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Mrz 16

Do’s und Don’ts auf dem Parkett

Tanz-Knigge im Spiegel der Jahrhunderte

Tanzen Knigge

Foto: Christian Kasper

Ein echter Gentleman sollte tanzen können. Dabei kommt es aber nicht nur auf die richtige Schrittfolge an. Die Knigge-Regeln gehen weit darüber hinaus. Es beginnt mit der Aufforderung zum Tanz und endet mit der Verabschiedung nach dem Tanz (bzw. nach dem Abend). Christoph Sauer hat in historischen Benimmratgebern geblättert und zeigt im Gentleman-Blog, wie Mann auf dem Parkett eine gute Figur macht. Die Ratschläge von früher sind aktuell wie eh und je.

Tanzmuffel gab es schon immer

Junge Herren der heutigen Generation ziehen sich häufig bei Festen, bei denen als Tänzer auf sie gerechnet wird, in das Spiel- oder Rauchzimmer zurück, mit vollkommener Ignorierung der Tanzpflicht. Das ist taktlos und unhöflich, aber auch anmaßend gegen die meist sehr tanzlustigen Damen.“ So heißt es in einem Benimmratgeber um 1900. Mangelnde Tanzbereitschaft bei den Herren der Schöpfung ist also nicht erst ein Kind unserer Zeit.

Eigentlich unverständlich. Denn gerade bei solchen Anlässen konnte man sich auf unverfängliche Weise näher kommen. Und Gelegenheiten zum Tanzen gab es viele: egal ob private Feiern, Tanztee oder festlicher Ball.

Knigge-Regeln für Tänzer

Wie aber hat man sich auf dem Parkett zu benehmen? Vor allem die einschlägigen Benimmratgeber des 19. und 20. Jahrhunderts bieten hierzu detailliert Auskunft. Dabei finden sich aber nun nicht konkrete Anleitungen zu Tanzschrittfolgen – es wurde stillschweigend vorausgesetzt, dass man schon im Kindesalter einen entsprechenden Unterricht genossen hatte. Vielmehr ging es den Autoren um Themen wie das korrekte Auffordern, die richtige Tanzhaltung und die angemessene Form der Verabschiedung nach dem Ende des Tanzes.

Schon beim Auffordern lauern erste Fettnäpfchen: Angenommen, der Herr möchte sich einer jungen Dame vorstellen, die in Begleitung ihrer Mutter erschienen ist; dann sollte er sein Anliegen deutlich formulieren. Andernfalls kann es schon mal dazu führen, dass die Frau Mama eine Verbeugung irrtümlich als an sie gerichtete Aufforderung auffasst. In diesem ungünstigen Fall solle man aber nun nicht die Fassung verlieren und so etwas wie „Ich meinte die Dame neben Ihnen!“ sagen, sondern eben die Mutter zum Tanz führen und beim nächsten Mal besser aufpassen.

Allzu lässiges Auftreten unerwünscht

Gänzlich unerwünscht ist ein zu betont lässiges Auftreten. Man(n) solle also tunlichst vermeiden, mit Zigarette im Mund, Hand in der Hosentasche und gelangweiltem Lächeln auf den Lippen auf sein Opfer zuzusteuern und mit routiniertem Charme zu murmeln: „Na, meine Gnädige, dann wollen wir mal!

Praktischer Natur ist auch der Rat, beim Tanzen den Kopf jeweils leicht nach links zu drehen: „Diese Kopfstellung hat den Vorzug, daß die Dame beim Tanzen die eine Raumhälfte, der Herr die andere leicht übersehen kann, so daß ein fühlbares Zusammenstoßen mit andern Tanzpaaren vermieden wird; außerdem strömt der Atem des Paares nach verschiedenen Seiten. Sich gegenseitig ins Gesicht zu sehen ist unschön und sollte selbst von Verlobten vermieden werden.

Was bei einem Missgeschick zu tun ist

Aber selbst bei der größten Vorsicht bleiben Missgeschicke nicht aus. Auch hier gibt es klare Regeln: Im Fall, dass die Dame dem Herrn auf den Fuß tritt, nehme man als Gentleman die Schuld selbstverständlich auf sich. Umgekehrt solle die Dame Contenance bewahren, wenn im Eifer des Gefechts die Tuchfühlung zu heftig verlaufen sollte: „Zerreißt ein Herr dein Kleid, nimm es mit lächelnder Miene hin.

Als schlimmster Fehltritt auf dem Parkett gilt indes mangelnde Musikalität: „Es ist unbegreiflich, wie ein Mensch von nur einigem Taktgefühl z.B. Polka im Zwei-Viertel-Takt tanzen kann, wenn ein Walzer im Drei-Viertel-Takt gespielt wird. Eine solche Nichtbeachtung des von der Musik stets scharf markierten Rhythmus verrät nicht nur völliges Unverständnis und Gleichgültigkeit gegen die rhythmisch-harmonische Übereinstimmung von Musik und Tanz, sondern ist auch eine unverzeihliche Rücksichtslosigkeit gegen die Dame, welche vielleicht ein sehr feines Gefühl für Musik und Rhythmus hat, nun aber gezwungen ist, den unverständigen Bewegungen ihres Tänzers zu folgen. Außerdem ist ein solches taktloses Herumspringen und Drehen auch für jeden Zuschauer, der nicht ebenfalls jedes Gefühls für Musik und Rhythmus bar ist, ein überaus unschöner Anblick, ebenso wie jenes wilde, kreuz und quer durch den Saal Rasen, anstatt hübsch in der vorgesehenen Runde zu bleiben und durch graziöse Bewegungen das Auge der Zuschauer zu erfreuen.

Beim Tanzen reden?

Bleibt noch die Frage: Was soll man beim Tanzen reden? Die Antwort fällt eindeutig aus: „Wenn du tanzt, halte den Mund; denn die Dame ist dir unbekannt und will ja, genau wie du, nur tanzen. Hat sie mehr Interesse an dir, wird sie dich das schon merken lassen.“ Ohnehin sei der Ballsaal kein Ort für besonders geistreiche Gesprächsstoffe. Möglichkeiten zum Reden gäbe es außerdem noch genug, wenn der Herr am Ende einer rauschenden Ballnacht die Dame nach Hause (oder wenigstens bis zur Bahn) bringt. Und auch hier sollte man nicht vergessen, dass ein tiefer Blick in die Augen oft mehr wirkt als viele Worte.

Ein letzte Bemerkung zu den seltenen Ausnahmefällen, bei denen der Herr von seinen Tanzpflichten entbunden ist: Entschuldbar sei zum einen mangelnde Mobilität infolge fortgeschrittenen Alters; oder aber man leide an übermäßiger Transpiration: „Ist es schon sehr unangenehm, einem solchen Mann die Hand zu einer Begrüßung reichen zu müssen, so kann das Unlustgefühl der Berührung der schwitzenden Hand bei längerer Dauer, also auch beim Tanz, so gesteigert werden, daß es die Dame einfach nicht mehr aushält. Auch muß der Herr, der solche Hände hat, bedenken, daß er mit der Rechten minutenlang das Kleid der Dame am Rücken hält und diese Stelle selbstverständlich beschmutzt.

»Tanzen, meine Herren!«

Für alle anderen Herren gilt, was einst die Frau eines Obersts anno 1900 anlässlich eines Hausballs ihres Mannes den Offizieren zurief: „Tanzen, tanzen, meine Herren‚ Sie sind nicht zum Vergnügen hier!“ Wir möchten hier ergänzen: nicht nur!

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Der Autor

Christoph SauerBeitrag von Christoph Sauer, Sänger, Songwriter und Wahl-Berliner mit Faible für die 20er Jahre. Ende 2014 erschien sein „Gentleman-Kalender 2015“. Der Titel seines Bühnenprogramms lautet „Der gute Ton. Überlebenshilfen von Knigge & Co“. Seine Homepage: www.christophsauer.info



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13 Responses to “Tanz-Knigge im Spiegel der Jahrhunderte”

  1. Tolles Thema! Heute wird leider immer weniger getanzt. Vielleicht trauen sich jetzt ja wieder ein paar Gentleman mehr. ;)

  2. Cadie sagt:

    Ein toller Beitrag, nur sollte erwähnt werden, dass es auch immer weniger Damen gibt, die richtig tanzen können. Der Gentleman von heute dürfte auf so mancher Veranstaltung große Probleme damit haben, überhaupt eine Tanzpartnerin zu finden.

  3. Gentleman_93 sagt:

    Ich, 21 Jahre alt, tanze eigentlich nur in der Disko und natürlich nicht wie hier angegeben, zumal das auch unpassend/unmöglich ist. Ich weiß nicht, aber wirklich viele Gelegenheiten für „klassisches“ Tanzen bieten sich mir eigentlich nicht. Davon abgesehen würde ich mich wahrscheinlich blamieren, da ich die Schritte nicht wirklich beherrsche, etwas würde wohl schon gehen.

    Was ich hier aber eigentlich ansprechen wollte: Kann es sein das die jüngere Generation (dazu zähle ich mich mit ein), allgemein überhaupt nicht mehr wirklich, sagen wir mal „klassisch“ tanzen kann?
    Aus meinem Bekanntenkreis fällt mir eigentlich niemand ein, der das wirklich kann und auch tatsächlich einen solchen Kurs oder entsprechenden Unterricht besucht hat.

    Ich glaube Eltern die ihre Kinder in einen entsprechenden Unterricht schicken gibt es wenige, sicher auch eine Frage des Geldes. Aber wie oben angesprochen gibt es auch nicht allzu viele Gelegenheiten und Anlässe. Kann es sein das man dies tatsächlich erst ab einem höheren Altern benötigt?

    Bitte korrigieren sie mich, wenn ich falsch liege, aber es scheint mir doch so, dass es sehr aus der Mode gekommen ist, wenn man das so sagen kann. Das soll natürlich keines falls Kritik an dem Artikel oder Thema sein, es ist mir nur so eben aufgefallen, als ich den Artikel gelesen habe. Natürlich würde ich auch gerne so tanzen können, aber Zeit/Geld/Lust fehlt mir eben. Wobei ich noch erwähnen muss, dass ich gar nicht weiß, was ein solcher Kurz tatsächlich kostet und wie lange das Ganze dauert.

  4. Arme sagt:

    toller Blog! :)

  5. GENTLEMAN_95 sagt:

    Ich (19 Jahre) kann mich dem Kommentar von GENTLEMAN_93 nur anschließen! Dazu, klassisch zu tanzen, bin ich bisher nur auf der Hochzeit meines Bruder gekommen. Davor habe ich extra einen Kurs besucht, um ein paar einfache Schritte zu lernen. Ansonsten wüsste ich aber auch nicht, wie und wo ich nochmals dazu kommen könnte. Da man die Schritte beim Tanzen in der Disko nicht wirklich einbauen kann, werde ich wohl langsam wieder alles verlernen – was wirklich schade ist. Aber was soll man tun? Wenn man das Ganze nicht sportlich betreibt, hat man nicht wirklich einen Gelegenheit; schon alleine deswegen, weil niemand aus dem eigenen Freundeskreis Lust zu soetwas hätte.

  6. Ralf sagt:

    Hallo,
    das ist Mal ein sehr guter Artikel, aber wie meine Vorredner schon sagten, ich frage mich wo man heute eigentlich klassisch tanzen kann.
    Ich bin jetzt etwas aelter (34 genau gesagt) und mir ist kein einiziger Club/Bar bekannt, wo klassische Musik gespielt wird und wo auch getanzt werden kann. Ich kann selber auch nur ein paar Grundschritte und aus meinem Freundeskreis (von ganz normaler Arbeiter bis Superreich) kann niemand etwas mehr als paar Grundschritte. Ich kannte in meinem Leben auch nur einen dutzend Menschen, die ueberhaupt Mal eine Tanzschule von Ihnen gesehen haben (keiner war aber wegen klassischen Stilen dort, meistens Jazz/HipHop/Ritmos Latinos und keins dieser Schulen war guenstig. Soweit ich mich erinnern kann, war es min. 100 Euro pro Monat fuer 2x/Woche tanzen.

    Ich lebe selber gerade ausserhalb von Deutschland (Lateinamerika) und ich besuche hier eine Tanzschule, mein erstes Mal in meinem ganzen Leben. Getanzt wird aber ausschliesslich nur Salsa/Bachata/Kizomba/Cumbia und in paar Schulen bieten sie noch Jazz uns HipHop an. Mir scheint es so, dass auch hier keinen Markt fuer klassisches Tanzen gibt. Also waere es auch Mal interessant zu erfahren, wo man in Grossstaedten ala Berlin/Hamburg/Koeln/Frankfurt/Muenchen etwas finden kann. Tanzschulen haben wir sicher ein paar, aber Clubs/Bars sind mir absolut nicht bekannt und auf Balls, die vielleicht eine handvoll Mal im Jahr statt finden, hat auch nicht jeder Lust oder auch die Zeit dafuer. Danke fuer die Info im Voraus. MfG

  7. dietmar sagt:

    Hallo,

    ein schöner Artikel darüber warum Männer tanzen lernen sollten.

    Bin selbst begeisterter Salsatänzer und habe jetzt meinen besten Freund auch überreden können Salsa Unterricht zu nehmen.

    Er hat sich über http://www.salsaland.de eine Salsa Tanzschule in unsere Stadt ausgesucht und jetzt gehen wir gemeinsam aus und lassen in Salsa Clubs die Puppen tanzen ;-)

  8. Tänzer97 sagt:

    Auch wenn es stimmen mag dass immer weniger Jugendiche tanzen, kann zumindest in Österreich so ziemlich jeder Maturant (Abiturient) ein paar Grundschritte, die sie für den Maturaball gelernt haben. Des Weiteren gibt es gegensätzlich zu den Meinungen der Vorredner sehr wohl Gelegenheiten um klassisch zu tanzen. Dies ist zum Beispiel in Tanzschulen möglich, die oft Übungsabende anbieten, wo man klassisch tanzen kann. Außerdem ist dies auch auf Bällen möglich und davon gibt es genügend auch wenn diese sehr teuer sind (ich selbst war diese Saison sieben Bälle). Es gibt aber auch sogenannte Tanzcafes oder Tanzclubs wo man tanzen kann. Generell muss ich sagen sobald man sich für den klassischen Tanz interessiert, findet man auch Möglichkeiten diesen auszuüben. Leider geht die heutige Jugend immer mehr in Richtung Rumgehüpfe in der Disco.

  9. Dietmar sagt:

    Ich habe sehr früh mit Tanzunterricht (klassische Tänze wie Foxtrott usw.) angefangen und bin inzwischen ein guter Tänzer. Zumindest falle ich nicht negativ auf ;-)

    Mein Sohn ist jetzt 13 Jahre alt und wird demnächst auch mit dem Tanzunterricht anfangen. Aber wie Ralf interessiert er sich mehr für die lateinamerikanischen Tänze. Jetzt ist er gerade auf der Salsa Welle und hat mir gestern ein paar Tanzschulen die Salsa unterrichten gezeigt (Salsaland.de)

    Bin mal gespannt wie lange dieser Wunsch anhalten wird. Aber solange er kein Techno hört und tanzt ist mir alles willkommen.

    MfG
    Dietmar

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  12. Tanzpartner sagt:

    Wohl wahr, dass ein echter Gentleman tanzen können sollte. Mal schauen, ob es klappt mit der ebenso stilvollen Tanzpartnerin, hab‘ mein gesuch mal bei der Stilvollsten Tanzparterbörse angemeldet: dancenow

    Danke Christoph, für diesen Tollen Artikel. Ich bin schon gespannt, wie mein Tanzabenteuer in Berlin ausgeht!

  13. Salsa Tanzschule sagt:

    Tanzen ist einfach technisch wie Sie nur eine Abfolge von Schritten folgen müssen, auf der Grundlage der Art von Tanz Sie lernen. Inzwischen scheint sich die Salsa Begeisterung jede Stadt getroffen zu haben, mit den Vereinen und Tanzstudios tauchen überall.

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