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Jan 19

Das Börsen-Unwort des Jahres

Guthabengebühren? Rendite statt Strafzinsen!

Gutenhabengebuehren ist das Boersenunwort des Jahres 2014

Ein Gentleman zeichnet sich auch durch den verantwortungsvollen Umgang mit Geld aus. Der Gentleman-Blog nimmt sich daher fortan dem Themenbereich Wirtschaft, Börse und Geld an und wird dabei von Jessica Schwarzer von Handelsblatt Online unterstützt. In ihrem ersten Beitrag nimmt sie das Unwort »Guthabengebühren« aufs Korn und gibt Tipps für die Geldanlage.

Guthabengebühren – Das Börsen-Unwort des Jahres

Guthabengebühren sind die neueste Erfindung der Banken, um ihre Kunden zu Kasse zu bitten. Guthabengebühren, was für ein Wort! Nicht anderes als Strafzinsen sind das, was die Banken da verlangen. Und deshalb hat die Börse Düsseldorf das Wortungetüm auch zum »Börsen-Unwort des Jahres 2014« gekürt. Recht hat sie!

Das müssen Sie, liebe Gentlemen, sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Sie zahlen dafür, dass Sie Ihr sauer verdientes Geld zur Bank tragen. Zumindest wenn Sie zu den Glücklichen gehören, die mehr als drei Millionen Euro auf ihrem Konto angesammelt und dieses Konto bei der Deutschen Skatbank haben.

Das kleine Institut machte im Herbst mit seinem sogenannten »Minuszins« Negativschlagzeilen, ist aber längst kein Einzelfall mehr. Commerzbank und WGZ Bank bieten ihre Kunden ebenfalls zur Kasse, wenn (bisher) auch nur Firmen- und institutionellen Kunden.

Noch treffen die Guthabengebühren also nur wenige private Sparer. Doch nicht wenige Experten sind überzeugt: Das wird sich ändern, wenn der Einlagezins der Europäischen Zentralbank (EZB) negativ bleibt. Und dann trifft die leidige Gebühr wohl auch kleinere Sparsummen.

Die schlechte Nachricht: Es trifft uns alle

Ich habe eine schlechte Nachricht für Sie: Auch wenn Sie nicht zu den „Glücklichen“ gehören, die diese neumodischen Strafzinsen zahlen müssen, werden Sie leider zur Kasse gebeten. Sie merken es nur nicht, noch nicht.

Trotzdem verbrennen Sie Geld. Der sogenannte Realzins ist nämlich längst negativ. Mit Realzins meinen Banker das, was nach Abzug von Inflation, Steuern und Gebühren übrig bleibt – in Zeiten homöopathisch niedriger Zinsen für Spareinlagen nämlich nichts oder gar weniger als nichts. Für den Vermögensaufbau und die Altersvorsorge ist das langfristig ein Problem.

Die Börse als Ausweg aus der Zinsfalle?

Und das bringt mich zu meiner größten Leidenschaft: der Börse. Vielleicht kennen Sie mich, wahrscheinlich aber noch nicht. Ich bin leidenschaftliche Börsianerin und ich habe meine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Bei Handelsblatt Online leite ich das Ressort Finanzen, kümmere mich also um alles rund um die Geldanlage. In meiner Freizeit schreibe ich Bücher, über Börsenweisheiten, Börsenpsychologie, Börse eben. Und hier im Gentleman-Blog bin ich die Neue.

Meine Botschaft: Ohne Aktien geht es nicht. Ging es nie. Und heute erst recht nicht mehr. Aktien sind langfristig die erfolgreichste Geldanlage überhaupt. Das waren sie auch schon, bevor die Notenbanken die Zinsen praktisch abgeschafft haben und die Banken Strafzinsen – entschuldigen Sie: Guthabengebühren – eingeführt haben.

Liebe Gentlemen, bitte nehmen Sie das nicht einfach so hin. Dieses Zins-Desaster erleben wir nun schon seit einigen Jahren, und es wird immer schlimmer. Es reicht, werden Sie aktiv, legen Sie Ihr Geld bitte intelligenter an.

Die Alternativen zum Sparbuch

Klar, für den Fall der Fälle – ob nun teure Autoreparatur, eine neue Waschmaschine oder den nächsten Urlaub – müssen Sie flüssig sein. Aber „sparen“ auf Tages- oder Festgeldkonto, Sparbuch oder Girokonto, das geht gar nicht mehr.

Suchen Sie nach Alternativen. Legen Sie zumindest einen Teil – je nach Risikoneigung mehr oder weniger – Ihres Geldes in Aktien an. Aktien sind Unternehmensbeteiligungen, keine Zockerei. Wäre es nicht verlockend, wenn Ihnen ein Teil der Unternehmen Porsche, BMW, Apple oder Microsoft gehören würde?

Gentlemen, kümmern Sie sich um Ihr Geld! Auch wenn das leider nur die wenigsten Bundesbürger tun, muss es sein. Wir sind Sparfüchse. Mehr als zwei Billionen Euro haben wir in vermeintlich sicheren Anlageformen wie Sparbuch oder Tagesgeldkonto gebunkert. Außerdem reden wir nicht gerne über Geld. Noch weniger gerne beschäftigen wir uns damit. Es führt aber kein Weg daran vorbei, wenn Sie nicht von den (Noten-)Banken bestraft werden wollen.

Einstieg in die Boerse als Ausweg aus der Zinsfalle

Unternehmensbeteiligungen statt Zockerei

Der Anlagenotstand ist derzeit leider groß, das werden Sie schnell merken. Spareinlagen bringen gar nichts mehr ein, real zahlen sie sogar drauf. Anleihen von Staaten oder Unternehmen mit guter Bonität sind auch nicht mehr attraktiv. Bleiben Aktien, für mich sowieso die beste Anlageklasse.

Jetzt werden Sie vielleicht denken: Die spinnt ja, Aktien sind viel zu riskant. Aktien schwanken wie verrückt, stürzen ab, dritteln oder halbieren sich. So denken viele Deutsche. Und deshalb meiden Sie die Börse wie der Teufel das Weihwasser ¬– und haben dadurch in den vergangenen fünf Jahren eine wunderbare Rally verpasst. Der Deutsche Aktienindex Dax und sein amerikanisches Pendant, der Dow Jones, stiegen in dieser Zeit um mehr als 60 Prozent.

Ja, es stimmt: Aktien schwanken und zwar mitunter kräftig. Auch in der jüngsten Rally gab es Rücksetzer von 25 Prozent. Trotzdem schlagen Aktien langfristig (!) jede andere Aktienklasse. Vier bis sechs Prozent Rendite pro Jahr sind langfristig im Schnitt locker drin. Machen Sie nicht den Fehler, Schwankungen mit Risiko gleichzusetzen.

Langfristig denken, Risiko minimieren

Das Risiko von Sparbuch oder Tagesgeld ist auch nicht ohne. Im Gegenteil: Da verlieren Sie garantiert Geld, ohne Wenn und Aber. Das Geld wird weniger. Nicht nominal, es sei denn, es treffen Sie die unsäglichen Guthabengebühren, also Strafzinsen. Real verlieren Sie auf jeden Fall. Die Kaufkraft sinkt, Tag für Tag. Bei Aktien haben Sie die Chance auf deutlich mehr Rendite, eine gute Rendite sogar. Es braucht eben Zeit. Denn eines steht fest: Der nächste Rücksetzer, vielleicht sogar Crash kommt bestimmt (irgendwann), aber wenn man in langen Zeitraum muss einen das nicht schrecken.

Fest steht aber auch: Wer in den vergangenen fünf Jahren nicht in Aktien investiert hatte, hat wahrscheinlich die höchsten Strafzinsen bezahlt – nämlich die entgangene Rendite. Das, liebe Gentlemen, sollte Ihnen nicht noch mal passieren. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg!

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Die Autorin

Finanz-Expertin Jessica SchwarzerDie Historikerin und leidenschaftliche Börsianerin Jessica Schwarzer schreibt seit über 15 Jahren über Geldanlage und arbeitet seit 2008 für das Handelsblatt, Deutschlands führende Wirtschafts- und Finanzzeitung. Im Herbst 2014 ist ihr zweites Buch „Gierig. Verliebt. Panisch. Wie Anleger ihre Emotionen kontrollieren und Fehler vermeiden“ erscheinen. Ihr Erstlingswerk „Sell in May and go away?“ kam ein Jahr zuvor auf den Markt.



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2 Responses to “Guthabengebühren? Rendite statt Strafzinsen!”

  1. vermietet_dasblog sagt:

    „Über Geld spricht man nicht“ ist wohl genauso out wie „no brown in town“. Finde ich beides erstmal gut. Ich bin sehr gespannt in welche Richtung sich diese Kolumne entwickelt. Was ist das besonders Gentlemeneske bei Geldanlage?

    P.S. Die liebe Boerse … EM.TV und die Volksaktie Telekom zeigen beim Blick in die Vergangenheit, dass es nicht ganz so einfach ist, mit „Vier bis sechs Prozent Rendite pro Jahr sind langfristig im Schnitt locker drin.“

    Mit beste Gruessen von vermietet_dasblog an die Boersenkollegen.

  2. Axel sagt:

    Als selbstständiger und neutraler Finanzberater, ist für mich das Thema alltäglich. Leider muss ich sagen, was ein Blödsinn. Aktien als Sparbuch Alternative? Die größten Vorteile eines Sparbuches oder eines Tagesgeldkontos ware immer die Sicherheit in Kombination mit der Verfügbarkeit. Beides ist bei Aktien nicht gegeben. Grade der „kleine Sparer“ kann hier sein ganzes Vermögen vernichten.
    Für mich sehr fragwürdig, über eine Antwort würde ich mich freuen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Axel

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