darin in zwei Abteilungen jeweils an die Damen und Herren seiner Zeit. Und es zeigt sich, dass die Themen „korrektes Outfit“ und „richtige Körperpflege“ auch damals schon hoch aktuell waren. Seine Ermahnungen an die Männer hinsichtlich Kleidung und Körperpflege sparen nicht an drastischer Bildhaftigkeit: „Die Toga sei passend und ohne Flecken, die Zähne seien frei von Belag, der Fuß schwimme nicht schlotternd in zu weitem Leder, und dein Haarschnitt entstelle nicht dein Haar zu Stacheln. Auch soll der Mund nicht übel riechen, der Atem nicht widerlich sein, und unter der Achsel soll nicht der stinkende Bock, der Herr der Ziegenherde, hausen.

Überhaupt müsste Ovid als Schutzpatron nicht nur der Deodorant-, sondern auch der Solarium-Industrie gelten – denn er empfiehlt ausdrücklich, bei der Vorbereitung auf das erste Treffen mit der Angebeteten sich auf dem Marsfeld von der Sonne bräunen zu lassen.

Vornehme Zurückhaltung gegenüber den Damen

Ebenso praktisch und anschaulich erklärt sind die Tipps für die Damenwelt des antiken Roms. So rät Ovid gerade im Anfangsstadium einer Beziehung zu vornehmer Zurückhaltung: „Lass ihn vor deiner Türe liegen, o grausame Pforte‘ klagen und viele demütigende, viele drohende Reden halten, (…) und der Pförtner sage mit unerbittlicher Miene: ‚Du kommst hier nicht rein!’“

Kleine Tricks seien durchaus erlaubt, zum Beispiel wenn es um die Frisur geht. Doch lauern hier auch Gefahren und Fettnäpfchen. Es steht zu befürchten, dass Ovid aus eigener leidvoller Erfahrung zehrt, wenn er berichtet: „Man hatte einem Mädchen einmal meine überraschende Ankunft gemeldet. In ihrer Aufregung setzte sie ihre Perücke falsch herum auf. Eine so große Blamage möchte man nur seinen Feinden wünschen.“

Nur Mut, meine Herren!

Wie Ovid wohl zu den heutigen Gepflogenheiten stehen würde? Mit Sicherheit hätte er am heute verbreiteten Trend zu glatter Männerhaut etwas auszusetzen: „Reibe dir die Schenkel nicht mit rauem Bimsstein glatt. Nein, nachlässige Schönheit steht den Männern.“

Ebenso zeitlos aber ist sein Aufruf, sich bei der Suche nach der Herzdame nicht entmutigen zu lassen: „Von vielen wird kaum eine dir einen Korb geben. Und die sich dennoch verweigern, freuen sich immerhin, daß man um sie warb.“

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Der Autor

Christoph SauerBeitrag von Christoph Sauer, Sänger, Songwriter und Wahl-Berliner mit Faible für die (kommenden) 20er Jahre. Ende 2014 erschien sein „Gentleman-Kalender 2015“. Derzeit spielt er sein Bühnenprogramm „Der gute Ton. Überlebenshilfen von Knigge & Co“. Seine Homepage: www.christophsauer.info



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