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Nov 12

Wissenschaftliche Erkenntnisse

Partnerschaft: Wann zwei Menschen gut zusammen passen

Glueckliche Partnerschaft

Angenommen Sie haben eine Partnerin, mit der Sie sich wunderbar verstehen und eine lustvolle Sexualität pflegen. Herzlichen Glückwunsch. Denn so einfach ist es nicht, Sexualität und die Werte einer Partnerschaft unter einen Hut zu bringen. Paartherapeut Uwe Linke zeigt im Gentleman-Blog, welche Faktoren dazu beitragen, ob Menschen zusammenpassen – oder auch nicht.

Schlechter Sex = schlechte Beziehung?

Wer über Beziehungen spricht, muss auch über Sexualität sprechen. Dabei ist wichtig zu verstehen, dass sexuelle Anziehung und Beuteraster bei Menschen fixe Trigger (Auslöser) sind, die sich selten verändern und noch schwieriger von außen ändern lassen. Dummerweise heißt das noch lange nicht, dass die Beziehung und Partnerschaft zu einem Menschen die gleichen Höhenflüge erlebt, wenn es im Bett gut funktioniert. Ehrlich gesagt sind die sexuelle und die Beziehungs-Entwicklung nahezu unabhängig voneinander.

Für bestimmte Persönlichkeitstypen gibt es aber Abhängigkeiten: Manche Typen brauchen eine innige und sichere Beziehungserfahrung, damit Sie sich körperlich öffnen können und Sexualität befriedigend erfahren. Bei anderen scheint das Gegenteil zu stimmen: je unverbindlicher, desto heißer der Sex. Für eine verbindliche Beziehung gestalten sich sexuelle Abenteuer recht anstrengend, weil der Kopf blockiert.

Zusammenpassen = gut miteinander auskommen

Wenn wir sagen, dass wir gut mit einem anderen Menschen zusammenpassen, meinen wir Dinge wie gut miteinander reden können, viel Spaß zusammen haben und dass wir gerne zusammen etwas unternehmen. Man kommt gut miteinander aus – nur woran liegt das genau?

Zum einen gibt es Erfahrungen: Voraussetzungen, die erfüllt sein sollten, damit ein Paar lange zusammenbleibt. Das heißt nicht, dass es unbedingt sein muss, aber es ist beispielsweise hilfreich, wenn:
• zwei Menschen sich gut riechen können
• beide ähnlich attraktiv sind
• die Erbsubstanz maximal unterschiedlich ist
• die Kommunikation wertschätzend verläuft

Und jetzt wird es interessant: Denn es gibt noch einige inner-psychische Programmierungen, die uns vertrauen lassen oder eben nicht. Prof. Helen Fisher hat eine Typisierung erstellt, die simpel, aber verblüffend genial ist. Sie unterscheidet zwischen Entdecker, Diplomat, Gründer und Wegbereiter. Zusammengefasst meint Gründer den dauerhaften Typen, der Regeln befolgt. Der Wegbereiter ist eine Art unabhängiger Veränderer, der Regeln bricht, um etwas Neues zu erfinden. Außerdem kommen regelverliebte Gründertypen und idealistische Diplomaten praktisch nie zusammen. Gründer nehmen alles wörtlich, Diplomaten sind anpassungsfähig und sprechen in Bildern. Ihre Ideen sind zu verschieden und vor allem die Art, wie sie sich ausdrücken, würde den anderen nur nerven und verletzen.

Ein männlicher Entdecker kann sich für weibliche Entdecker begeistern, weil für beide das Neue, Flexible faszinierend ist. Weibliche Gründer (häufigster Frauentyp) fühlen sich mit männlichen Gründern wohl, aber nicht mit den unabhängigen Wegbereitern, die Regelverweigerer sind. Es würde an dieser Stelle zu weit führen, alle passenden Kombinationen zu erläutern. Aber ist es sehr spannend zu erfahren, welcher Typ das miteinander auskommen leicht macht und bei welchem sich eine Partnerschaft zäh und schwer anfühlt.

Prägende Kindheit

Spannend ist auch, welche Erfahrungen Menschen in ihrer Kindheit mit Liebe und Zuwendung gemacht haben. Die Stufen der Nahrhaftigkeit der Liebe sagen etwas darüber aus, wie sehr man unbedingte Liebe erfahren hat. Ein Mensch, der ohne Bedingung von seinen Eltern geliebt wurde, lässt sich keine Bedingungen stellen. Er will um seiner selbst geliebt werden. Eine Art Urvertrauen, das er in frühen Jahren erworben hat.

Wenn einem Mensch immer wieder klargemacht wurde, dass er nichts falsch machen darf, und er eine wechselhafte und instabile Beziehung zu den Eltern hat der könnte gar nicht glauben, wenn er plötzlich bedingungslos geliebt wird. Er kann es nicht ernst nehmen und sucht daher weiter das bekannte Unglück mit den gleichen Beziehungsmustern von unsicher gebundenen Partnern.

Prägende Ex-Partnerschaften

Entscheidend für das Passen von Partnern ist auch, wie weit man von alten Beziehungen loslassen kann und sich wirklich auf etwas Neues einlässt. Das ist nicht einfach, aber man kann daran arbeiten. Paartherapeuten helfen, diesen vergangenen Partnerschaften einen würdigen Platz zu geben und alte Verletzungen einzuordnen und zu heilen.

Ebenso ist es entscheidend, welche Rolle man in seiner Ursprungsfamilie hatte. Das lang ersehnte Einzelkind, das von allen süß gefunden und als Prinzessin oder Prinz verwöhnt wurde, hat selten zu teilen gelernt. Andere Kinder, die an Sandwich- oder letzter Rangstelle „nebenbei“ aufwuchsen, ordnen sich oft zu sehr unter und behaupten sich nicht genug. Dominanz kann hierbei eine Rolle spielen, die man nicht aufgeben will, oder gerade weil man sie nie hatte endlich ausgleichen möchte.

Prägende Beziehung zu den Eltern

Der letzte wichtige Faktor ist das Verhältnis zu den Eltern. Laut psychoanalytischer Theorie ist der erste Geliebte einer Tochter der eigene Vater. Erwidert er die angebotene Liebe nicht adäquat, kann die Tochter auch Jahrzehnte danach noch die Anerkennung und Bestätigung bei jedem neuen Geliebten suchen wie damals beim Vater. Für den Sohn gilt das natürlich umgekehrt, nur dass die Mütter sich oft nicht von den Söhnen lösen können und daher jede Geliebte an der Mutter gemessen wird. Auch der Sohn, der die Mutter gegen den Vater beschützte, wird sich instinktiv immer eine Geliebte suchen, die er für schutzbedürftig hält und dabei selbst übersehen, dass er seine Erwartungen nicht wahrnehmen kann oder nicht mitteilt.

Die Wahl eines passenden Partners

Wir messen ein mögliches Passen daran, ob die Verhaltensmuster des Partners für einen selbst gewohnt sind oder uns die ersehnte Abwechslung bringen. Die eigentliche Frage, ob ein Partner einem passt, wäre aber eine andere: Wie kann ich durch den Partner am meisten für mich lernen?

Das Dumme ist, dass ein bestimmtes Verhalten sofort eine Verhaltensdynamik auslöst und wir so in unsere alten Muster fallen. Das muss nicht verkehrt sein, aber da es unbewusst abläuft, übertragen wir gerne unsere alten Prägungen auf neue Situationen. So bekommt der Partner etwas ab, was eigentlich nicht auf ihn bezogen war – und man selbst kommt zu dem Schluss, dass der Partner nicht passt. Man nimmt es wahr, weil man sich streitet, man verletzt wird, Grenzen überschritten wurden und sich weder Geborgenheit noch das notwendige Vertrauen einstellt.

Stilvoll Schluss machen

Single-Frau wählt Single-Mann: ... und schaut sich seine Wohnung anWenn Sie also Schluss machen wollen, sagen Sie niemals „wir passen nicht zusammen“, sondern „deine Verhaltensmuster lösen bei mir Überforderung aus, der ich noch nicht gewachsen bin“. Und dann gehen Sie bitte schnurstracks zu einem Therapeuten. Spaß beiseite, aber das Problem ist, dass wir ein Zusammenpassen dann feststellen, wenn wir uns in einer Psychose befinden. Man sagt auch „Verliebt sein“ zu dieser schweren Sinneseintrübung der rosa Brille, die dann schlagartig abhanden gekommen zu sein scheint, wenn die ersten Probleme auftauchen. Fragen Sie einfach doch mal Ihre Freunde bevor Sie sich in ein Abenteuer stürzen. Erfahrungsgemäß wissen die sehr schnell, ob jemand zu einem passt oder nicht. Und zum Therapeuten gehen und die alten Leichen aus dem Keller aufarbeiten können Sie immer noch.

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Der Autor

Uwe LinkeDieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit von Uwe Linke, Paartherapeut und Wohnpsychologe aus München. Er ist einer der vier Experten im Sozialexperiment „Hochzeit auf den ersten Blick“ auf Sat1, das ab 15.11.2015 läuft. Hier heiraten Beziehungssuchende einen Unbekannten, der nach wissenschaftlichen Maßstäben zu ihm/ihr passt. Sein aktuelles Buch: Single-Frau wählt Single-Mann und schaut sich seine Wohnung an. Was die Einrichtung über den Charakter verrät.



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2 Responses to “Partnerschaft: Wann zwei Menschen gut zusammen passen”

  1. Jacqueline sagt:

    Bin mit vielem einverstanden was Du da schreibst, auch wenn ich es aus der Sicht einer Frau sehe. Andersrum wird aber auch ein Schuh daraus. Nur dann wissen wir was passiert. Der starke Mann wird zum kleinen Kind

  2. Toller Artikel genau das Thema was ich gesucht habe! Danke dafür hat mir sehr geholfen ;)

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